The Good Shepherd at haunted Deck Twelve.

Eine Kurzgeschichte von Poul

Author's Note:

Die Geschichte ist entstanden, nachdem ich die Folge„Der Spuk auf Deck 12”in der Wiederholung gesehen hatte. Die Szene, in der Harry durch die leblosen Gänge der Voyager schleicht und dabei auf Tal Celes trifft, die ja auch schon aus„Der gute Hirte”bekannt ist, inspirierte mich letztendlich zu dieser Story. Ich überlegte mir einfach, wie es ab dort hätte weiter gehen können. Und so dichtete ich einfach eine Geschichte um das Gezeigte herum. Mein Dilemma war aber, das ich die Folge danach nicht mehr hatte. Deswegen bitte ich um Nachsicht, wenn die Dialoge und Handlungen nicht zu 100%, mit denen in der Folge übereinstimmen. Zum Schluss musste ich schließlich sowieso vom Original abweichen um die Geschichte voranzubringen. Seht es also einfach als eine etwas andere Schilderung der Geschehnisse an.

Die netten Worte ;) an die Feedbackschreiber:

Viel Spaß mit dieser Geschichte und ich würde mich über eure Einschätzungen sehr freuen. Ich bin immer für konstruktive Kritik offen, also her mit euren Mails! ;)

E-Mailadresse für Feedback: bender-b@gmx.de

The Good Shepherd at haunted Deck Twelve

Eine Kurzgeschichte von Poul

Harry Kim ging den Gang entlang. Es war dunkel. Nur der Schein seiner Handlampe erleuchtete die Umgebung etwas. Obwohl er sich nun seit über sechs Jahren fast täglich durch diese Gänge bewegte, sah der Weg in der Finsternis ungewohnt aus. Merkwürdig?!, wunderte er sich. Harry hatte eigentlich immer gedacht das er JEDEN Gang auf der Voyager in und auswendig kannte und dass er ihn im Schlafe hätte gehen können ohne an eine Wand zu stoßen.

Nicht einmal die Notfallbeleuchtung war aktiviert. Er kam an einen Abzweig und er ertappte sich dabei, wie er tatsächlich kurz überlegen musste, um den richtigen Weg zu nehmen. In der linken Hand hielt er den Phaser. Er hielt in stets in Sichtrichtung, so wie es ihm an der Akademie von Captain Stiller gelehrt worden war. Das war schon ein komischer Typ, dachte er und musste schmunzeln. Ständig achtete der Captain darauf, das alle Protokolle der Sternenflotte eingehalten wurden und wenn man auch nur einmal den Phaser leicht in eine andere Richtung hielt ermahnte er einen sofort.„Halten Sie die Waffe stets in Blickrichtung Kadett, so können Sie ihren Gegner schneller anvisieren und erschießen auch keinen Ihrer Kameraden", hatte er dann immer gesagt. Doch Harry war immer einer der Besten in dem Kurs des Captains gewesen. Er hatte ja schließlich auch die goldene Schützennadel der Sternenflotte.

Harry erschrak, als ihm wieder einfiel, dass er sich auf der Voyager befand. Durch seine Gedanken an die Akademie hatte er schon fast eine weitere Abzweigung übersehen. Er musterte kurz die Umgebung und schlug dann den Weg zu seiner Linken ein. Ich möchte wirklich mal wissen, was hier eigentlich los ist. Er wusste nur soviel, dass das gesamte Schiff auf einmal wie tot war und dass Captain Janeway eine notdürftige Kommandobrücke im Maschinenraum errichtet hatte. Das vermutete er zumindest, denn die Brücke war verlassen gewesen, als er nach dem Energieausfall dort eintraf. Deswegen war er nun auf dem Weg zum Maschinenraum.

Ob eine feindliche Rasse das Schiff infiltriert hat?, fragte er sich selbst, ohne dabei auf eine Antwort zu hoffen. Er konzentrierte sich wieder auf die Situation, denn wenn tatsächlich feindliche Wesen auf der Voyager waren, dann musste er um so aufmerksamer sein. Das Geräusch seiner Schritte hallte von den Wänden zurück. Diese schreckliche Stille!, dachte er. Die Ruhe fand er mehr beängstigend als die Dunkelheit. Er wusste nicht warum. Wahrscheinlich weil er es nicht gewohnt war, das es absolut keine Geräusche um ihn herum gab. Die Voyager war eigentlich sonst ein hektisches und belebtes Schiff. Ständig traf man jemanden, den man kannte. Zu mindest gab es immer irgendwelche Geräusche und wenn es nur das Summen eines Turbolifts oder das Rauschen einer sich öffnenden oder schließenden Tür war. Aber im Moment konnte Harry nicht einmal solche Geräusche vernehmen.

Eiligen Schrittes ging er den Gang entlang und überlegte sich gerade wie er am besten zum Maschinenraum kam, als er auf einmal ein Geräusch direkt vor sich vernahm. Sofort wurde er aus allen Gedanken gerissen und sein Herz fing an stark in seiner Brust zu pochen. Doch er hatte diese Situation tausendmal vorher geübt und wusste wie er sich verhalten musste. Nur hatte er in der Akademie, bei den Übungen von Captain Stiller, ständig damit gerechnet, dass so etwas passiert, ganz im Gegensatz zu seiner aktuellen Situation. Noch bevor er die Lampe, die an seiner Hand befestigt war, in die Richtung halten konnte aus der das Geräusch kam, traf ihn schon ein Schlag.

In ihm stieg die Angst. Er fragte sich selbst, ob nicht doch die Borg oder eine andere feindliche Rasse an Bord war. Die Situation lies aber keine Gedanken über die Folgen zu. Harry musste schnell reagieren, das wusste er mit Sicherheit! Als er endlich die Lampe auf seinen Angreifer gerichtet hatte, sah er etwas mit dem er nicht gerechnet hätte. Nicht ein Borg oder ein Mitglied von Spezies 8472, sondern ein Sternenflottenmitglied befand direkt vor ihm. Er brauchte einen Moment, bis er erkannte, dass es Crewman Tal Celes war. "Warum haben sie mich geschlagen?", fragte er die erschrockene Bajoranerin. "Fähnrich?!", Celes kniff die Augen zusammen und erkannte dann dass es Fähnrich Harry Kim war, dem sie soeben einen Schlag verpasst hatte.„Entschuldigung, ich dachte… Ich dachte Sie sind ein Hirogen oder ein Borg…", erwiderte sie mit aufgeregter Stimme. "Und wie kommen Sie darauf?" "Es war so dunkel und ich habe nur Ihren Schatten gesehen." "Vertrauen Sie mir, hier gibt es keine fremden Wesen, die durch die Gänge schleichen", antwortete Harry, ohne das er selber wusste ob nicht wirklich eine feindliche Rasse an Bord war, aber er wollte, dass sich Tal beruhigt. "Heißt das, dass wir gar nicht geentert wurden?", erkundigte sich Celes erstaunt.„Es ist lediglich die Energie ausgefallen" "Machen die das nicht manchmal? Die Energie unterbrechen?", wollte Tal vorsichtig wissen, da sie immer noch Angst hatte. "Wer macht manchmal was?", fragte Harry, der nun gar nichts mehr verstand.„Eine fremde Rasse, die versucht das Schiff zu infiltrieren.", flüsterte Tal, während sie sich vorsichtig umblickte. "Wie lange haben Sie den keinen anderen Crewman mehr gesehen?”Harry wollte die sichtbar ängstliche Bajoranerin auf andere Gedanken bringen. "Ich weiß nicht genau, vier oder fünf Stunden. Ich … ich war in der Krankenstation, aber dort war auch niemand. - Die Decks drei und vier sind wie tot. Ich bin auf dem Weg zur Brücke und Sie sind die erste Person, der ich begegne", antwortete Celes. "Auf der Brücke ist auch niemand", erwiderte Harry nachdenklich. "Sehen Sie. Vielleicht hatte ich ja recht. Vielleicht können wir niemand anderen finden, weil sie alle assimiliert…", sie konnte den Satz nicht zuende sprechen, da Harry sie unterbrach:„Beruhigen Sie sich erst einmal." "Auf der Brücke gab es ein Versagen der Umweltkontrollen, deswegen wurde sie evakuiert. Ich weiß zwar nicht warum die Krankenstation verlassen ist, oder was auf den Decks drei und vier los ist, aber ich bin sicher, dafür gibt es eine logische Erklärung."

