Sonnenfeuer

von Daniel Krinke

Feuer! Überall! Unbändige, unaufhaltsame, tödliche Hitze bohrte sich in seinen Körper, bis in die letzte Zelle hinein… Er wollte fliehen, doch es gab keinen Ort, an den er fliehen könnte… Nicht einmal er selber schien zu existieren, nur diese brennende Hitze aus hellem, tiefgelbem Feuer existierte. Das ganze Universum schien aus Feuer zu bestehen. Und er schien immer tiefer hinein zu sinken… "Nein! Nein! Nein! Neeiiin!" Plötzlich war alles weg. Kühlende Dunkelheit umgab ihn statt allgegenwärtiger Hitze. Flimmernde Punkte schienen vor ihm umherzutanzen. Es dauerte ein paar Sekunden, bis er verstanden hatte, wo er sich befand. "Ein…Traum…!”röchelte er und erschrak, wie zittrig seine Stimme war. Er rieb sich die völlig naßgeschwitzten Hände und griff nach seinem Visor.„Computer… Uhr- … zeit!" Meine Güte, wie war er außer Atem! Aber kein Wunder bei diesem Höllentrip! Nie hätte er sich träumen lassen, daß ein Traum derartig realistisch sein kann. Geordie La Forge mußte immer noch mit sich kämpfen, um überhaupt einen klaren Gedanken auf die Reihe zu bekommen. "Ein Uhr dreiundzwanzig!”schnarrte der Computer der Enterprise kühl. Geordie stellte seine Füße auf den Fußboden und registrierte beim Aufstehen das aufkommende Schwindelgefühl. Nein, schlafen konnte er jetzt garantiert nicht mehr. Und er wollte auch gar nicht! Um nichts in der Welt wollte er jetzt riskieren, nach dem Einschlafen wieder an diesem Ort zu landen! Um nichts in der Welt… Was aber sollte er tun? Data bei der Rekalibrierung der Sensoren im Maschinenraum helfen? Warum eigentlich nicht? Ein Gespräch mit Data könnte noch dazu helfen, wieder auf dem Boden der Tatsachen zurückzukommen. Langsam wankte er zum Waschbecken, um seinem schweißnassen Gesicht Kühlung zu verschaffen. Den Geist noch immer im zermarterndem Feuer gefangen, blickte er in sein Spiegelbild. Sein Gesicht schien nur eine transparente Wand zu sein, hinter der noch immer lodernde Glut zu erkennen war…

"Guten Morgen, Geordie!" "Guten Morgen, Data! Brauchen Sie vielleicht noch etwas Hilfe?" Der Android legte den Kopf etwas zur Seite, was man bei ihm durchaus als ein Zeichen der Überraschung werten kann.„Nein, ich benötige für die Beendigung der Modifikationen nur noch wenige Minuten. Es ist also nicht notwendig, daß sie Ihren Schlafzyklus unterbrechen." Der gute alte Data! Wenn jemand ihn jetzt wieder auf andere Gedanken bringen konnte, dann er! "Geordie, da sie wissen, daß ich für die Rekalibrierung der Sensoren nicht viel Zeit benötige, gehe ich davon aus, daß der Grund ihres Erscheinens ein anderer ist!" La Forge massierte mit seiner rechten Hand seinen Nacken und atmete tief ein. Obwohl seinem Freund menschliche Gefühle fremd waren, war es schwer, ihm etwas vorzumachen. "Nun ja… Ich habe ziemlich schlecht geschlafen… um nicht zu sagen: Ich hatte einen Alptraum!" "Wünschen sie, mir von ihrem Traum zu berichten?" La Forge stützte seine Arme auf das Kontrollpult vor sich und überflog das von Data erstellte Sensoren-subprogramm. "Nun… Eigentlich nicht! Ich bin heilfroh, daß er vorbei ist… Am liebsten würde ich ihnen ein wenig zur Hand gehen, um auf andere Gedanken zu kommen!" "Wie sie wünschen!”Data rief durch wenige Eingaben ein Unterprogramm auf der Konsole auf, worauf mehrere Zahlenreihen sich auf den Bildschirm ergossen. "Ich habe die Sensor-Subroutine für den Breitspektrumscan noch nicht optimiert. Wenn Sie eine Ablenkung suchen, währe dies sicher geeignet, obwohl die Aufgabe überflüssig ist!" Überflüssig und völlig langweilig, dachte Geordie. Einen Augenblick lang dachte er darüber nach, ob er nicht doch lieber wieder in sein Quartier gehen sollte. Oder vielleicht auf das Holodeck? Ein erfrischendes Bad in den Quellen der Kristallhöhlen von Arreis hatte in der Vergangenheit immer eine äußerst beruhigende Wirkung auf ihn gehabt… Data begann jedoch bereits, den entsprechenden Teil des Programmes aufzurufen.

Also stellte Geordie sich vor die Konsole. Ich habe es ja nicht anders gewollt, dachte er. "Ich werde es versuchen. Wenn wir ankommen, sollten wir mit 100%ig optimierten Sensoren arbeiten. Ob meine Konzentrationsfähigkeit jedoch im Moment dafür ausreicht, weiß ich noch nicht." Während Geordie die ersten vorsichtigen Voreinstellungen vornahm, sagte Data :„Wenn sie ihr Traum dermaßen beschäftigt, könnte es helfen, wenn sie vielleicht mit Counselor Troi darüber sprechen." La Forge schüttelte den Kopf.„Das wird wohl nicht nötig sein… Es war ja nur ein Traum, Data. Wenn ich auch zugeben muß, daß er außergewöhnlich beunruhigend war.”Geordie schaute auf, und für einen Moment spürte er wieder dieses intensive Gefühl von Hitze. Er atmete so tief ein, als könnte er dieses Gefühl nur durch einen kühlen Luftstrom auslöschen. Dieses Bild, oder vielmehr dieses Gefühl schien sich im wahrsten Sinne des Wortes in seinem Kopf eingebrannt zu haben. Als er die Finger von den Kontrolltasten hob, schimmerte ein kleiner aber deutlich sichtbarer Schweißfilm auf der glänzenden Oberfläche. "Diese Hitze…”flüsterte er. Jedoch natürlich nicht so leise, als das der neben ihn stehende Android ihn nicht hören könnte. "Spielen sie auf ihren Traum an?" Ein Traum ist etwas sehr persönliches, dachte La Forge. Er erlaubt einem selber und auch anderen einen Blick in seine Seele mit all ihren tiefsten Ängsten. War es die Angst, daß Data ein Teil dieser Ängste erfuhr, die ihn vor dem Erzählen des Traumes zurückhielt? Oder war es die Angst, daß diese noch immer in einem Teil seines Gehirns lodernden Flammen durch sein Sprechen wieder neue Nahrung bekommen könnten? Was war nur mit ihm los? Er hatte bereits schon so viele schlimme Dinge gesehen und mehr oder weniger verarbeitet: Tote Kameraden, Gefangenschaft, Todesangst… Aber wovor fürchtete er sich hier? Lautete ein altes irdisches Sprichwort nicht:„Träume sind Schäume”? "Ja, überall war Hitze, unendliche Hitze, überall! Es war unglaublich real!”Data legte den Kopf abermals ein wenig zur Seite und startete einen Erklärungsversuch:„Vielleicht hat ihr Unterbewußtsein auf die bevorstehende Mission reagiert. Schließlich haben sie gestern den ganzen Tag damit verbracht, die Temperatursensoren für den Scan der Sonnenoberfläche zu optimieren!" La Forge dachte eine Sekunde über diese Aussage nach, hielt sie aber nicht für sonderlich plausibel. Eigentlich war ihm die Ursache auch relativ egal. "Möglich, aber was soll's? Es war nur ein Traum und ich kann mich wieder auf die heutige Aufgabe konzentrieren. Schließlich bekommen wir so eine Gelegenheit nie wieder!" Datas Stimme nahm einen leicht besorgten Tonfall an, der es einem manchmal fast vergessen ließ, daß er diesen mangels Emotionen nur imitieren konnte. "Das ist richtig! Und gerade deswegen sollten sie nun etwas versuchen zu schlafen, damit sie die nötige Konzentration wiedererlangen, um morgen die notwendigen Scans so optimal wie möglich durchzuführen! Wenn sie sich jedoch doch noch aussprechen wollen, stehe ich selbstverständlich zu ihrer Verfügung!" Insgeheim glaubte Geordie nicht an die völlige Abwesenheit von Gefühlen bei Data. Kann man eine Maschine, die romantische Bilder zeichnet, verträumte Musikstücke komponiert und die unterschiedlichsten Freundschaften aufbaut, gefühllos nennen? Dieses Wort erschien La Forge zuwenig, wenn es den fabelhaften Charakter Datas zu beschreiben galt. Und er hatte mal wieder Recht. Wie fast immer. La Forge betätigte mit ein wenig innerer Erleichterung das„Programm verlassen”- Icon auf der Computerkonsole.„Sie haben sicher recht, Data!”Mit diesen Worten legte Geordie die Hand auf die Schulter seines Freundes. "Ich gehe wieder ins Bett! Viel Spaß noch hier!" Geordie drehte sich um wandte sich zum Ausgang des Maschinenraums. "Gute Nacht, Geordie. Träumen sie etwas Schönes."

