Eine DS9 Geschichte von Lisa Reiner:
Benjamin Sisko saß am Kücheneingang seines Restaurants in New Orleans. Schon vor dem Tod seines Vaters hatte er das Sisko's übernommen. Wie lange war das jetzt her? 20 Jahre? Oder mehr? Er konnte sich nicht mehr genau erinnern, wann er die Station - Bajor - verlassen hatte. Er war einfach gegangen, als Cassidy gegangen war. Die Propheten hatten ihm gesagt, daß ihre Beziehung nicht von langer Dauer sein würde. Sie hatten Ihn haben wollen, aber er hatte nicht auf sie hören wollen. Und er gab ihnen die Schuld, daß Cassie nicht mehr bei ihm war. Er versuchte die Propheten zu vergessen - seit damals ließen sie ihn in Ruhe. Wie oft haben seine Freunde von damals versucht, ihn zurückzuholen. Kira und Odo haben ihn eingeladen, sie auf Bajor zu besuchen. Dax, Bashir, Worf und O'Brien waren so oft es ging bei ihm im Lokal. Nur Jake ließ ihn in Ruhe. Nicht daß er seinen Vater nicht besuchte. Er wußte, daß es sinnlos war ihn von etwas zu überzeugen, was er selbst nicht verstand. Auch er litt unter dem Verlust.
Bennie Russel saß im Büro. Überall Schreibmaschinengeklapper und Telefonklingeln. Im Stimmengewirr ist kaum zu erkennen, wer mit wem redet. Er las gerade ihm die neusten Informationen von der Ermordung Martin Luther Kings; er sollte einen Artikel über die Hintergründe schreiben. Doch er dachte an Captain Benjamin Sisko - er hatte ihn schon beinahe vergessen. Und Kassy - der Prediger - die„unglaublichen Geschichten".
Die letzten Gäste waren gerade im Gehen und Sisko verabschiedet sie an der Tür. Ein junger Mann kam zur Tür gelaufen:„Sie sind Captain Benjamin Sisko! Endlich habe ich Sie gefunden." "Woher wollen Sie wissen wer ich bin?”Siskos mürrische Antwort. Er war müde. Müde vom Arbeiten. Müde vom Leben. "Aber Sie sind doch Ben Sisko, der Mann, den die Bajoraner immer noch den Abgesandten nennen, obwohl einige glauben, daß Sie Bajor verraten haben …"„Bajor hat mich verraten, genauso wie die Propheten!" "Ich bin nicht gekommen, um mit Ihnen über Bajor zu reden. Ich bin Historiker mein Name ist Samuel de Fuente, und ich versuche gerade meine Doktorarbeit über die verschiedenen Formen der Sklaverei und der Befreiung zu schreiben. Das eigentliche Thema lautet: Entwicklung von Volksgruppen nach der Sklaverei im Vergleich. Ich habe gerade die Bajoraner und die Versianer auf Sestus IV untersucht, als Premierministerin Kira mich darauf aufmerksam machte, daß wir bei uns auf der Erde auch viele Beispiele für Sklaverei haben. Besonders kennzeichnend …„
Sisko sah sich den de Fuente an. Er sah aus wie die vereinten Nationen in einer Person: seine Mandelaugen deuteten auf asiatische Abstammung, die breite Nase und die glänzende Mahagonihaut afrikanisch oder afro-amerikanisch. Im krassen Gegensatz dazu hatte sein Haar einen rötlichen Schimmer, also auch europäische Einflüsse. Es war gut zu sehen, daß es immer mehr Beweise für die Einigkeit der Menschheit gab, nicht nur auf dem Papier. Sollte es wirklich 400 Jahre gedauert haben? De Fuentes Stimme drang wieder in sein Bewußtsein:„… habe ich über die ersten afro-amerikanischen Science-Fiction-Schriftsteller recherchiert und einen, wahrscheinlich den ersten, gefunden, der bei einem Sci-Fi-Magazin der späten 50-er Jahre des 20-sten Jahrhunderts, 'unglaubliche Geschichten', in San-Francisko gearbeitet hat."
Ben Sisko wurde hellhörig -„unglaubliche Geschichten"? "Unglaubliche Geschichten”- die Zeit damals war aufregend gewesen. Doch sie hat ihn für Jahre in die Nervenklinik gebracht. Und Kassy hatte ihn verlassen, weil er Captain Sisko nicht gehen lassen wollte. Als er es schließlich getan hatte, war etwas in ihm gestorben. Er wollte nicht mehr an ihn denken. "Wollen Sie mich nicht hinein bitten?”De Fuente sah Sisko an und reichte ihm die Hand.„Ich habe einige interessante Texte in einer alten Bibliothek gefunden, die Sie interessieren dürften." Sisko nahm wie in Trance die angebotene Hand. Eigentlich wollte er de Fuente nicht herein lassen. Er wollte nicht, daß Bennie Russel ihn wieder besuchte. Er wollte nicht an die Zeit erinnert werden.
