Kapitel 19 - Gefährliche Begegnungen
Lieutenant Commander Tuvok hatte von Chakotay das Kommando über die Brücke übernommen, während dieser das sechsköpfige Außenteam leitete und soeben mit seinen Begleitern auf der Oberfläche des Planetens rematerialisierte. Nach einer kurzen Sicherung des betretenen Geländes wandte sich der Erste Offizier an sein Team. "Ich möchte noch einmal in Erinnerung rufen, dass dieses ein Klasse M-Planet ist und die Tatsache, dass wir bei unseren Scans keine Lebensformen entdeckten sollte Sie nicht dazu veranlassen, die notwendige Sorgfalt bezüglich ihrer eigenen Sicherheit zu vergessen. Die Vegetation ist hier ebenso abwechslungsreich wie das Wetter, wie wir vom Schiff aus beobachten konnten. Im Durchschnitt ändert es sich alle achteinhalb Stunden und ich möchte dann gemeinsam mit Ihnen wieder zurück an Bord der Voyager sein. Der zeitlich kürzeste Abstand zu einer Unwetterperiode wurde mit drei Stunden ermittelt, obgleich sich dieser Wert nur auf eine kurze Beobachtungsphase stützt. Ich möchte kein Risiko eingehen und schlage daher vor, wir treffen uns nach diesem ersten Landgang bereits in einer dreiviertel Stunde wieder hier an diesem Ort, um zurück zu kehren. Mister Paris, Sie gehen zusammen mit Crewman Andrews nach Norden. Janeway, Sie und Neelix begeben sich nach Osten und ich werde zusammen mit Seven einen kleineren Radius süd-westlich erkunden." Er blickte in die Runde und hörte jeweils ein "Aye, Sir" seines Außenteams. "Na dann ... wollen wir das schöne Wetter ausnutzen", sprach Tom leise zu Andrews und warf einen Blick nach oben in den grauen Himmel. "Nach Ihnen." Mit einer galanten Armbewegung überließ er seiner Begleitung den Vortritt, damit er ungesehen endlich lautlos gähnen konnte. Der Abend mit Harry auf dem Holodeck hatte sich länger hingezogen, als ihm heute morgen gut tat. Aber was hätte er denn machen sollen, nachdem B'Elanna vollkommen übermüdet vor seinen Augen nach einer Nackenmassage eingeschlafen war? Ihre Schwangerschaft war bereits sehr weit fortgeschritten und auch wenn sie es nicht zugab, nach einem langen Arbeitstag war selbst die härteste Halbklingonin müde. Tom selbst war viel zu aufgekratzt gewesen, als dass er hätte ins Bett gehen können. Er musste nach all den Wochen mal wieder raus und etwas anderes sehen, da kam ihm die Einladung von Harry, weiter an der neuen, veränderten Version von Fair Haven zu arbeiten, mehr als gelegen. Wie so oft vergaß er dabei die Zeit und dieses rächte sich mit Müdigkeit. Langsam wurde er alt.
"Weshalb hast du sie mitgehen lassen?", fragte Seven nach einer ganzen Weile, als sich die einzelnen Gruppen weit genug entfernt hatten, und ihr Gespräch nicht mit anhören könnten. "Den Captain?", wollte er überflüssiger Weise von ihr wissen und scannte weiter das Gebiet vor ihnen. Chakotay ergab sich vor diesem Einsatz keine geeignete Möglichkeit, mit Janeway oder Seven über seine Entscheidung zu reden. Weshalb hatte er sie mitgenommen? Lag es an seinem schlechten Gewissen wegen gestern? Oder lag die Antwort bereits in seiner Gegenfrage von eben? "Sie ist der Captain", erwiderte er. Seven of Nine hob eine Augenbraue an. "Das ist eine unzureichende Antwort, Commander, die in keinster Weise eine Erklärung bietet." "Bleib ruhig beim Du, Seven. Wir sind alleine. Weit und breit ist kein Lebewesen zu sichten, nur Pflanzen, Sträucher und Steine um uns herum", las er von seinem Tricorder ab. Sie gingen weiter. "Janeway ist der Captain", griff er Sevens Einwand von eben auf, "und das ist bereits die Erklärung, die ich dir gerne näher erläutern werde. Man hätte sie von ihrem Kommando entbinden müssen, wenn es dazu denn einen Anlass geben würde." "Sie funktioniert ... fehlerhaft", warf die Ex-Borg ein. 'Fehlerhaft' - diese Bezeichnung benutzte sie bereits ein paar Tage zuvor im Zusammenhang mit Janeway und sie war bemüht, ein anderes Wort für den Zustand des Captains zu finden, doch ihr fiel kein passenderes Synonym ein. "Ihr Gedächtnis ja; es versperrt ihr wichtige Erinnerungen, doch glaube ich, sie wird trotz allem noch wissen, wie sie ihren Phaser und den Tricorder zu bedienen hat. Es wird ihr gut tun, beschäftigt zu sein und sich frische Luft um die Nase wehen zu lassen. Tagelang in selbst auferlegter Isolation Logbucheinträge zu studieren ist nicht unbedingt förderlich für gute Laune ... Lass uns in diese Richtung weiter gehen", schlug er mit einem Fingerzeig vor.
"Neelix", seufzte Janeway leicht gequält. Der Talaxianer überreichte seinem Captain abermals eine Probe eines vermeintlich essbaren Gewächses. "Das dient nur zur Überprüfung an Bord, Captain. Es ... es kann gut sein, dass das die Spezialität schlechthin in Zukunft sein wird. Das können wir uns nicht entgehen lassen." Kommentarlos rollte sie mit den Augen, nahm das Grünzeug entgegen und verstaute es in ihrem speziellen Beutel für diese Außenmission, den sie um ihre Schultern trug. Langsam schmerzten diese von dem Gewicht. Dem Koch schien das alles nichts auszumachen. Energiegeladen redete er unermüdlich auf sie ein und hatte seine Tasche bereits nach knapp 20 Minuten randvoll gefüllt. "Halt!", warnte sie ihn vor. "Nichts von alledem wird gekostet, bevor der Doctor nicht eine genaue Analyse erstellt hat." Neelix zuckte mit den Schultern und reichte ihr daher das nächste, in seinen Augen wohlschmeckend aussehende Grünexemplar. "Wir könnten soviel Abwechselung in den Speiseplan bringen, Captain", sprudelte es nur so vor Begeisterung aus ihm raus. "Meinen Sie nicht, das wäre ein guter Anlass für eine Feier? Es ist eine ganze Zeit her, seit wir so etwas veranstaltet haben. Das wäre eine gute Gelegenheit, die Moral an Bord zu verbessern. Immer diese tristen Raumschifffarben. Wir bringen hiermit Farbe ins Leben der Crew. Farbe auf dem Teller, die durch den Magen geht. Wie die Liebe. Fantastisch. Hier, das hat viele Vitamine." Weshalb hatte Chakotay sie nur mit Neelix in ein Team beordert? Zusammen mit Crewman Andrews wäre es ruhiger gewesen. Sie verstaute die nächste Pflanze und rieb kurz ihren Nacken, der ihr von der Nacht her schmerzte. Wäre sie bloß nicht in dieser verdrehten Haltung auf der Couch im Bereitschaftsraum eingeschlafen. "Huch!", stieß Neelix halb lachend und halb erschrocken aus. In der Eile wäre er beinahe auf dem matschigen Boden ausgerutscht.