Computerlogbuch der Enterprise, Captain Picard, Sternzeit 14278,3: Wir sind unterwegs zum Aldora - System, um die kurz bevorstehende Entwicklung der dortigen Sonne zur Nova zu beobachten. Noch immer ist die Al-dorasonne eines der großen verbleibenden Rätsel dieses Quadranten. Aufgrund der Daten der Sensorstation Alpha 8 wird angenommen, daß sich die Sonne in den nächsten Wochen zur Supernova entwickeln wird. Vielleicht ist dies eine Gelegenheit, endlich neue Erkenntnisse zu gewinnen und ein wenig Licht ins Dunkel dieses Naturereignisses zu bringen…

"Wir treten nun in das Aldora-System ein, Captain!" Captain Picard erhob sich aus seinem Kommandosessel und ging einige Schritte auf den Bildschirm zu, der die noch weit entfernte Sonne in der Mitte zeigte. Sie war von hier nicht viel mehr als ein rötlicher, kleiner Punkt. "Vergrößern!" Eine Sekunde später hatte der Fähnrich das Bild der Sonne in voller Pracht auf den Bildschirm gezaubert. Captain Picard war beeindruckt.

Die Sonne war gerade Mitten in einem Zyklus des Farbwechsels. In Ihrer Mitte war bereits ein orangefarbender Bereich entstanden, der in seinem Zentrum einen weiteren Übergang ins Gelbe andeutete. Für einige Sekunden wurde die Stille auf der Brücke nur durch die Eingaben von Commander Data gestört, die die Konsole mit leisem Piepsen quittierte. "Phantastisch!" Seit der Entdeckung des Systems durch die U.S.S Leonardo vor 51 Jahren hatte sich der Captain vorgenommen, sich dieses geheimnisvolle Naturschauspiel einmal mit eigenen Augen anzusehen. Obwohl der Anblick nicht viel anders war als auf den holographischen Nachschlagecomputern, die über sich ein dreidimensionales Bild samt Text auf den Schreibtisch jedes Interessierten darstellen konnten, hatte der Anblick der realen Sonne eine fast magische Faszination. Commander Riker hatte sich an die Seite seines Captains gestellt. Ohne den Blick vom Wandbildschirm zu lösen, sprach der Captain:„Aus wissenschaftlicher Sicht ist diese Sonne bereits eine Sensation, aber dieses Farbenspiel… Es ist… wunderschön!" Nur selten sieht man den Captain derart hingerissen, dachte Riker. Aber bei diesem Bild war es auch kein Wunder. Data unterbrach die Stille auf der Brücke:„Die ersten Scans geben keine neuen Daten über die Sonne. Trotz der Modifikation der Sensoren stören die Strahlungsemmissionen der Sonne zu stark, um irgendwelche Aussagen machen zu können." "Eigentlich wissen wir gar nichts über dieses Naturwunder,”sagte Riker,„außer daß es kurz davor steht, zu einer Nova zu werden!" "Und daß es einfach wundervoll ist!”ergänzte Troi, die sich begeistert auf ihrem Stuhl nach vorne gelehnt hatte. Selbst Worf kommentierte das Gesehene mit den Worten:„Es ist… recht eindrucksvoll.”Ein Wort wie:„wunderschön”oder„phantastisch”würde ein Klingone natürlich nicht so schnell über die Lippen bringen. "Der aktuelle Farbwechsel der Sonne wird in 4 Minuten abgeschlossen sein. Dann wird sich ihre Farbe von gelb in ein helles blau wandeln." "Danke, Mr. Data!”, sagte Captain Picard. Riker mußte unwillkürlich lächeln. Hatte er doch als frisch Verliebter vor einigen Jahrzehnten ein romantisches Gedicht mit dem Titel„Du bist meine Sonne von Aldora”geschrieben. Wie viele andere war er mit diesem genauso mystischen wie schönen Naturereignis aufgewachsen. Gerade weil der Sonne seit Jahrzehnten keine Auskünfte über ihr Inneres zu entlocken waren, war sie in einer Zeit, in der selbst Zeitreisen und Paralleluniversen erklärbare Vorgänge waren, ein willkommenes Wunder, daß die Phantasie der Menschen beflügelt… Riker sah zu Captain Picard und sagte:„Wir wissen zwar, wann sie es tut, aber nicht, warum sie es tut. Ziemlich unbefriedigend, ein solches einzigartiges Naturwunder untergehen zu sehen, ohne es vielleicht je zu verstehen."„Wenn eines sicher ist, dann ist es die Tatsache, daß wir nie das Universum in seiner wundervollen Gesamtheit verstehen werden. Ganz gleich, wie weit wir uns noch entwickeln werden.”erwiderte der Captain mit einem ehrfürchtigen, fast religiösen Tonfall. "Und trotzdem ist das unser aller Ziel…”fügte Riker mit einem Gesichtsausdruck hinzu, der ein schelmisches Grinsen andeutete. Der Captain nickte kurz, ohne den Blick vom Schirm zu lösen und wandte sich an Data:„Versuchen sie ihr Bestes mit den modifizierten Sensoren, Mr. Data!”Der Android erhob sich mit einer eleganten Drehung von seinem Stuhl und ging in Richtung des Turbolifts.„Aye, Sir!"