Tal schüttelte den Kopf, sie konnte einfach nicht glauben, dass es eine so einfache Erklärung dafür gab. Warum sieht Fähnrich Kim das nicht, es ist doch ganz offensichtlich, dass uns eine fremde Macht angreift?, fragte sich Celes. "Ah, ah", sagte Harry schnell, da er ganz genau wusste was Celes als nächstes anmerken wollte. Sie war immer noch nicht davon überzeugt, dass es lediglich einen Energieausfall war, der das ganze Chaos verursacht hatte. "Aber wo ist die Crew denn dann?", wollte Tal wissen, die nun ein wenig wütend war. "Sie haben wahrscheinlich einen vorläufigen Kommandoposten errichtet. Normalerweise wird so etwas im Maschinenraum gemacht. Und dahin bin ich jetzt auch auf den Weg."„Kann ich mit Ihnen kommen Fähnrich?", fragte Tal. Sie hatte Angst davor, hier weiter ganz alleine in der Dunkelheit zu verweilen. Bei jedem Geräusch war sie mit der Befürchtung zusammengezuckt, dass gleich ein Borg vor ihr stand und sie assimilieren wollte. Bei dem Gedanken daran wuchs die Angst in ihr wieder an. Sie schaute sich wild um, ihre Augen musterten die Umgebung vorsichtig.

"Natürlich!", antwortete er, während er direkt in ihre grün-grauen Augen blickte, in denen er immer noch große Angst bemerkte. Und er konnte sie ja nicht einfach hier in der Dunkelheit zurücklassen. Außerdem habe ich so wenigstens einen Gesprächspartner und muss diese Stille nicht länger ertragen, dachte Harry. Tal war sehr erleichtert, dass sie nun nicht mehr alleine in der Dunkelheit umherschleichen musste. Sie versuchte zu lächeln, um dem Fähnrich dies zu zeigen, aber sie hatte noch zu viel Angst. Die beiden machten sich auf den Weg zum Maschineraum. "Fähnrich?", fragte Celes. "Was ist?" "Könnten wir eventuell an einem Waffenschrank vorbei gehen?" Harry reagierte nicht auf diese Frage sondern setzte den Weg fort. Er wollte nicht erneut ein Diskussion über fremde Rassen, die das Schiff angriffen, entfachen. Dadurch würde Celes nur noch mehr Angst bekommen, dachte Harry.

Erst jetzt merkte er, dass seine Angst vollkommen verschwunden war. Nachdem er das Geräusch vernommen hatte, schlug sein Herz fast noch bis zum Hals. Doch er hatte professionell gehandelt.„Versuchen Sie die ängstliche Person zu beruhigen, um dann Informationen über die Situation zu erhalten", so steht es doch im Protokoll? Er war ein wenig über sich selbst erstaunt, trotz seiner eigenen Angst hatte er nach dem Protokoll gehandelt und dabei all seine Befürchtungen völlig verdrängt. Wer hätte das gedacht? Was im Protokoll steht, funktioniert tatsächlich so, wie man es erwartet. Was jetzt wohl Tal von mir denkt? Das ich gar keine Angst habe? Und tatsächlich, Tal Celes wunderte sich darüber, wie Harry in dieser Situation so ruhig geblieben war. Aber auch sie hatte sich mittlerweile wieder ein wenig beruhigt und sie fühlte sich durch die Anwesenheit des Fähnrichs in Sicherheit. Ihr Herz schlug wieder im normalen Takt. Das ist schon merkwürdig? - dachte sie - Zu zweit ist die Szenerie kaum noch so schrecklich wie sie eben noch erschien.

Fähnrich Kim und Crewman Celes setzten den Weg zum Maschinenraum fort. Beide waren froh darüber, das sie jetzt zu zweit unterwegs waren. Harry hoffte, dass er nun endlich die Stille, der ausgestorbenen Voyager nicht mehr ertragen musste und Tal war erleichtert, dass sie nicht mehr alleine in diesem finsteren Gang umher irren musste. Trotzdem gingen sie eine Weile ohne ein Wort zu sprechen durch die dunklen und energielosen Gänge der Voyager. Harry lief vorsichtig vorne weg und leuchtete den Weg. Tal ging direkt hinter ihm, warf aber ab und zu eine Blick nach hinten, um ganz sicher zu gehen, das sie nicht verfolgt wurden. Jetzt sind wir schon zu zweit und ich muss trotzdem weiterhin diese Ruhe ertragen - dachte Harry. Aber über was sollte er sich auch mit Tal unterhalten?

Sie war Sensoranalytikerin im astrometrischen Labor, wo sie unter Seven of Nine arbeitete. Laut der Aussage von ihr war sie aber nicht besonders gut darin, denn sie ließ jedes Ergebnis von Tal noch einmal überprüfen. Auch nicht gerade der beste Job, dachte Harry. Sie war eine Bajoranerin und eigentlich eine ganz angenehme und hübsche Person. Er hatte mit ihr aber noch nicht so viel zu tun gehabt. Trotzdem konnte er sich nicht vorstellen, dass sie tatsächlich so unfähig sein soll, wie es ihr immer vorgeworfen wurde. "Wo waren Sie denn gestern Abend?", Mit dieser Frage brach Harry die Ruhe und hoffte damit ein Gespräch anzufangen.

