
Laurentyus saß mit gesenktem Haupt in der Ecke der Couch. Was hatte er nur angerichtet? Er benahm sich nicht seines Alters würdig. In dieser Nacht fand er keinen weiteren Schlaf. Weshalb nur startete er das Wos Saquis mit ihr? Sie waren nicht einmal kompatibel! Seine Hände fuhren über seine Kopfhaut. Ihre Reaktionen innerhalb der ersten Sekunden waren überwältigend und neu für ihn, mit Chandúhdah war es damals anders. Er bekam jedoch auch ihr Entsetzen und ihre Wut zu fühlen, diese Art von Schwingungen hätte er nicht nach den ersten erwartet. Ihr Körper reagierte rasch anders als erwartet, er hätte darauf vorbereitet sein müssen und dieses im Vorfeld bedenken. Zu lange war es her, dass Chandúhdah von ihm gegangen war. Was machte Kathryn so lange? Vor gut über zwei Stunden hörte er Geräusche aus dem Bad, danach war es wieder still. Ob sie jetzt in den Schlaf gefunden hatte? Inzwischen war es später Vormittag und Andarious könnte sie jeden Moment ins Kontrollzentrum rufen. Er wagte es jedoch nicht, sie aufzusuchen. Tief in ihm brachte die Scham ihn fast um den Verstand, da Kathryn eine starke Begierde in ihm ausgelöst hatte. Wie sollte er es ihr erklären, ohne sie erneut zu verärgern? Gab es überhaupt eine Entschuldigung für sein unmögliches Verhalten? Weiter kam er nicht mit seinen Gedanken und auf gewisse Weise erleichterte es ihn, nicht länger der Begegnung mit ihr ausweichen zu können. Die Tür zu ihrem Zimmer öffnete sich und sie ging direkt auf den Ausgang zu. "Kathryn ...", rief er ihr zu, doch sie blickte nicht einmal in seine Richtung. "Kathryn, bitte warte ...", sagte er, sprang auf und lief zu ihr. "Bitte lass mich erklären." Er stelle sich ihr in den Weg und erntete nur einen eisigen Blick. Sie war blass und ihre Augen waren klein, vermutlich hatte sie nicht geschlafen. "Es tut mir leid, was ich getan habe, bitte verzeih." Janeway starrte ihn ausdruckslos an und machte einen Schritt zur Seite, um an ihn vorbeitreten zu können. Der Xaurim reagierte sofort und verstellte ihr erneut den Weg. "Ich habe mich da zu etwas hinreißen lassen, was unverzeihlich ist", klagte er sich selbst an und breitete seine Arme aus, um sie nicht vorbeizulassen. Kathryn sagte kein Wort, sondern wich zur anderen Seite aus. Wieder war er flink genug, um sie erneut am Vorbeigehen zu hindern. "Ich wollte nur, dass Sie sich entspannen und sich wohlfühlen, Kathryn", redete er weiter auf sie ein. "Janeway", verbesserte sie ihn grimmig. Sie glaubte ihm kein Wort. "Ja, ich habe mich vergessen. Ich bin schwach geworden bei dem zauberhaften Anblick ihrer Person ..." Sie rollte mit den Augen und sah ihn nicht direkt an. Es war fast ein Tanz, den sie beide hier veranstalteten. "Bitte, ich möchte nicht, dass Sie auf diese Weise von Bord gehen ...", flehte er. Kathryn verzog das Gesicht und atmete ironisch aus. Sie kam ja nicht einmal durch diese Tür. "Lassen Sie mich vorbei!", sprach sie eisig. "Ich werde alles tun, um mich bei dir zu entschuldigen. Sag mir nur, was ich tun soll. Bitte verzeih mir." "Nehmen Sie sofort Ihre Hände runter", erwiderte sie abgehackt und musste sich konzentrieren, um nicht aus ihrer Haut zu fahren, "und lassen mich nur vorbei." "So hör mir doch wenigstens zu, Chandúdah!", bat er verzweifelt, sie durch seine Handlung gänzlich verloren zu haben. Stirnrunzelnd sah sie zu ihm auf. Sie verstand nicht, was er zu ihr gesagt hatte und dies ließ sie unbemerkt ihre ausweichenden Bewegungen stoppen. Seine Augen blickten verzweifelt zu ihr hinab und sie erkannte eine Trauer in ihnen, die ihr Mitleid kurz weckte. Er hätte sich die Konsequenzen vorher überlegen sollen! Ein leiser Summton ließ sie beide sich in die Mitte des Raumes drehen. "Warten Sie bitte, es könnte Andarious sein, der nach Ihnen verlangt." Laurentyus lief an ihr vorbei zu dem Tisch und nahm das kleine Gerät auf. Kathryn starrte zurück auf den Ausgang, der jetzt frei für sie erreichbar wäre. "Wie ich sagte. Andarious erwartet Sie auf der Brücke. Ich werde Sie ..." Er unterbrach sich, denn als er sich umdrehte, sah er nur die Tür sich schließen. Kathryn hatte den Raum verlassen.