De Fuente ging an Sisko vorbei und betrat das Lokal. Der tote Alligator hing immer noch an der Decke über dem großen Tisch und an den Wänden waren Bilder von Jake's Frau. "Wir haben eigentlich geschlossen, aber ich kann ja noch einmal in die Küche gehen … De Fuente machte eine ausweichende Handbewegung und sagte:„ich bin nicht zum Essen gekommen Mr. Sisko. Ich bin hier, weil ich Sie fragen wollte, wie Sie und Ihre Geschichte in über 400 Jahre alte Manuskripte kommen. Bennie Russel …„ "Ja ich weiß, Bennie Russel hat über mich geschrieben. Das haben diese verdammten Propheten arrangiert.”'Ich konnte mir allerdings nie vorstellen, daß er tatsächlich existiert hat, sollte es möglich sein?' Sisko's Geist verwirrte immer mehr: 'Wenn Russel über mich geschrieben hat, dann existiere ich vielleicht nicht, aber, wenn ich nicht existiere, wieso fühle ich mich dann so besch… .' "Wenn Sie wollen, lasse ich Ihnen die Kopien da, dann können Sie nachlesen, was Russel über Sie geschrieben hat."
Bennie Russel saß an seinem Schreibtisch in seinem Apartment in der Stadt. Vor Ihm die Schreibmaschine und das Bild das Papst ihm gegeben hatte. Die Raumstation, die ihn von Anfang an fasziniert hatte. Er sah zum Fenster und starrte auf sein Spiegelbild, daß so völlig anders aussah. Er erkannte einen Mann in Uniform. Er nahm seine Brille ab und rieb sich die Augen als er sie wieder öffnete sah er wieder nur Bennie Russel im Fenster. Plötzlich wußte er genau was er schreiben mußte.
"Captain Benjamin Sisko saß am Fenster und schaute hinaus in's All …”so begann die erste Geschichte. Sisko las weiter und erlebte sein Leben auf's Neue. Den Tod von Jennifer, die Zerstörung der USS Saratoga durch die Borg. Seine Berufung nach DS9 und zum Abgesandten. Den Krieg mit den Klingonen und mit dem Dominion. Alle waren sie da: Kira, Odo, O'Brien, Bashir, Dax - Jadzia und Ezri - Worf, Quark, Rom, Leeta, Nog, Garak, ja sogar Eddington, Dukat, Damar und Weyoun und er freute sich, sie alle wieder zu sehen.
Jedes Mal, wenn Russel über Sisko nachdachte wollte er wieder schreiben, doch er hatte angst davor, wieder in die Klinik zu kommen, wieder den Verstand zu verlieren. Wieder zu Benjamin Sisko zu werden, der er nun mal nicht war. Doch seine Finger verharrten über der Tastatur der Schreibmaschine. Er konnte nicht vor und nicht zurück. Irgend etwas trieb ihn dazu zu schreiben.
"Er wird doch wieder gesund Doktor?”Jakes besorgtes Gesicht spiegelte sich in den medizinischen Konsolen der Krankenstation im Sternenflotten-Hauptquartier. Dr. Bashir verglich die Daten aus seinem Trikorder mit denen auf dem Display.„Seine Werte sind stabil. Der Hirnscan sieht so aus wie vor Jahren, als er diese Visionen von den Propheten hatte. Können Sie mir nicht sagen, was genau passiert ist?”De Fuente stand am Eingang der Krankenstation. Er war, wenn man das von so dunkler Haut überhaupt sagen kann, kreidebleich.„Ich habe Ihm doch nur die Manuskripte von Bennie Russel gegeben. Ich wollte, daß er mir das erklärt. Plötzlich ist er bewußtlos umgekippt."