Tal erschrak durch die plötzlichen Worte des Fähnrichs. Sie musste erst kurz überlegen bis sie die Frage verstand, sie war zu sehr damit beschäftig gewesen, nach feindlichen Kreaturen Ausschau zu halten. Schließlich antwortete dann:„Wie? Gestern Abend? Ach Sie meinen bei dem Konzert?" "Ja genau, das meine ich." "Ich musste erst noch arbeiten und danach war ich so erschöpft, dass ich keine Lust mehr hatte." "Das ist aber schade, das Konzert war sehr unterhaltsam. Der Doktor hatte einen Fehler in seinem Gesangsroutinen, was zur Belustigung der Anwesenden führte. Nur er selber fand das überhaupt nicht witzig und ist dann auch wutentbrannt gegangen", erzählte Harry und er konnte sich ein Schmunzeln nicht verkneifen. Ihm fiel das Gesicht des Doktors wieder ein, als dieser bemerkte, dass er keinen Ton traf. Ob wohl jemand an den Routinen manipuliert hat?, fragte er sich innerlich.

"Hört sich nach einem gelungenen Abend an, hätte ich mich wohl doch noch zwingen sollen", antwortete sie entschuldigend. "Sie haben auf jeden Fall etwas verpasst." "Tja schade, vielleicht beim nächsten Mal", erwiderte Tal. Hmm, so viel zum Gespräch…, dachte Harry, der das Gefühl hatte, dass sie nicht unbedingt Lust hatte mit ihm zu sprechen, weil ihre Antworten so zögerlich und kurzgefasst kamen. Doch Tal wollte sich eigentlich schon mit Harry unterhalten, sie war sogar sehr froh darüber, das sie einen Gesprächspartner hatte. So wurde sie von ihren Gedanken, dass hier eventuell Borg oder Hirogen herumliefen, abgelenkt. "Haben Sie denn auch gespielt Fähnrich Kim", fragte sie ihn um das Gespräch fortzuführen. "Ähm", Harry hatte sich schon damit abgefunden ohne weitere Worte zu verlieren bis zum Maschinenraum zu gehen.„Ja, ich habe auch gespielt, ein Solostück und ein Jazzstück zusammen mit den anderen." "Schade, da habe ich ja wirklich etwas verpasst. Ich finde, dass Sie wirklich gut Klarinette spielen.", erwiderte Celes. "Danke sehr, aber übertreiben Sie da nicht? Es gibt andere, die ihr Instrument besser beherrschen…”Ihm war es immer peinlich, wenn jemand sein Können mit seiner Klarinette so rühmte. Auf der Erde hatte sein Musiklehrer immer gesagt:„Harry mit Lob kannst du dich dann noch überschütten lassen, wenn du den Global Musician Award gewonnen hast. Doch bis es soweit ist, sei bescheiden und übe, übe, übe…" "Nein, nein, seien Sie doch nicht so bescheiden, Fähnrich Kim", ihr war es auf einmal peinlich, dass sie Harry so schmeichelte. Das gehört sich doch nicht für einen Crewman oder? Er denkt nachher noch das ich durch solche Bemerkungen in seiner Gunst steigen will. Um ihre Unsicherheit zu vertuschen setzte sie schnell hinzu:„Wissen Sie, ich weiß wie schwer es ist ein Instrument zu spielen. Ich lerne selber gerade Klavier zu spielen."

"Ehrlich? Sie sind noch nie damit bei einer unserer Konzerte aufgetreten." "Wie ich sagte, ich lerne noch und ich denke nicht, dass ich damit schon auftreten könnte. Außerdem denken die meisten in der Crew, dass ich es sowieso nicht schaffe." Sie war erstaunt darüber, das sie eine so persönlich Einschätzung mit hinzugefügt hatte. Hoffentlich denkt er jetzt nicht, das ich ihn mit einbezogen habe, dachte sie.„Seien Sie doch nicht so hart zu sich selbst. Ich würde mir das gerne mal anhören. Vielleicht können Sie und ich mal ein Doppel spielen? - Klavier und Klarinette?! - Das hört sich bestimmt ziemlich gut zusammen an!" "Hmm. Ja, das wird wohl erst etwas, wenn die Holodecks wieder aktiv sind. Und bringen Sie sich Ohrstöpsel mit, denn ich treffe meist die falschen Töne." "Ach so schlimm ist das doch bestimmt gar nicht. Wieso spielen Sie überhaupt Klavier, das ist ja nicht gerade ein klassisches bajoranisches Instrument?"

"Als ich auf die Akademie kam, bin ich einmal in einer Bar gewesen und da stand ein altes Klavier in der Ecke. Ich fragte einen meiner Kameraden, was das sein soll. Er erklärte mir dann, dass es ein Instrument ist, welches von der Erde stammt. Er konnte sogar spielen, sehr gut sogar. Ich war so begeistert davon dass ich beschloss, wenn ich einmal mehr Zeit habe, Klavierspielen zu lernen. Während ich auf der Akademie war hatte ich leider nicht besonders viel Freizeit, aber als wir dann in den Delta Quadranten befördert wurden, hatte ich auf einmal sehr viel mehr davon und ich erinnerte mich daran, das ich spielen lernen wollte und so habe ich halt begonnen Unterricht im Klavierspielen zu nehmen."

Sie hatte kaum zu Ende gesprochen, als es auf einmal neben ihr einen Blitz und explosionsartigen Krach gab. Sie spürte den Aufschlag eines großen schweren viereckigen Objekts auf ihre linke Körperhälfte. Die Wucht des Gegenstandes riss sie zu Boden. Harry drehte sich blitzschnell um, er wusste überhaupt nicht was los war. Zuerst dachte er, dass sie angegriffen wurden. Er konnte nichts erkennen. Der Gang war voller Qualm. Er leuchtete wild umher um nach Angreifern Ausschau zu halten, als er jedoch niemanden entdecken konnte, lief er schnell zu der am Boden liegenden Tal.

"Sind sie verletzt?", fragte er aufgeregt. Tal rappelte sich gerade wieder auf.„Nein mir geht es gut? Was war denn los?" Harry leuchtete mit der Handlampe die Wand an, wo eine Platte der Verkleidung fehlte und auf dem Boden lag. Die Platine, die sich in dem Loch in der Wand befand, war komplett ausgebrannt. Ein schwarzer Rand ließ auf eine Explosion schließen. "Es scheint so, als hätte es eine Entladung der Restenergie dort in dieser Platine gegeben. Das hat dann wohl diese Platte der Verkleidung abgesprengt, die Sie dann mit voller Wucht getroffen hat. Sind Sie sicher das es Ihnen gut geht?" "Ja, danke Fähnrich Kim. Es geht schon." "Nennen Sie mich Harry. Alle machen das die mich kennen." "Na gut, Harry, ich bin Tal", sagte sie und reichte ihm symbolisch die Hand um ihn zu begrüßen. Sie hatte dieses menschliches Vorgehen an der Akademie gelernt und hielt es nun für angebracht. Er erkannte ihre Geste und erwiderte sie.