"Man mag es fast nicht glauben, dass hier so oft Unwetter herrschen und es sehr viel regnet, bei diesem Boden", wunderte sich Andrews, dessen Schuhe bereits voller Staub waren. "Sie haben Recht - wir sind wahre Glückspilze", meinte Tom und übernahm die Führung über das unwegsame, steinige Gelände. "Neelix wurde meines Wissens mehr in die Richtung der zahlreichen Pflanzen geschickt, um Proben zu sammeln. Diese Steine hier", er erhob sich aus der Hocke und ließ die feinen Gesteine zu Boden rieseln, "sind für uns jedenfalls absolut nutzlos. Den Captain beneide ich nicht. Die Taschen ihres Teams sind bestimmt, wie ich Neelix kenne, bis zur Rückkehr randvoll gefüllt." "Ich hoffe nur, es gibt keine Abwandlung des gargraglischen Uhm's", entgegnete Andrews trocken.
"Mister Neelix", betonte Janeway jede einzelne Silbe streng. "Es ... es ... es tut mir leid", stammelte dieser. Kurz zuvor war dieses Missgeschick passiert. Es hätte nicht viel gefehlt und er wäre auf dem Matsch ausgerutscht, doch wie es das Glück so wollte, ruderte er wie wild mit den Armen und erlangte sein Gleichgewicht zurück. Dabei jedoch erwischte er irgendwie seinen Captain am Rücken, diese war nicht auf den Schlag vorbereitet und landete an seiner Stelle in dem reichlich überwässerten Boden. Zerknirscht blickte er hinab auf seine Vorgesetzte, die auf den Knien im Morast saß und streckte ihr zur Versöhnung seine Hand entgegen. "Das ... das wollte ich wirklich nicht." Mit einer Handbewegung lehnte sie seine helfende Hand ab, denn sie hätte ihn unnötig ebenfalls schmutzig gemacht. "Mein Tricorder ..." Suchend schaute sie sich um, denn dieser war ihr während des Falls entglitten. Neelix entdeckte ihn als Erster drei Schritte weiter von der Unglücksstelle und hob ihn auf. Leider musste er feststellen, dass dieser auf einen Stein geprallt und fast vollständig im Matsch versunken war. Das war zuviel für dieses Gerät. "Captain, ich bin mir sicher", sprach er inzwischen gefestigter, "man wird Ihnen einen neuen geben, sobald wir zurück sind. Sie können so lange meinen benutzen, wenn Sie möchten." "Behalten Sie ihn ruhig, Sie leisten gute Arbeit damit", sprach Janeway zu ihm und wischte sich ihre dreckigen Hände an einer sauberen Stelle ihrer Uniform ab. "Ihr stelle mich weiterhin als Ihr persönlicher Träger zur Verfügung, aber jetzt sollten wir schleunigst zurück. Die Zeit wird knapp."
Andrews und Paris befanden sich ebenfalls auf dem Rückweg, jedoch nahmen sie nicht den Weg, den sie gekommen waren, sondern durchquerten einige hundert Meter versetzt von diesem die öde Landschaft, in der Hoffnung, wenigstens etwas Verwertbares für ihr Schiff ausfindig zu machen. Schweigend gingen die beiden Männer nebeneinander her, mit erhobenen Tricorder scannten sie kontinuierlich die Gegend. "Das ist ja interessant", brach Tom einige Zeit später die Stille und ließ den Crewman aufmerksam zu ihm schauen. "Knapp 500 Meter Nordwest wird mir eine Vegetation angezeigt ... inmitten dieser Steinwüste." Die beiden tauschten einen Blick aus. "Wagen wir den kurzen Abstecher? Das würde ich mir gerne aus der Nähe ansehen." Ebenfalls interessiert nickte Andrews seinem Vorgesetzen zu. "Ich informiere Commander Chakotay", meinte er, während sie sich bereits schnellen Schrittes nach Nordwest bewegten.
"Einverstanden, Crewman. Ich gebe Ihnen hierfür 10 Minuten und nicht länger, dann sind Sie beide zurück am vereinbarten Treffpunkt. Chakotay: Ende", schloss er die Kom-Verbindung und lehnte sich an den Baum. Seven und er waren wenige Minuten früher zurückgekehrt als vereinbart. Ihre Suche nach verwertbaren Rohstoffen war ein reiner Fehlschlag. "Die Temperatur ist um 2 Grad seit unserer Ankunft gesunken", teilte Seven mit und stellte sich neben ihn. Der Commander blickte sich kurz um, packte Seven vorsichtig an der Hüfte und zog sie zu sich ran. "Soll ich dich wärmen?", flüsterte er lächelnd. Dieses Angebot behagte ihr derzeit überhaupt nicht. "Die anderen werden gleich hier eintreffen und es wäre nicht passend, wenn ..." "Was wäre denn daran so schlimm, wenn es endlich alle zu wissen bekämen? Wobei es garantiert wenige sind, die die Gerüchte über uns nicht längst gehört haben." Er ließ sie los, strich jedoch sanft über ihre Wange. "Gerüchte sind keine Fakten", widersprach sie und ehe sie sich versah, berührten seine Lippen die ihren.
Kopfschüttelnd drehte sich Janeway nach Neelix um, der einige Meter zurückgefallen war, weil er ständig "kulinarisch wertvolle" Pflanzen mit dem Tricorder zu entdecken glaubte. Sie verlangsamte daher ihr Tempo ein wenig und erreichte das Ende des grünen Weges, welcher an jener Lichtung endete, an der sie vorhin der Transporter absetzte. Kathryn trat rasch einen Schritt zurück und suchte Sichtschutz hinter einem größeren Busch. Nicht weit entfernt vor ihr erblickte sie Seven und Chakotay. Die beiden standen mehr als unangemessen dicht beieinander für ein rein dienstliches Gespräch. Sie schluckte schwer und biss sich auf die Unterlippe, nachdem sie ungewollt Zeuge eines innigen Kusses der beiden geworden war. Leise bewegte sie sich zurück, unbemerkt von Neelix, der vertieft in seine Pflanzen war. Weitere Schritte begab sie sich in die entgegengesetzte Richtung vom Treffpunkt, gerade so weit um sicher zu sein, man würde sie von dort aus nicht sehen, aber sehr wohl hören. Sie schluckte den Kloß im Hals hinunter. "Mister Neelix", rief sie so laut sie konnte, "beeilen Sie sich!" Erschrocken fuhr der Talaxianer aus der Hocke hoch. "Ja, ich komme", verkündete er ebenfalls lautstark und lief so schnell er es für nötig hielt in des Captains Richtung. Sie wartete ab, bis nur noch ein Viertel der Distanz zu Neelix übrig blieb und betrat dann die Lichtung. Wie gewünscht trennte jetzt die Verliebten einige Schritte. Der Commander entdeckte Janeway als Erste von seinem Außenteam und runzelte sogleich die Stirn bei ihrem Anblick. "Was ist denn mit Ihnen passiert?", fragte er, nachdem sie ihn erreicht hatte. "Fragen Sie lieber nicht", entgegnete Kathryn und schulterte ihren schweren Beutel zu Füßen des Baumes ab. Er kam ihrer Bitte nach, aber ein Schmunzeln konnte er sich nicht verkneifen. "Erfolgreiche Mission?" "Gemessen an der Menge, die wir beide tragen mussten", sie deutete auf Neelix, der sie fast erreicht hatte, "vermutlich ja. Besser jedoch, wir lassen abschließend den Doctor urteilen." Sie lockerte mit kreisenden Bewegungen ihre verspannten Schultern. "Wie war Ihre Mission?", wollte sie von ihm wissen, sah jedoch zu Seven hinüber. "Leider nicht erfolgreich", lautete seine Auskunft. Janeway fixierte seinen Blick, sich selbst fragend, ob er eine weitere Mission hatte, die ihm vereitelt wurde, verwarf diesen unsinnigen Gedanken jedoch rasch wieder und setzte sich auf den Boden. "Hat