
Kapitel 7 - Begegnungen
"Das ist ja unglaublich!", schimpfte B'Elanna Torres am nächsten Morgen beim Frühstück wütend. "Für wen hält sich diese Person eigentlich? Diese ..." "Janeway", ergänzte Seska ruhig. "Janeway", sprach Torres den Namen abfällig aus. "Taucht aus dem Nichts auf ..." "Paralleluniversum", korrigierte Lieutenant Ayala und legte sich ein Brötchen auf seinen Teller. "Wenigstens behauptet sie das, wie ich hörte", warf Crewman Jonas in die kleine Runde, die sich vor Dienstbeginn hier in diesem Restaurant auf dem Holodeck getroffen hatte. "Sagen kann man vieles", knurrte B'Elanna. "Was ist, wenn alles nur gelogen ist? Es kursieren Gerüchte, dass wir ihretwegen nach Tase zurück fliegen und das alles nur, um wohlmöglich in eine Falle gelockt zu werden? Vielleicht steckt sie mit den Vidiianern unter einer Decke und alles ist nur Teil eines viel größeren Plans? Was hat sie mit unserem Captain gemacht, dass er ihr blind vertraut?" "Mariah hat gestern Nacht gesehen, wie der Captain sich zu später Stunde in ihr Quartier geschlichen hat", wusste Michael Jonas zu berichten. "Du meinst, sie hätten ...?", fragte Suder interessiert. "Oh, entschuldige", meinte er plötzlich, nachdem er zu Seska blickte und ihm bewusst wurde, dass er sie damit hätte verletzten können. "Schon gut", sagte Seska lächelnd, "niemand muss sich darüber Gedanken machen, denn Chakotay hat die Nacht mit mir verbracht. Mariah muss sich getäuscht haben." Sie genoss die erstaunten Blicke der anderen und verschwieg, dass der Captain ihr Quartier bereits nach wenigen Minuten wieder verlassen hatte. "Weshalb hat er dich dann nicht auf der Brücke verteidigt und Janeway aus der nächsten Luftschleuse geworfen, als sie diese Lüge über dich verbreitete?" Jonas sah nachdenklich zu Seska. Das hatte sie sich auch die ganze Zeit gefragt und vor allem, was die beiden anschließend in Janeways Quartier gemacht haben. Jonas hatte einen wunden Punkt bei ihr getroffen, doch das würde sie nicht offenbaren. "Er ist der Captain", sprach sie vollkommen ruhig, "er wird es ihr verdeutlicht haben, dass er keine Lügen über seine Crew duldet." "Uuuuh", lächelte Torres und biss genussvoll in das Ei. "Wir sollten ihr einen Denkzettel verpassen", sagte Jonas zu den anderen. Lon Suders Augen glänzten verzückt. "Ihre Haut so zart und blass ...", sprach er melodisch. "Wie fühlt sich diese an, wenn sie erkühlt nach den Auswirkungen meines Hass'?" Lieutenant Ayala ließ laut sein Messer auf den Teller fallen. "Sie sind ja nicht zurechnungsfähig", meinte er angewidert zu Suder und verließ auf direktem Weg das Holodeck. Die restlichen Anwesenden blickten sich gegenseitig erstaunt an, bis sie schließlich in ein Gelächter ausbrachen. "Halt, halt, halt!", rief Seska. "Niemand von euch beseitigt Janeway, damit das klar ist!" Die anderen verstummten und musterten die Bajoranerin irritiert - sie hatten nur einen Scherz gemacht. "Aber gegen ein paar kleine Denkzettel habe ich nichts einzuwenden, solange sie es irgendwie überlebt", fügte sie schmunzelnd hinzu.
