
Lieutenant Ayala lief angespannt in dem kleinen Raum hin und her, den Phaser griffbereit in seiner Hand, falls es noch einmal eine unliebsame Begegnung geben sollte. Wer hatte sie nur so zugerichtet? Ayala verdächtigte nach der Äußerung im Holodeck Lon Suder, doch der war relativ schmächtig und er traute ihm eher zu, jemanden mit einer Waffe zu verletzten. Wer kam noch von der Besatzung in Frage? Weshalb sollte jemand überhaupt einen Grund gehabt haben, dieses zu tun? Janeway war sicherlich kein schlechter Mensch, sie hatte der Voyager bislang nur geholfen. Seska, schoss es ihm durch den Kopf. Seska hatte einen Grund, um der Frau in dem Schacht eins auswischen zu wollen, aber sie war derzeit auf der Brücke, wie selbst sein Captain vorhin unbeabsichtigt bestätigt hatte. Wenn er sich nicht täuschte, dann musste sie jemanden beauftragt haben, diese Schmutzarbeit für sie zu erledigen. Er konnte und wollte es nicht glauben, zu welchem Schluss er gerade kam. Hoffentlich täuschte er sich gewaltig, denn bislang hatte er Seska immer sehr geschätzt und respektiert. "Captain", empfing Ayala seinen Vorgesetzten und senkte seine Waffe. "Gut, dass Sie da sind." Chakotay betrat verwundert den Raum. "Was ist hier los?", fragte er mit einem kritischen Blick auf den Phaser, den Ayala soeben wegsteckte. "Es geht um Janeway", flüsterte er. "Sie wurde verletzt und befindet sich noch dort oben in dem Schacht. Ich brauche Sie, um sie dort vorsichtig heraus zu bekommen." "Und einen Phaser brauchen Sie ebenfalls? Was ist hier wirklich los, Ayala?", hakte Chakotay misstrauisch nach. "Sie spricht kein Wort darüber", berichtete er. "Sie will es totschweigen, aber sie kann sich kaum selbst in diesen Zustand versetzt haben." "Was ist mit ihr?" Langsam wurde er unruhig. "Ich war kurz auf der Krankenstation, um einen medizinischen Tricorder für die Untersuchung des Gel-Packs zu holen", erzählte er weiter. "Als ich wiederkam, fiel mir ihr schlechter Zustand auf und ich scannte sie ebenfalls. Ihre Schulter ist ausgerenkt und sie kann sich offenbar kaum bewegen. Sie müsste eigentlich auf die Krankenstation, aber das lehnt sie strickt ab." Besorgt hörte er die leisen Worte von Ayala und kletterte die Kiste nach oben. "Kathryn?", sprach er in die Öffnung und robbte sich vorsichtig hinein. "Ja ...", erklang es leicht genervt von ihr. Wunderbar, genauso hatte sie es sich vorgestellt! Sie biss kurz die Zähne zusammen und bewegte sich zur Seite. "Gut, dass Sie kommen, Captain. Dieses Gel-Pack ist erkrankt ... Es ist ziemlich leichtfertig, fremde Technologie in ein Sternenflottenschiff einzubauen und ..." Geblendet von der Lampe, die er auf sie richtete, unterbrach sie sich. "Was ist mit Ihnen?", fragte er besorgt. "Sauerstoffmangel", antwortete sie knapp und setzte ein schiefes Lächeln auf. "Was machen Sie da?" "Ich verschaffe Ihnen Luft", erwiderte er bissig und öffnete ihr Hemd, um einen Blick auf ihre Schulter zu werfen. "Schlagen Sie ruhig zu, wenn es Ihnen nicht passt!" Janeway grollte. Wie gerne sie das in diesem Moment gemacht hätte! "Wie haben Sie denn das angestellt?", fragte Chakotay kopfschüttelnd und blickte auf ihre Schulter. Er musste kein Mediziner sein um zu sehen, dass der Oberarmkopf aus der Gelenkpfanne gesprungen war. "Wir holen Sie jetzt hier vorsichtig raus und dann geht es in die Krankenstation mit Ihnen!" "Nein!", fluchte sie. "Sie haben überhaupt nicht über mich zu bestimmen! Ich gehöre nicht zu Ihrer Crew und ich werde nicht auf die Krankenstation gehen!" "Ayala!", rief er nach draußen. "Nehmen Sie sie vorsichtig an den Beinen, sobald ich das Kommando dazu gebe! Und Sie, Janeway, fordern Sie mich nicht heraus!" Behutsam griff er unter ihren Oberkörper und hob ihn an. "Jetzt, Ayala!" "Aye, Sir!", kam es aus dem Vorraum und Zentimeterweise brachten sie sie dem Ende des Schachtes näher. "Ich kann mich allein bewegen!", protestierte sie. "Ja, wie ein junger Fisch im Wasser, ich sehe", erwiderte er ironisch. Plötzlich bewegte sie ihre Beine und ihre unverletzte Hand griff in Chakotays Nacken. "Halt, Lieutenant!", befahl er seinem Offizier und dieser stoppte umgehend. "Machen Sie das noch mal, Janeway", schmunzelte er erfreut. "Das werde ich nicht!", murrte sie. "Ebenfalls werde ich nicht in die Krankenstation gehen. Ich habe meine Gründe, Captain, und die werden Sie mir nicht ausreden." "Das habe ich auch nicht vor", entgegnete amüsiert über diese verbissene Hartnäckigkeit. "Und weiter, Ayala!" Erneut hoben sie sie an und näherten sich langsam dem Ausstieg. "Was sind denn Ihre Gründe?", atmete er schwer. "Wen wollen Sie schützen?" "Ich will niemanden schützen!" Kathryn spürte, wie Ayala nach ihrer Hüfte fasste und er sie schließlich von Chakotay entgegennahm. Vorsichtig stieg er mit ihr die Kiste hinab. "Können Sie stehen?", wollte der Lieutenant wissen und als sie ihm zunickte, setzte er sie langsam ab. "So? Wollen Sie nicht?", stichelte Chakotay und kletterte aus dem Schacht. "Es hat aber ganz den Anschein." "Die Genugtuung von vorhin soll für die Täter ausreichend sein, mehr werde ich Ihnen nicht verschaffen. Ich verkrieche mich nicht auf der Krankenstation!", sprach sie verärgert. "Aha, dachte ich mir schon, dass nur mehrere Personen mit Ihnen fertig werden", schmunzelte er. "Gut, Janeway, aber so können Sie nicht hier herumlaufen ... Sie 'verkriechen' sich jetzt kurz woanders. Computer: Nottransport von drei Personen in mein Quartier!", befahl er rasch, bevor irgendwelche Einwände von ihr zu hören waren und umgehend verwandelte sich der Raum vor seinen Augen.