"Ich vergrößere Sektor 3 H auf dem Monitor und lade die Subroutine für den Multiplen Sensorenscan!" La Forge wischte sich zum dritten Mal hintereinander die hartnäckigen Schweißtropfen von der Stirn. Es war nun unbedingt erforderlich, daß er sich auf seine Aufgabe konzentrierte.„Halt, Barclay! Sie sind zu schnell für mich! Ich habe die Energiediskrepanz noch gar nicht ausgeglichen." "Tut mir leid, Sir!" Leutenant Barkley und Geordie waren so fieberhaft bei der Arbeit, daß sie nicht bemerkten, wie Data den Maschinenraum betrat. Beide standen nebeneinander an den Konsolen, den Blick auf die Bilder, Diagramme und Anzeigen geheftet.„Wie ich sehe, haben sie bereits begonnen." "Oh, Data!”Geordie war ungewöhnlich aufgeregt und sprach so schnell, als wenn es galt, durch seine Anweisungen einen Warpkernbruch in der letzten Minute zu verhindern. "Wir haben ohne sie angefangen, das Multiple Sensorennetz zu aktivieren. Ich habe aber noch Probleme mit der Energiezuteilung und dem Ausgleich der Strahlungsinterferenzen. Sie könnten versuchen, das durch eine optimale Schildharmonik auszugleichen! Wir machen dann so lange hier weiter!"

Data legte den Kopf etwas zur Seite, so wie er es immer tat, wenn er nur unklare Schlüsse aus dem Verhalten seiner Kameraden ziehen konnte. "Erlauben sie mir bitte eine kurze Frage?" "Was?”antwortete Geordie mit hörbarer Ungeduld, während eine Hand sich wieder auf das Kontrollpult legte. "Wir haben bereits schon viele schwierige Scans von ungewöhnlichen Phänomenen gemacht, und trotzdem war Ihr Eifer noch nie so ausgeprägt, wenn wie auch jetzt kein starker Zeitdruck oder eine Gefahr bestand. Diese Sonne wird vermutlich erst in Wochen kollabieren. Daher kann ich ihren Eifer nicht nachvollziehen." "Data…”Geordies Stimme wurde etwas ruhiger und sie erinnerte an die eines Vaters, der seinem Sohn zu erklären versucht, warum der Himmel eigentlich blau ist.„Das ist eine einzigartige Gelegenheit… Wir… wir…werden es vielleicht schaffen, dieser Sonne Geheimnisse zu entreißen, welche die besten Wissenschaftler 51 Jahre nicht erhalten konnten. Diese Sonne ist… eine Legende! Jeder Wissenschaftler träumt davon, jetzt hier bei uns zu sein. Diese Sonne ist praktisch das, … was Atlantis unter den Archäologen einst war! Über kaum ein anderes Phänomen wissen wir seit so langer Zeit so wenig… Und was dazukommt: Dieser mysteriöse Farbwechsel ist so ziemlich das schönste, was es im bekannten All derzeit zu sehen gibt!" Dabei drehte sich Geordie für einen Moment zu der Konsole von Barkley, auf dessen Bildschirm die inzwischen blau-grüne Sonne zu bestaunen war. "Ich glaube, ich verstehe!”kommentierte Data das Gehörte,„Danke für die Erklärung! Ich werde mich bemühen, mit ihnen zusammen der Sonne ihr sagenumwobenes Geheimnis zu entreißen." Die letzten Worte hatte Data mit einem leicht euphorischen Unterton gemischt, den er von La Forge kopiert hatte. Dann ging er zu seiner Konsole. Geordie lächelte.

"Computer, Raumtemperatur um 2 Grad Celsius verringern!" Das übliche bestätigende Piepsen des Bordcomputers folgte. Ob das wohl ausreichte? Na ja, ein Schokoladeneis kann sicher erst mal Linderung verschaffen… "Computer, ein schönes, kühles Schokoladeneis bitte!" Statt des Summens des Replikators folgte jedoch nur die reservierte weibliche Stimme des Computers:„Das Speiseeis wird standardmäßig mit 0 Grad serviert. Spezifizieren sie bitte: `kühles Eis'!" Troi atmete tief ein und erwiderte mit einem Seufzer:„Standardtemperatur bitte…”Leise surrend materalisierte ein hellblauer Glasbecher im Nahrungsreplikator. Sie wischte sich zum x-ten mal den Schweiß von der Stirn und setzte den Eisbecher auf den Tisch. Gerade, als sie den Löffel mit einer besonders großen Portion vollgeschaufelt hatte und sie diese genießerisch zum Mund führen wollte, erklang der Türruf. Sie legte den Löffel wieder in den Becher und flüsterte:„Es geht doch nichts über perfektes Timing!" Dann stand sie auf und schob den Becher etwas von sich weg.„Kommen Sie herein!”Die Schiebetür öffnete sich und eine junge, schwarzhaarige Frau trat mit leicht gerötetem Gesicht zwei Schritte in das Quartier. "Guten Tag, Counselor Troi! Ich hoffe, ich störe sie nicht". Dabei blickte sie kurz auf den Eisbecher auf dem Tisch. Troi kramte in ihrem Gedächtnis, um das Gesicht des Fähnrichs richtig einordnen zu können. Ja, es war Fähnrich Okawaga aus der Stellarkartographie. Erst vorgestern hatte Sie mit Will ihre Personalakte studiert, um der intelligenten jungen Frau dann einen Probeposten im Maschinenraum anzubieten. "Guten Tag, Fähnrich! Natürlich stören sie nicht!”sagte sie so einladend, wie es ihr nur möglich war. Auch ohne ihre emphatische Fähigkeiten hätte sie erkannt, das dieser Frau eine Last auf der Seele lag. "Ich hoffe, es gibt keine Probleme auf ihrer neuen Stelle?" "Nein, da ist alles fabelhaft! Ich komme wegen einem anderen Problem. -Nichts ernstes! Es beschäftigt mich nur so…" Troi bot ihr mit einer Handbewegung einen Sitzplatz an ihrem Tisch an und wartete, bis sich der Fähnrich bequem gesetzt hatte, bevor sie erwiderte:„Alles, was uns stark beschäftigt, sollte ernstgenommen werden." "Nun…”Fähnrich Okawaka fuhr mit ihrer Hand durch ihr Haar.„Ich habe letzte Nacht einen Alptraum gehabt, der mich sehr beunruhigt hat.”Sie nestelte nervös mit ihren Händen und blickte zur Zimmerbeleuchtung hinauf. Vor ihrem geistigen Auge schien sich das Horrorszenario abermals abzuspielen. "Möchten sie mir davon erzählen?”Troi ärgerte sich ein wenig, daß sie den Eisbecher nicht zurück in den Replikator gestellt hatte. Nun stand er zwischen ihnen und schien dezent anzudeuten, daß sich der Fähnrich kurz fassen sollte.„Überall… war dieses Feuer! Ich hätte nie gedacht, daß das Gefühl, …zu verbrennen, in einem Traum so real seinkann! Es war einfach nur… -schrecklich!" Counselor Troi nickte kurz.„Haben sie sonst noch etwas gesehen, außer diesem Feuer?" Okawaka stützte die Stirn auf ihre Hände, wobei sie diese so fächerte, daß Troi ihre Augen nicht sehen konnte. Sie schluchzte kurz. "Nein! Nur dieses Feuer! Diese Hitze! Ich werde diese Gedanken einfach nicht los! Ich habe sogar den ganzen Tag über bei dem Gedanken an den Traum fürchterliche Schweißausbrüche gehabt, obwohl ich die Temperatur in meinem Quartier schon um mehrere Grad verringert habe!”Jetzt brach es aus ihr heraus und ihr Schluchzen nahm die Tonlage an, die einen Tränenausbruch ankündigt. "Ich kann an nichts anderes mehr denken, Counselor! Bitte helfen sie mir!”Eine Träne platschte auf blanken Tisch. Troi lehnte sich mit beunruhigter Mine zurück und wischte sich zugleich die feinen Schweißtropfen von der Stirn, die sich während des Gespräches gebildet hatten. Wie war das möglich? Auch sie fühlte seit heute Morgen eine ungewöhnliche Hitze in sich. -Wenn auch sicher nicht so stark wie der Fähnrich. Natürlich hatte sie sofort die Temperatureinstellungen ihres Quartiers überprüft und einen kurzen Check ihrer Körpertemperatur gemacht. Dies jedoch hatte sie nicht weitergebracht und sie hatte das Phänomen schon dem doppelten Thaloianischen Kaffee vom Morgen in die Schuhe geschoben, aber… könnte nicht noch mehr dahinterstecken? "Counselor?" "Vielleicht… ist es nur ein Zufall, aber auch ich spüre eine ungewöhnliche Hitze, die nicht vorhanden ist…" Okawaka wischte sich über die Augen und schaute recht überrascht.„Sie können meine… Einbildung emphatisch wahrnehmen?" Troi dachte eine Sekunde nach und antwortete:„Möglich wäre es. Aber mir erscheint es etwas seltsam, daß ich diese Empfindung so ausgesprochen stark wahrnehme.”Troi beugte sich etwas zu Okawaka hinüber„Ich glaube, wir sollten zusammen zu Dr. Crusher gehen. Vielleicht handelt es sich hier um eine Krankheit, deren Auswirkung sich nur in ihrem Traum manifestiert hat." Der Fähnrich nickte langsam mit dem Kopf.„Wenn sie meinen, Counselor.”Troi stand schnell auf, um dem Fähnrich durch einen sanften Griff an die Schulter seelischen und körperlichen Halt zu geben. Zusammen machten sie sich auf den Weg und hinterließen ein einsam in sich zusammensinkendes Eis…