"Was hast du nur für ein \'Glück\', wahrscheinlich die einzigste Energieentladung in dem ganzen Energielosen Schiff und die gibt es direkt neben dir", sagte er. "Ich weiß auch nicht, ich bin wahrscheinlich mit dem falschen Bein aufgestanden", antwortete sie und konnte ein Grinsen nicht vermeiden. Auch Harry musste lachen. Sie ist richtig hübsch, wenn sie so lächelt, dachte er. Doch was war das? Er war hier in einem stockfinsteren Gang auf einem Schiff ohne Energie, sollte er sich nicht eher Gedanken darüber machen, wie er schnellst möglich zum Maschinenraum kam? Captain Janeway brauchte wahrscheinlich seine Hilfe und er saß hier herum und bewunderte die Schönheit von Tal. Bei meinem Glück ist sie sowieso schon vergeben, sprach er zu sich selbst und ihm fiel ein, das er Tal häufig mit William Telfer gesehen hatte. Er vermutete, das die beiden ein Paar waren.

"Lass uns weiter gehen, der Captain braucht bestimmt jede helfende Hand, die sie bekommen kann." "Du hast recht, nur meine bestimmt nicht, nach der Außenmission vor ein paar Monaten", erwiderte sie entmutigt. "Nun sei doch nicht immer so hart zu dir selbst. Ich habe den Bericht des Captains zu dieser Mission gelesen und sie war von deiner Engagiertheit und deinem unkonventionellen Denken sehr angetan", antwortete Harry um Tal etwas Selbstvertrauen zu geben.„Wirklich? Das kann ich mir gar nicht vorstellen, der Einsatz war doch ein einziger Reinfall.”Sie wusste, dass die meisten eine negative Einstellung ihr gegenüber hegten. Niemand vertraute auf ihre Fähigkeiten und alles was sie tat wurde wieder und wieder kontrolliert. Wahrscheinlich haben sie auch allen Grund dazu, dachte sie und bestätigte damit ihre Minderwertigkeitskomplexe. Schlagartig wurde aus ihrer Angst eine Depression und sie sah enttäuscht auf den Boden.

"Nein, laut dem Captain hast du in dieser Mission wirklich sehr gut gehandelt. - Also, lass uns gehen.", ermutigte Harry sie. Sie standen beide auf und setzten ihren Weg fort. Nach zwei weiteren Jeffreysröhren und einigen dunklen Gängen waren sie endlich an ihrem Ziel angekommen.

Im Maschinenraum herrschte hektisches Treiben. Personen rannten von einer Konsole zur nächsten. Die halbe Crew muss hier versammelt sein, dachte Harry. Er versuchte, den Captain irgendwo zu entdecken, doch unter den vielen Crewmitgliedern war es schwer jemanden speziellen zu finden. Endlich entdeckte er Captain Janeway und ging direkt auf sie zu. Tal folgte ihm langsam. Sie wollte nicht alleine und nutzlos stehen bleiben, außerdem kannte sie kaum jemanden, den sie sah. Sie hoffte William Tefler, ihren besten Freund, den sie Billy nannte, zu sehen.

"Ah - Harry, gut das Sie da sind, wir können hier Ihre Hilfe gebrauchen", begrüßte sie der Captain. Chakotay, der direkt neben dem Captain stand, tippte auf einem Padd herum und seine Mine war der Situation entsprechend ernst. "Siebenundneunzig Crewmitglieder befinden in sicheren Plätzen", sagte er, um Captain Janeway einen Überblick über die Lage zu geben.„Auch Neelix?", fragte Harry, dem gerade wieder einfiel, dass er dem Talaxianer befohlen hatte, im Casino zu bleiben nachdem die Energie ausgefallen war. Chakotay blickte auf und sagte:„Niemand hat ihn gesehen." "Ich hätte ihm nicht befehlen sollen, im Casino zu bleiben", sagte Harry schwermütig. Was wenn Neelix etwas passiert ist? Dann ist das nur meine Schuld, dachte Harry und befürchtete das Schlimmste. Das war wieder so eine Situation, in der die Verantwortung seine negative Seite zeigte. Harry hatte sich zwar häufig gewünscht, endlich mehr Verantwortung zu übernehmen, aber Befehle zu erteilen, die über Menschenleben entschieden, fielen ihm immer sehr schwer. Er hätte nie jemand bewusst in den sicheren Tod schicken können, auch wenn derjenige damit ein ganzes Schiff retten würde. Ich vermute das ist es, was mich und den Captain voneinander unterscheidet, dachte er. "Sie haben nach den Prozeduren gehandelt", erinnerte ihn Janeway. Harry nickte, die emotionale Last wurde jedoch nicht sonderlich geringer.

Derweil hatte Crewman Celes ihren besten Freund Billy entdeckt und war zu ihm gegangen.„Hallo Tal, was ist den mit dir passiert?", fragte er sie besorgt, als er die Spuren der Explosion der Verkleidungsplatte entdeckte. "Ach frag besser nicht. Ich bin ja schon froh, das ich Harry getroffen habe und jetzt hier bin." "Harry?. Du nennst Fähnrich Kim beim Vornamen?", fragte Billy erstaunt. "Ähm", Tal war die Situation ein wenig peinlich,„Ja, wir haben auf dem Weg hier her beschlossen, uns so zu nennen", fügte sie schnell hinzu um das Thema zu beenden. "Und wann gehst du mit ihm aus?", fragte er und setzte ein breites Grinsen auf. "Was? Nein, du hast da etwas falsch verstanden, Billy." "Und warum wirst du dann rot bei der Frage?" Tal wusste nicht was sie sagen sollte. Sie lächelte verschämt und sah auf den Boden.„Ich bin ihm in einem dunklen Gang begegnet und er war auf dem Weg hierher und da habe ich ihn halt gefragt, ob ich nicht mitkommen könnte. Als wir dann durch die Gänge gingen haben wir uns über Musik unterhalten und das ist alles." "Ach komm schon Tal, ich kenne dich doch nun schon lange genug. Außerdem ist es doch schön, du warst doch schon lange nicht mehr mit einem Mann aus, oder?"

Tal war immer wieder erstaunt, wie Billy die gesamte Situation so schnell erfassen und auf einen Punkt bringen konnte. Er schreckte auch nicht davor zurück, jedem seine Gedanken mitzuteilen. Eigentlich mochte sie ja diese Eigenschaft von Billy, aber ab und zu empfand sie es doch als unangenehm. Nämlich immer dann wenn es über ihr Privatleben ging. Im Nachhinein musste sie aber meist feststellen, dass er Recht mit seiner Meinung hatte.„Na ja, wir wollen vielleicht mal ein Doppel spielen. Er mit seiner Klarinette und ich am Piano. Aber trotzdem was sollte Harry schon von mir wollen, ich bin doch nur ein nutzloses Crewmitglied und er gehört zu Führungsmannschaft", sagte sie ein wenig traurig. "Nun zieh dich nicht immer so runter. Ich denke mal ihm ist es egal, ob du Algorithmen berechnen kannst oder nicht. Du bist einfach nur eine nette und hübsche Person", erwiderte er und sah Tal direkt in die Augen. "Crewman Tefler, wir brauchen Ihre Hilfe hier!", schallte es durch den Maschinenraum. Billy drehte sich um und entdeckte dann die Person die ihn gerufen hatte. Er nickte und signalisierte damit, das er den Befehl vernommen hatte. "Ich muss los. Also, sei nicht zu hart zu dir", sagte er während er aufstand und sich auf den Weg zu der Person machte, die ihn gerufen hatte. "Billy?", Er blieb stehen und drehte sich zu Tal um.„Woher willst du überhaupt wissen, das Harry auch etwas für mich empfindet?" "Vertrau mir! Sonst würde er nicht die ganze Zeit hierher sehen", antwortete er und lächelte. "Wir sehen uns dann nachher, ja?", erwiderte Tal, wobei sie ihm ein verkrampftes Lächeln schenkte.