Sie materialisierten sich in des Captains Quartier und Ayala fragte sich, was er jetzt tun konnte, um zu helfen. "Los, runter auf den Boden!", befahl Chakotay Janeway. Kathryn blickte ihn irritiert aus großen Augen heraus an. "Wie bitte?", fragte sie. "Setzen Sie sich auf den Fußboden, entfernen Sie den Stoff von ihrem Arm und von der Schulter, damit ich Sie besser anfassen kann", erklärte er eilig und zog sich seine Weste aus. Ihre Augen wurden noch größer. "Wie darf ich das bitte verstehen?" "So wie ich es gesagt habe", gab er zurück und stutzte, als er ihren seltsamen Blick sah. "Die Schulter muss schnellstens wieder eingerenkt werden, nun los!" Sie folgte seinen Anweisungen und setzte sich auf den Fußboden. "Und nun?" "Ziehen Sie Ihre Beine zum Oberkörper, winkeln Sie die Knie an", sprach Chakotay und kniete sich hinter ihren Rücken. "Ayala, halten Sie gleich ihre Arme fest und achten Sie darauf, dass sie ihre Position nicht ändert." "Aye, Sir", erwiderte der Lieutenant und kniete sich vor ihre Beine. Gleich kam der unangenehme Teil, wie er sich plötzlich daran erinnerte, so hatte ein Kollege es ihm einmal erzählt. "Gut, jetzt legen Sie die Arme um Ihre Knie", erklärte Chakotay und half ihr vorsichtig, den verletzten Arm in die notwendige Position zu bringen. "Versuchen Sie sich zu entspannen." "Oh", grollte sie vor Schmerzen, "ich bin entspannt wie nie zuvor in meinem Leben!" Ayala fasste nach ihren Händen und hielt diese auf ihren Beinen fest, Chakotay griff währenddessen unter ihren Armen hindurch und legte seine Hände vorsichtig auf den hervorstehenden Oberarmkopf. "Jetzt lehnen Sie sich langsam mit dem Oberkörper zurück, Kathryn. Weiter, noch ein Stückchen ..." "Es geht nicht weiter!", rief sie verkrampft. "Aber sicher geht es noch ein ganzes Stück weiter, Kathryn, Sie müssen nur locker bleiben. Atmen Sie normal!" "Ich erwürge Sie!", schimpfte sie. "Dazu brauchen Sie schon beide Hände", schmunzelte er. "Einatmen und ausatmen, Kathryn, einatmen und ausatmen. Ja, so ist es besser ... Wissen Sie eigentlich, dass Sie hinreißend aussehen, wenn Sie wütend sind?" Er versuchte sie mit dieser Bemerkung abzulenken, denn der bevorstehende Ruck würde sehr schmerzhaft für sie werden. Stirnrunzelnd blickte Ayala zu den beiden und hielt sie so fest er konnte in Position. Sein Captain überraschte ihn immer wieder. "Wie bitte? Was fällt Ihnen ein?", brachte sie empört hervor und unterdrückte krampfhaft einen Schrei, als er nachhalf und sie nach hinten drückte. Er spürte unter seiner Hand, wie das Gelenk wieder zurück in der Pfanne verschwand und hielt sie weiterhin fest umschlungen. Sie atmete heftig und er lehnte ihren Rücken an seinen Oberkörper. "Wenn Sie sich dazu in der Lage fühlen, dann versuchen Sie, ob Sie ihren Arm wieder vorsichtig bewegen können", sprach er in ihr Ohr. Ayala war sich sicher, sie wieder loslassen zu können und so erhob er sich langsam. Er blickte hinab auf die beiden und ein Gefühl in ihm sagte ihm, dass er noch ganz viel Arbeit zu erledigen hätte. Langsam hob sie ihren Arm an und bewegte ihre Finger. "Um jemanden zu erwürgen sollte es reichen", scherzte sie, obwohl die Bewegung noch schmerzte. Chakotay schmunzelte erleichtert. Ihre Haare rochen gut und er hielt sie länger umarmt, als es überhaupt notwendig gewesen wäre. "Sir", räusperte sich Ayala, "mit Ihrer Erlaubnis werde ich zurück zum Gel-Pack gehen und es auf die Krankenstation bringen." "Erlaubnis erteilt", erwiderte Chakotay zustimmend - fast hätte er seine Anwesenheit vergessen. Mit einem respektvollen Nicken entfernte Ayala sich zügig aus dem Zimmer. Auf seinem Rückweg nach Deck 8 dachte er noch lange über den Vorfall nach. Wie er seinen Captain kannte, würde dieser nicht dulden, dass so etwas auf seinem Schiff passierte und nach den Verursachern suchen. Er wollte noch einmal mit Janeway und dann mit Chakotay über die ganze Sache reden, beschloss er. Es war ungewohnt zu sehen, wie sein Captain seit der Ankunft dieser Frau zeitweise sich so verhielt, wie er ihn von früher her kannte. Die Verbissenheit und sein Zorn waren in den letzten Stunden mehrmals von ihm abgefallen und seit Jahren entdeckte er zum ersten Mal wieder ein Lächeln bei Chakotay. Janeway tat ihm offenbar gut und es war Ayala eine Freude, dieses zu sehen. Er hoffte sehr, dass sie der Anfang für ein paar Veränderungen an Bord dieses Schiffes sein würde - es konnte nicht bis in alle Ewigkeit auf diese Weise fortgeführt werden.
Allmählich wurde selbst Seska nervös. Wo blieb nur der Captain? Sie hatten inzwischen die Koordinaten erreicht und sie hatte alle Vorkehrungen, die notwendig waren, getroffen. Die Voyager ruhte im All und hoher Besuch war auf dem Weg zu ihnen. Ob Janeway dafür verantwortlich war, dass sie die letzten Stunden alleine auf der Brücke verbringen musste? Die Türen öffneten sich und die vermisste Person eilte im Laufschritt auf sie zu. "Alles vorbereitet?", fragte Chakotay fröhlich. "Ja", brummte Seska und musterte ihn. Weshalb war er so gut gelaunt? "Suder führt den Maje gerade aus dem Transporterraum 1 zu uns, alles andere wurde arrangiert." "Wunderbar", meinte er und eilte wieder zurück zum Lift. "Es ist mehr als angemessen, wenn der Captain den Maje persönlich abholt, nicht wahr?" Seska legte ihre Stirn in Falten. Seine fröhliche Stimmung war ungewöhnlich und passte nicht ins Bild. "Ja", erwiderte sie nur kurz, denn sie wusste, dadurch wieder alleine für die Brücke verantwortlich zu sein. Ohne ein weiteres Wort verließ er sie und Seska hatte ein ungutes Gefühl. Was war in der Zwischenzeit passiert, das ihn wie ausgewechselt erscheinen ließ? Sie würde es früher oder später schon herausfinden, schwor sie sich.