Als Will Riker den Maschinenraum betrat, manifestierte sich für ihn die Schwierigkeit ihrer Mission sofort in einer ungewöhnlich hohen Anzahl von Offizieren, die an Konsolen verwirrend wirkende Diagramme beobachteten, sich berieten oder von einem Kontrollpult zum nächsten wechselten. Schnell hatte er Geordie La Forge an einer Wandkonsole ausgemacht und schritt auf ihn zu.„Wie geht es mit den Sensoren voran, Geordie?" Geordie dreht sich um und schien eine imaginäre Kerze vor sich auszupusten.„Puuuh! Diese Sonne ist bei weitem hartnäckiger, als ich dachte! Data arbeitet bereits seit Stunden daran, irgendein Muster in Intensität oder Art der Sonnenstrahlung zu finden. Wie gehabt ist die außergewöhnlich hohe Strahlung in der Lage, alle Sensorenscans zu blockieren. Daher versuche ich es mit einigen gezielten manuellen Scans der Oberfläche…" Dabei sah er kurz auf ein Koordinatensystem auf seinem Monitor, von denen die Hälfte der Vierecke mit einigen sich ständig verändernden Zahlen ausgefüllt waren.„Gibt es denn überhaupt nichts Neues?" Hörbar unbefriedigt und gelangweilt las Geordie einige Daten vor:„Die Temperatur steigt um 1.300 Grad in der Stunde, Die Gammastrahlung schwankt zwischen kaum meßbar und außergewöhnlich hoch und die durchschnittliche Länge der Protuberanzen beträgt 1,9 Millionen Kilometer…Hee, Moment mal!" Riker trat erwartungsvoll vor den Bildschirm.„Eine Art… Kugel hat sich von der Sonnenoberfläche gelöst und bewegt sich direkt auf uns zu!”Mit zwei Eingaben von Geordie am Kontrollpult wechselt die Graphik auf dem Monitor zu einer vergrößerten Darstellung des Objektes. Ein grünlich schimmernder Ball, der wie eine Miniaturausgabe der Aldorasonne aussah, wirbelte nun auf dem Bildschirm herum. Wie Tentakeln erhoben sich grüne Stränge über dem Objekt, die dann wieder mit zunehmender Entfernung begannen, in sich zusammenzufallen und wieder zur Oberfläche zurückzukehren. Mehr Interressiert als Besorgt fragte Riker:„Und was ist das?" Geordie schüttelte den Kopf, während er die Sensoren auf das seltsame Phänomen ausrichtete und sagte dann:„Es hat einen Durchmesser von 65 Meter und wird uns in 43 Sekunden erreicht haben! Ansonsten kann ich ihnen nichts sagen! Ich kann das Ding einfach nicht scannen!”Die letzten beiden Worte sprach er gleichzeitig mit dem leicht genervten Commander Riker, der trotz der hervorragenden Ausbildung der Crew nach den vergangenen Rückschlägen über eine andere Antwort überrascht gewesen wäre. Während sich jetzt Unruhe im Maschinenraum ausbreitete, klopfte Riker auf seinen Kommunikator.„Riker an Captain Picard! Wir haben hier ein unidentifizierbares Objekt auf den Schirmen, das sich schnell auf uns zubewegt. Empfehle sofortiges Ausweichmanöver! Geordie wird die Daten der modifizierten Sensoren zur Brücke umleiten." "Schon geschehen, Commander!"