jemand von Ihnen Hunger? Ich habe hier die besten Spezialitäten des Planeten zur Kostprobe mitgebracht", begrüßte der Koch das Team. "Neelix", ermahnte Janeway ihn in einem leicht genervten Tonfall. Chakotay warf interessiert einen Blick in den ihm vorgehaltenen Beutel von Neelix und schmunzelte. "Das sieht in der Tat alles sehr verlockend aus", meinte er diplomatisch, "aber geben wir besser dem Doctor eine weitere Möglichkeit, seine Fachkompetenz zum Wohle der Crew einzusetzen." "Ich könnte ihm dabei behilflich sein", bot Seven an, "das reduziert Zeit und Sie könnten sich schneller neue Rezeptvarianten ausdenken." "Das würden Sie für mich tun?", fragte Neelix mehr als erfreut und wäre fast seinem Drang nachgekommen, die Ex-Borg dafür zu umarmen. Ungesehen rollte Janeway mit ihren Augen und hegte den Wunschgedanken, diese Gewächse an einer lebenden Person zuerst zu testen und dem Doctor Freizeit zu schenken. "Danke, Seven." Neelix klopfte ihr auf die Schulter. "Ist sie nicht fantastisch? Das erste neue Gericht wird Ihren Namen tragen." "Andrews an Commander Chakotay", war des Crewmans Stimme unerwartet via Communicator zu hören. Mit einer raschen Handbewegung aktivierte der Indianer die Verbindung. "Chakotay hier. Sprechen Sie." "Wir benötigen dringend Ihre medizinische Hilfe, Sir", sprach Andrews aufgeregt. Im Hintergrund waren Schmerzenslaute zu hören. "Lieutenant Paris wurde von einer Pflanze angegriffen. Sie schnappte nach seiner Hand, als er dicht vor ihr stand und sie mit dem Tricorder scannte. Es sieht nicht gut aus." Chakotay tauschte mit Seven einen ernsten Blick aus. "Lassen Sie sich umgehend auf die Krankenstation beamen, Andrews", befahl er, denn seine Notfallausrüstung bestand nur aus einem medizinischen Tricorder, einem Hypospray und einem Dermalregenerator. Schwerwiegende Fälle vermochte er damit nicht zu kurieren. "Das habe ich bereits als Erstes versucht, Sir, doch ich bekomme hier keine Verbindung zur Voyager", teilte der Crewman mit. Umgehend aktivierte der Captain ihren Communicator. "Janeway an Voyager ..." Nichts. Sie klopfte erneut auf das kleine Gerät an ihrer Uniform. "Janeway an Voyager", wiederholte sie. "Tuvok, melden Sie sich!" Es folgte nur ein statisches Knistern. "Ich komme zu Ihnen, Andrews. Halten Sie Mister Paris ruhig und schicken Sie mir Ihre Koordinaten. Ich bin gleich bei Ihnen", versprach Chakotay. "Danke, Sir." "Also gut ... Neelix, Sie kommen mit mir. Seven und Janeway, Sie bleiben hier und warten auf uns, bis wir zurück sind. Sollten Sie Kontakt zur Voyager herstellen können, dann nutzen Sie die Gelegenheit und lassen sich an Bord beamen. Mir scheint, wir bekommen einen Wetterumschwung."
"Miss Torres, wie lange dauert es noch?", erbat sich Lieutenant Commander Tuvok eine Antwort per Interkom. "Ich bin fast da, Sir", hörte man B'Elanna ziemlich außer Atmen grimmig antworten, denn es war noch nicht einmal zwei Minuten her, als sie von ihm den Auftrag erhielt, zwei defekte Interfaces auszutauschen. "Geben Sie mir wenigstens 10 Minuten. Ich melde mich, sobald ich fertig bin." Der Vulkanier beendete die Verbindung. Die Tatsache, keinen Kontakt zum Außenteam zu bekommen, gefiel ihm nicht. Die Sensoren hatten gerade angezeigt, dass sich ein Unwetter anbahnte. Ausgerechnet jetzt mussten Interferenzen dafür sorgen, nicht einmal die Mitglieder des Außenteams orten zu können. Für eine bessere Konzentration lief er auf und ab.
"Wie weit ist es denn noch?", keuchte Neelix im Laufen. Er hatte üble Seitenstiche. "Die Hälfte haben wir bereits geschafft", antwortete Chakotay. "Die Hälfte erst?", kam es ungläubig zurück. "Warum sind wir nicht in einem Shuttle auf die Außenmission gegangen? Dann hätten wir jetzt ganz gemütlich zu den beiden fliegen können und bräuchten keine Gedanken daran zu verschwenden, weshalb wir keinen Kontakt zur Voyager bekommen." "Na los, kommen Sie, Neelix! Es sind nur noch 1500 Meter." Der Commander fasste ihn am Arm und zog ihn ein paar Schritte mit sich mit. "Sorgen Sie sich nicht, Neelix, wir kommen schon zurück an Bord der Voyager." Er verzog das Gesicht. Von dem vielen Reden bekam er Seitenstiche. Ab sofort würde er schweigen, bis er Tom und Andrews erreicht hatte.
Genervt erhob sich Janeway und wandte sich ein paar Schritte von Seven ab. Diese versuchte unermüdlich bereits zum 15. Mal, die Voyager zu kontakten. Jetzt das 16. Mal - sie konnte es nicht mehr hören. "Es hat keinen Sinn, Seven, beenden Sie das bitte sofort und versuchen es lieber ein paar Minuten später noch mal", versuchte der Captain seine Worte möglichst höflich zu äußern. "Wir verschwenden sinnlos unsere Zeit mit Warten. Je eher ich einen Kontakt herstellen kann, desto schneller ist uns allen geholfen", erwiderte die Ex-Borg. Kathryn betrachtete den Himmel, der immer dunkler zu werden schien und stand mit dem Rücken zu ihrem Crewmitglied. Sie schloss kurz ihre Augen. Seven hatte recht, sie verschwendete hier ihre Zeit, anstatt dem Rest des Außenteams zu helfen. Sie schwor sich, die nächste Außenmission wieder selbst zu leiten und die Teams einzuteilen. Ein leichter Wind kam auf und der erste Regentropfen berührte ihre Nasenspitze. "Captain", rief Seven einen Augenblick später, "kommen Sie sofort her! ... Bitte." Janeway trat mit schnellen Schritten auf Seven of Nine zu, die mit ihrem Tricorder in Richtung des Dickichts scannte. "Haben Sie das gehört?", wollte sie wissen. "Nein. Was soll ich gehört haben?", fragte der Captain. Seven war sich unsicher, ob der Wind und das Rascheln der Bäume sie getäuscht haben könnte. "Ich hörte jemanden ein leises 'Hilfe' sagen", erwiderte sie und änderte den Scan-Radius. "Sehen Sie", sie deutete auf ihren Tricorder, "eine Lebensform." So plötzlich wie der Regen heftig einsetzte und der Wind an Intensität zunahm, verschwand die Anzeige der Lebensform wieder auf dem Display. "Es ist unsere Pflicht, zu helfen", erinnerte Seven. Janeway musterte die Frau neben sich. "Das gefällt mir irgendwie nicht", äußerte der Captain ihr ungutes Gefühl. "Die Voyager hatte diesen Planeten gründlich nach Lebensformen gescannt und ..." "Da ist es wieder", unterbrach Seven sie. "Es bewegt sich nach Südost." "Einverstanden", war schließlich auch Janeways Neugierde geweckt, "wir versuchen es einzuholen. Allerdings werden wir uns nicht zu weit von hier entfernen und wenn wir es verlieren, kehren wir sofort um." Bereits im Laufschritt aktivierte sie ihren Communicator. "Janeway an Chakotay." "Sprechen Sie", kam es umgehend zurück. "Wir hörten einen Hilferuf und entdeckten eine Lebensform, die sich in Richtung Südost bewegt. Nehmen die Verfolgung auf. Kontakt zur Voyager war nicht herzustellen", teilte der Captain mit. "In Ordnung, aber passen Sie gut auf sich auf. Chakotay: Ende."