"Hier entlang, bitte", bat Lon seinen Gast ihm zu folgen. "Ich kenne inzwischen den Weg", brummte Culluh nicht gerade freundlich und überholte seine Begleitung. Zwei von seiner Crew waren bereits auf den Weg in den Frachtraum der Voyager, wo die neue Ware für sie bereitstand. Der Handel wurde in den letzten Monaten immer schlechter und er war gespannt, ob der Captain diesmal seine Auflagen erfüllen würde. Dieses Schiff hatte seinem Volk alles zu verdanken - ohne sie hätten die Fremden hier nicht überlebt. Diese Tatsache allein war Grund genug für Culluh, dass er die Regeln aufstellte und diese auch erfüllt werden mussten. "Wo ist Ihr Captain?", fragte er nach einer Weile. "Er erwartet Sie bereits", antwortete Suder und sah im nächsten Augenblick seinen Captain in dem Korridor erscheinen. Chakotay hatte sich beeilt, so schnell er nur konnte, seinen Gast in Empfang zu nehmen. "Maje, ich freue mich, Sie zu sehen", begrüßte er das Oberhaupt höflich und deutete Suder mit einem Kopfnicken an, er könne zurück an seine Arbeit gehen. "Captain", erwiderte Culluh mit einer gespielten Freundlichkeit, "ich hoffe, die letzten Wochen in diesem Quadranten waren angenehm für Sie?" "Ja, das waren sie", entgegnete Chakotay freundlich, wusste er doch, worauf diese Bemerkung hin abzielte. "Wie viele haben Sie für uns?", fragte der Kazon ohne Umschweife nach. Chakotay bemühte sich weiterhin um ein heiteres Gesicht. "Wir konnten mehr als beim letzten Mal davon überzeugen, sich Ihnen anzuschließen ... Es sind zehn." "Zehn?" Der Maje stoppte inmitten seiner Bewegung und blickte nun gar nicht mehr freundlich in Richtung des Captains. "Das ist nicht einmal die Hälfte, die wir forderten", meinte er eisig. "Ja, ich weiß", gab Chakotay ein wenig zerknirscht zu, "doch die, die Sie begleiten werden, tun dies aus freiwilligen Stücken. Wir haben doch gesehen, was in den letzten Jahren alles passiert ist bei denen, die wir dazu gezwungen haben. Sie können sich sicher sein, dass Sie qualifiziertes Personal für Ihre Ansprüche bekommen, es sind alles ausgezeichnete Fachkräfte auf ihrem Gebiet. Man findet so etwas nur schwer, das wissen Sie."
Janeway verließ den Turbolift und eilte durch den Korridor. Es ging ihr gut. Sie konnte von Glück sagen, dass Chakotay in seinem Quartier einige medizinische Geräte aufbewahrte, die er seit seiner letzten Verwundung vergessen hatte, wieder auf die Krankenstation zurück zu bringen. Die leichten Blessuren waren verschwunden und sie fühlte sich voller Tatendrang, auch wenn der Captain ihr geraten hatte, die nächste Zeit sich in ihr Quartier zurück zu ziehen, konnte sie doch der Bitte von Lieutenant Ayala nicht absagen. Ein technisches Problem beschäftigte den Mann im Transporterraum und sie war froh, ihren Aufenthalt auf diesem Schiff mit etwas Arbeit zu bereichern.
"Vielleicht kann ich ein oder zwei weitere Personen von unseren Neuzugängen davon überzeugen, sich ebenfalls Ihnen anzuschließen", lenkte Chakotay schließlich ein. "Das wäre in Ihrem eigenen Interesse, Captain", meinte Culluh kühl, "sonst sehe ich mich in Zukunft gezwungen, die fehlenden Kräfte von Ihrer Besatzung abzuziehen." Chakotay blieb stehen. "Das können Sie nicht und das wissen Sie", sprach er verärgert. "Wir fliegen mit einem Minimum an Personal. Sollten Sie das tun, schneiden Sie sich ins eigene Fleisch." Der Maje musterte ihn unbeeindruckt. "Sie haben diesen Handel gewollt. Ohne uns wären Sie nicht mehr am Leben", sagte er mit einem Lächeln. Chakotay hörte Schritte und blickte zum Ende des Korridors. "Wir tun unser Möglichstes", sprach er, während sein Herz fast auszusetzen drohte. Rasch setzte er ein Lächeln auf und legte freundschaftlich seine Hand auf den Arm des Maje. "Wir sollten diesen Tag zusammen feiern, denn es ist ein weiterer Schritt für den Aufbau des Kazon-Imperiums getan", sprach er feierlich. Verdammt, er hätte sie anketten oder doch einweihen sollen, fluchte er innerlich und hoffte, sie würde einen anderen Weg einschlagen oder der Maje wäre zu abgelenkt, um sie zu registrieren. "Wie wäre es, wenn wir zusammen", vorsichtig wollte er ihn in die andere Richtung dirigieren, "nach den neuen Mitgliedern ihrer Sekte sehen?" "Meine Männer sind bereits im Frachtraum", erwiderte er und witterte Verdächtiges. "Gehen wir in Ihren Bereitschaftsraum und besprechen zunächst unsere Geschäfte."
Kathryn verlangsamte instinktiv ihren zügigen Schritt, als sie erkannte, wer auf sie zukam. Sie schluckte und spürte, wie ein altes Gefühl von Wut in ihr wieder aufkeimte - Maje Culluh. Das war also das wichtige Treffen mit den Handelspartnern. Kurz überlegte sie, ob sie einen anderen Weg einschlagen sollte, doch der Kazon kannte sie nicht - sie kannte ihn. Nein, sie müsste sich nur unter Kontrolle haben und mit einem unauffälligen Kopfnicken die beiden passieren. Was hatte Auderby gesagt? Sie solle sich 'unauffällig' verhalten? Sie holte tief Luft und ging weiter in Richtung des Transporterraumes.
"Einverstanden", sagte Chakotay und angespannt beobachtete er, wie sie immer weiter auf einander zugingen. "Es sind zwei Taseianer, die sich Ihnen anschließen und den Rest haben wir von einem Planeten namens Saron", erzählte er unermüdlich irgendetwas, nur um den Maje zu beschäftigen. "Wer ist das?", fragte Culluh leise und deutete mit seinem Blick auf Janeway. Er kannte dieses Crewmitglied noch nicht und sie sah aus wie ein Mensch. "Wo haben Sie sie her?" "Crewman ...", mit einem höflichen Kopfnicken passierten sie Janeway und Chakotay sah, wie sehr interessiert Culluh ihr nachblickte. Er könnte ihm nicht weismachen, sie wäre schon lange an Bord - er kannte seine kleine Besatzung in- und auswendig. Ein Mensch war in dieser Region des Quadranten so gut wie gar nicht anzutreffen. Verdammt, wie sollte er es ihm erklären? "Sie ist ebenfalls von Saron ...", begann er seine Lüge. "Hey, Sie da!", rief Culluh Janeway hinterher. "Stehen bleiben!" Kathryn erstarrte, hatte sie doch geglaubt, nach den paar Metern erfolgreich die beiden passiert zu haben. Langsam drehte sie sich um und blickte zurück. "Wie kommt ein Mensch nach Saron?", fragte Culluh interessiert den Captain. "Sie muss dort aufgewachsen sein ...", meinte Chakotay und versuchte ihn daran zu hindern, zu