Kathryn massierte ihren verspannten Nacken, während sie durch die Korridore ging. Die Nacht auf der Couch zu verbringen war nicht weise, aber sie hatte tief und fest dort bis zum Morgen geschlafen. Das lange Gespräch mit dem Captain hatte dazu beigetragen, dass die vorhandene Skepsis auf beiden Seiten ein wenig reduziert werden konnte, trotzdem war die Situation nach wie vor seltsam. Gestern befand sie sich noch in Gefangenschaft und heute morgen bat man sie, Lieutenant Ayala bei Reparaturarbeiten zu unterstützen. Bevor sie ihre Gedankengänge weiterführen konnte, hörte sie hinter sich jemanden ihren Namen nennen. Kathryn drehte sich um und erblickte eine Frau, die sie bis dato nicht auf ihrem Schiff gesehen hatte. "Captain Janeway?", wiederholte die blonde Frau ihre Frage und trat auf Kathryn zu. "Ja?", erwiderte sie irritiert, denn es war seltsam, dass sie jemand auf diesem Schiff mit ihrem Rang ansprach. "Endlich habe ich Sie gefunden", meinte die Frau, blickte abwechselnd zwischen ihrem Padd und Janeway hin und her. "Was kann ich für Sie tun?", wollte Kathryn von ihr wissen und suchte nach einem Rangabzeichen bei der Person vor sich, doch sie konnte keines entdecken. "Ms ...?" "Auderby", stellte sie sich vor. "Hören Sie, ich habe nur wenig Zeit und es ist absolut wichtig, was ich Ihnen zu sagen habe." Die Frau nahm sie zur Seite und sprach mit gedämpfter Stimme. Janeway nickte. "Ich höre", bestätigte sie interessiert. "Etwas in der Vergangenheit ist schiefgelaufen, aber wir arbeiten dran", berichtete sie geheimnisvoll. "Wir?", hakte Janeway nach. Es wurde immer seltsamer. Was hatte das hier zu bedeuten? "Mehr kann ich Ihnen nicht sagen", entschuldigte sich Auderby. "Gedulden Sie sich noch ein wenig und greifen Sie nicht durch Ihre Präsenz in die derzeitige Machtverteilung hier ein. Wir werden es rückgängig machen und Sie zurück auf Ihr Schiff bringen." "Moment", Janeway blinzelte irritiert, "was wollen Sie mir damit sagen? Dass Sie aus der Zukunft ...", sie rieb ihre Schläfe, "aus der Vergangenheit kommen?" "Ich kann Ihnen nicht mehr über mich sagen", antwortete die Frau ernst. "Das hier ist kein Paralleluniversum? Das ist die Wirklichkeit? Jemand hat die Vergangenheit geändert?" Sie war fassungslos. "Weshalb bin ich dann hier? Und wenn ich hier bin und Sie bringen alles wieder ins Lot, weshalb könnte ich dann nicht theoretisch in diesem Quadranten einen Krieg heraufbeschwören, ohne dass es Auswirkungen hat?" "Vertrauen Sie mir einfach und verhalten sich unauffällig", meinte Auderby nervös. Erschrocken blickte sie an Janeway vorbei - dort hinten kam ein Crewmitglied auf sie zu. Sie durfte auf keinen Fall gesehen werden. "Vertrauen ...", sprach Janeway und folgte Auderbys Blick. "Das ist doch alles unlogisch", ergänzte sie sich und drehte sich wieder um. Verdutzt starrte sie auf die blanke Wand des Korridors - ihre Gesprächspartnerin war urplötzlich verschwunden. Verzweifelt suchte sie nach einer Erklärung für diesen Kontakt und senkte nachdenklich ihren Kopf. Die Schritte, die auf sie zukamen, ließen ihr jedoch nicht ausreichend Zeit hierfür, so konnte sie hier nicht länger verweilen. Rasch drehte sie sich um und nahm ihren Weg wieder auf. Auf die nun folgende Begegnung hätte sie gut und gerne verzichten können. "Guten Morgen, Janeway", begrüßte sie Lon Suder überaus freundlich und streckte ihr seine Hand entgegen. "Sie sehen aus, als hätten Sie einen Geist gesehen. Ist alles in Ordnung mit Ihnen?" "Mister Suder", meinte sie nur knapp mit einem Kopfnicken und wollte sich nicht weiter auf eine Konversation mit ihm einlassen. Bevor sie an ihm vorbeitreten konnte, hatte Lon auch schon ihre Hand ergriffen und stellte sich ihr in den Weg. "Ihre Hand ist kalt", stellte er entzückt fest, "so kalt wie die einer Toten." Ein Schauer lief über ihren Rücken. "Lassen Sie mich sofort los, Suder!", fuhr sie ihn ungehalten an. "Wussten Sie, dass der menschliche Körper nach dem Tod langsam an Wärme verliert und die Totenstarre bereits nach fünf bis sechs Stunden eintritt? Doch bereits nach mindestens fünfzig Stunden löst sich diese wieder, weil die Muskeln sich zersetzen", grinsend hielt er ihr diesen Vortrag und bewegte wie zur Untermalung seiner Worte ihre Hand hin und her. "So vermag Ihr Körper anschließend jede nur erdenkliche Haltung annehmen. Ist das nicht faszinierend?" "Gehen Sie mir aus dem Weg!" Es fehlte nicht viel, dann würde sie ihre Beherrschung verlieren und ihn anschreien. Suder lächelte. "Man könnte fast meinen, Sie hätten Angst vor dem Tod", meinte er verwundert. "Oder haben Sie etwa Angst vor mir, Janeway? Ich will mich doch nur mit Ihnen unterhalten. Bei einer so kleinen Crew ist es wichtig, dass man sich untereinander so gut wie nur möglich kennt." Angewidert konnte sie endlich ihre Hand aus seinem Griff entreißen. "Die Unterhaltung ist beendet!", entgegnete sie scharf. "Aus dem Weg!" "Aber bitte, gerne doch", meinte er grinsend und trat einen Schritt zur Seite. "Ich wollte Sie nicht erschrecken." Wütend ließ sie ihn stehen und ging weiter den Korridor entlang.