"Gehen Sie endlich von meinem Arm runter und entfernen dieses Biest!", fuhr Tom seinen Team-Kollegen an. "Reißen Sie sich zusammen, Paris!", murrte Andrews, nachdem er diese Aufforderung von ihm bereits zum x-ten Mal gehört hatte. "Zum letzten Mal: ich werde diese Pflanze nicht entfernen, bevor ich nicht abschätzen kann, ob eventuell ihre Vene getroffen wurde." Er betrachtete den Kopf der zugegeben hübschen Pflanze, die - selbst nachdem er sie getötet hatte - sich im Handgelenk und Unterarm von Lieutenant Paris regelrecht festgebissen hatte. "Aber es brennt!", beschwerte sich Tom mit Nachdruck. "Ja, ich weiß", meinte Andrews mitfühlend. "Hah! Woher wollen Sie das denn wissen?", maulte der Lieutenant. "Sie wurden nicht gebissen." "Bleiben Sie ruhig, Sir. Hilfe wird jeden Moment eintreffen", versuchte er ihn zu beruhigen.
Ein eisiger Wind peitschte den Regen in die Gesichter der beiden Frauen, die nach der unbekannten Lebensform suchten. Der zuvor bereits aufgeweichte Boden in diesem Sektor vermochte weiteres Wasser nicht aufzunehmen und zunehmend bildeten sich große Pfützen, die es zu durchqueren galt. Nach schier endlosen Minuten stoppte Seven abrupt. "Ich habe es verloren", keuchte sie. Ein unheimlich klingender Laut war plötzlich zu hören und dieser verstummte augenblicklich. Janeway schaltete ihre Lampe am Handgelenk an, denn es war mittlerweile sehr dunkel zwischen all den Gewächsen geworden. Sie gingen weitere Schritte nach vorne und stoppten vor einem Abgrund, den sie versuchte mit ihrem Licht zu erkunden. Leichter Dunst stieg von dort unten auf, welches ihr Licht reflektierte und sie vermochten nicht viel zu erkennen. Ein Abstieg ins Ungewisse wäre derzeit zu riskant, entschied Janeway, doch bevor sie das äußern konnte, gab der Boden unter ihren Füßen nach und beide rutschten auf dem schlammigen Untergrund in die Tiefe. Sevens Adrenalinspiegel schoss augenblicklich in die Höhe. Mit den Füßen voran stürzte sie rücklings nach unten. Glücklicherweise fand ihr Körper einen Weg zwischen den Bäumen hindurch. Sie suchte nach Halt, wollte den Fall abbremsen, doch es gelang ihr nicht. Die Sekunden kamen ihr wie eine Ewigkeit vor, bis sie schließlich inmitten des Nebels gestoppt wurde - der Abhang schien hier zu Ende zu sein. Kathryn landete unsanft in einigem Abstand neben der Ex-Borg. "Seven? Sind Sie in Ordnung?" Sie versuchte ihre Lampe von dem Matsch zu befreien, um etwas sehen zu können. "Ja", antwortete diese und Janeways Lichtstrahl traf ihr Gesicht, sodass sie die Augen leicht zusammenkniff. Erleichtert atmete der Captain aus und versuchte die Umgebung auszuleuchten, was unter diesen Bedingungen sehr schwer war. Direkt hinter Seven fiel das Licht auf eine große Blüte, die in der Mitte eine ovalförmige Kapsel hatte. Lautlos setzte sich der Kopf der Pflanze urplötzlich in Bewegung. "Weg da, Seven!", rief Kathryn ihr zu, doch es war bereits zu spät. Alarmiert von Janeway drehte Seven ihren Kopf über ihre Schulter und blickte in das Rot der Blüte einer Pflanze, die größer als ihr eigenes Gesicht war. Bevor sie weiter reagieren konnte, öffnete sich die Kapsel in der Mitte und eine feine Flüssigkeit wurde ihr in großer Menge ins Gesicht katapultiert. Sie schrie auf. Der Captain ergriff Seven of Nine sofort am Oberkörper und zog sie in sicherer Entfernung zu der Pflanze. "Seven?" Sie suchte nach einem Lebenszeichen von ihr, denn ihr Crewmitglied war sofort in Ohnmacht gefallen. "Seven?", versuchte sie es erneut und zog sie noch ein Stückchen weiter fort. Ihre Augen begannen wie Feuer zu brennen, ihre Zunge schien anzuschwellen und wurde taub. In dem ersten Schrecken hatte Janeway nicht bemerkt, dass sie ebenfalls eine kleinere Menge der Substanz abbekommen hatte. Ihre Schleimhäute brannten bei jedem Atemzug. Angestrengt führte sie ihre Hand zum Communicator und schaffte es gerade noch, ihn zu berühren, bevor ihr Oberkörper zurücksackte und Halt an der Schräge des hier endenden Abhangs fand. Tränenflüssigkeit rannte ihr aus den Augen, ihr Kiefer war wie gelähmt. Sie brachte keine Silbe hervor. Es drehte sich alles um sie herum, sie versuchte noch mit der anderen Hand ihren Phaser zu ergreifen, doch die Lähmung hatte nun auch ihren Körper vollkommen in Besitz genommen. Janeway vernahm ein seltsames Geräusch in nicht allzu weiter Ferne, welches beinahe wie ein Schmatzen klang, bevor sie ebenfalls die Bewusstlosigkeit ereilte.
"Sie können das vorsichtig entfernen, Andrews", bat Chakotay und widmete sich in der Zwischenzeit Toms rechten Fuß. "Glück im Unglück, Lieutenant, es ist nur eine Fleischwunde, die ich gleich behandeln werde." Paris atmete kurz auf, unterdrückte jedoch kurz darauf ein Stöhnen, nachdem Andrews das Biest von seinem Arm entfernte. "Ihr Knöchel ist verstaucht", teilte der Commander mit. "Das kann leider erst an Bord behandelt werden, aber ... Sie werden es überleben." Er schmunzelte und begann den Dermalregenerator über die freigelegte Wunde am Arm kreisen zu lassen. "Gute Neuigkeiten", bedankte sich Tom. Es war bitterkalt an diesem Ort, er fror. "Neelix an Voyager", versuchte der Talaxianer sein Glück, aber es folgt erneut nur ein Rauschen. Seufzend gab er es vorerst auf und schaute nach oben in den Himmel. Graue Wolken, so viele graue Wolken, wohin man auch sah. Er stutze und streckte die Hand aus. "Es ... es schneit", sprach er staunend. "Das fehlt uns noch!", brummte Chakotay und schloss die Behandlung ab. "Erlauben Sie, Sir, dass ich einen Vorschlag unterbreite?", wandte sich Andrews an den Ersten Offizier. "Nur zu, Andrews", antwortete der Indianer. "Es könnte unter Umständen einige Zeit dauern, bevor wir den Kontakt zur Voyager wieder erfolgreich aufnehmen können", begann er, "jedoch wird das Klima immer unerträglicher. Nicht weit von hier haben Mister Paris und ich vorhin eine kleine Höhle entdeckt, die uns allen einen gesicherten Unterschlupf bieten könnte. Ich schlage vor, wir warten dort." "Ja, das ist eine gute Idee", lobte der Commander ihn und beschloss, umgehend den Rest seines Teams herzubeordern. "Chakotay an Janeway ... Chakotay an Seven ..." Er blickte ratlos in die Runde. "Janeway, melden Sie sich!", versuchte er ein weiteres Mal erfolglos, eine Verbindung zu erhalten. Heute lief alles irgendwie schief. "Gut, dann ändern wir leicht unseren Plan. Tom, finden Sie alleine den Weg zurück zur Höhle?" "Ja, Sir", kam umgehend die Auskunft. "In Ordnung ... Tom, Sie lassen sich von Neelix beim Gehen behilflich sein und machen sich gemeinsam auf den Weg zu dieser Höhle. Andrews, Sie kommen mit mir." Chakotay erhob sich mit innerlicher Unruhe. Ob die Kommunikation jetzt auf diesem Planeten innerhalb seines Teams nicht mehr möglich war, wenn sich die Mitglieder zu weit voneinander entfernten? Oder gab es einen anderen Grund, dass Seven und Janeway nicht antworten konnten? Er bekam ein flaues Gefühl im Magen bei dem Gedanken daran, Seven könnte etwas zugestoßen sein.