Janeway zu gehen. "Hören Sie, Culluh", flüsterte er zu ihm und legte freundschaftlich seinen Arm auf seine Schulter, "diese Person ist nicht besonders intelligent, daher habe ich sie nicht mit in Ihre Lieferung einbezogen." "So?", der Kazon blickte skeptisch zum Captain. "Weshalb ist sie dann überhaupt an Bord? Wofür findet sie Verwendung?" Chakotay lächelte. "Von Mann zu Mann ...", führte er sein Gespräch flüsternd fort, "Culluh, Sie können sich bestimmt denken, wofür ich sie für mich ausgesucht habe." Es dauerte ein paar Sekunden, bis der Kazon verstand, was sein Gegenüber damit meinte und schließlich lachte er. "Das verstehe ich nur zu gut", schmunzelte er. Der Captain ließ sich von seinem Lachen gespielt anstecken. Gut, dass Janeway weit genug entfernt stand und dieses nicht gehört hatte. "Das ist das Einzige, wozu sie gut sind", sprach Culluh weiter und plötzlich wurde er wieder ernst. Er blickte zu der Frau, die dort hinten abwartend stand. "Wie es der Zufall so will, werde ich ein Nachsehen mit Ihnen und der nicht erfüllten Vereinbarung haben, Captain", er bewegte sich langsam auf Janeway zu, "denn was gut für Sie ist, wird auch gut für mich sein. Ich nehme sie mit und erlasse Ihnen Ihre Schulden." Chakotay fasste sich an den Kopf und folgte Culluh. Konnte ihm nichts Besseres eingefallen sein? Verdammt! "Wie heißen Sie?", fragte der Maje und betrachtete die Frau von oben bis unten, während er um sie herum ging. "Kathryn Janeway", antwortete sie und sah ihm eisig zu, wie er sie wie ein Stück Ware begutachtete. Fragend warf sie einen Blick in Chakotays Richtung, was das hier zu bedeuten hatte. Der Captain versuchte ihr durch ein Kopfschütteln und ein paar lautlosen Mundbewegungen zu signalisieren, sie sollte möglichst nichts sagen. Hoffentlich hatte sie ihn verstanden. "Sie steht nicht zum Tausch", sprach er ruhig zum Maje und erntete einen Blick von Janeway, der ihn hätte umbringen können. "Sie sind nicht in der Position, das zu entscheiden", antwortete Culluh scharf. "Woher kommen Sie, Janeway?", wollte er von ihr wissen. "Das geht Sie nichts an, Culluh!", sprach sie erhobenen Hauptes und ihre Augen funkelten ihn böse an. Fast hätte Chakotay über Culluhs verdattertes Gesicht lachen müssen, doch die Situation spitzte sich durch ihre Bemerkung nur zu. "Respektlos wie alle Ihre Frauen", meinte er zum Captain gewandt, schnellte herum und versetzte Janeway einen Schlag, der sie kurzzeitig zu Boden gehen ließ. "Aber ich werde sie mir schon erziehen." "Fassen Sie sie nicht an!", rief Chakotay und zog den Maje an den Schultern von ihr fort. Culluh lachte dreckig. "Sie muss ja ganz besondere Qualitäten aufweisen, wenn Sie sich so aufführen", grinste er und richtete seine Waffe auf den Captain. "Nehmen Sie Ihre Hände von mir! Sie wollen doch nicht wegen einer Frau in Ihr Verderben rennen, oder?" Wutschnaubend ließ Chakotay ihn los. "Ich sage es nur noch einmal", drohte er ihm, "Sie werden sie nicht bekommen!" Kathryn stand bereits wieder vor den beiden. Ihre Wange brannte und sie verfluchte Chakotay dafür, dass er ihr vorhin keinen Phaser hatte aushändigen wollen. "Wenn ich sie nicht bekomme", sprach der Maje lächelnd, "dann werden Sie sie auch nicht bekommen!" Flink richtete er seine Waffe auf Janeway und feuerte einen Schuss ab. "Nein!", schrie Chakotay und stürzte sich auf ihn. Erschrocken taumelte Janeway gegen die Wand und beobachtete den Kampf, seltsamer Weise spürte sie keinen Schmerz. Er musste sie verfehlt haben. Gezielt versetzte der Captain dem Kazon einen Kinnhaken, der ihn benommen taumeln und die Waffe verlieren ließ. "Laufen Sie!", rief er ihr verzweifelt zu und nutzte die Gelegenheit, um einen weiteren Schlag auszuteilen, der den Kazon zunächst außer Gefecht setzte. "Verdammt, worauf warten Sie denn?", schrie er, packte sie an der Hand und zog sie hastig mit sich durch den Korridor. Brummend und benommen rappelte sich Culluh wieder hoch. "Das wird Ihnen noch leid tun!", rief er zornig hinter den Flüchtenden her und suchte seine Waffe. Keuchend bogen beide um die nächste schutzbietende Biegung des Korridors, als dicht hinter ihnen ein Schuss zu hören war. Instinktiv duckten sich beide beim Laufen. "Wo wollen wir überhaupt hin?", fragte sie außer Atem. "Das ist doch sinnlos! Sie können mich nicht verstecken!" "Sein Sie endlich still!", fuhr er sie heftiger an als beabsichtigt und zog sie weiter mit sich. Sie hatte Recht, das wusste er, aber er würde sie nicht den Kazon überlassen. "Hier!", Chakotay öffnete geschwind eine Tür und lief mit ihr in den Raum. "Ist das Ihr Handelspartner, Chakotay?", wollte sie von ihm wissen und folgte ihm zu einer Luke, die den Einstieg in eine Jeffriesröhre verbarg. "Ja, das ist mein Handelspartner", fluchte er vielmehr über sich selbst als über ihre Frage und schubste sie an. "Hinein mit Ihnen!" Wütend huschte sie in die Öffnung und bemerkte, wie er ihr folgte und die Tür hinter ihnen schloss. "Womit handeln Sie?", fragte sie nach. "Mit Personen?" "Schneller!", trieb Chakotay sie an. "Ja, zum Teufel, ich besorge noch immer Personen für diese Kazon, die für den Aufbau neuer Flotten benötigt werden. Aber niemand schließt sich ihnen unfreiwillig an." Kathryn keuchte ein ironisches Lachen und schlug die sich teilende Röhre nach rechts ein. "Sicher", meinte sie ungläubig. "Als was wollte er mich erwerben? Wohl kaum als neue Technikerin für eine seiner Flotten. Was haben Sie ihm erzählt?" Er folgte ihr auf allen Vieren und war froh, dass die Beleuchtung hier überaus schlecht war. "Glauben Sie mir, das wollen Sie nicht wissen", meinte Chakotay.
Dank der jahrelangen Zusammenarbeit mit dem Captain der Voyager verfügte auch sein Schiff über Communicatoren und der Maje konnte sogar während des Aufenthaltes an Bord dieses Schiffes diese eigenmächtig initiieren. "Schicken Sie mir alle verfügbaren Männer auf die Voyager!", knurrte er wütend und beendete seine Kommunikation. Er war in einer Sackgasse gelandet. Von hier aus ging es nicht weiter. Der Captain und die Frau mussten vorher in einem der Räume verschwunden sein. "Culluh an Captain Chakotay", sprach er in seinen Communicator und machte sich auf den Rückweg. Er würde die beiden schon ausfindig machen - früher oder später ...