Dieser Tag fing überhaupt nicht vielversprechend an, dachte Ayala. Verärgert hatte er seine Kollegen beim Frühstück verlassen und vorzeitig seinen Dienst angetreten. Der Captain schien in letzter Zeit auch eine Schicht nach der anderen zu machen, was Ayala nicht besonders gut fand, denn auch Chakotay brauchte mal eine Pause. Nachdem der Erste Offizier an Bord vor einigen Monaten einem Attentat zum Opfer gefallen war, hatte der Captain aus unerklärlichen Gründen keinen Nachfolger bestimmt. Wie lange würde er dieser Mehrfachbelastung noch standhalten? Oft war er überaus gereizt und unausstehlich. Die Anzahl der Personen an Bord würde sich bald wieder dezimieren und das war weder für das Schiff noch für die restliche Besatzung von Vorteil. Ayala bestieg den nachträglich errichteten Schacht in dieser Sektion und legte sich auf den Rücken. An vielen Stellen der Voyager hatte man improvisieren müssen, so wie auch hier. Vielleicht konnte ihm Janeway bei dieser Reparatur helfen, falls sie sich überhaupt mit den Komponenten auskannte. "Lieutenant Ayala?", fragte Kathryn, nachdem sie ein paar Füße in Schulterhöhe aus einem Schacht herausragen sah. Erschrocken richtete sich Ayala in eine fast sitzende Position auf und hätte sich beinahe den Kopf gestoßen. "Ja, ich bin hier drinnen", antwortete er ihr. Sie war schneller eingetroffen, als er erwartet hatte. "Kommen Sie zu mir." Janeway stieg auf die Kiste, die provisorisch unter dem Schacht stand, und blickte in die enge Öffnung. Dort konnte man definitiv nur schlecht eine Reparatur ausführen, welcher Art auch immer, reichte der Platz in die Breite doch gerade knapp für zwei Personen, wenn diese nicht eine stämmige Figur besaßen. Ayala rutschte so gut es ging an die Seite und schaffte ihr den nötigen Freiraum. Er griff hinter sich in den Schacht nach seinem Werkzeug, um die Klappe über seinem Kopf zu lösen. "Was ist das hier für ein Schacht?", fragte sie verwundert und drehte sich ebenfalls auf den Rücken, den Blick nach oben gerichtet. "Es handelt sich um ein kleines Experiment", meinte er angestrengt, denn das Überkopfarbeiten war alles andere als einfach. "Stützen Sie bitte die Abdeckung ab." Kathryn hielt die Klappe fest, während er die letzte Halterung löste. "Experiment?", wiederholte sie und balancierte das Metallstück auf ihren Handflächen über ihren Kopf hinweg, bis sie es weiter hinten im Schacht ablegen konnte. "Wer hat diesen Zugang konstruiert?", wollte sie neugierig wissen. "Malaner", antwortete er und suchte nach einer Lampe. "Noch nie von diesem Volk gehört", erwiderte sie und folgte aufmerksam dem Lichtstrahl. "Was um Himmelswillen ist das?" Sie rückte näher in die Mitte und stieß versehentlich Ayala ihren Ellenbogen in die Rippen, der leise aufstöhnte. "Verzeihen Sie", entschuldigte sie sich rasch. "Kein Problem", entgegnete er, "der Raum ist nicht für zwei Personen konstruiert worden. Das ist übrigens ein Gelpack." "Das sehe ich", erwiderte sie ein wenig schroff, "aber womit haben Sie es verbunden?" Ungläubig begutachtete sie die Konstruktion. "Es führt zu einer schiffsinternen Erweiterung, die wir von den Malanern erworben haben, aber seit Monaten konnten wir es nicht einsetzen", erklärte er ruhig und sah zu Janeway, die ihn kritisch musterte. Es war stickig hier drinnen und innerhalb kürzester Zeit hatten sich auch auf ihrem Gesicht leichte Schweißperlen gebildet. "Was ist das für eine schiffsinterne Erweiterung?", fasste sie noch einmal ihrer Frage nach und deutete auf die unbekannten