Jake drehte sich um. Er sah den jungen Mann an, er mochte gerade so alt sein, wie seine Tochter Jennifer, die gerade ihren Abschluß in der Sternenflottenakademie machte.„Ich gebe Ihnen keine Schuld. Sie konnten nicht wissen, welche Wirkung diese Geschichten auf meinen Vater haben. Ich muß zugeben, daß ich auch sehr überrascht bin. Nein, ich bin verwirrt. Wir müssen der Sache auf den Grund gehen. Russel saß in„ihrem”Café. Es hätte alles ihnen gehören können, wenn er damals auf Kassy gehört hätte. Ein merkwürdig aussehender junger Mann kam herein. Er ging direkt auf Russel zu und beugte sich zu ihm herab. "Sie sind Bennie Russel! Endlich habe ich Sie gefunden." "Woher wollen Sie wissen wer ich bin?”Russels mürrische Antwort. Er war müde. Müde vom Arbeiten. Müde vom Leben. "Aber sie sind doch Bennie Russel - der Autor bei 'unglaubliche Geschichten'. Der Schriftsteller, der über Raumstationen geschrieben hat." "Ich bin kein Schriftsteller! Raumstationen, schwarze Löcher, alles Blödsinn! Die von 'unglaubliche Geschichten haben mich doch verraten und verkauft" "Ich bin nicht hier um mich mit Ihnen über 'unglaubliche Geschichten' zu unterhalten. Mein Name ist Samuel de Fuente, und ich habe eine Nachricht für Sie von den Propheten. Benjamin Sisko existiert!" Russel sah auf. Der Mann war verschwunden. Hinter seinen Augen klang aber noch der letzte Satz:„Benjamin Sisko existiert!"
Er war in blendendes Weiß gehüllt. Er hörte nur sein Herz schlagen. Er war zu Hause. Er wußte nicht warum, aber er war zu Hause. Seine Stimme klang wie aus einer anderen Zeit:„Wo bin ich? Was geht hier vor?”langsam drehte er sich um, er wurde gedreht. Er sah Bennie Russel, der ihn völlig verwirrt anstarrte. "Ben? --- Benjamin Sisko? --- Captain Benjamin Sisko?" Wie konnte es sein, daß Bennie Russel auch hier war. Dies war sein zu Hause! Plötzlich wußte er was er zu sagen hatte:„Ich bin Du!" Als hätte ihm jemand eine Spritze gegeben kehrte bei Russel Ruhe ein.„Und ich bin Du!" "Du schreibst was ich lebe!”-„Und Du lebst was ich schreibe!”-„Aber es hat alles aufgehört”-„Das Leben und das Schreiben.”-„Warum?"
"Alles ist Linear.”De Fuente stand nun zwischen den beiden. Sie waren in der Wohnung von Bennie Russel. Alles war in warmes orange-rotes Licht gehüllt. Auf ein Mal stand Papst hinter Ihnen und sprach zu Bennie Russel:„Der Sisko muß weiterleben" Russel war desorientiert:„Douglas! Wie kommen Sie in meine Wohnung?”Bashir schaute Sisko über die Schulter:„Der Sisko lebt nicht mehr! Er ist nicht mehr von Bajor!”Sie standen im Sisko's. Sisko sah, daß Russel die Propheten nicht erkannte:„Es sind die Propheten. Sie wollen, daß Du weiter schreibst." Von den Propheten hatte er schon gehört. Der Prediger hatte ihn aufgefordert die 'Worte der Propheten' aufzuschreiben.„Ich muß weiterschreiben, damit Du weiterleben kannst?" "Und ich muß weiterleben, damit Du weiterschreiben kannst!”Sisko wußte, er mußte sich mit den Propheten versöhnen, damit er sein Leben leben konnte, genau wie Russel. Dann war alles vorbei.
Bennie Russel saß an seinem Schreibtisch in seinem Apartment in der Stadt. Vor Ihm die Schreibmaschine und das Bild das Papst ihm gegeben hatte. Die Raumstation, die ihn von Anfang an fasziniert hatte. Er sah zum Fenster und starrte auf sein Spiegelbild, daß so völlig anders aussah. Er erkannte einen Mann in Uniform - Benjamin Sisko. Er nahm seine Brille ab und rieb sich die Augen als er sie wieder öffnete sah er wieder nur Bennie Russel im Fenster. Plötzlich wußte er genau was er schreiben mußte - was die Propheten wollten - damit er und Sisko leben konnten.„Captain Benjamin Sisko saß am Fenster und schaute hinaus in's All. Dort draußen bei Wolf 359 explodierte gerade die USS Saratoga und mit ihm Jennifer. Er sah hinunter auf Jake, der in seinen Armen vor Erschöpfung eingeschlafen war. Er mußte weiterleben. Jake hatte bereits seine Mutter verloren. Er überlegte, was wohl alles auf ihn zukommen würde - was die Propheten mit ihm vorhatten. …"