Chakotay zuckte überrascht zusammen. "Was wollen Sie, Culluh?", meldete er sich unhöflich und folgte Kathryn weiter durch die Jeffriesröhre. "Ich habe meine Meinung nicht geändert, Sie bekommen sie nicht!" "Wohin wollen Sie denn flüchten, Captain?", war umgehend wieder die Stimme des Kazon zu hören. "Meine Männer sind gleich an Bord und dann dauert dieses Versteckspiel nur noch wenige Minuten. Ich werde kriegen, was ich will." Chakotay antwortete nicht mehr, sondern riss sich seinen Communicator von der Uniform ab und warf diesen fort. "Halt, Janeway!", befahl er und schloss zu ihr auf. "Wir sollten uns davon trennen", sprach er und entfernte ihr Gerät ebenfalls mit einem Ruck. Zweifelnd blickte sie ihn an. "Wie lange, glauben Sie, wird es dauern, bis die auch ohne diese Geräte herausfinden, dass wir uns in den Jeffriesröhren befinden?", gab sie zu bedenken und verschnaufte kurz. Verärgert nickte er. "Wir sind wahrscheinlich die Einzigen, die sich momentan in den Röhren aufhalten", keuchte er und setzte sich für einen Augenblick, um einen klaren Gedanken fassen zu können. "Sie gefährden unter Umständen Ihr Schiff und das Leben Ihrer gesamten Crew", sprach Kathryn und lehnte sich an die Wand. "Das macht kein guter Captain." Er blickte in ihr verschwitztes Gesicht. "Ich bin kein guter Captain", richtete er über sich selbst und studierte ihre feinen Züge. "Ich bin bereit, mich freiwillig den Kazon anzuschließen", meinte sie schließlich ehrlich. So hatte alles keinen Sinn und wenn Auderby die Wahrheit gesprochen hatte, dann wäre es sowieso nur alles eine Frage der Zeit, bis sie wieder an Bord ihres eigenen Schiffes sein könnte. "Geben Sie mir noch etwas Zeit", schüttelte er seinen Kopf und betrachtete sie weiterhin, "mir wird noch eine Alternative einfallen." Es war ziemlich stickig hier drinnen, das lag an den Umweltkontrollen, die hier nur reduziert eingesetzt wurden, um wertvolle Energie zu sparen. Ihre Uniform schien durchnässt - sie hatte sich mehr als er verausgabt. Er stutzte bei dem Anblick, den ihre Weste an ihrer Taille in dieser Haltung freigab. "Was ist ...?", fragte er und berührte sie vorsichtig, Blut klebte an seinen Fingern. "Sie sind ja verletzt!"
Maje Culluh war inzwischen auf die Brücke geeilt und hatte Seska mit den richtigen Worten gedroht, damit sie das Schiff nach dem Captain und der Frau für ihn scannte. "Einen Moment noch", brummte sie den Maje an, denn so hatte sie den Ruf von Janeway in den Transporterraum nicht geplant. Sie musste Chakotay Zeit verschaffen, denn niemals hätte sie sich träumen lassen, dass er eine solche Dummheit wegen dieser Person begehen würde. Janeway wollte sie loswerden, doch nicht ihn. "Hier ...", sie deutete auf die Anzeige ihrer Konsole, "ich konnte ihr Signal in Jeffriesröhre 47 orten." Der Maje lächelte sie begeistert an. Nicht alle Frauen waren offenbar zu niederen Aufgaben zu gebrauchen. Mit einem stummen Kopfnicken schickte er seine Männer neben sich in die eben genannte Sektion. Seska hoffte nur, dass Chakotay schlau genug wäre, die Communicatoren abzulegen und der Maje in diesem Fall einfältig genug, nicht auf eine andere Weise einen Scan des Schiffes zu befehlen.
Kathryn ging es gut. In ihrem Körper musste das Adrenalin seine Wirkung bestens entfachen, denn sie fühlte nichts von ihrer Verletzung. Chakotay hatte es sich jedoch nicht nehmen lassen, ihre Flucht in eine andere Richtung zu dirigieren, um den Blutverlust schnellstmöglich zu stoppen. "Warum verschaffen wir dem Ganzen nicht endlich ein Ende?", murrte sie ein wenig. Die Möglichkeit an ein Shuttle zu kommen und zu fliehen, war überaus gering. Das Kazon-Schiff hätte sie schnell eingeholt und wenn sie sich stellen würden, konnte Chakotay und seine Crew vielleicht auf mildernde Umstände hoffen. "Sind Sie immer so hartnäckig?", schimpfte er und er blickte auf ihre Rückansicht. "Zum allerletzten Mal: Nein!" "Sie sind auch nicht besser!", konterte sie keuchend. Endlich konnten sie kurzfristig eine andere Haltung einnehmen, denn sie gelangten endlich an eine Leiter aus Metallsprossen in der Wand, die die nächste Sektion an Jeffriesröhren miteinander verband. Zügig stieg sie diese hinab und blieb auf der nächsten Plattform stehen. Außer Atem holte er sie ein und zog seine Weste aus. Sein Hemd war bis auf die Haut durchschwitzt und ihres sah ebenfalls nicht besser aus. Rasch entledigte er sich auch dieses Kleidungsstückes, denn sonst würde er die nächsten Meter in diesen Röhren eingehen. Er spürte ihren Blick seinen Körper mustern und sah, wie sie anschließend verlegen zur Seite blickte. "Wollen Sie eigentlich ewig so weitermachen?", fragte sie, den Blick an die Wand gerichtet. Chakotay riss gerade sein Hemd in Streifen und sah sie fragend an. "Was meinen Sie damit?" "Den Handel mit den Kazon", antwortete sie und schaute zu ihm. "Haben Sie nie daran gedacht, diesen Sektor hier zu verlassen?" Er trat auf sie zu und zog ihre Weste aus. "Doch, daran habe ich zu Anfang häufig gedacht", sagte er leise und schob ihr Hemd nach oben. "Aber wo sollen wir hin? Zurück zur Erde? Uns der Sternenflotte stellen?" Vorsichtig wickelte er den Stoff um ihren Leib. Die Schusswunde sah nicht besonders gut aus. Sie hielt die Luft an und schloss ihre Augen, als sie seine Hände auf ihrer Haut spürte. Ja, das war aus seiner Sicht heraus unmöglich. "Wir sollten weiter", hauchte sie heiser.
"Hier sind sie nicht", erklang die Stimme eines Kazon über die Kom-Verbindung zum Maje, der sich noch immer auf der Brücke aufhielt. "Hier liegen nur die Communicatoren der beiden." Culluh knurrte und schlug mit der Faust auf die Konsole neben dem Sessel des Captains. Wütend sprang er auf und lief auf Seska zu. "Scannen Sie das Schiff nach zwei Menschen, die sich in Jeffriesröhren verkrochen haben!", befahl er ihr verärgert und hielt ihr drohend seine Waffe vors Gesicht. Die Bajoranerin schluckte. Hoffentlich hatte der Vorsprung an Zeit Chakotay helfen können. "Ja, Maje", erwiderte sie und betätigte die Schaltflächen vor sich. "Ein bisschen schneller, wenn ich bitten darf!" Culluh fuchtelte mit der Waffe hin und her. Er hasste es, noch länger zu warten. "Ja", sprach sie lang gezogen und wechselte die Ansicht des Displays. "Sie befinden sich in einer Jeffriesröhre auf dem Weg zur Krankenstation." "Na bitte, es geht doch", lachte der Kazon und rieb sich die Hände.
Mit einem Ruck stieß Chakotay die Luke zur Krankenstation auf und kletterte hinaus. "Computer, MHN aktivieren!", rief er und half Janeway aus der Jeffriesröhre zu steigen. "Bitte nennen Sie die Art des ... Um Himmelswillen!", sprach der Arzt, nachdem sein Captain mit freiem Oberkörper an ihm vorbei lief und zur nächsten Konsole eilte. "Sie wurde angeschossen", berichtete er und errichtete um den gesamten Raum hastig ein Kraftfeld. Der Doctor griff nach seinem Tricorder und ging zu Janeway. "Was ist denn passiert? Wurden wir angegriffen?" "Nein, nur der übliche Besuch von den Kazon", erzählte Chakotay weiter. "Na dann ...", murmelte das MHN schulterzuckend und schloss seinen Scan ab. "Der Maje wollte sie mitnehmen", der Captain deutete auf Janeway. "Das konnte ich nicht zulassen." "Hmmm", brummte der Mediziner mit kritisch erhobenen Augenbrauen. "Und jetzt befinden Sie sich auf der Flucht?" "Die hiermit beendet sein dürfte", ergänzte Janeway den Satz. "Es ist ein glatter Durchschuss, das bekommen wir schnell in den Griff", entkräftete das Hologramm ihre Aussage und im selben Augenblick hörten sie, wie sich von draußen jemand Zugang zur Krankenstation verschaffen wollte. "Verdammtes Pack!", schimpfte Chakotay. "Na na, ich möchte doch sehr bitten!", ermahnte der Arzt ihn. "Ich werde es nicht zulassen, dass die Kazon sie mitnehmen oder gar töten!", sprach er außer sich vor Wut. "Hmmm", gab das MHN erneut brummend von sich, "wenn die sie schon nicht töten sollen, dann sollten wir es vorher tun." Sprachs und erntete fassungslose Blicke von Janeway und Chakotay.