Erst redete er sie mit dem Vornamen an, dann duzte er sie ... Was als nächstes? "Kathryn!" Sie blickte zur Decke und ging brummend zügigen Schrittes weiter den Korridor entlang. Jetzt folgte er ihr auch noch wie ein kleiner Hund und weit und breit kein Motra in Sicht. "Captain!" Bis eben hatte sie versucht, ihn zu ignorieren. Das war also das nächste. "Was?", rief sie gereizt zu ihm. Nicht im Traum dachte sie daran, stehen zu bleiben. "Bitte ..." Laurentyus lief ein paar Schritte und schloss zu ihr auf. Eine ganze Weile liefen sie nebeneinander her, während er sie von der Seite anblickte und Janeway stur geradeaus schaute. Das machte sie fast noch wütender als die Tatsache, dass er ständig um Verzeihung bettelte und wie eine Klette an ihr hing. "Kath..." "Genug!", vergaß sie sich und schrie ihn an. Sie blieb stehen und schaute in seine Augen. Nach einem weiteren Atemzug hatte sie sich wieder in der Gewalt, nicht erneut laut werden zu müssen. "Also schön ...", sprach sie kühl mit gedämpfter Stimme, "ich habe Ihre Entschuldigung vernommen und ich möchte ein für allemal klären, dass Sie mich weder duzen noch mich beim Vornamen nennen! Ich danke Ihnen für alles, was Sie zu meiner Genesung beigetragen haben und ich stehe dafür immer in Ihrer Schuld. Das hat jedoch rein gar nichts mit dem zu tun, was Sie heute Nacht veranstaltet haben. Sollten sich heute noch ein weiteres Mal unsere Wege kreuzen, so warne ich Sie - strecken Sie mir niemals ... Hören Sie? Niemals wieder Ihre Handflächen entgegen und wagen Sie es nicht, mich noch einmal anzufassen!" Sie sah, dass ihre scharfen Worte ihn trafen, doch im Augenblick war es ihr mehr als Recht. "Und hören Sie um Himmelswillen auf, mir hinterher zu laufen!" Sie wandte sich ab und ließ ihn stehen. Zutiefst getroffen sah er ihr nach. "Aber Sie kennen nicht den Weg von hier aus zu Andarious", warf er leise und ruhig ein. "Sie würden sich verlaufen." Kathryns Fingernägel bohrten sich in ihre Handflächen. "Sein Sie unbesorgt, ich habe schon ganz andere Wege gefunden ... ohne Hilfe!" Kopfschüttelnd ließ sie ihn zurück und folgte dem Korridor. Sie würde sich durchfragen, schließlich war er nicht der einzige Xaurim auf diesem Schiff.