Verbindungen an der Schnittstelle des Gelpacks. "Es ist nur ein Element von vielen, die zusammen eine Tarnvorrichtung in die Schiffssysteme integrieren sollten", erzählte er weiter. "Zu Beginn hat es auch funktioniert, aber nach dem ersten Einsatz fiel es plötzlich aus." "Eine Tarnvorrichtung ..." Janeway holte tief Luft. So weit war der Maquis schon gegangen und hatte ein Sternenflottenschiff mit dieser Technologie ausgestattet. "Es ist unverantwortlich, fremde Komponenten mit ins System integrieren zu wollen", äußerte sie leicht verärgert, "man hätte dadurch das gesamte Schiff gefährden können." "Was sollen wir hier draußen machen? Wir können keine nächste Basis anfliegen und uns Ersatz beschaffen", verteidigte er sich. "Wir müssen das nehmen, was uns eine Chance zum Überleben bietet." Er spürte an seiner Seite, wie Janeway erneut tief einatmete. "Werden Sie mir helfen, oder lehnen Sie es aus persönlichen Gründen ab?" Nachdenklich betrachtete sie das Gelpack und anschließend den Mann an ihrer Seite. "Ich kann Ihnen nicht versprechen, ob ich Ihnen überhaupt helfen kann", äußerte sie verärgert. "Mit den Gelpacks könnte ich vielleicht einen Ansatz der Fehlerquelle finden, aber ich brauche mehr Informationen über die fremde Technologie ..." Sie blickte wieder nach oben. "Ich benötige einen Tricorder ... am besten einen medizinischen", forderte sie. "Einen medizinischen Tricorder?", wiederholte er fragend. "Selbstverständlich einen medizinischen Tricorder, Lieutenant. Das ist biomemetisches Gel", sprach sie belehrend, "vermutlich wäre der Doctor für diese Aufgabe sogar besser geeignet als ich." "Dann müssten wir es ausbauen", meinte Ayala, "oder eine Kom-Verbindung zum Doctor herstellen, falls nötig. Gut, ich werde Ihnen einen medizinischen Tricorder besorgen. Hinter ihrem Kopf finden Sie einen normalen Tricorder. Vielleicht hilft Ihnen der in der Zwischenzeit, bis ich zurück bin." Vorsichtig robbte er sich rückwärts auf den Ausgang zu. "Ja, danke, Lieutenant", verabschiedete sich Janeway von ihm und war froh, nun etwas mehr Platz zur Verfügung zu haben. Was würde der heutige Tag noch alles ans Licht bringen? Zunächst die Fremde, Auderby, die sie warnte und im Nichts verschwand. Wäre diese Reparatur bereits ein Eingriff in die Machtverteilung in diesem Quadranten? Kathryn hatte endlich den Tricorder zu fassen bekommen und hielt ihn unter das Gelpack. Wenn es reparabel sein sollte, dann könnte es der Fall sein. Sie wischte sich den Schweiß aus dem Gesicht. Etwas Frischluftzufuhr wäre jetzt genau das Richtige, stellte sie kurzatmig fest. Was sollte die Begegnung vorhin mit Suder bedeuten? Eine weitere Warnung, sich 'unauffällig' zu verhalten und nicht in Angelegenheiten zu mischen, die sie nichts angingen? Steckte Seska dahinter? Der Tricorder zeigte eine Veränderung des Gelpacks, aber eine genauere Diagnose konnte sie nur mit dem anderen Tricorder erstellen. Die Struktur der künstlichen Neuralfasern schien verändert. Wenn der Doctor wenigstens über einen mobilen Emitter verfügen würde ... Er würde hier dringender als Lieutenant Ayala gebraucht. Kathryn drehte sich auf die Seite, legte das Gerät ab und versuchte mit ihrer Lampe zu erkennen, welches weitere Werkzeug ihr noch zur Verfügung stand. Plötzlich spürte sie etwas ihre Knöchel umschließen und sie wurde mit einem Ruck aus dem Schacht gezogen, bevor sie reagieren konnte. Es ging alles so schnell - der Schacht war zu Ende, ihre Füße wurden freigelassen und sie fiel nach unten. Unglücklich