Er nickte freundlich und setzte dann seinen Weg fort. Tal drehte sich um, weil sie wissen wollte ob Billy recht hatte. Und tatsächlich Harry blickte gerade in diesem Moment zu ihr herüber und nickte ihr zu, während er versuchte zu lächeln. Das gelang ihm aber nicht, weil er immer noch Schuldgefühle wegen Neelix hatte. Tal sah schnell wieder weg und wurde ein wenig rot. Und wieder hatte Billy recht. Aber ob Harry wirklich etwas von mir will? Ich kann es mir einfach nicht vorstellen. Wahrscheinlich hat er nur rüber gesehen, weil er wissen wollte was ich mache. Auch Harry schenkte der Konsole, die sich direkt vor ihm befand, wieder mehr Aufmerksamkeit. Er versuchte herauszufinden, warum die Energie und das Kommunikationssystem ausgefallen waren. Doch die Daten, die er begutachtete, waren nicht sonderlich aufschlussreich. Das ergibt einfach keinen Sinn, dachte er. "Schlechte Neuigkeiten, Captain! Die Lebensform versucht gerade in den Hauptcomputer einzudringen", rief Torres zu Janeway herüber. Sie war an einer anderen Station beschäftigt.

"Solange es in den Gelpacks war, hatten wir eine Chance, es zu fangen", merkte Seven an, um dem Captain die Situation zu verdeutlichen. "Aber wir bekommen es nicht wieder aus dem Computer heraus ohne ein paar primäre Systeme zu beschädigen", fasste Torres zusammen. Plötzlich erklang die Stimme des Computers:„Captain Janeway. - Captain Janeway. - Captain Janeway befindet sich im Maschinenraum." Janeway schaute verwundert zu Harry herüber.„Entschuldigung Captain, ich weiß dass es irritiert, ich versuche es zu deaktivieren", erwiderte er und fing an auf der Konsole herum zu tippen. Doch Captain Janeway überlegte, warum die Stimme gerade diese Worte gewählt hatte. Auf einmal fiel es ihr ein: Vielleicht versucht die Lebensform mit uns zu kommunizieren?„Warten Sie einen Moment Harry.”- sagte sie, schaute an die Decke und sprach dann:„Hier ist Captain Janeway, antworten Sie." "Autorisationscode erforderlich", antwortete der Computer grimmig. "Janeway Pi Alpha." Harry verstand nun gar nichts mehr. Er schaute sie verwirrt an und fragte:„Captain?”Was ist hier nur los? - fragte er sich selber.

"Es ist nur eine Vermutung … aber vielleicht versucht die Lebensform, mit uns zu kommunizieren", fasste der Captain mit unsicherer Stimme zusammen. "Hört sich für mich nach einer Fehlfunktion des Com-Systems an", erwiderte Torres, die offenbar genauso verwirrt wie Harry war. "Da bin ich mir nicht so sicher", entgegnete Janeway und fügte hinzu:„Die Lebensform bewegt sich von System zu System. Wenn es intelligent ist hat es vielleicht gelernt, wie es einige dieser Systeme, zu mindest rudimentär, benutzen kann.”Sie blickte wieder zur Decke auf und fragte:„Versuchen Sie, mit uns zu kommunizieren?" "Befehl konnte nicht verstanden werden", war die Antwort der weiblichen Computerstimme. "Selbst wenn es versteht was Sie sagen, vielleicht weiß es nicht wie es antworten soll", merkte Chakotay kritisch an. Kaum hatte Janeway diesen Einwurf ihres ersten Offiziers vernommen, fiel ihr auch schon die Lösung für dieses Problem ein. "B\'Elanna, können sie die Syntaxsubroutinen des Com-Systems aufrufen?", fragte sie Torres. "Ich werde es probieren.", antwortete die Halbklingonin. Wieder richtete sich Captain Janeway an das Schiff:„Wir möchten, dass Sie leichter mit uns kommunizieren können. Versuchen sie auf die Datennbank der Station 3-1 im Maschinenraum zuzugreifen." "Zugriff erfolgt", erwiderte das System. "Warum sind Sie auf das Schiff gekommen?", fragte sie die Lebensform. "Captain Janeway melden Sie sich in der Astrometrie!", befahl der Computer. "Warum wollen Sie, das ich dort hin komme?", wollte der Captain verwirrt wissen. "Captain Janeway melden Sie sich in der Astrometrie!", wiederholte die Stimme. "Ich vermute mal, dass ich das schon bald rausfinden werde", erwiderte Janeway etwas unzufrieden mit der Antwort des Computers. "Captain, die Astrometrie ist mit nebularem Gas geflutet", warnte Harry. "Die Umweltbedingungen im astromertischen Labor wurden wiederhergestellt", antworte der Computer mit gefühlloser Stimme. "Das könnte eine Falle sein", mutmaßte Chakotay. "Diese Lebensform hat bereits elf Crewmitglieder verletzt.", fügte er hinzu, um Janeway davon abzuhalten ihren Plan durchzuführen.

Doch der Captain war da ganz anderen Meinung und erwiderte:„Ich kann versuchen mit der Lebensform zu kommunizieren oder ich lasse es das Schiff übernehmen. Seven, Sie kommen mit mir", befahl sie mit ernster Stimme, um Chakotay zu zeigen, dass sie sich ganz sicher war, dass es keine Falle ist. "Jawohl Captain", erwiderte Seven.

Auf dem Weg zur Tür des Maschinenraums stoppte sie bei Harry.„Harry versuchen Sie irgendwie das Kommunikationssystem wiederherzustellen."„Ja Captain. Ich habe da auch schon eine Idee. Dazu müsste ich aber auf die andere Seite des Schiffs", sagte Harry um sich ihre Meinung einzuholen. "Okay, versuchen Sie es, aber seien Sie vorsichtig. Ich will keine Heldentaten."„Captain?”Erneut versuchte der Fähnrich die Aufmerksamkeit von Janeway zu erlangen, die sich bereits wieder auf den Weg zum Ausgang gemacht hatte. "Ja Fähnrich Kim?" "Ich könnte die Hilfe von jemanden gebrauchen, der sich mit den Sensoren des Schiffs auskennt." "Nehmen Sie jeden, den Sie benötigen, das hat höchste Priorität", antwortete sie und schaute ihn noch kurz an, bis sie wusste das, er nichts weiteres von ihr wollte und setzte dann ihren Weg fort.