Benommen blinzelte Kathryn. Große Regentropfen fielen auf ihr Gesicht. Ihre Augen brannten. Unter ihren Fingerspitzen fühlte sie die Konturen ihres Communicators, welchen sie sogleich bediente. "Janeway an Voyager", flüsterte sie in einem heiseren Ton. Keine Verbindung. Es drehte sich noch alles um sie herum und nur langsam bekam sie ihr Gefühl in den Gliedmaßen zurück. "Janeway an Chakotay", hauchte sie ihren nächsten Versuch. Ihre Stimme klang fremd.
Andrews und Chakotay stoppen ihren Dauerlauf zurück zur Lichtung, als sie den Ruf des Captains vernahmen. "Chakotay hier. Ist alles in Ordnung mit Ihnen?", wollte er besorgt wissen, denn ihre Stimme klang leise und angestrengt. Er wischte den Schnee aus seinem Gesicht. "Wir benötigen Hilfe ... wir sind ...", war alles, was er von ihr hörte. "Janeway? Was ist passiert? Antworten Sie!", bat er verzweifelt.
Kathryn stockte der Atmen. Sie hatte sich zur Seite gedreht, um leichter aufstehen zu können und blickte direkt in das Weiß zweier Augen, die leicht aus den Augenhöhlen zu treten drohten. So schnell es ihre Situation zuließ, ergriff sie ihren Phaser und zielte auf den Kopf der Fleisch fressenden Pflanze, die eben noch geräuschvoll ihr Opfer weiter zu umschließen versuchte. "Janeway, melden Sie sich!", hörte sie Chakotays Stimme aus ihrem Communicator. Der Schuss hatte gesessen, obwohl ihre Finger klamm vor Kälte waren und ihre Augen noch immer wie Feuer brannten. Sie hatte den Kopf der Blume vom restlichen Teil der Pflanze getrennt. Dem Tier, oder vermutlich auch der Lebensform, der sie vorhin nachjagten, vermochte sie nicht mehr zu helfen, wie ein Scan ihr Sicherheit verschaffte. Es hatte ein weiches, bräunliches Fell, vermutlich vier Beine - nur zwei davon konnte sie erkennen, denn sein halber Körper stecke in dieser Pflanze - und war von der Größe her schätzungsweise etwas größer als ein Schäferhund. Lange Ohren hingen leblos von seinem Kopf herab. "Es tut mir leid", flüsterte sie traurig, nicht rechtzeitig hatte helfen zu können. "Wie bitte? Captain?", meldete sich Chakotay, der ihre Worte nur undeutlich gehört hatte. Janeway wandte sich Seven zu und überprüfte ihre Lebenszeichen. "Wir brauchen Hilfe, Chakotay. Seven wurde von einer dieser Pflanzen mit einer Substanz angegriffen, die sie das Bewusstsein verlieren ließ. Ihre Lebensfunktionen sind stabil." Dass sie die unbekannte Lebensform gefunden hatte, verschwieg sie vorerst. Das war derzeit unwichtig.
Sein ungutes Gefühl hatte sich bestätigt. "Wir orten Ihre Communicatoren, Captain. Bleiben Sie dort, wenn Sie derzeit in Sicherheit sind. Wir sind in wenigen Minuten bei Ihnen." Andrews und er hatten vorhin wieder ihren Laufschritt aufgenommen. Der Schnee wurde langsam weniger und mischte sich mit Regen. Hoffentlich war diese Substanz nicht gefährlich für Seven, schickte Chakotay ein stummes Gebet zu seinen Vorfahren. Er würde es sich nie verzeihen, wenn sie bleibende Schäden davontragen sollte.
"Seien Sie vorsichtig, Commander, es geht hier ziemlich steil einen Abhang hinunter", warnte Janeway ihn. "Ich werde versuchen, Ihnen ein kleines Stückchen entgegen zu kommen, sofern ich es schaffe. Janeway: Ende." Sie steckte ihren Phaser zurück in seine Halterung und versuchte die Ex-Borg auf ihre Arme zu nehmen. So würde sie kaum gehen und den Weg ausleuchten können, stellte Janeway fest und daher legte sie Seven noch einmal auf dem matschigen Boden ab, um ihren Körper über ihre Schulter zu legen. Sie biss ihre Zähne zusammen und erhob sich mitsamt ihres Crewmitglieds. Vorsichtigen Schrittes trat sie über das tote Wesen und bahnte sich einen Weg durch den Dunst. Ihre Beine versanken zeitweise bis zu den Waden in dem Morast und Kathryn schob den Gedanken schnell beiseite, wie lange sie überhaupt die Kraft aufbringen könnte, um Seven zu tragen. "Wir schaffen das schon, Seven", sprach sie zu der Bewusstlosen und machte sich selbst Mut.