Andarious blickte ungeduldig von seinem Sessel aus in die Richtung des Eingangs zum Kontrollzentrum. Das wurde auch Zeit, dachte er. Nach endlosen Minuten gab die Öffnung im Boden den erwarteten Rotschopf frei. "Captain." Er winkte sie zu sich heran. "Wir sind nahe genug, um Ihr Schiff zu kontakten", sprach er und sah zu Xavor. "Halten Sie weiter den Kurs, Xavor." Kathryn nickte und stellte sich neben seinem Sessel in Position. Er musterte sie von der Seite. Sie schien etwas außer Atem zu sein und ihr Gesicht hatte eine gesunde Farbe. "Wo ist Laurentyus?", wollte er wissen. "Ich habe ihn aus seiner Verpflichtung entlassen, Sir. Er ist ein fähiger Wissenschaftler und hat bestimmt wichtigere Dinge zu tun", erwiderte sie. "Andarious", verbesserte er sie und las etwas in ihrem Blick, dass ihn nachdenklich stimmte. "Es mag besser sein, wenn mich der Captain der Voyager zunächst alleine sieht." Janeway sah in seine blauen Augen und nickte. Sie wusste, dass er auch davon Kenntnis besaß, dass sie nicht der Captain dieser Voyager war. Sie folgte seiner Handbewegung nach vorne rechts, wo sie in einem angemessenen Abstand ihren Platz einnehmen sollte, und zögerte nach ihren ersten Schritt. "Was bedeutet Chandúdah?" Diese Frage brannte ihr seit vorhin unter den Fingernägeln - sie brauchte eine Antwort auf das fehlende Stück im Puzzle. Seine weißen Augenbrauen hoben sich erstaunt an. "Es bedeutet 'Blume des Lichts'", antwortete er, "und ist der Name meiner Tochter." Kathryn nahm die geratene Position ein. Seine Aussage stahl ihr weitere Puzzleteile, die sie wohl nie mehr ergründen würde. "Sind Sie bereit?" Es verwunderte ihn, dass Laurentyus mit Janeway über Chandúdah gesprochen hatte. Mit einem Kopfnicken stimmte sie ihm zu, die Kontaktaufnahme zu starten. Erwartungsvoll blickte sie hinaus ins All und wartete darauf, dass eine visuelle Übertragung des Gesprächspartners sichtbar wurde. "Hier spricht Andarious vom Xaurim Raumschiff Mosophy. Bitte melden Sie sich, U.S.S. Voyager." Er schaute auf und nach wenigen Sekunden erhielten sie eine Antwort. Kathryn bekam ein ungutes Gefühl in der Magengegend, als nicht Chakotay sondern Seskas Gesicht in Übergröße vor ihr erschien. Aus einem Reflex heraus machte sie ihre typische Handbewegung, die Mister Kim dazu veranlasste, die Audio-Übermittlung kurz zu unterbrechen. Sie drehte sich zu Andarious, der weiter geradeaus blickte. "Reden Sie", sprach er leise mit seiner Hand vorm Mund, die unauffällig durch seinen Bart strich. Es blieb ihr keine Zeit darüber zu staunen, dass er ihr Zeichen verstanden hatte. "Das ist nicht der Captain. Verlangen Sie Captain Chakotay. Ich vertraue ihr nicht." "Ich weiß", murmelte Andarious und betätigte seine Schaltflächen. "Ich habe eine persönliche Nachricht für den Captain des Schiffes." "Dann sprechen Sie", forderte Seska ihn selbstsicher auf. "Für Captain Chakotay", betonte Andarious und es folgte eine kurze Bildstörung. "Ich werde ihn holen. Der Captain wird Sie kontakten, sobald er auf der Brücke ist." Daraufhin wurde ohne Vorwarnung die Verbindung von der Gegenseite geschlossen. Besorgt wechselte Janeway mit Andarious einen Blick. "Das gefällt mir nicht", flüsterte sie. "Ich muss da rüber ... Können Sie mich an Bord der Voyager beamen?" Der Xaurim las die notwendigen Daten aus, die Xavor ohne einen weiteren Hinweis von ihm auf sein Terminal im Sessel überspielte. Sie waren seit Jahren ein perfektes Team. "Ja, theoretisch wäre es möglich, nur müsste die Voyager ihre Schilde senken." "Gut, dann kündigen Sie mich an oder lenken Sie sie ab, um die Schilde von hier aus zu deaktivieren. Egal wie, ich muss zur Voyager." Janeway setzte zu großen Schritten in Richtung des Ausgangs an. "Halt!" Andarious richtete sich auf. "Wohin wollen Sie?" Seine Stimme besaß die notwendige Schärfe, um Janeway mit Respekt stehen bleiben zu lassen. "Sie