"Machen Sie auf!", rief einer der Kazon vor der Krankenstation. "Wir wissen, dass Sie da drinnen sind, Captain!" Ein weiteres Mitglied seiner Sekte kam in Begleitung eines Crewmitgliedes der Voyager um die Ecke. "Los, öffnen!", befahl dieser dem Crewman, das Kraftfeld zu deaktivieren.
"Das hier ist es", meinte der Doctor stolz und überreichte Chakotay den Injektor. "Das löst all unsere Probleme in Sekundenschnelle. Es mag vielleicht teilweise nicht ganz angenehm werden, aber es scheint die einzige Lösung."
Der Captain nahm das Gerät und trat auf Janeway zu. "Sind Sie sicher, dass Sie das wirklich wollen?", fragte er mit besorgter Miene.
"Ich werde hier kaum lebend heraus spazieren können", lächelte sie ihn an. "Entweder ich lande bei den Kazon, oder aber wir machen es auf diese Weise. Gefährden Sie nicht länger sich und Ihr Schiff, Chakotay."
Chakotay schluckte schwer und setzte nach ihrem Kopfnicken den Injektor an ihrem Hals an. Es zischte leise, als er ihn entlud und sie blinzelte einmal. "Für Sie würde ich alles gefährden", flüsterte er und warf dem Doctor den Injektor zu.
Seufzend fing das MHN das Gerät auf und versteckte es. Offenbar fand sein Captain mehr Gefallen an dieser Frau als gut für ihn war.
Kathryn schwankte und Chakotay stützte sie umgehend mit seinem Körper. Ihr verschwamm alles vor den Augen, sie konnte sich nicht mehr alleine auf den Beinen halten. "Das dürfen Sie nicht", bat sie ihn. "Es muss ein Ende haben, Chakotay."
Er hielt sie fest an sich gedrückt und näherte sich gemeinsam mit ihr dem Fußboden. "Ganz ruhig ...", sprach er beruhigend auf sie ein, "vertrauen Sie mir, Kathryn." Sie röchelte und schnappte nach Luft. "Doctor!", rief Chakotay verzweifelt. "Muss das denn sein?"
Der Arzt kam sofort zu ihm gelaufen und kniete sich mit seinem Tricorder zu den beiden. "Es geht nicht anders, es tut mir leid, Captain", sprach er und las die Daten ab.
Chakotays Augen brannten und sein Herz schmerzte, als ihr Körper immer kraftloser wurde und sie erneut nach Luft rang. "Können wir ihr das nicht ersparen?", fragte er zu Tode betrübt.
"Es ist alles in Ordnung, das ist normal", versuchte der Doctor ihn zu beruhigen, obwohl ihm selbst etwas mulmig zumute war.
"Es wird alles gut, Kathryn", flüsterte er und stützte ihren Kopf. Ihre Augen starrten ihn apathisch an, es war ein furchtbarer Anblick, der ihm das Herz zerbrach. "Ich lasse Sie nicht allein, Kathryn, hören Sie?", seine Stimme zitterte. "Hören Sie, Kathryn?"
Sie antwortete nicht, doch sie atmete noch flach.
"Oh oh", gab der Doctor von sich und stand auf. Er hörte, wie das Kraftfeld deaktiviert wurde und nun war es nur noch eine Sache von Minuten, bis sie den Mechanismus der Tür überbrücken würden.
"Kathryn ...", sprach er immer wieder zu ihr mit schwankender Stimme, "Sie sind das Beste, was mir in meinem Leben passiert ist." Vorsichtig küsste er sie auf ihre Stirn. Der Klang seiner Stimme war zerbrochen, als er erneut ihren Namen flüsterte.
Dem Mediziner wurde jetzt unwohl in seiner Haut. Nie hatte er den Captain so verletzt gesehen und er hoffte, dass er dieses alles verkraften würde. Er bedachte ihn mit einem bedauernden Blick und beneidete ihn für die tiefen Gefühle, zu denen er niemals fähig sein würde.
"Oh mein Gott!", flüsterte Chakotay, als ihre Muskeln sich am ganzen Körper auf einmal verkrampften. "Gott im Himmel, das wollte ich nicht, Kathryn." Er strich über ihre Wange und fasste nach ihrer Hand. "Das wollte ich nicht, Kathryn ... Es wird alles gut, Sie spüren gleich nichts mehr ... Haben Sie keine Angst." Eine Träne lief unkontrolliert seine Wange hinab und er drehte sich verzweifelt nach dem Doctor um. "So tun Sie doch endlich was, Doctor!", flehte er ihn aufrichtig an, sie von den Qualen zu erlösen.
"Ich kann nichts mehr für sie tun", rief der Arzt verzweifelt in dem Moment zurück, als hinter ihm die Türen sich öffneten und Maje Culluh mit seiner Gefolgschaft seine Krankenstation betrat.
Chakotay blickte nicht auf. Mit zitternden Fingern schloss er ihre Augen und drückte sie an sich. Ein letztes Mal küsste er sie auf die Stirn. Ihr Blut klebte an seinen Händen und an seinem Körper, ihr Gesicht sah inzwischen entspannt und friedlich aus. Es konnte seinen Blick nicht von ihr wenden und Tränen standen in seinen Augen. Ja, diese wenigen Stunden hatten ihn verändert und sie berührte sein Herz, wie nie etwas anderes zuvor.
"Oh, wie rührend", erhob Culluh seine Stimme, "wenn ich doch nur geahnt hätte, wie viel sie Ihnen bedeutet, Captain ..." Schmierig lächelte er hinab zu dem gebrochenen Mann am Boden.
Vorsichtig legte Chakotay ihren leblosen Körper ab und sprang wutentbrannt zum Kazon. "Sie haben sie auf dem Gewissen, Culluh!", schrie er ihn an und war kurz davor, handgreiflich zu werden, doch seine Begleiter konnten dieses mit vorgehaltenen Waffen verhindern.
Abfällig betrachtete der Maje den Captain. Was war das für ein Mann, der wegen einer nutzlosen Frau Tränen in den Augen hatte? Er verachtete ihn dafür und gab schweigend einem seiner Wächter mit einem Kopfnicken einen Befehl.
Der Kazon zu Chakotays rechten trat an ihm vorbei und setzte einen gezielten Schuss auf Janeways leblosen Körper.
"Nein!", schrie der Captain und begab sich zwischen ihr und dem Kazon.
"Es reicht!", schimpfte der Doctor aufgebracht. "Haben Sie denn keinen Anstand vor den Toten? Was sind Sie nur ...", abrupt endete sein Gezeter, denn einer der Kazon hatte den anwesenden Crewman damit beauftragt, das Programm des MHN's zu beenden.