Neelix und Tom hatten inzwischen die Höhle erreicht und klopften im Eingang den Schnee von ihrer Kleidung. Beide zitterten am ganzen Leibe vor Kälte. Bedingt durch Toms Fußverletzung, die er sich vorhin beim Ausweichversuch vor der Pflanze eingehandelt hatte, zog sich die benötigte Zeit für den Weg länger hin als normalerweise nötig. Neelix hatte ihn stützen müssen, während Tom so schnell hinkte wie es ihm nur möglich war. Fröstelnd durchquerten sie den Gang, der in den größeren Innenbereich führte. Tom schaltete seine Lampe aus, denn die von Neelix würde ausreichen, um den runden Raum zu erhellen. "Wo führt der Gang dort hin?", wollte der Talaxianer wissen und fuchtelte hektisch mit seinem Arm. "Zum Höhlenmonster?", scherzte Paris, doch der unsichere Blick vom Moraloffizier ließ ihn schnell seine Äußerung revidieren. "Keine Ahnung, das war nur ein Spaß, Neelix. Wir haben vorhin nur ganz kurz hier rein gesehen, für mehr reichte die Zeit nicht. Lassen Sie uns nachsehen, wohin der Weg führt." In böser Erwartung nahm Neelix seinen Phaser in die Hand und ging leicht widerwillig als Erster voran. Wenn es auf diesem Planeten sogar riesige, Fleisch fressende Pflanzen gab ... Tom könnte recht haben und der Gang könnte wer weiß wohin führen, wohlmöglich in eine andere Höhle, von der unzählige weitere Gänge abgingen und eine davon führte unter Umständen zu einer Kreatur mit großen, scharfen Zähnen. Oder Pflanzen, die mutiert waren und Beine hatten, um ihrer Beute nachjagen zu können. Der Talaxianer schüttelte sich. Ein eiskalter Schauer lief ihm den Rücken hinab, der allerdings auch der geschmolzene Schnee sein konnte. Erleichtert atmete er aus. Dieser Gang mündete zwar in einer kleineren Höhle und von dort aus ging es nicht weiter. Innerlich jubelte er. "Was ist das?", fragte er überrascht und leuchtete auf den Boden in der Ecke. "Das ist ja ..." Beinahe wäre Tom sprachlos gewesen bei so viel Glück, das ihnen dort buchstäblich zu Füßen lag. Er hinkte am Talaxianer vorbei und beugte sich über die Entdeckung. Heißer Dampf stieg ihm von der Öffnung im Boden ins Gesicht. "Eine heiße Quelle, Neelix", jubelte er und begann sofort, sich seiner Kleidung zu entledigen. Einem solchen Geschenk würde er sich nicht verwehren. "Was ... was machen Sie denn da?", ungläubig kam Neelix näher. "Wonach sieht es denn aus?", stellte Paris seine Gegenfrage. "Oh ...", der Talaxianer kratzte sich am Kopf. "Das ist eine gute Idee, Mister Paris. Nur schade, dass das Loch so eng und nicht für mehrere Personen geeignet ist." Der Lieutenant war bereits bis auf die Unterhose entkleidet und versuchte vorsichtig mit seinem verletzten Fuß die Temperatur zu testen. "Wer sagt denn, dass wir nicht beide da rein passen? Sie müssen nur Ihren Bauch ein wenig einziehen." Tom grinste verschmitz übers ganze Gesicht. "Helfen Sie bitte einem Invaliden das Bad zu betreten?" "Meinen Bauch? Wie meinen Sie das?", wollte Neelix ein wenig erbost wissen, half Tom aber trotzdem, sich sicher an den Rand der Quelle setzen zu können. "Entschuldigen Sie, ich habe nur versucht, die Stimmung ein bisschen aufzuheitern", verteidigte sich Paris und begab sich langsam ins heiße Nass. "Kommen Sie zu mir." Wasser schwappte über den Rand und wärmte Neelix' Füße. Das fühlte sich nach dem miserablen Wetter zum ersten Mal gut an, diese Art von warmer Feuchtigkeit. Er lachte und beeilte sich, seine Wäsche abzulegen. "Au, au, au ... ist das heiß!", beschwerte er sich zuerst, doch der Wunsch sich aufzuwärmen siegte. "Hach, ist das schön", seufzte er, nachdem er mit dem Rücken zu Tom bis zum Hals in der Quelle war. "Ähm, Lieutenant? Würden Sie mir einen Gefallen tun?", fragte er und hielt sich mit beiden Händen am Außenrand fest, da er keinen Boden unter den Füßen spürte. Tom Paris hatte es da besser - an seinem Platz hatten seine Füße einen kleinen Vorsprung finden können, so konnte er sehr entspannt im Wasser stehen. "Was soll ich machen? Sagen Sie nicht, Ihren Rücken waschen?" Der Talaxianer lachte. "Nein, das nicht, aber ... ich komme da nicht ran ... Ich habe da eine Stelle am Rücken, die juckt. Würden Sie vielleicht?" Tom seufzte und kratze leicht genervt die Rückseite des kleinen Talaxianers. Er könnte sich eine attraktivere Begleitung für dieses Badevergnügen vorstellen.
Kathryn Janeway ließ sich auf ihre Knie sinken, sie war fast am Ende ihrer Kräfte angelangt. Sie fror und schwitzte zugleich, bis auf die Haut war sie durchnässt und der eisige Wind peitschte ihr ins Gesicht. Ihre Kondition war nicht mehr die beste, sie würde für spezielle Trainingseinheiten sorgen, sobald sie zurück an Bord war. Ein Lichtstrahl durchdrang den Dunst und blendete ihre Augen, die sie mit einer Hand abschirmte. Bewegungslos verharrte sie an Ort und Stelle, denn momentan schaffte sie es nicht einmal, ihr Crewmitglied sicher von ihrer Schulter zu nehmen. "Seven?", hörte sie eine männliche Stimme rufen und Schritte näherten sich. Es war Chakotay. "Seven?" Auf den letzten Schritten nahm er sich ein weiteres Mal zusammen und rannte über den matschigen Boden. Erleichtert nahmen die schemenhaften Umrisse Gestalt an und er eilte auf Janeway zu. "Sind Sie in Ordnung?", wollte er vom Captain wissen und nahm ihr Seven ab. Umgehend betätigte er seinen medizinischen Tricorder und scannte sie. "Ja, mir geht es gut", antwortete sie und blickte auf zum Crewman, der Chakotay gefolgt war. Beide waren nicht minder durchnässt. Sie hustete, denn vom Sprechen tat ihr Hals weh. Andrews kniete sich zum Captain, der wie ein verdrecktes, geschafftes kleines Etwas sich aus dem Knien in die sitzende Position brachte. "Ist wirklich alles in Ordnung mit Ihnen?", fragte er flüsternd. "Sie sehen, bei allem Respekt, Captain, nicht besonders gut aus." "Sie sehen auch nicht besser aus", erwiderte sie und rang sich ein Lächeln ab. "Wir haben unterwegs mehrmals versucht, die Voyager zu kontakten, aber ohne Erfolg", berichtete Andrews. Der Captain nickte wissend. "Ich hatte ebenfalls kein Glück." "Kein Glück?", griff Chakotay nach dem abgeschlossenen Scan ihr Wort schärfer als beabsichtigt auf. "Sie hatten wohl mehr Glück als ...", er biss sich auf die Zunge, "als alles andere, dass sie das hier soweit ungeschadet überstanden haben." Er steckte seinen Tricorder zurück. "Wie geht es Seven?", fragte Janeway und überhörte verständnisvoll seinen unangemessenen Tonfall. Er war besorgt und an seiner Stelle hätte sie wahrscheinlich auch nicht den passenden Ton gefunden, um seinen Ärger bei der verantwortlichen Vorgesetzten Luft zu machen. "Ihre Vitalfunktionen sind alle in einem unkritischen Zustand. Die Substanz, die dafür verantwortlich ist, betäubt sämtliche Muskelfunktionen im Körper - zum Glück jedoch nicht den Herzmuskel. Ihr Kreislauf ist stabil, die Atmung ebenfalls. Die Schleimhäute und die Netzhäute sind überreizt; sollte sie aufwachen, wird dies vermutlich nicht sehr angenehm sein, aber mit dem Hypospray wäre ihr geholfen, bis der Doctor sie behandeln könnte. Unter Umständen ist es sogar angenehmer für sie, sofern das überhaupt die korrekte Wortwahl ist, wenn sie weiterhin das Bewusstsein nicht erlangt." Erleichtert atmete Janeway auf, sie plagte große Sorge um ihr Crewmitglied. Die aufgezählten Symptome vermochte sie mehr als gut nachzuvollziehen, musste sie diese selbst durchleben, wenn auch in sehr abgeschwächter Form. Chakotay schulterte Seven ebenso auf, wie Janeway es vorhin tat und erhob sich. "Andrews, wir beide wechseln uns mit dem Tragen von Seven ab. Jetzt sollten wir uns beeilen, damit wir aus der Kälte rauskommen. Captain, Sie können doch selbständig gehen?" "Selbstverständlich." Kathryn schluckte ihren Ärger über Chakotay runter, denn sie wusste, dass nur ein Funken genügen würde, der das Fass bei ihr zum Überlaufen brachte. Streit war derzeit kontraproduktiv - sie benötigte ihre ganze Kraft um den Marsch zu bewältigen und war mehr als froh, dass das Licht nicht in ihre Richtung strahlte. Die restliche Umgebung war mittlerweile so dunkel, als ob es Nacht wäre. Unsicher blickte Andrews von Chakotay zu Janeway und reichte ihr seine Hand zum Aufstehen. Er ließ sie vor sich gehen, um ihr notfalls zu helfen.