können von hier aus meinen Transport initiieren?", fragte sie. "Selbstverständlich, aber das steht nicht zur Debatte. Nehmen Sie Ihren Platz wieder ein!" Er deutete nach rechts. "Wir können jeden Moment gerufen werden." "Bei allem Respekt, Andarious, ich bezweifle, dass wir von Captain Chakotay gerufen werden. Ich habe es im Gefühl, dass etwas passiert sein muss", widersprach sie. "Und ich habe schon gedacht, ich würde Ihren Dickkopf und Ihre Verbissenheit nicht zu Gesicht bekommen ..." Ruhig setzte er sich wieder hin. "Wenn Sie Recht haben, dann würde ich Sie auf eine Selbstmordmission schicken und das Risiko werde ich unter keinen Umständen eingehen." "Sie befürchten auch, dass etwas nicht stimmt, nicht wahr?", wollte sie ihn überzeugen. "Begeben Sie sich auf Ihren Platz. Sie werden die Mosophy nicht ohne mein Einverständnis verlassen", bat er sie zum letzten Mal. Sein altes Gesicht spiegelte ihre Sorgen wieder. Vorerst fügte sie sich und ging zurück. "Habe ich meine Crew verraten?", fragte sie zweifelnd und drehte ihren Kopf zu ihm. "Habe ich die Sicherheitscodes genannt?" Ihr Blick machte sein altes Herz schwer. "Ich würde Ihnen gerne eine Antwort darauf geben", er sah sie mitfühlend an, "aber in diesem Fall weiß ich nur das, was Sie wissen." Sie verstand. Er kannte nur ihre Erinnerungen und diese waren zum gefragten Zeitpunkt mit Drogen und Misshandlungen vermischt, sodass sie wohl bei sich selbst keine Antwort erhoffen konnte. Kathryn drehte ihren Kopf zurück nach vorne und wartete angespannt auf den Ruf der Voyager. Minuten des Schweigens vergingen. "Wo befindet sich Ihre Tochter?", brach Janeway irgendwann die Stille. "Sie starb vor 234 Jahren", antwortete Andarious mit rauer Stimme. Mit offenem Mund starrte sie ihn an. "Das wusste ich nicht ...", kam es über ihre Lippen, "das tut mir leid." Kathryn war irritiert. Sie hatte sich verhört bei der Anzahl der Jahre. "Sagten Sie ..." "Andarious", rief Xavor aus der anderen Ecke. "Wir werden gerufen." Kathryn drehte sich nach vorne und beschloss, ihn später noch einmal danach zu fragen. Erleichtert über den folgenden Anblick atmete sie aus. "Hier spricht Captain Chakotay. Sie haben eine Nachricht für mich?" "Ja", erwiderte Andarious und tauschte einen zustimmenden Blick mit Janeway aus. Er änderte den zu übertragenden, sichtbaren Ausschnitt des Bildes und Janeway trat in die Mitte vor. "Ich freue mich, Sie zu sehen, Captain", begrüßte sie sein visuelles Abbild. Seine Augen glänzten und seine Mundwinkel zuckten. Er schien zu überlegen, was er antworten sollte. "Ich hätte nicht geglaubt, Sie noch einmal zu sehen." Seine formelle Anrede gab dem Wiedersehen einen seltsamen Beigeschmack. "Weshalb ..." "Verschwinde von hier, Kathryn!", rief er ihr warnend zu und sofort brach die Verbindung zusammen. "Chakotay ...", flüsterte Janeway und warf einen entsetzten Blick zu Andarious. "Ich versuche die Verbindung wieder herzustellen", antwortete er. Was passierte auf der Voyager? "Beamen Sie mich rüber", sprach sie flüsternd und lief auf und ab. "Beamen Sie mich sofort auf die Voyager!", fuhr sie Andarious unbeabsichtigt laut an. "Nur über meine Leiche!", hörte Janeway hinter sich eine Frauenstimme. "Seska ...", sprach Kathryn abfällig ihren Namen und blickte auf die visuelle Darstellung der gehassten Person. "Ich habe es gleich gewusst, dass Sie hinter allem stecken." Ungerührt, ja sogar stolz wirkte die Bajoranerin auf sie. "Was haben Sie mit dem Captain gemacht?" "Sie meinen diesen Abschaum, der seinen eigenen Leuten nicht helfen wollte von den Kazon loszukommen?" Seska trat zurück und man erkannte im Sessel des Captains Chakotay sitzen, die Arme hinter dem Rücken versteckt und an seiner geschwollenen Lippe ran Blut hinab. "Er hatte so ein hübsches Gesicht ..." Janeway versuchte sich ihr Entsetzen nicht anmerken zu lassen. Nach außen hin sah sie