"Ich werde heute noch einmal Gnade vor Recht ergehen lassen", sprach Culluh selbstgefällig, "und nehme mir jetzt meine Ware an Bord. Ihnen, Captain, empfehle ich für meinen nächsten Besuch, dass Sie sich an Ihre Vorgaben halten, denn sonst werde ich mir die fehlenden Personen von Ihrer Crew beschaffen!" Mit diesen Worten verließen er und seine Männer die Krankenstation.
Chakotay versuchte sein Gleichgewicht auszubalancieren, doch schließlich fiel er verzweifelt auf seine Knie. "Verschwinden Sie!", brüllte er den Crewman und auch Seska an, die nachträglich den Schauplatz erreichte. "Alle zusammen auf der Stelle raus hier!" Sein Gesicht war feuerrot und er beugte sich zu Janeway. "Kathryn ...", flüsterte er weinend ihren Namen und besah sich die Einschuss-Stelle. "Zum Teufel mit euch, verschwindet!", schrie er noch einmal seiner Crew nach, die sich nicht schnell genug entfernte.
Seska tauschte mit dem Crewman einen peinlich berührten Blick und beide kamen dem Befehl des Captains umgehend nach.
"Nein ...", Chakotay wischte seine Tränen fort. Der Schuss hatte ihren Körper in der Nähe des Herzen getroffen. "Computer, MHN aktivieren!" Er hob ihren leblosen Körper hoch und trug ihn zum Operationstisch.
"Bitte nennen Sie die Art des ... Ach, Sie sind es", sprach der Doctor zunächst wieder in die verkehrte Richtung blickend. "Was ...?", dem Hologramm stockte der Atem bei der Menge an Blut, die seine Krankenstation zierte. Er hatte vor seiner Deaktivierung nicht mehr sehen können, dass der Kazon tatsächlich einen gezielten Treffer landen konnte. Rasch holte er seinen Tricorder.
"Computer, Eingangstüren verriegeln, Autorisationscode: Chakotay Delta 881!", rief er und drückte seine Hände auf die frische Wunde von Janeway.
"Eingangstüren wurden verriegelt", bestätigte der Computer.
"Verdammt, nun tun Sie doch endlich was!", fuhr er den Doctor an.
"Ganz ruhig, Captain", ignorierte das MHN seinen scharfen Tonfall, "wir bekommen das schon wieder hin." Rasch drückte er ihm einen Dermalregenerator in die Hand. "Schließen die damit zunächst die untere Wunde", befahl er, während er seinen Scan zu Ende brachte.
Nervös ließ Chakotay den Strahl des Regenerators in geringem Abstand zu ihrer Haut kreisen. Sie wirkte blass, ihre Haut war warm, ihr Herz stand still und die letzte Tatsache raubte ihm fast den Verstand. "Wir dürfen Sie nicht verlieren, Doctor", redete er aufgeregt auf ihn ein, "sie hat es nicht verdient. Hören Sie, Doctor? Sie ist ein guter Mensch."
"Ja", brummte der Mediziner ein wenig genervt, er hatte ihn klar und deutlich verstanden. "Ah ja", fügte er nach Abschluss seines Scans hinzu und aktivierte umgehend den Biosensor am Bett.
"Was ist?", hakte Chakotay ungeduldig nach. Sein ungutes Gefühl verstärkte sich.
"Alles unter Kontrolle", antwortete er zuversichtlich und suchte die benötigten Instrumente auf einem Beistelltisch zusammen. Den Teufel würde er tun und seinem Captain in dieser Verfassung die Wahrheit über den Gesundheitszustand von Janeway berichten. Dieser Kazon war ein guter Schütze - er hatte ganze Arbeit geleistet. Es stand auf Messers Schneide - es lag eine Schädigung des Brustbeins vor, weiterhin eine leichte Perforation des Herzmuskels, des Herzbeutels und der Lunge. Nur gut, dass sie diesen Treffer nicht bei Bewusstsein ausgesetzt war. Seufzend aktivierte er das Schutzhaubengerät und ließ den Captain an die Seite treten.
"Hier", sprach er zu Chakotay und drückte ihm den Osteoregenerator in die Hand, "halten Sie das mal."
"Wie schlimm ist es?", wollte er von dem Hologramm wissen.
Vorsorglich brachte das MHN die Kortikalsonde an Janeways Stirn an. Chakotays Blick ließ sein holographisches Blut gefrieren. Er konnte ihn nicht länger anlügen. "Noch besteht die Möglichkeit, dass wir sie zurückholen können", sprach er nachdenklich leise, "eventuell sogar ohne bleibende Schäden." Er nahm dem Captain wieder den Osteoregenerator ab und begann, die inneren Verletzungen am Herzen zu schließen.
"Sie sagten vorhin, die Methode wäre sicher", erhob Chakotay seine Stimme. Ihm war, als würde ihm ein Dolch ins Herz gestoßen.
"Ich sagte nur, dieses Präparat wäre das Einzige, was bislang an einer menschenvergleichbaren Spezies getestet wurde und bei dem Versuch als sicher galt", korrigierte er ihn und ließ sich nicht in seiner Arbeit stören, "aber es liegen keine Erkenntnisse über den Einsatz bei einem Menschen vor. Außerdem ist es auch nicht mit dieser Kombination an inneren Verletzungen getestet worden. Es sollte den Tod ja nur vortäuschen." Er las zwischendurch ihre Werte auf dem Display über ihrem Kopf ab, sie waren gerade noch vertretbar.
Niedergeschlagen rieb Chakotay sein Gesicht. Ihr Ringen nach Luft vorhin hatte ihm beinahe den Rest gegeben, aber die Befürchtung, sie gänzlich zu verlieren oder ihr bleibende Schäden zugefügt zu haben, konnte er kaum ertragen.
"Captain, wenn Sie den Anblick nicht ertragen können, setzen Sie sich bitte in sicherer Entfernung auf ein Biobett", bat das MHN, das die nervösen Bewegungen von Chakotay aus dem Augenwinkel heraus mitbekommen hatte. "Ich kann mich im Moment nur um einen Patienten kümmern."
Zunächst wollte Chakotay lautstark protestieren, jedoch gab er sich einsichtig, den Doctor nur in seiner Arbeit zu behindern. Unauffällig entfernte er sich und ließ den Arzt in Ruhe weiterarbeiten.
Das MHN zog den kleinen Tisch in seine Nähe und griff nach dem Lungenscanner. Seufzend stellte er fest, dass dies eine weitere medizinische Höchstleistung von ihn fordern würde.
Chakotay setzte sich schließlich auf das erste Biobett am Eingang der Krankenstation und schaute schuldbewusst hinüber zu Kathryn und dem Doctor. Er hätte sie in seine Handlungsbeziehungen näher einweihen sollen, oder sie für den Aufenthalt der Kazon auf der Voyager in ihrem Quartier einsperren müssen. Was hatte sie überhaupt dazu veranlasst, sich in diesem Korridor aufzuhalten? Chakotay verbarg sein Gesicht in seinen Handflächen. Er hatte ihr geraten, sich auf ihr Quartier zu begeben ... Erst jetzt fiel ihm auf, als er über die Begegnung zwischen Culluh und Janeway reflektierte, dass sie den Kazon beim Namen genannt hatte. Er war sich sicher, diesen nicht in ihrer Gegenwart erwähnt zu haben, oder täuschten ihn seine Erinnerungen in diesem Moment so extrem? Culluh hatte darauf nicht reagiert ... Vielleicht täuschte er sich. Er musste sie nachher danach fragen, wenn es denn ein Nachher gab.