landete sie auf ihrer Schulter, hörte ein dumpfes Knacken und ein Schmerz ging durch ihren Körper, der ihr fast die Luft zum Atmen nahm. "Aufstehen!", befahl eine tiefe Stimme. Kathryn stöhnte auf, als dieser Jemand ihren Körper mit dem Einsatz seines Fußes auf die Seite drehte. Sie konnte sich nicht bewegen. "Aufstehen!", hörte sie erneut den Mann befehlen und sah über sich zwei maskierte Gestalten, die mit elektronisch veränderter Stimme zu sprechen schienen. "Was ...?", brachte sie nur gequält heraus. Sie konnte seinem Befehl nicht nachkommen. Die eine Person hielt eine Art Knüppel in der Hand, ließ diesen über ihr Gesicht schweben und hob ihn langsam an. "Bewegen Sie sich!", forderte er sie zum letzen Mal auf. "Ich ...", sie keuchte, "kann nicht." Die zweite Gestalt hielt plötzlich den Arm des anderen fest. "Es reicht", flüsterte er ihm zu. Schweigend tauschten sie durch die kleinen Schlitze ihrer Masken Blicke untereinander aus. "Sie sind hier nicht erwünscht!", sprach einer von beiden eisig zu ihr und die Männer hoben sie an. Janeway biss die Zähne zusammen, um nicht erneut aufzustöhnen. Was hatten sie jetzt mir ihr vor? Verwundert bemerkte sie, dass sie zurück in den Schacht geschoben wurde, als ob nichts passiert wäre. "Lassen Sie die Crew in Ruhe und verschwinden Sie von Bord der Voyager, Janeway, sonst besuchen wir Sie bald wieder!", hörte sie von draußen die letzte Drohung. Ihre Schulter schmerzte noch immer, Janeway blickte keuchend an die Decke des Schachtes. Die Lampe lag neben ihr, doch sie konnte sie nicht ergreifen. Was war das nur für ein verfluchter Tag? Bei nächster Gelegenheit würde sie um die Ausstattung mit einem Phaser bitten. Das würde ihr nicht noch einmal passieren, schwor sie sich und schloss für einen Moment lang ihre Augen. Es kam ihr wie eine halbe Ewigkeit vor, bis sie von draußen Schritte hörte und schließlich Lieutenant Ayala sich wieder zu ihr gesellte. "Hier hab ich das begehrte Stück", meinte er fröhlich, doch er wurde sofort nachdenklich, als er nach der Lampe griff und den Strahl auf sie richtete. "Was ist mit Ihnen?", fragte er, denn sie hatte ein stark verschwitztes Gesicht. "Die Luft hier ist furchtbar", antwortete sie angestrengt und war froh, jedenfalls wieder einigermaßen normal reden zu können. "Richten Sie den Tricorder auf das Gelpack", schob sie rasch einen Befehl hinterher, um nicht näher auf seine Frage eingehen zu müssen. "Aye, Ma'am", erwiderte er und tat wie ihm befohlen. "Wie ich vermutet habe ...", keuchte Janeway nach dem Blick auf die Anzeigen. "Eine krankhafte Veränderung der dendritischen Fasern. Wir müssen das Gelpack ausbauen und auf die Krankenstation bringen." Ayala nickte und benutzte weiterhin den Tricorder, richtete ihn allerdings auf Janeway, die ihm ein wenig zu verkrampft atmete. "Lassen Sie das!", befahl sie streng. "Sie müssen auch umgehend auf die Krankenstation", stellte er kopfschüttelnd fest. "Was um Himmelswillen ist mit Ihnen passiert?" "Nein!", rief sie so energisch sie nur konnte. Sie wollte den Verursachern keine weitere Genugtuung liefern, indem sie auf die Krankenstation einliefern ließ. "Sie verstehen das nicht ...", Kathryn holte tief Luft, "aber Sie vergessen das am besten, was Sie gerade festgestellt haben. Das war ein Befehl, Lieutenant!" "Sie können mir nichts befehlen, Ma'am", erwiderte er ruhig. "Ja, ich verstehe Sie wirklich nicht. Sie sollten sich wenigstens in ihr Quartier zurückziehen. Kommen Sie, ich bringe Sie zurück." "Nein, lassen Sie mich bitte