Einige Zeit später erreichten sie die Stelle, an der Andrews und Chakotay vorhin den Abstieg gewagt hatten. Der Erste Offizier machte einen Buckel und lud Seven darauf. Seine Hände umschlossen fest ihre Handgelenke. "Andrews, stützen Sie uns", befahl er. Der Crewman schloss zum Commander auf und sicherte mit seinem Gegendruck die Ex-Borg. Zu dritt gelangten sie schließlich sicher den Hang hinauf. Keuchend blieb Chakotay oben angelangt zusammen mit Seven liegen. Der schwerste Teil war zunächst geschafft. Andrews reichte Janeway für den letzten Schritt die Hand, bevor auch sie beide sich kurz zum Ausruhen setzten. "Wie geht es Mister Paris?", wollte Kathryn wissen. "Ganz gut", antwortete Chakotay außer Atem, "es sah schlimmer aus, als es war - eine reine Fleischwunde. Sein Knöchel ist allerdings verstaucht." Janeway war erleichtert das zu hören. Nicht alle dieser gefährlichen Pflanzen verfügten offenbar über dieses Gift, was Seven und sie zu spüren bekommen hatten. Sie hustete und wischte über ihre tränenden Augen, obwohl das sinnlos war, denn es regnete unerbittlich weiter und durchnässte jeden Millimeter ihres Körpers. Wunderbar, jetzt hatte sie zu allem Überfluss auch noch Schmutz ins Auge bekommen. "Nicht weit entfernt von Toms Unglücksstelle haben Andrews und er auf dem Hinweg eine kleine Höhle entdeckt, die uns Unterschlupf bieten sollte, bis sich das Wetter gebessert hat", teilte der Commander mit und überprüfte noch einmal rasch Sevens Vitalfunktionen, die sich unverändert in Normbereich befanden. "Wir sollten uns beeilen, denn ihr Körper ist ziemlich ausgekühlt." Nicht nur der von Seven, dachte Janeway verärgert, war doch die helfende Hand von eben auch sehr kalt. Chakotay wechselte sich mit Andrews ab, der für die nächsten Meter die Bewusstlose tragen würde. Das Dreier-Team ging so schnell wie möglich.
Der Wind entwickelte sich immer mehr zu einem leichten Sturm, der das Vorankommen erschwerte. Schneewehen ließen sie teilweise bis zu den Knien einsinken, bevor sie nach schier endloser Zeit endlich die rettende Höhle erreichten. Erschöpft betrat das Team den Eingang. Andrews ging voraus und leuchtete. Niemand war in der ersten Höhle zu sehen, doch er hörte Stimmen aus dem angrenzenden Gang. Chakotay folgte in der Mitte mit Seven auf dem Arm und das Schlusslicht bildete Janeway. "Oh hallo", begrüßte Neelix die Neuankömmlinge fröhlich aus der heißen Quelle. Andrews schmunzelte beim Anblick von Tom und dem Talaxianer, die zusammen nur noch mit dem Kopf aus dem Boden guckten. Er senkte den Strahl seiner Lampe, um die beiden nicht zu blenden. Dem Ersten Offizier kam diese Entdeckung der heißen Quelle mehr als einem Geschenk des Himmels gleich. Er legte Seven auf dem Boden ab. "Tom, Neelix, Sie verlassen bitte das Wasser und gehen in die andere Höhle, um sich dort gegenseitig zu wärmen. Andrews, Sie begeben sich in die Quelle und helfen mir, Seven dort zu halten." Rasch machte er sich an die Arbeit, die Bewusstlose zu entkleiden. Ihr Körper benötigte dringend Wärme, er war zu sehr ausgekühlt. Janeway warf einen leicht strafenden Blick zu Mister Paris und Neelix, da diese die Höhle nicht gesichert hatten. "Ich übernehme die erste Schicht, den Zugang zu sichern. Mister Neelix, Sie lösen mich in einer halben Stunde ab", sprach sie und entfernte sich nach dem "Aye, Ma'am!" des Talaxianers. Mehr gab es für sie derzeit nicht zu tun. Zwei Schritte vom Eingang entfernt setzte sie sich auf den Boden, mit einer Schulter angelehnt an der Wand. Ihre Lampe schaltete sie aus, um nicht zuviel Aufmerksamkeit zu erregen, wenn überhaupt jemand sie dort registrieren würde. Ein weiterer Versuch, die Voyager zu kontakten, schlug fehl. Kathryn nahm ihren Phaser in die Hand. Der Schneefall wurde weniger, dafür hörte der eisige Wind nicht auf, ihr ins Gesicht zu schlagen. In weiter Ferne sah sie Lichtblitze von dem Unwetter, es war weiterhin dunkel, obwohl es mitten am Tag war. Sie zitterte und war froh, endlich nicht mehr gehen zu müssen. Diese Außenmission hatte sehr an ihren Kräften gezerrt. Zeitweise dachte sie, nicht mehr vorwärts zu können, als sie den Weg hierher beschritten. Wie der Rest des Teams war sie vollkommen durchnässt.
Der Erste Offizier übergab dem Crewman, der sich bereits in dem sprudelnden Wasser befand, Seven, die sie mit gemeinsamen Handgriffen sehr langsam ins Nass gehoben hatten. Chakotay öffnete ihre Haare, um diese vorsichtig vom Schmutz zu befreien. Sie sah so blass aus, dass er nervös noch einmal ihren Puls überprüfte. "Sie wird es schaffen", versuchte Andrews seinen Vorgesetzten zu beruhigen. Der Commander nickte. Ja, daran zweifelte er auch nicht, doch die lange Andauer ihrer Bewusstlosigkeit machte ihm Sorgen. Er wusch ihr Gesicht. Langsam nahm ihre Haut eine rosige Färbung an. Die Männer schwiegen sich an, nachdem Seven gewaschen war. Chakotays Füße wurden langsam warm, denn immer neues Wasser trat sprudelnd über den Rand und schwappte über seine Schuhe. Fast eine halbe Stunde saß er in der Hocke vor den beiden im Wasser und betrachtete Seven, bevor er sich schließlich erhob. "Bleiben Sie noch etwas mit ihr hier drinnen", sprach er zu Andrews und verließ diese Höhle. Bibbernd saßen Neelix und Paris in ihrer Unterwäsche in der anderen Höhle. "Sie sollten sich doch gegenseitig wärmen", ermahnte der Commander die beiden im vorbeigehen, "das war kein Scherz, sondern ein Befehl." "Aye, Sir." Tom verzog leicht das Gesicht und setzte sich zum Talaxianer. "Kommen Sie an mein Herz, Neelix", bibberte er und legte seine Hand um dessen Schulter. Der Erste Offizier ging unterdessen weiter zum Eingang, wo er mit seinen Schuhen etwas von dem Schnee, der hereingeweht war, nach draußen beförderte. "Ich möchte mich entschuldigen", begann er leise zum Captain sprechend, "ich habe mich seit gestern wohl Ihnen gegenüber häufiger im Ton vergriffen." Es hatte fast aufgehört zu schneien, er drehte sich zu ihr um. Kathryn kniff die Augen zusammen, er blendete sie mit seiner Lampe. Schweigend wartete sie auf seine nächsten Worte der Entschuldigung. "Es tut mir leid, wenn ich Sie damit verletzt haben ..." Chakotay stutze, ging vor ihr in die Hocke und senkte den Strahl seiner Taschenlampe ein wenig. "Weinen Sie, Captain?" Janeway schmunzelte und wollte mit ihrem Handrücken die Tränenflüssigkeit aus ihrem Gesicht wischen. Ihre Augen