Seska ruhig und gelassen zu, doch der unnötige Schlag mit dem Gegenstand in Seskas Hand, der Chakotay hart am Kopf traf, stach ihr ins Herz. "Ich werde seine Qualitäten vermissen." Die Bajoranerin strich ihm andeutungsweise über seinen Oberkörper. "Als Captain ist er nicht zu gebrauchen, aber für andere Dinge ..." Lächelnd richtete sie sich auf und sah zu Janeway. "Sie haben sich von seinen Vorzügen ja bereits überzeugen können. Ich überlasse ihn Ihnen ... gegen einen kleinen Tausch: Nennen Sie mir die Sicherheitscodes." Ihr war nicht danach zumute, doch Janeway setzte ebenfalls ein Lächeln auf. Seska steckte also dahinter! "Ihr Angebot ist uninteressant", lehnte sie dankend ab. "Ich könnte ihn töten, wenn Sie nicht kooperieren", drohte Seska. Janeway machte ein lässige Handbewegung in ihrer Kopfhöhe, die soviel bedeutete wie "Tun Sie's!". Ihr war schlecht. "Von mir aus", meinte sie gelangweilt und setzte damit alles auf eine Karte, "aber so bekommen Sie weder die Codes noch haben Sie etwas gegen mich in der Hand." Sie lief auf und ab. Andarious gefror das Blut in den Adern, als er die Worte von Kathryn hörte und sein Gefühl verstärkte sich, nachdem er ihr schmerzvolles Gesicht erblickte als sie sich zu ihm umdrehte, das sie vor ihrer Gesprächspartnerin perfekt versteckte. Fast hätte er ihr geglaubt, sie war sehr überzeugend. "Wenn Ihnen das Leben von anderen so wenig bedeutet", Seskas Gesicht füllte komplett den Ausschnitt, "wie ist es dann mit Ihrem eigenen Leben?" Fragend blickte Kathryn nach oben. Die Antwort spürte sie prompt. "Wie fühlt sich das an?" Die Bajoranerin gab sich interessiert und betätigte etwas in ihrer Hand. "Ich kann es steigern, bis Sie es nicht mehr aushalten und es zu Schäden führt", erklärte sie mit freundlicher Stimme. "Nennen Sie mir jetzt die Codes?" Sie zuckte nicht mit der Wimper. Die Schmerzen im Kopf, die sie an Bord der Voyager hatte, glichen den jetzigen. Wurden diese demnach damals auch von Seska verursacht? Kathryn war überrascht. "Melden Sie sich wieder, wenn Ihnen etwas Besseres eingefallen ist", lächelte sie zurück und wandte sich ab. "Das sollte gut genug für Sie sein. Nennen Sie mir die Codes!", rief Seska. "Nur über meine Leiche!", fuhr Janeway sie an. Die Schmerzen steigerten sich langsam ins Unerträgliche. Wütend funkelten ihre Augen Seska an und sie nahm sich vor, ihr keine Reaktion zu zeigen. "Die Codes, Janeway!" Lange genug hatte er sich zurückgehalten. "Hören Sie sofort auf damit!", mischte Andarious sich ein. "Sie sind nutzlos für Sie. Es gibt keine zweite Voyager." "Ach ja?" Sie dachte nicht im Traum daran, von ihrem Ziel abzuweichen. "Woher wollen Sie das wissen, alter Mann? ... Die Codes, Janeway!" "Nie...mals!" Kathryn sank auf ihre Knie, doch sie unterdrückte ihren Wunsch laut zu schreien. Ihre Hände umschlossen ihren Kopf, der auseinander zu platzen drohte. Das Licht auf der Brücke der Voyager änderte sich plötzlich. "Selbstzerstörungssequenz wurde initiiert", ertönte der Bordcomputer. "Verlassen Sie das Schiff ... Selbstzerstörung erfolgt in 2 Minuten, 30 Sekunden. Keine weitere Audio-Warnung." Der Schmerz in ihrem Kopf ließ augenblicklich nach und Janeway erkannte Seska, die mit lautem Gebrüll auf Chakotay zurannte, um ihn wutentbrannt den Stab in den Magen zu rammen. Sie schloss angewidert die Augen und erhob sich. "Was fällt dir ein, du Bastard? Deaktiviere es sofort!" Seska winkte einen von ihrer Crew als Aufpasser heran. "Ihr Idioten!", schimpfte sie. "Nein, das werde ich nicht", erwiderte Chakotay ruhig. "Du wirst keine Gelegenheit haben, ihr etwas anzutun und du wirst dieses Schiff nicht ins Verderben führen." Seska konnte es nicht fassen, dass Chakotay seine Hände aus den Fesseln bekommen konnte und an die Konsole in der Armlehne gelangt war. Sie selbst hatte nicht an eine solche Situation gedacht und vergessen, Vorsorge hierfür