Harry nahm sich die Lampe und befestigte sie erneut an seiner Hand. Na toll, wieder dunkle und stille Gänge, dachte er, ein wenig enttäuscht, als er den Werkzeugkasten nahm. Okay, wen nehme ich denn jetzt mit? Die meisten sind damit beschäftigt, weitere Systeme des Schiffs wiederherzustellen, überlegte er. Dann fiel sein Blick erneut auf Tal, die am anderen Ende des Maschinenraums alleine auf einer Kiste saß. Sie sah so aus, als hätte sie nicht gerade viel zu tun. Tal ist doch Sensoranalytiker, stellte Harry fest, außerdem war sie eine angenehme Person, also warum sollte er nicht sie mitnehmen? Harry ging zu ihr herüber. Als er bei ihr ankam setzte er ein Grinsen auf und fragte:„Tal hast du nicht Lust, erneut durch dunkle Gänge zu schleichen?" Tals Lächeln, das sie ebenfalls aufgesetzt hatte, als sie sah, dass der Fähnrich auf sie zukam, verschwand und sie sah ihn nun verwirrt an. "Ich soll das Kommunikationssystem reparieren und ich brauche jemanden, der sich mit den Sensoren des Schiffs auskennt", fasste Harry zusammen, um das Rätsel zu lüften.„Und da willst du, das ich mitkomme?", fragte Tal erstaunt. "Ja. Warum nicht?" "Na ja, vielleicht ist dir mein Ruf entgangen, aber ich bin nicht besonders gut in meinem Job. Wenn ich mitkomme geht bestimmt mehr kaputt als dass wir etwas reparieren", erwiderte sie ein wenig niedergeschlagen. "So ein Blödsinn. Ich weiß dass du es kannst. - Außerdem gibt es niemand anderen den ich fragen könnte, weil alle sehr beschäftigt sind. Also was ist, oder soll ich es Ihnen befehlen Crewman?", antwortete Harry und lächelte um zu ihr zu zeigen, dass er das mit dem Befehl nur aus Spaß gesagt hatte. Tal erkannte seine Geste, lächelte ebenfalls und erwiderte mit nicht ganz ernster Stimme:„Nein Sir, ich werde mit Ihnen kommen." Er will wirklich dass ich mitkomme und er vertraut auf meine Fähigkeiten. Das ist wirklich sehr nett von ihm. Ob da doch mehr ist als Freundschaft? … Nein, er hat doch gesagt, das alle anderen zu beschäftigt sind. Sonst hätte er bestimmt ein fähigeres Crewmitglied gewählt.

Harry drückte ihr eine Lampe in die Hand und sagte:„Damit du nicht mehr im Dunkeln sein musst. Und nun lass uns gehen, das hat höchste Priorität." Beide machten sich erneut auf den Weg durch die finsteren und leeren Gänge. Nach einer viertel Stunde und einem weiteren Gespräch über Musik im allgemeinen und speziellen waren Harry und Tal an ihrem Ziel angekommen. Fähnrich Kim leuchtete eine Wand an, in der sich eine Konsole befand. Doch anstatt der bunten Schalter war nichts auf ihr zu sehen. "Tja, auch hier gibt es keine Energie", stellte Tal beiläufig fest. "Deswegen habe ich ja auch eine Notversorgungseinheit mitgenommen", antwortete Harry während er sich vor die Wand kniete, in der sich weiter oben die Konsole befand. Mit einem zielsicheren Griff nahm er die Verkleidungsplatte ab und es offenbarte sich eine Schaltplatine. Er leuchtete in die Öffnung, um sich einen Überblick zu verschaffen. Dann erkannte er den Energieverteilungskonten für die Konsole. "Gibst du mir bitte mal die Versorgungseinheit?", fragte er Tal, die sich ebenfalls vor die Platine gekniet hatte. Sie griff in den kleinen Koffer und holte einen zirka 30 Zentimeter langen Zylinder hervor und überreichte ihn Fähnrich Kim, der die drei Füße des Geräts ausklappte und es direkt vor die Öffnung in der Verkleidung stellte. Danach aktivierte er die Versorgungseinheit und auf einmal erwachte die Konsole zum Leben.„Tja, wer sagt es denn, bis jetzt läuft ja alles gut", stellte Harry zuversichtlich fest und fügte dann, während er Tal mit einem Lächeln ansah, hinzu:„Na dann wollen wir doch mal sehen, ob wir so einfach auch das Com-System wiederherstellen können."

"Wollen wir es mal hoffen", antwortete sie im selben Tonfall. Beide standen auf und stellten sich direkt vor die jetzt in rot und blau leuchtende Tafel.„Okay ich werde versuchen das Com-System zu reaktivieren. Du schaust bitte auf die internen Sensoren und gibst mir Bescheid wenn irgendwelche merkwürdigen Daten auftauchen. Alles klar?", fragte Harry die Bajoranerin. Tal nickte und richtete ihren Blick auf die Diagramme und Daten die auf der linken Hälfte der Konsole erschienen. Sie bemühte sich sehr, alles zu erfassen, was da an Daten erschien, aber es waren viel zu viele Informationen, die in ihren Kopf sollten. Sie kam sich wieder so vor wie in der Außenmission vor einigen Monaten. Das war ein echter Fehlschlag! Billy wäre fast getötet worden und das nur weil ich die Sensordaten falsch ausgewertet hatte, dachte sie. Alles was sie sah waren Zahlen, sehr viele Zahlen und Diagramme die auf und ab schwangen.„Harry ich kann das nicht, ich bin mir sicher, dass ich die Daten falsch interpretiere!”- sagte sie, während sie sich von der Konsole abwandte. Sie wollte ihn auf keinen Fall enttäuschen und schon gar nicht das Schiff mit ihren falschen Analysen der Daten in Gefahr bringen. Er drehte sich zu Tal um und legte eine Hand auf ihre Schulter. "Komm schon, ich weiß, dass du es kannst. Konzentriere dich einfach auf die wichtigste Informationsquelle und lass die anderen außer Acht. Ich brauche hier wirklich deine Hilfe, weil ich das alleine auf keinen Fall schaffen kann. Es geht hier um die Sicherheit der Voyager", sagte Harry mit sanfter Stimme. "Ja, du hast Recht, aber ich habe Angst durch meine Fehlinterpretationen alles nur noch viel schlimmer zu machen", antwortete Tal während sie traurig auf den Boden blickte.„Ich glaube das du die Fehler nur machst, weil du Angst vorm Versagen hast. - Jeder macht mal etwas falsch, es ist nur die Frage wie man darauf reagiert. - Du musst aus diesen Situationen lernen, dann machst du beim nächsten mal nicht mehr die selben Fehler." "Aber ich mache einfach ständig etwas falsch, mein Gehirn wurde einfach nicht geschaffen um eine solche Masse an Daten zu verarbeiten." "Konzentrier dich einfach auf deine Arbeit, dann hast du gar keine Zeit, darüber nachzudenken dass du Fehler machen könntest. Also nun gibt dir einen Ruck und hilf mir bitte, ja?", ermunterte Harry den depressiven Crewman. "Ich werde es versuchen, aber ich kann für nichts garantieren", erwiderte Tal und drehte sich wieder zur Konsole. "Gib mir einfach jede Änderung des Frequenzbandes 4.9", sagte Harry. "Okay, also momentan liegt der Wert bei 528.491." Tal konzentrierte sich so stark sie konnte auf die Daten des entsprechenden Bandes und dadurch verschwanden auch die Ängste vorm Versagen. Merkwürdig, auf einmal ist mein Geist so klar. Ich kann das alles aufnehmen und verarbeiten. Das funktioniert also tatsächlich, dachte sie erstaunt.