noch etwas hier liegen", bat Kathryn. Er schüttelte verneinend seinen Kopf. "Das kann ich nicht verantworten", meinte er ernst, "davon heilt es auch nicht." Er betätigte seinen Communicator, "Ayala an Captain." "Nein!", zischte sie ihn an. Das war noch schlimmer, als zum Doctor zu müssen, wenn er ihn einweihen würde. "Sprechen Sie, Lieutenant", meldete sich Chakotay und Kathryn verzog ihr Gesicht. "Captain, wir haben hier ein kleines Problem bei den Reparaturarbeiten und benötigen Ihre Hilfe, Sir", umschrieb Ayala die Situation. "Ich bin alleine mit Seska auf der Brücke", sprach der Captain, "kann es bis zur nächsten Schicht warten? Wo liegt denn das Problem?" "Es tut mir leid, Sir, aber ich benötige Ihre Fachkompetenz hier direkt vor Ort, es kann nicht warten", sprach Ayala mit einem kritischen Blick auf Janeway. "Sie müssten sich es persönlich ansehen, Captain, es geht um die fremden Komponenten hier." Ein Seufzen war zu hören. "Gut, ich bin schon auf dem Weg zu Ihnen. Chakotay: Ende." "Das hätten Sie nicht tun sollen", meinte Janeway und sah zu ihm. Er ignorierte ihre Bemerkung. "Können Sie sich bewegen?", wollte er wissen. Er musste sie hier irgendwie herausbekommen, ohne ihr weitere Schmerzen zuzufügen, die ihr alleine die ausgerenkte Schulter bereits verursachte. Vorsichtig zog sie ein Bein an. "Ja, nur einen Moment noch", bat sie. "In Ordnung", sagte er aufmunternd, "Sie bleiben noch etwas hier liegen und ich gehe den Captain in Empfang nehmen. Rufen Sie mich, wenn es Ihnen schlechter geht." "Ja", antwortete sie und sah ihm nach, wie er sich aus dem Schacht entfernte. Sie musste hier irgendwie raus!
"Seska, die Brücke gehört dir", sprach Chakotay kurz angebunden und eilte zum Lift. "Deck 8!" "Ich werde dich gerne vertreten", sprach Seska, nachdem er die Brücke verlassen hatte und sie fragte sich, was für Komponenten seine unverzügliche Präsenz erforderten. Schweigend verließ sie ihre Station und begab sich in den Sessel des Captains. Der Sitz war überaus bequem und er passte zu ihr, wie sie fand. Eines Tages würde sie auch ein Schiff ihr Eigen nennen und diesen Platz für sich beanspruchen. Sie hatte nicht vor, bis in alle Ewigkeit auf diese Chance zu warten. Die Konsole neben ihr zog ihre Aufmerksamkeit auf sie. Eine Audio-Verbindung wurde von einem fremden Schiff angefordert. Sie setzte sich augenblicklich gerade hin, obwohl sie nicht gesehen werden konnte, und öffnete einen Kanal. "Maje Culluh an die U.S.S. Voyager", ertönte die Stimme des Kazon über die Lautsprecher. "Hier ist die Voyager, sprechen Sie", forderte sie ihn auf. Es folgte ein kurzes Rauschen. "Wo ist Captain Chakotay?", wollte Seskas Gesprächpartner wissen. "Er hat leider kurzfristig die Brücke verlassen müssen. Was kann ich für Sie tun?" Seska wusste von den Bedenken der Kazon, sich überhaupt auf dienstlicher Basis mit Frauen zu unterhalten. "Wann treffen Sie bei uns ein?", brummte Culluh schließlich. "Ankunft erfolgt planmäßig bei den verabredeten Koordinaten in ca. 3 Stunden", teilte sie ihm mit. "Gut. Ich hoffe, Sie haben Ihre Auflage diesmal erfüllt!", kam es drohend aus den Lautsprechern und die Verbindung wurde von der Gegenseite beendet. Seska holte tief Luft. Oh ja, die Auflage hatten sie fast erfüllt, soviel sie wusste, aber es gab dieses Mal sogar noch einen besonderen Bonus. Entspannt und zufrieden lehnte sie sich zurück. Der Auto-Pilot würde sie dem Ziel näher bringen und sie konnte ihre Freizeit ein wenig genießen, bis der Captain zurück kommen würde.