Der Doctor wechselte das Instrument und seufzte, was Chakotay zusammenzucken ließ. Nein, er würde ihn nicht fragen, was ihn dazu veranlasste, er sollte sich auf den Eingriff konzentrieren, damit nichts schief lief. Nervös knetete der Captain seine Hände. Sie hatte ihm geholfen und er schaffte es nicht einmal, sie auf seinem Schiff zu beschützen. Es war alles seine Schuld. Stumm machte er sich die schwersten Vorwürfe und sah wieder hinüber zu ihr. Chakotay hatte die Stunden in ihrer Gesellschaft so sehr genossen, wie viele Jahre keine andere mehr. Ihr Lachen und ihre Stimme klang ihm noch immer im Ohr, wenn er an das Gespräch in ihrem Quartier dachte. Sie hatte hinreißend ausgesehen, als sie die Augen schloss und immer wieder einnickte, bis sie schließlich einschlief. Ihre Haut fühlte sich unglaublich gut an und er hatte sie in seinem Quartier bis in alle Ewigkeit nicht wieder loslassen wollen. Ihre Berührungen waren so sanft, dass ihm alleine der Gedanke daran eine Gänsehaut bescherte. Er mochte den Klang seines Namens, wenn sie ihn aussprach. Es gab keine Möglichkeit es zu leugnen - er hatte sein Herz an diese Frau verloren, selbst wenn er es noch immer nicht wahrhaben wollte.
"Das darf nicht wahr sein!", fluchte der Doctor. Gerade eben hatte er erfolgreich die Operation beendet und den Blutverlust gestoppt, als er das injizierte Präparat langsam durch ein Gegenmittel zu neutralisieren versuchte, da mussten ihre Werte auf ein kritisches Niveau sinken. "Captain, ich brauche Sie an der Konsole 4!", rief er zu Chakotay und schaltete die Kortikalsonde ein.
Erschrocken sprang der Captain auf und lief an die befohlene Konsole.
"150 Microjoule!", befahl das MHN. "Jetzt!"
Aufgeregt betätigte Chakotay die Schaltflächen und sah, wie sich Janeways Körper ruckartig anhob und wieder senkte.
Der Doctor begutachtete die Anzeigen und griff unterstützend nach seinem Tricorder. "Gehen Sie hoch auf 200 Microjoule, Captain!"
Chakotay schluckte. "200 Microjoule", wiederholte er, "auf Ihr Kommando."
"Jetzt!", rief der Arzt und wieder zuckte Janeways Körper zusammen. "Tun Sie mir das nicht an", murrte er zu seiner Patientin, "nicht, wo ich fast fertig bin!"
"Doctor, was ist mit ihr?", fragte Chakotay aufgelöst.
"Erhöhen auf 280 Microjoule, auf mein Kommando!" Der Arzt wurde zusehends nervöser. Weiter könnte er nicht gehen, das würde zu Schäden führen. "Jetzt!"
Unverzüglich führte Chakotay seinen Befehl aus und zuckte beim Anblick von Kathryn ebenfalls zusammen. Gott, er durfte sie nicht verlieren!
Der Doctor seufzte. "Braves Mädchen", lobte er seine Patientin zufrieden.
"Was ist mit ihr?", rief Chakotay verzweifelt seine Frage, denn er hatte den Doctor nicht verstanden.
"Alles in Ordnung, Captain", erwiderte dieser heiter, "Sie können sich wieder setzen. Sie hat das Schlimmste überstanden."
Chakotays Beine zitterten. Mühsam machte er einen Schritt vor den anderen und trat hinüber an ihr Biobett. "Es bleiben keine Schäden zurück?", fragte er. "Sie wird es überleben?"
Das MHN schmunzelte. "Ja, sie wird es überleben und soweit ich das jetzt abschätzen kann, ohne Schäden."
Erleichtert atmete Chakotay aus und suchte nach einem Sitzplatz. Sämtliche Anspannung wich von ihm und er musste sich erst einmal setzen. "Wie schnell ist sie transportfähig?", fragte er nach einer Weile der Besinnung.
"Wie bitte?", der Doctor glaubte sich verhört zu haben. Eben noch Stand das Leben der Frau auf Messers Schneide und jetzt wollte der Captain sie irgendwohin transportieren?
"Ich fragte, wie schnell sie transportfähig wäre", wiederholte Chakotay ruhig und blickte von seinem Biobett, auf dessen Kante er sich gesetzt hatte, hinüber zu dem Doctor.
"Das kann nicht Ihr Ernst sein, Captain", sprach das MHN um Überdenken dieser Frage bittend. "Sie muss sich schonen und ich kann sie nicht aus meiner Obhut lassen. Sie ist gerade erst dem Tod davongeeilt. Es sind weitere Beobachtungen notwendig."
"Doctor", erwiderte der Captain weiterhin ruhig, "es gibt ein weiteres Problem, von dem Sie nichts wissen, und das dieses Vorgehen notwendig macht. Ihr Leben könnte davon abhängen."
"Das verstehe ich nicht. Wie kann eine Gefährdung ihres geschwächten Gesundheitszustandes dazu beitragen, ihr Leben zu retten?" Zweifelnd ging er zu seinem Captain.
"Einige Stunden bevor wir mit den Kazon zusammentrafen, habe ich sie übel zugerichtet vorgefunden und dieses muss jemand an Bord des Schiffes, wohlmöglich von meiner Crew, ausgeführt haben. Sollte der oder die Täter nicht zu den Personen gehört haben, die wir für die Kazon besorgten, dann befindet er oder sie sich noch an Bord. Bis ich nicht herausgefunden habe, wer dafür verantwortlich ist möchte ich nicht riskieren, dass sich ein solcher Vorfall wiederholt oder sich die Brutalität beim nächsten Mal steigert, sodass ich ihr Leben auf dem Gewissen habe. Niemand auf dem Schiff soll vorerst eingeweiht werden, dass sie überlebt hat. Niemand! Ich lasse die Voyager unter einem Vorwand nach Tase wenden und werde sie bis dahin verstecken."
Mit sorgenvoller Miene betrachtete der Doctor seinen Captain. Wie wollte er Janeway an Bord verstecken? Er unterließ es, seinem Captain diese Frage zu stellen, denn er hielt es unter den gegebenen Umständen für besser, wenn er so wenig wie möglich in diesen Plan eingeweiht wäre. "Ich werde Sie nicht verraten", erwiderte das MHN leise und reichte Chakotay einen Injektor. "Was immer Sie vorhaben, Captain, gönnen Sie ihr noch ein wenig Ruhe. Wenn die Zeit gekommen ist, wecken Sie sie mit diesem Mittel auf."
Chakotay nahm das Gerät dankend entgegen, erhob sich und legte es auf Janeways Körper ab. "Ich wusste, dass ich mich auf Sie verlassen kann, Doctor", sprach er zu dem Hologramm. Es gab jetzt einiges zu erledigen, wobei er besser keinen Zeugen hätte. "Computer: Medizinisch-holographisches Notfallprogramm deaktivieren", befahl Chakotay und nickte dem MHN ein letztes Mal zu, bevor er sich zur nächsten Konsole begab, um einige notwendige Vorkehrungen zu treffen.