Für Captain auf der Brücke blieb da natürlich nicht mehr viel zu sagen.„Ich habe verstanden! Alarm rot, Ausweichmanöver!" Noch bevor das erste Heulen des roten Alarms verklungen war, hatte der Fähnrich am Steuer die neuen Koordinaten zielsicher eingegeben. Auf dem Schirm war nun das Phänomen auch ohne Vergrößerung zu sehen. Während es zusehends größer wurde, verschob sich das Bild nach rechts, bis nichts mehr zu erkennen war. Sichtlich erleichtert bestätigte der noch junge weibliche Fähnrich das Gesehene:„Wir haben uns 20 Kilometer von dem berechneten Kurs des Objektes entfernt.”Ein ganz kleines Grinsen huschte über Captain Picards Gesicht, als er sagte:„Sehr gut, das dürfte genügen… Es sieht so aus, als könnten wir den rätselnden Solar- forschern der Sternenflotte doch noch ein paar interessante Neuigkeiten bieten. Wäre es möglich, daß wir eine geringe Menge dieses Körpers in ein Eindämmungsfeld beamen?„ "Ich habe zwar Probleme mit der Erfassung des Objektes, aber es könnte funktionierten!”Erleichtert setzte sich der Captain auf seinen Kommandosessel.„Tun sie das! Beamen sie ein wenig dieser Substanz in das stärkste Eindämmungsfeld und wählen sie einen der Transporter im Frachtraum." "Ja, Sir!" So wie Captain Picard über die unerwartete Meldung Rikers beunruhigt gewesen war, so sehr erfreute es ihn, daß der Berg nun doch zum Propheten kommen würde.„Captain!”Während der Fähnrich die erforderlichen Einstellungen vornahm, meldet sich Worf mit einem Tonfall, der nichts Gutes verhieß:„Das Objekt hat den Kurs geändert und bewegt sich wieder auf uns zu! Kollision in 20 Sekunden! Empfehle Phaserbeschuß!”Ohne Zweifel hatte sich der pflichtbewußte Klingone schon bei dem Einsetzen von Alarmstufe rot auf das Schlimmste vorbereitet und hatte die Kugel aus grünem Feuer bereits mit der Zielkontrolle der Kampfstation erfaßt. Der Captain wäre nicht so besorgt gewesen, wenn er wenigstens die Warptriebwerke zur Verfügung gehabt hätte. Doch diese waren bei den starken Strahlungsturbulenzen unmöglich aufzubauen. Es blieben also nur noch zwei Möglichkeiten:„Bringen sie uns mit der höchsten Impulsgeschwindigkeit davon weg! Worf, sie halten die Phaser bereit!" "Es… es folgt uns!!”rief der Fähnrich nun mit einer Aufregung und Panik in der Stimme, wie sie in derartigen Notfällen überhaupt nicht zu gebrauchen ist, wenn schnelle Entscheidungen getroffen werden müssen. "Seine Geschwindigkeit nimmt zu! Aufprall in 7 Sekunden!"„Phaserbeschuß! Volle Stärke!" Noch bevor Captain Picard denn Befehl richtig ausgesprochen hatte, hatte Worf den Phaserschuß ausgelöst. Nach 2 ewig langen Sekunden gespannten Schweigens konnte Worf jedoch nur noch mit geladener Stimme ein:„Keine Wirkung!”von sich geben, bevor der Fähnrich dem ratlosen Captain zurief:„Aufprall erfolgt!!" Zwei für den Captain deutlich hörbare Herzschläge später erschütterte ein Krachen die Enterprise. Captain Picard wäre um ein Haar aus seinem Sessel gefallen, denn die Trägheitsdämpfer wurden mit dem gewaltigen Aufschlag in keinster Weise fertig. Gleichzeitig erlosch das Licht auf der Brücke und auch auf den meisten Kontrolltafeln der Konsolen herrschte schlagartig Dunkelheit… Während Worf und zwei weitere Brückenoffiziere sich wieder an ihre Konsolen machten, forderte der Captain den Schadensbericht an. Angesichts der flackernden Konsolenanzeigen ahnte er bereits nichts Gutes. Der Fähnrich strich sich mit zittrigen Händen die langen, braunen Haare aus dem Gesicht und lehnte sich wieder in ihren Stuhl zurück, den sie durch die Wucht des Aufpralls fast verlassen hätte. Dann begann sie mit pochendem Herzen mit den ersten Auswertungen der Computeraufzeichnungen.„ Die… Schilde sind ausgefallen… Keine Energie auf den Impulstriebwerken… Keine Waffen…und eingeschränkte Sensorenreichweite!"„Wie sieht es mit der Strahlung aus?" Trotz der bedrohlichen Situation, in der sie sich befanden, klang die Stimme des Captains noch immer bemerkenswert ruhig und sicher.„Die Hülle bietet kaum Schutz vor der Strahlung. Die Gammastrahlung erreicht bereits das kritisches Niveau!”Der Captain klopfte auf seinen Kommunikator.„Picard an Crusher! Bericht!”Es dauerte ein paar Sekunden, bis sich Beverly meldete:„Ich habe hier einige Meldungen von Verletzten auf Deck 10… Bisher keine Todesopfer!”Im Hintergrund war eine Mischung aus beschäftigten Gemurmel und dem Zirpen von Trikordern zu vernehmen. Picard erklärte die Situation :"Wir sind mit einer Art Energieausstoß der Sonne kollidiert und haben die Schilde verloren. Wie lange können wir der Strahlung ohne bleibenden Schaden ausgesetzt bleiben?" "Ich analysiere die aktuelle Strahlenkonzentration… Aus dem Stand würde ich sagen: Nicht mehr als 3 Stunden…" "Habe verstanden! Picard Ende!”Fähnrich Brinco war von der Festigkeit der Stimme des Captains fasziniert. Vor lauter Verantwortung hätte sie an seiner Stelle nicht so schnell einen klaren Gedanken fassen können.„Picard an La Forge! Wie lange dauert es, bis die Impulstriebwerke oder die Schilde wieder funktionieren?”La Forges Stimme war gezeichnet von hektischer Betriebsamkeit, als er dem Captain Bericht erstattete. "Wir haben einige Probleme mit dem Hauptcomputer, aber ich denke, das wir zuerst die Schilde wieder in Betrieb bekommen. Wenn wir uns nur darauf konzentrieren, können wir es in einer halben Stunde schaffen!" "In Ordnung. Tun sie ihr Bestes! Picard Ende! - Fähnrich, was ist mit der fremden Materie?" Brinco saß noch immer etwas desorientiert an ihrer Konsole. Nein, mit so einem Bewährungstest im ersten Monat nach der Prüfung an der Raumflottenakademie hatte sie nicht gerechnet. Wie euphorisch war sie doch gewesen, als sie die vielfältigen Tests im Simulator als Beste bestanden hatte! Aber nichts konnte sie seelisch auf die Verantwortung, die Angst und die möglichen Gefahren im wirklichen All vorbereiten, egal wie gut die psychologische Ausbildung auch sein mochte… Materie? Welche Materie? "Fähnrich! Wurde der Transportervorgang abgeschlossen?”Die Ungeduld in der Stimme des Captains war auf ein Maß gestiegen, das Fähnrich Brinco zusammenfahren ließ. Erst jetzt bemerkte sie, daß sie bereits seit einiger Zeit auf den rotgelben Rand der Aldorasonne auf dem Schirm gestarrt hatte. Eilig rief sie das Transporterlogbuch auf.„Es wurde etwas transportiert, aber… das Eindämmungsfeld im Frachtraum ist beim Aufprall zusammengebrochen! Da die Scanner nicht funktionieren, ist es unmöglich zu sagen, was das für Auswirkungen hatte! - Auf das Transporterlogbuch habe ich ebenfalls keinen Zugang!"„Mr. Worf, verriegeln sie den Frachtraum und schicken sie jemanden mit einem Trikorder hin!"