zu treffen. "Ich bringe sie um, wenn du mir nicht den Code nennst, um die Zerstörung aufzuhalten." Andarious gab Xavor rasch ein Zeichen, die Mosophy in sichere Entfernung zu bringen. "Das wirst du nicht schaffen, Seska. Es ist vorbei", sprach der Captain ruhig. "Es reicht, Chakotay!", rief Janeway dazwischen. "Schalte es ab!" "Tu, was sie sagt!" Seska arbeitete fieberhaft an der Konsole, um das Programm zu stoppen. Ihren Sender warf sie rasch jemanden aus ihrer Crew zu, mit einem stummen Nicken als Befehl. "Ja, es reicht, Kathryn. Wir haben genug in diesem Quadranten angerichtet. Es hat jetzt endlich ein Ende", richtete Chakotay das Wort an Janeway. "Es ist nie zu spät für einen Neuanfang", widersprach sie und ihre Hände pressten sich auf ihre Schläfen. "Ich kann es nicht stoppen", gab er zu, "das war so vorgesehen." Kurz bevor die Meuterei an Bord begann und Seska ihn in Gefangenschaft nahm, ahnte er, es würde sich ein Unheil anbahnen und hatte sich mit diesem verschlüsselten Programm eine Nottür geschaffen, die er erst jetzt von hier aus starten konnte. "Dann senke die Schilde", bat sie, "damit wir euch von Bord holen können." Er schüttelte seinen Kopf. "Es geht nicht." Seska fluchte im Hintergrund, Janeways Kopf war kurz vorm Zerplatzen. "Eröffnen Sie das Feuer, Andarious! Setzen Sie die Schilde außer Funktion!", bat sie im Befehlston und schwankte. Der Xaurim tat ihr den Gefallen, obwohl die Zeit dafür nicht ausreichend wäre. Xavor eröffnete auf sein Zeichen hin das Feuer und brachte sein Schiff trotzdem weiter auf Abstand zur Voyager. Der Ausschnitt zeigte eine leicht bebende Brücke, das Schiff wurde getroffen. Chakotay lächelte sie kopfschüttelnd an. "Geh und vergiss ...", sprach er durch das Chaos zu Janeway. "Nein ...", keuchte sie. "Ich hätte dich gerne an einem anderen Ort, zu einer anderen Zeit getroffen, Kathryn ... Ich ..." Die Darstellung flackerte und wechselte auf die Außenansicht der Voyager, zu der sie inzwischen einen großzügigen Abstand erreicht hatten. Lichtblitze schossen auf das Schiff zu, das immer kleiner zu erkennen war. "Nein!", Kathryns Stimme versagte fast vollständig. Je weiter sie sich entfernten, desto geringer wurden ihre Kopfschmerzen, bis sie gänzlich verschwanden. "Nein ..." Das konnte es nicht gewesen sein! Er konnte nicht sein Schiff und seine Crew in den Tod stürzen! Dazu hatte er kein Recht! Es gab keine Rettungskapseln oder Shuttles, die die Voyager rechtzeitig verließen. Kathryn sah direkt ins grelle Licht, das das Schiff plötzlich auseinander riss. Vorbei, er hatte es getan. Sie konnte es nicht fassen. Er hatte sie allesamt ausgelöscht. Janeway taumelte einen Schritt zurück. Nein, das konnte nicht sein! "Laurentyus", rief Andarious Xavor wortkarg zu, diesen zu benachrichtigen. Entsetzt ging er auf Janeway zu, die noch immer regungslos auf die Überreste im All blickte. "Es tut mir unendlich leid, Captain", sagte er traurig zu ihr und wollte ihr von hinten seine Hand auf die Schulter legen. Er zuckte zusammen, als ob ihre Schwingungen ihn verbrannt hätten und wagte es nicht, sie zu berühren. Er trat um sie herum und blickte in ihre ausdruckslosen Augen. Ihr Gesicht war wie versteinert und leichenblass. Sie sprach kein Wort mit ihm, drehte sich nur um und ging zum Ausgang, den Xavor geistesgegenwärtig für sie aktivierte. Er hoffte, Laurentyus würde ihr helfen, dieses zu verkraften, und begab sich zurück in seinen Sessel, in den er sich traurig seufzend fallen ließ. Die Hände vor seine Stirn gefaltet stützte er seinen Kopf und blickte auf seine Beine. Er fühlte sich schuldig, sie überhaupt hierher gebracht zu haben. Nun musste er zusehen, möglichst schnell dieses Gebiet wieder zu verlassen, um den Kazon aus dem Weg zu gehen. Einen abschließenden Scan wollte er jedoch noch von dem Planeten Tase und der Umgebung machen, nur um ganz sicher zu gehen.