brannten noch immer von der Substanz der Pflanze. "Nein, keine Sorge, ich weine nicht." Ihre Stimme zitterte vor Kälte. Er musterte sie. "Ihre Augen sind leicht gerötet und ..." Ihre Lippen waren bläulich angelaufen. Chakotay ergriff ihre Hand, die sich fast leblos kalt anfühlte und ebenfalls verfärbt war. "Neelix, ziehen Sie sich an und kommen sofort zur Ablösung", rief er in die Höhle. Kopfschüttelnd hielt er noch immer ihre Hand fest. "Sie brauchen dringend Wärme." Ohne Widerworte ließ sie sich von ihm aufhelfen und in die zweite Höhle führen. Neelix eilte an ihnen vorbei, um seinen Posten einzunehmen. "Ist das kalt hier!", schimpfte er leise vor sich hin und sicherte den Eingang. "Alles in Ordnung?", fragte der Commander Andrews, der ihnen mit Seven auf dem Arm entgegen kam. "Ja, Sir. Ich werde sie weiterhin wärmen", versprach der Crewman und verließ die Höhle. Chakotay entledigte sich rasch seiner Kleidung und war fast im Begriff ins Wasser zu steigen, als er seinen Captain noch immer angezogen dort stehen sah. "Warten Sie, ich helfe Ihnen", sagte er und trat auf sie zu. Janeway blickte zu ihrem Offizier, der nur in seiner Unterhose vor ihr stand. "Baden Sie zuerst, ich komme später nach", äußerte sie ein wenig unwohl bei dem Gedanken, mit dem Commander gemeinsam das Nass zu teilen. Ihre zitternden Finger versuchten ihre Kleidung zu öffnen, doch es misslang - sie hatte kein Gefühl in ihnen. Er schluckte seine Gedanken, dass sie prüde wäre, hinunter und entkleidete sie stattdessen wortlos bis auf die Unterwäsche. Chakotay ging voran und tauchte ins wärmende Nass. Vorsichtig streckte Kathryn ihren Zeh ins Wasser und zog ihn mit einem schmerzerfüllten Gesicht zurück. Chakotay betrachtete seinen bis auf die Haut durchnässten und verfrorenen Captain. Die Uniform verbarg perfekt die Menge, die sie abgenommen hatte. Der Anblick erschreckte ihn. "Langsam, setzten Sie sich an den Rand. Es ist ja kein Wunder, das die Temperatur schmerzt, so unterkühlt wie Sie sind." Janeway folgte seinem Vorschlag und streckte ihr Bein zum Wasser aus, wo Chakotays warme Hände den Übergang erleichtern wollten. Bei der Berührung stöhnte sie laut auf. Sie fühlte sich wie uralte Tiefkühlkost, die binnen einer Sekunde aufgetaut werden sollte. Zentimeter für Zentimeter schaffte sie es langsam, sich an die Hitze zu gewöhnen. Mehrmals aufstöhnend ließ sie sich in die Quelle gleiten. "Ist bei Ihnen alles in Ordnung, Captain?", hörten sie plötzlich eine Stimme aus dem Gang. "Ja", antwortete Janeway verlegen, "alles in Ordnung, Crewman." Die Schritte entfernten sich und Chakotay lachte leise. "Weshalb lachen Sie?", fragte Kathryn verärgert flüsternd und blickte über ihre Schulter. Sie fand keinen Boden unter ihren Füßen und hatte daher ihre Ellenbogen stützend auf den Rand gelegt. "Vergessen Sie es einfach", antwortete er ebenso leise und grinste sie an. Sie drehte ihren Kopf zurück und begann, mit einer Hand ihre Hochsteckfrisur zu lösen. Manchmal würde sie zu gerne wissen, was in seinem Kopf vor sich ging. Kathryn tauchte etwas weiter unter und versuchte ihre Haare zu waschen. "Ich helfe Ihnen", bot Chakotay an, "halten Sie sich lieber mit beiden Händen fest." Janeway lehnte ihren Kopf leicht zurück und spürte seine Hände sich durch ihre langen Haare arbeiten. Sie schloss ihre Augen. Es war angenehm - zu angenehm. Ruckartig tauchte sie ganz unter, um ihr Gesicht vom restlichen Schmutz zu befreien. Erschrocken dachte er, sie würde drohen unterzugehen und so griff er nach ihr, um sie zu sich zu ziehen. "Was machen Sie denn?", flüsterte er aufgeregt und drehte sie um. Erstaunt blickte sie ihn an und wusste nicht, wo sie ihre Hände lassen sollte, während er sie an sich drückte. "Ich wollte mein Gesicht waschen", antwortete sie verwundert. Behutsam wischte er den letzten Rückstand der Außenmission von ihrer Wange. Endlose Sekunden lang blickten sie sich schweigend an. Hatte er ihr je gesagt, sie würde wundervoll mit den langen Haaren aussehen? Er hatte es damals bedauert, dass sie diese kürzte. Nein, er hatte es niemals zugegeben. Ihre Rippen spürte er unter seinen Daumen und ebenfalls ihren schnellen Atem. Wann hatte er sie das letzte Mal so intensiv betrachtet? Er vermochte sich nicht zu erinnern. Kathryn verlor sich fast in seinen dunklen Augen. Beinahe legte sie ihre Hände aus einem Reflex heraus auf seinen Brustkorb, doch im letzten Moment schaltete sich ihr Verstand ein und sie senkte diese wieder hinab ins Wasser. Dieser Mann würde sie eines Tages vollkommen um den Verstand bringen, da war sie sich sicher. "Wir sollten", ihre Stimme bebte leicht, "diesen Platz für jemand anderes frei machen." Chakotay war verwundert, in ihrem Gesicht einen Ausdruck von Bedauern zu lesen. Täuschte er sich? "Ja, Sie haben Recht", siegte auch bei ihm die Vernunft. Er schob sie zum Rand nach oben, sodass sie leichter aus dem Wasserloch steigen konnte. Noch gefangen von diesem besonderen Moment, nahm er jeden Millimeter ihrer Gestalt in sich auf, oder besser gesagt, er starrte ihr nach. Ihre Schulterblätter zeichneten sich durch ihr Hemd ab und er rang mit sich selbst, ob er sich wünschen solle, dass sie sich nur für eine Sekunde lang umdrehe. Weshalb hatte er sie vorhin nur so halbherzig studiert? Rasch verließ auch er die Quelle und griff nach seiner Kleidung, wie Janeway ebenfalls. Ihre Sachen sich vor den Körper haltend drehte sie sich um zu ihm und ihre Blicke trafen sich. Regungslos schauten sie sich an, bis sich plötzlich die Stimme von Neelix aufgeregt fröhlich ihrer Höhle näherte. "Ich hab's geschafft, ich habe sie erreicht!", rief der Talaxianer glücklich. "Die Kommunikation war zwar noch nicht ganz störungsfrei, aber sie konnten mich verstehen. Ach ... ähm, ja. Ich meine natürlich die Voyager. Ich habe Kontakt zur Voyager aufgenommen." Erstaunt blickten die beiden Offiziere zu Neelix, der fast schon wieder auf dem Wege in die andere Höhle war. "Oh, jetzt hätte ich das fast vergessen", schmunzelte der Moraloffizier, "die Systeme funktionieren beinahe wieder komplett, in gut 2 Minuten werden wir nach oben gebeamt. Sie sollten sich anziehen." Mit diesen Worten lief er nach nebenan, um bei der Bekleidung von Seven zu helfen. Chakotay und Janeway tauschten einen letzten schweigenden Blick, bevor sie sich schnellstens in die klamme, schmutzige Uniform begaben.