Feuer… Schmerz… Gefangenschaft… "Sie… brauchen uns!" "Ganz ruhig, Deanna! In ein paar Sekunden geht es ihnen besser!”Inmitten der lodernden Flammen griff etwas an ihrer Schulter und zog sie nach unten. Noch weiter hinein… Nein! "Bleiben sie liegen. Sie haben eine leichte Gehirnerschütterung! Ich bin gleich wieder da!" Troi schlug die Augen auf. Inmitten von verwaschenen, milchig wirkenden Konturen war ein dunkler Schatten, der sich nun zu entfernen schien. Wie waren die Worte? Gehirnerschütterung? Langsam dämmerte es ihr… Sie war mit Fähnrich Okawaka auf dem Weg zur Krankenstation gewesen, als der Rote Alarm ertönte. Kurz danach hatte sie eine gewaltige Erschütterung zur Seite geworfen… Langsam verschwanden die Schleier von ihren Augen. Mit jedem Blinzeln schien ein wenig der verzerrenden Schicht vor ihr abgebaut zu werden. Einige Meter vor ihr behandelte Dr. Crusher einen Sicherheitsoffizier mit einer blutenden Kopfverletzung. Dazwischen huschten einige Krankenhelfer mit Trikordern, Injectoren und ihr völlig unbekannten Geräten herum. Langsam setzte Troi sich auf. In ihrem Kopf waren neben einem pochenden Schmerz noch immer eine Vielzahl von herumhuschenden Bildern und Gefühlen gefüllt, die langsam wieder zu einem Ganzen verschmolzen. Langsam ergab es einen Sinn! Troi sprang mit einem Satz auf die Beine. Nur von einem Gedanken getrieben, begann sie langsam auf den Ausgang der Krankenstation zuzuwanken. Mit jedem Schritt kehrte ein Teil der verlorengegangenen Koordinationsfähigkeit zurück. Die Tür der Krankenstation öffnete sich scheinbar mit einem besonders lauten Zischen, das zu sagen schien: Beeil dich! Es bleibt keine Zeit! Sie rannte los! In der Ferne nahm sie eine zweite Stimme wahr, die sie zu rufen schien… "Deanna! Sie sollten noch nicht aufstehen…”Doch diese Stimme war so fern und schien keinerlei Bedeutung zu besitzen. Ihre Gedanken waren nur auf das Erreichen ihres Zieles konzentriert. Turbolift! Frachtraum!

Leutenant Miller war nervös. Es war ein seltsames Gefühl, hier auf dem Gang zu stehen, während seine Kameraden eilig an ihm vorbeischritten. Anhand der Gesprächsfetzen hatte er erfolglos versucht, etwas über die derzeitige Situation in Erfahrung zu bringen. Sie alle schienen jedoch genausowenig wie er zu wissen, was geschehen war. Anhand der kurzen Befehle von Leutenant Commander Worf hatte er soeben einen Tricorderscan der sich hinter der Frachtraumtür befindlichen Materie durchgeführt. Das einzige, was er der Brücke daraufhin mitgeteilt hatte, war die Erkenntnis, daß, was immer auch sich hinter dem Schott verbarg, von hier aus nicht gescannt werden konnte. Während er den Tricorder zusammenklappte, starrte er auf die Tür, um unwillkürlich über deren Dicke und Stabilität zu spekulieren. Im selben Moment nahm er Counselor Troi wahr, die sich ihm im Laufschritt näherte. Doch statt von ihm einen kurzen Statusbericht zu verlangen oder Befehle zu erteilen, lief diese fast gegen das Schott. Desorientiert blieb sie davor stehen.„Der Eingang wurde auf Befehl von Leutenant Worf verriegelt. Es befindet sich unbekannte Mat…”Troi drehte sich mit einer schnell Kopfbewegung zu ihm um und sah ihm in die Augen. Sie war völlig außer Atem. "Ich weiß!”rief sie und streckte ihren Arm in Richtung der Türkontrolle. Miller wußte nicht, wie er reagieren sollte. Für den Bruchteil einer Sekunde wog er ab, ob er den Arm des Counselors festhalten oder er selber zur Seite treten sollte. Einerseits könnte der Counselor gute Gründe für ihr Tun haben. Dafür sprach die Eile, mit der sie vorging. Andererseits jedoch war hinter dieser Tür eine möglicherweise gefährliche Substanz. Er entschied sich, auf Nummer sicher zu gehen. "Haben sie den Befehl, das zu tun?" "Lassen sie meinen Arm los!”Bevor der Leutenant weiter reagieren konnte, hatte Troi ihn schon mit einem eleganten Judowurf auf den Boden geschleudert. Ein starker Schmerz im Rücken ließ Miller den Atem anhalten. Sofort versuchte er, sich möglichst schnell wieder aufzurappeln. Hinter sich hörte er aber bereits das bestätigende Piepsen der Türkontrolle. Ihm blieb gerade noch genug Zeit, seinen Kopf zu heben und das Öffnen der Frachtraumtür aus den Augenwinkeln wahrzunehmen. Kaum, daß die Tür sich einen Spalt geöffnet hatte, schlüpfte der Counselor auch schon hindurch. Gleichzeitig überzog ein sich verbreitender Streifen aus grünen Licht die Wand gegenüber des Schottes, nur unterbrochen durch Trois Schatten. "Counselor Troi!"

Die lodernde, grüne Kugel hatte nur die Größe eines Balles und doch war sie von so hellem Licht umgeben, daß sie die Augen kaum offenhalten konnte. Langsam schwebte sie auf Troi zu. Troi lächelte. Sie freute sich, daß sie es doch noch rechtzeitig geschafft hatte. Desto näher ihr die Kugel kam, desto mehr nahmen die zuvor gespürten Gefühle und Ahnungen eine Form an. Mehr noch, sie schien sie sogar zu hören:„Sterben… bald… Helfen… bitte…" Die Kugel war inzwischen so nah vor ihr, daß sie die Augen schließen mußte. Wenige Sekunden später schien die Erkenntnis in ihrem Geist geradezu zu explodieren. Nur von Ferne nahm sie das aufgeregte Rufen eines Mannes wahr, der scheinbar überhaupt keine Ahnung hatte, worum es hier ging. "Counselor! Sie müssen sofort da raus!!"