"583.149”… Während Tal ständig das Frequenzband im Auge behielt arbeite Harry daran das Com-System wieder zu aktivieren. Und tatsächlich, keine zehn Minuten später war es vollbracht. Doch bevor er sich noch darüber freuen konnte, dass er diese schwierige Aufgabe so schnell gelöst hatte, wurde er schon durch eine schlechte Nachricht aus seiner guten Laune gerissen. Captain Janeways Stimme hallte durch das gerade wieder funktionsfähige Com-System:„Hören Sie mir alle genau zu! Wir verlassen das Schiff, begeben Sie sich auf direktem Weg zu den Rettungskapseln." "Was?", Tals Miene hatte sich von einem Augenblick auf den nächsten von glücklich zu erschreckt gewandelt. Sie sah Harry fragend an, der genau so erstaunt über das war, was sie gerade gehört hatten. Was kann passiert sein, das wir das Schiff evakuieren müssen?, fragte sich Harry selber. Nach einem kurzen Moment, in dem er über die Gründe nachdachte, wurde ihm jedoch bewusst, das er soeben einen Befehl des Captains erhalten hatte.

"Okay, du hast sie gehört. Wir gehen zu Rettungskapsel sechzehn Alpha fünf, die befindet sich direkt auf diesem Deck", sagte er in ernstem Ton, während er Tal ansah. Die nickte und klappte den Werkzeugkoffer zusammen. Beide standen auf und machten sich mit forschem Schritt auf den Weg. Nach zwei Minuten hatten sie ihr Ziel erreicht. Die Kapsel war noch leer, aber das verwunderte Harry auch nicht. Kein weiteres Crewmitglied war auf diesem Deck beschäftigt. Deswegen vermutete er auch, dass niemand anderes diese Fluchtmöglichkeit mit in Anspruch nehmen würde. Beide traten in das„Minishuttle”ein und begannen routiniert mit der Vorbereitung für die Evakuierung. Zu oft hatten sie dieses Szenario geübt. Schon auf der Akademie wurde auf Sicherheit sehr großen Wert gelegt. Aber auch auf der Voyager führte Tuvok regelmäßig ein Sicherheitstraining oder eine Sicherheitsüberprüfung durch. Sie kannten die Kapsel als wäre es ihr Quartier. Jeder Handgriff saß, jedes Kommando kam zur richtigen Zeit. Nach dreißig Sekunden war die Rettungskapsel abschussbereit.

"Wie lange warten wir hier? Ist überhaupt noch jemand auf diesem Deck?", fragte Tal Celes Fähnrich Kim. "Ich glaube nicht. Ich werde das aber überprüfen.”Harry tippte auf seinen Kommunikator und sprach:„Fähnrich Kim an Captain Janeway" "Janeway hier. Geht es Ihnen gut Fähnrich Kim?”- war die Antwort. "Ja uns geht es gut. Captain, laut meinem Wissen befindet sich niemand weiteres auf diesem Deck, wie lange sollen wir also noch warten, bis wir hier evakuieren?" "Warten sie noch eine Minute und wenn sich bis dahin kein anderes Crewmitglied bei ihnen gemeldet hat starten sie. Ich wünsche ihnen viel Glück und wir sehen uns dann am Treffpunkt" "Ich habe verstanden, bis dann und viel Glück!”Mit dieser Antwort beendete Harry die Com-Verbindung. Tal schaute zu ihm herüber. Sie hatte wieder diesen ängstlichen Ausdruck auf ihrem Gesicht, den er nur zu gut kannte. "Mach dir keine Sorgen, es wird schon alles glatt gehen", sagte er mit sanfter Stimme, um Tal zu beruhigen. Diese nickte nur still. Die Minute erschien wie eine Ewigkeit. Tal befürchtete, dass das Schiff jeden Augenblick explodieren könnte oder etwas ähnliches passierte. Man evakuiert ein Schiff doch nicht ohne Grund. Was kann es nur sein? Ein Warpkernbruch oder…, sie wurde aus ihren Gedanken gerissen, als Harry den Abschuss der Rettungskapsel initialisierte. "Die Minute ist vorbei", sagte er als müsste er sich ihr gegenüber rechtfertigen. Ein Zucken ging durch die Kapsel und mit einem großen Ruck wurde sie vom Schiff weggedrückt. Die Automatik steuerte alles, beide saßen nur ruhig da und warteten den Vorgang ab. Harry versuchte noch einen Blick auf die Voyager zu werfen, um nach eventuellen äußeren Schäden Ausschau zu halten. Er konnte aber nichts entdecken. Das Schiff sah vollkommen funktionsfähig aus. Nur die Lichter waren auf allen Decks deaktiviert. Wie ein totes Tier, was einfach nur daliegt, dachte er.

Der Navigationscomputer steuerte die Rettungskapsel völlig selbständig. Das Ziel waren, die vom Captain zum sammeln, befohlene Koordinaten. Tal konnte noch andere Rettungskapseln erkennen. Die meisten kamen von Deck elf, wo sich auch der Maschinenraum befand. Alle folgten dem selben Kurs, wie ein Vogelscharm, der nach Süden fliegt. "Was soll nun aus uns werden?", fragte Tal. "Ich vermute, wir werden uns bei einem Klasse M Planeten sammeln und dann entscheiden, wie wir weiter vorgehen", antwortete Harry. "Wie weit ist der Sammelpunkt den von hier aus entfernt?" "Einen Tag", stellte er nüchtern fest. Ihm wurde erst in diesem Moment bewusst, wie weit der Weg eigentlich war. Der Raum in einer Kapsel war begrenzt, aber sie konnten sich nicht beschweren, den normalerweise mussten vier Crewmitglieder hier Platz finden.„Tja, ich vermute dann haben wir viel Zeit zum reden", sagte Harry in einem leicht sarkastischen Ton. Er hoffte Tal, aber auch sich selbst aufzuheitern. "Das hast du wohl recht", antwortete sie in dem selben Tonfall. Doch sie redeten nicht. Fast eine Stunde lang saßen sie nur da und starrten gerade aus. Beide verarbeiteten innerlich die aktuelle Situation. Nichts war nun mehr sicher. "Warum hast du mich wirklich zu der Reparatur mitgenommen Harry?", wollte Tal von ihm wissen und durchbrach die Stille. Fähnrich Kim zuckte zusammen, den er hatte nicht damit gerechnet. Man konnte ihm direkt ansehen, wie er erst langsam die Frage verstand. "Wie - Wie meinst du das?"