"Leutenant Miller an Captain Picard!" Der Tonfall von Miller ließ Captain Picards Hoffnung, in der nächsten Zeit auch mal wieder positive Meldungen entgegennehmen zu können, weiter sinken. "Sprechen sie, Leutenant!" "Counselor Troi ist unbefugt in den Frachtraum eingedrungen! Dort scheint sie irgendwie diese fremde Materie… absorbiert zu haben!" Picard und die ebenfalls auf der Brücke anwesenden Crewmitglieder blickten erstaunt auf. "Was soll das heißen?" "Nachdem der Counselor in den Maschinenraum gegangen war, konnte ich nicht verhindern, daß… sich dieses Ding irgendwie mit ihr verschmolzen hat! Sie scheint etwas verwirrt zu sein und verlangt, zu ihnen gehen zu dürfen. Ich halte sie mit einem Phaser in Schach!" Während der Captain noch darüber nachdachte, was als nächstes zu veranlassen war, erklang nun Trois Stimme über Millers Kommunikator auf der Brücke. "Captain, diese Sonne… Sie lebt! Sie besteht aus einem Kollektiv von Energiewesen, das sich im Sterben befindet! Sie haben versucht, mit uns Kontakt aufzunehmen, aber…”,Troi rang nach Worten. Es schien ihr schwer zu fallen, diese Informationen in Worte zu kleiden.„ … wir haben sie nicht verstanden! Sie haben versucht, uns ihre Situation telephatisch begreiflich zu machen, aber… wir hielten sie für Träume! Als diese Kontaktaufnahme versagte, schickten sie eine Art Botschafter zu uns, der sich mit uns vereinigen wollte, um es uns zu erklären! Doch er starb beim Aufprall auf unsere Schilde! - Bis auf den Teil von ihm, den wir herübergebeamt haben!" Der Captain hatte noch etwas Mühe, diese neuen Informationen, die ihn Schlag auf Schlag trafen, richtig zuzuordnen. "Die Sonne besteht also aus Energiewesen?" "Zum Teil! Ein anderer Teil besteht aus der Materie, aus der ihr Lebensraum besteht…”Troi machte eine kurze Pause, so als ob sie erst in sich hineinhorchen mußte, um selber erst eine Antwort auf die Frage des Captains in sich zu finden. "Ja… Sie sind Forscher! Sie kommen aus einer völlig anders beschaffenen Dimension, die sogar völlig andere Naturgesetze als unsere besitzt! Sie sind Meister in der Manipulation von Energie und Materie! Und so haben sie es geschafft… uns in einer… Blase ihres Universums zu besuchen. Ohne sie wären sie nur kurze Zeit in unserem Universum lebensfähig… Aber sie schafften es nicht, in ihr Universum zurückzukehren! Die schützende Blase wird nun instabil und besteht nur noch kurze Zeit… Unter unseren Naturgesetzen wird sie sich bald in eine Art Supernova verwandeln und sie alle verbrennen! Captain! Ich glaube, daß wir den Wesen helfen können!" "Wie?" Counselor Troi schwieg einen Moment, bevor sie die Lösung anbieten konnte:„Antimaterie…"

"Antimaterie?" Geordie La Forge staunte nicht schlecht, nachdem er zusammen mit den anderen Führungsoffizieren die Ausführungen des Counselors verfolgt hatte. Eigentlich hatte er erwartet, einen Statusbericht zum Zustand der Enterprise abgeben zu müssen, als er vom Captain zum Besprechungsraum gerufen wurde. "Wir schießen Antimaterie in die Sonne und schon können diese Wesen wieder in ihre Welt zurückkehren?" Troi nickte.„Wenn ich es richtig verstanden habe, genügt bereits eine geringe Menge von Antimaterie im Kern der… Sonne. Mit der könnten die Energiewesen dann eine Kettenreaktion starten, die sie wieder nach Hause bringt." Das Wort„Unmöglich”lag Geordie auf der Zunge. Data kam ihm jedoch zuvor:„Es ist völlig unmöglich, Antimaterie in den Kern dieses Phänomens zu transportieren. Torpedos mit Antimaterie könnten nicht einmal die Korona durchqueren, ohne zerstört zu werden!" "Das wissen die Wesen. Trotzdem haben wir aber mit ihrer Hilfe eine Möglichkeit, um dies zu schaffen!" Gespannt beugte Geordie sich nach vorn. Wie auch immer der Lösungsvorschlag lauten würde, er konnte nur ungemein spektakulär ausfallen. Troi fuhr fort:„Wie wir wissen, sind diese Wesen ein Meister in der Manipulation von Energie und Materie. Daher haben sie mir den Vorschlag gemacht, für kurze Zeit einen freien Weg durch die Substanz des Himmelskörpers offenzuhalten. Dieser Tunnel wäre völlig frei von Strahlung. Selbst die Temperatur könnten sie für kurze Zeit auf akzeptable Werte sinken lassen. Allerdings… wird es trotzdem nötig sein, die Antimaterie mit einem Schiff zum Zentrum zu transportieren, um unterwegs Kursänderungen vornehmen zu können. Außerdem wird der Tunnel vermutlich nur den Durchmesser von einigen Metern betragen können." Riker blickte zu Captain Picard. Besorgt sprach er aus, was alle gerade dachten:„Das würde bedeuten, daß einer von uns in ein Shuttle steigen muß, um sein Leben für eine äußerst gefährliche Mission aufs Spiel zu setzen." Picard nickte nachdenklich. Nun meldete sich Data zu Wort: "Captain! Ich wäre die logische Wahl, wenn es darum geht, einen schwierigen Shuttleflug mit möglicherweise auftretener Strahlung zu bewältigen!" Geordie blickte zu Data hinüber. Der Gedanke, daß Data möglicherweise schon bald auf einen Shuttleflug ohne Wiederkehr gehen könnte, ließ in ihm eine kribbelnde Unruhe aufsteigen. Im Schnelldurchlauf ließ er einige andere Ideen zur Lösung des Problems seinen Geist durchlaufen, ohne auf eine brauchbare Alternative zu kommen.Das Wohl von Vielen überwiegt immer das Wohl von Einzelnen` , durchfuhr es ihn. So logisch und wichtig diese Aussage auch ist, so schwer war es doch immer wieder, sie zu beherzigen.

"Die Antimaterie ist jetzt eingeladen, Data!" Der Android hatte soeben die Shuttlerampe betreten und näherte sich dem Shuttle, neben dem Geordie mit einem Pad in der Hand stand. Ein Leutenant trat gerade aus der Luke des geöffneten Shuttles heraus. "Danke, Geordie."„Ich habe die Schildharmonik des Shuttles den Anforderungen angepaßt… Es ist zwar nur ein Tropfen auf den heißen Stein, aber es könnte vielleicht ganz nützlich werden…" Data fiel auf, daß Geordie 31 % langsamer sprach als gewohnt und seine Stimme eine ungewohnte Modulation aufwies. Dies war nach seiner Erfahrung ein Zeichen dafür, daß sein Freund um ihn besorgt war. "Das ist sicher eine vernünftige Maßnahme. - Wann ist das Shuttle startbereit?"„Wenn sie wollen, sofort!" Data nickte. Es schien ihm nun angebracht, seinem besten Freund ein wenig Trost zu spenden. Die Wahrscheinlichkeit, daß das Shuttle bei der Mission vernichtet werden könnte, war schließlich nicht als gering einzustufen. "Geordie, sorgen sie sich bitte nicht um mich. Selbst wenn ich nicht zurückkehren sollte, so habe ich durch mein Opfer vielleicht Millionen von Lebewesen das Weiterleben ermöglicht. Bitte vergessen sie das nie!" Ein ganz kleines Lächeln schien für einen Moment über Geordies Gesicht zu huschen, bevor er Data die Hand auf die Schulter legte.„Fliegen sie vorsichtig, mein Freund! Und seien sie bis zum Abendessen wieder da…"

"Die Belastung der Schilde liegt bei 79% und die Sensoren sind bereits teilweise ausgefallen. Nähere mich weiter!" Langsam glitt das Shuttle auf den feuerroten Himmelskörper zu, der den Eindruck erwecken konnte, als wollte er unvorsichtige Besucher durch seine leuchtende Farbe warnen. Data ging die wenigen verbleibenden Sensoren-werte durch. Seit seinem Start vor vier Minuten hatte es kein Anzeichen dafür gegeben, daß irgendwelche Wesen ihm bei seiner Mission behilflich sein wollten. Die Verbindung zur Brücke war hörbar kurz vor dem Zusammenbrechen, als Captain Picard auf Datas Statusbericht antwortete. "Wenn …ich in einer Minute …ichts tut, d… kehren sie … zur …terprise …rück!" "Verstanden, Sir!" Nur einige Sekunden später geschah etwas. Die zuvor fast blutrote Fläche, die durch das Sichtfenster zu erspähen war, begann sich zu wandeln. Sie schien sich nun mit einem bläulichem Schimmern, das an ein Kraftfeld der Enterprise erinnerte, zu vermischen. Data öffnete mit einem Fingerdruck auf die Konsole die Verbindung zur Enterprise.„Es scheint sich nun ein Zugang ins Innere der Sonne um das Shuttle zu bilden. Die Schildbelastung geht bereits zurück.”Die Antwort auf Datas Meldung beschränkte sich auf dumpfes Rauschen. Er war nun also ganz auf sich allein gestellt. Nur in solchen Situationen wie diesen war Data froh darüber, daß er kein Mensch war. Die emotionalen Auswirkungen von Unsicherheit oder Angst wären in einem solchen Moment sicher nicht unerheblich an dem Erfolg oder Mißerfolg einer Mission beteiligt gewesen. Das bläuliche Schimmern begann Form anzunehmen und verwandelte sich nun in eine Art Röhre, in der sich das Shuttle befand. Wie ein Käfer im Inneren eines riesigen, sich windenden Wurmes… Das bläuliche Schimmern begann Form anzunehmen und verwandelte sich nun in eine Art Röhre, in der sich das Shuttle befand. Wie ein Käfer im Inneren eines riesigen, sich windenden Wurmes… Data richtete langsam das Shuttle aus, um sich dann einen Weg in Richtung des Endes des Gebildes bahnen zu können. Hunderttausende von Kilometern jenseits des imaginären Punktes, in dem sich der Tunnel weit in der Ferne zusammenzuschnüren schien, wartete das Ziel auf ihn… Auf der nicht enden wollenden Strecke mußte Data den Kurs mehrere Male schnell ändern, da sich der schützende Tunnel fortwährend wand, sich verbog oder plötzlich auf wenige Meter verengte. Data durfte die Hände keine Sekunde von der Steuerkontrolle lassen, um nicht mit den Wänden zu kollidieren. In seinen internen Berechnungen ermittelte er fortwährend die noch verbleibende Strecke bis zum Mittelpunkt. 54.000 Kilometer… 53.000 Kilometer…

Auf der Brücke herrschte gespanntes Schweigen. Außer Geordie, der im Maschinenraum mit den letzten Reparaturen des Impulsantriebs beschäftigt war, befanden sich alle Führungsoffiziere auf der Brücke. Fast hypnotisierend schauten alle auf das rot-gelbe Mysterium auf der Mitte des Schirms, das Data verschlungen hatte. "Sehen sie nur!”, rief plötzlich Dr. Crusher, die im Mittelpunkt der Sonne ein mit dem bloßen Auge kaum sichtbares Aufblitzen gesehen hatte. Picard hatte nichts gesehen und trat einen Schritt nach vorne. Mit leicht zusammengekniffenden Augen bemühte er sich, irgend etwas außergewöhnliches zu erspähen. Nur einen Moment später war die Veränderung jedoch offensichtlich: Die Sonne schrumpfte in sich zusammen und gewann dabei immer weiter an Leuchtkraft. Mit trockender Stimme kommentierte Riker das sich ihnen bietende Schauspiel:„Hoffentlich ist das ein gutes Zeichen!"

Data forderte die Impulstriebwerke bis an ihre Grenzen. Der schützende Tunnel war wenige Sekunden, nachdem Data die zwei Tonnen mit Antimaterie in die Sonne entlassen hatte, instabil geworden und bot Datas Shuttle nur noch begrenzten Schutz vor seiner Umwelt. Ohne Zweifel wurde die gesamte Sonnenmaterie mitsamt seinem Rückweg in das Zentrum gezogen. Data kam also nicht umhin, das von Geordie manchmal benutze Sprichwort„Mit Vollgas durch die Wand”in die Tat umzusetzen. Während die Sicht durch in allen Farben wabernden Materiewolken langsam gegen Null tendierte, erhöhte Data die Geschwindigkeit immer weiter. Im Sekundentakt reduzierte sich die Energie der Schilde durch Energieentladungen der Materie und der steigenden Außentemperatur um einige Prozent. Das Shuttle wurde nun in einem Maße durchgeschüttelt, daß es langsam zum Glückspiel wurde, die richtigen Kontrollen auf der Konsole nicht zu verfehlen. Dann plötzlich, von einer Sekunde auf die andere, verebbten die Erschütterungen. Data warf einen Blick auf die Schutzschildanzeige. Die Schilde hatten sich bei 19,5 % stabilisiert. Nur ein Augenzwinkern später trat das Shuttle aus dem eben noch dichten, schillernden Nebel aus. In der Ferne schimmerten die vertrauten Konturen der Enterprise… "Enterprise an Shuttle! Sind sie in Ordnung, Mr. Data?”Die Erleichterung in Commander Rikers Stimme war nicht zu überhören.„Mir geht es gut, Commander. Hatte unsere Mission Erfolg?" Rikers Stimme klang nach einem besonders breitem Grinsen:„Ihre Mission war ein voller Erfolg! - Schön, sie wieder bei uns zu haben…"

Geordie rührte gedankenverloren mit einem Strohhalm in seinem Milchshake herum und betrachtete den schimmernden Nebel, der das einzige war, was von der Aldorasonne übrig geblieben war. "Sie ist auch in dieser Form noch immer wunderschön, oder nicht?”Geordie blickte hoch. Er hatte nicht bemerkt, daß Guinan an ihn herangetreten war.„Ja, das ist sie…”, bestätigte er. Guinan setzte sich Geordie gegenüber und stützte ihren Kopf auf die Hände, um ebenfalls das Panorama aus phantasievollen Verwirbelungen auf sich wirken zu lassen. Ehrfürchtig sagte Geordie:„Ich frage mich, ob wir jemals das ganze Universum in seiner… Schönheit und Fremdartigkeit verstehen werden, ich meine… alles…?"„Möchten sie denn alles verstehen?”Es dauerte einen Moment, bevor Geordie antwortete. "Wenn sie mich heute morgen gefragt hätten, hätte ich ohne zu zögern„ja”gesagt, aber jetzt… bin ich mir nicht mehr so sicher…" "Die letzte Grenze…”Guinan erhob sich.„Ich persönlich glaube nicht, daß es sie gibt…" Und mit diesen Worten ließ sie Geordie allein…

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