"Ich denke, du wusstest ganz genau, dass ich Probleme mit dieser Aufgabe haben würde und hättest jeden anderen vom technischen Personal nehmen können. Der Auftrag hatte ja schließlich Toppriorität. Du hättest also einfach jemanden befehlen können, mit dir zu kommen. Das hast du aber nicht getan, statt dessen hast du mich mitgenommen. Also, warum?”Tal war erstaunt, wie offen sie auf einmal sprechen konnte. Doch unter solch extremen Situationen fiel es ihr immer leichter, Klartext zu reden. Das war auch schon auf der Außenmission mit Captain Janeway vor ein paar Monaten so gewesen. "Alle waren irgendwie beschäftigt und du sahst so aus, als hättest du gerade nichts zu tun, also habe ich dich genommen. Warum willst du das überhaupt wissen?", erwiderte Harry mit unsicherer Stimme. Hat sie etwa mitbekommen, was ich für sie empfinde?, fragte sich Harry selbst. Ihm wurde heiß. "Das glaube ich dir aber nicht. Du kanntest die Tragweite dieses Auftrags und nur weil ich nichts zu tun hatte nahmst du mich mit?" "Was willst du denn jetzt von mir hören Tal?" "Die Wahrheit!", erwiderte sie ein wenig verärgert. "Die Wahrheit?”Tal nickte bestätigend.„Na gut, die Wahrheit also. Ich habe mich in dich verliebt, das ist die Wahrheit. Schon nachdem wir uns in diesem dunklen Gang begegnet sind und danach auf dem Weg zum Maschinenraum miteinander geredet hatten, warst du mir sofort sympathisch. Als du dann von dieser Platte getroffen wurdest merkte ich, dass ich große Angst um dich hatte. Und da habe ich es zum ersten mal verspürt, dass ich dich liebe. Und als ich dich da sitzen sah wollte, ich eigentlich nur mit dir zusammen sein, deswegen habe ich dich gefragt. So nun hast du deine Wahrheit und…"

Er konnte nicht mehr zu Ende sprechen, weil Tal zu ihm herüber gekommen war und ihn küsste. Harry durchströmten Glücksgefühle. Sein Herz pochte so stark, das es auch Tal spüren konnte. Sie lösten den Kuss und Harry fragte vorsichtig:„Und was ist mit Billy?" "Billy?", erwiderte Tal erstaunt, bis sie seine Frage verstand,„Billy ist mein bester Freund und auch nur das. Nicht mehr." Harry war so erfreut das zu hören, das er sie gleich wieder küsste. Doch dieser ruhige Moment wurde forsch unterbrochen.„Captain Janeway an die Crew der Voyager. Ich habe die Kontrolle über das Schiff wieder erlangt. Kehren Sie Ihren Kurs um und kommen sie zur Voyager zu…" Harry deaktivierte die Lautsprecher. Tal sah ihn fragend an. "Ich habe nichts gehört. Ich denke wir haben da eine Fehlfunktion in dem internen Com-System oder was meinst du?", fragte er sie mit einem breiten Grinsen. "Ja ich kann Ihre Diagnose der System nur bestätigen, Fähnrich Kim.”- antwortete sie bevor sie ihn abermals küsste.

"Es dauerte fast zwei Tage, die gesamte Crew wieder auf der Voyager zu vereinen. Auf Deck 12 wurde derweil in einer isolierten Sektion eine künstliche Umgebung für die Lebensform eingerichtet und dort lebt sie seitdem. Seht ihr?! - Jede negative Situation kann positive Folgen haben und nur wegen dem fremden Wesen sind Harry und Tal heute ein Liebespaar.", erzählte Neelix den vier Borgkindern, die um ihn herum saßen. Die Dunkelheit im Frachtraum verschwand, als die Energie plötzlich wieder aktiviert wurde. Der Talaxianer kniff die Augen zusammen, weil er mittlerweile die finstere Umgebung gewöhnt hatte. Nach und nach passte sich sein Nervensystem der neuen Situation an. "Wie es aussieht hat Captain Janeway eine neue Heimat für unseren Freund gefunden! - Zeit zum regenerieren!", sagte er, in einer gewohnt freundlichen Stimme. "Was wenn die Lebensform das Schiff nicht verlassen hat?”- fragte Azan. "Was wenn es Rache will?", wollte der Zwillingsbruder, Rebi zusätzlich wissen. Neelix grinste und erwiderte:„Was wenn ich euch erzähle, das ich mir die Geschichte lediglich ausgedacht habe?" Die Mienen der ehemaligen Borg wandelten sich zu einem erstaunten Ausdruck, doch es war Mezoti, die als erste wieder sprach:„Naomi hat mir schon berichtet, das du ständig übertreibst." "Ich wusste, das die Geschichte nicht war ist, ab dem Punkt wo du behauptet hast, dass die Bussardkollektoren Nadionemissionen erzeugten.", fügte Icheb selbstbewusst hinzu.„Ich hätte mir denken können, das man euch vier nicht austricksen kann. So, jetzt wird aber regeneriert!" Alle vier stiegen in ihre Alkoven. "Schöne Träume.", sagte Neelix und verließ den Frachtraum in Richtung Turbolift.„Brücke!" Der Lift setzte sich in Bewegung und wenig später hatte er sein Ziel erreicht. Mit einem sanften zischen öffneten sich die Türen. Der Talaxianer betrat die Brücke. "Wie geht es denn den Kindern?", fragte ihn Chakoty sofort. "Sie sind sicher in ihren Alkoven." "Ich hoffe, dass sie keine Angst hatten?", wollte Janeway wissen. "Oh, warum sollten sie sich den fürchten Captain?" "Sie waren drei Stunden in der Dunkelheit!", erwiderte sie. "Nicht doch, ich habe ihnen eine Geschichte erzählt, um die Zeit zu vertreiben. - Ist hier alles… in Ordnung?", erkundigte sich Neelix. "Wir machen nur noch einige Scans, bevor wir den Kurs wieder aufnehmen. - Zeigen sie es ihm Harry!"

Harry tippte kurz auf seiner Konsole herum und schon änderte sich das Bild auf dem frontalen Sichtschirm. Es war eine bunte Wolke inmitten des dunklen Alls zu sehen. "Wunderbar! - Ich hoffe das es hier glücklich lebt?!" "Neelix?", flüsterte Harry und winkte ihn zu sich herüber.

Er machte einige Schritte, bis er direkt vor der wissenschaftlichen Station stand. "Ja Harry?", erwiderte der Talaxianer in einer ebenfalls gedämpften Lautstärke.„Tal und Ich würden gerne ein kleine Party geben?!" "Kein Problem Fähnrich, ich helfe ihnen gerne bei der Vorbereitung." "Danke Neelix!", sagte Harry und lächelte freundlich.


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