
Das gesamte Außenteam wurde auf direktem Wege in die Krankenstation transportiert, wo der Doctor bereits wartete. "Legen Sie sie gleich hier vorne hin", bat er Crewman Andrews und wies ihm für Seven ein Biobett zu. Flink scannte er sie. "Nichts Ernstes", sprach er leise, "ich werde rasch ein Gegenmittel replizieren und dann wird alles wieder in Ordnung sein. Lassen wir sie vorerst noch träumen." Der Doctor wollte sich zunächst eine Übersicht verschaffen und nahm sich den Talaxianer als nächsten vor. "Etwas unterkühlt, ansonsten kerngesund", lautete seine Diagnose. "Begeben Sie sich in Ihr Quartier, nehmen Sie ein heißes Bad und ruhen sich aus", verordnete er.
"Gut, dann werde ich mal gehen", erwiderte Neelix und verließ schnellstens die Krankenstation.
"Crewman, für Sie gilt das Gleiche - ein warmes Bad, frische Kleidung und Entspannen", schloss der Doctor beim nächsten Patienten seinen Scan ab. Seine holographischen Augen ganz auf seinen Scanner gerichtet drehte er sich um zu der Stelle, wo eben noch der nächste Patient wartete. "Captain?" Erstaunt blickte er sich um. "Hat jemand den Captain gesehen? Eben war sie doch noch hier."
"Mit ihr ist bestimmt alles in Ordnung, Doctor. Sie wird wohl vorzeitig Ihren Anweisungen folge leisten und sich ausruhen", legte der Erste Offizier ein gutes Wort für sie ein.
"So, mit dem Captain ist alles in Ordnung?", wiederholte er Chakotays Worte und scannte sogleich Lieutenant Paris. Sie scheint wieder ganz die alte zu sein, dachte er und griff nach einem medizinischen Instrument an seiner Seite und überreichte es dem Indianer. "Wenn das so ist, Herr Kollege, dann behandeln Sie bitte hiermit den verstauchten Fuß von Mister Paris."
Tom setzte sich auf das Bett zu Sevens Rechten und legte seinen verletzten Fuß hoch. "Aber seien Sie ja vorsichtig", sprach er mit ernster Miene zu seinem Vorgesetzten.
"Ich gebe mein Bestes", schmunzelte Chakotay und begann mit der Behandlung.
Der Doctor hatte unterdessen den Ersten Offizier gescannt und ebenfalls nur eine leichte Unterkühlung, gepaart mit einer überaus verdreckten, nassen Uniform diagnostiziert. "Sobald Sie mit der Behandlung fertig sind, entlasse ich Sie beide mit den heute allgemeingültigen Anweisungen: Bad, neue Kleidung, Ruhe." Sollte Chakotay ihm ruhig für diesen kurzen Moment zur Hand gehen, so könnte er sich um Seven kümmern.
Mit schnellen Schritten kehrte das MHN aus dem hinteren Bereich der Krankenstation zurück, in der Hand einen Injektor mit dem Gegenmittel, welches er ihr sofort verabreichte.
Augenblicklich kam Seven zu sich und blickte sich etwas benommen um, bis ihre Augen beim MHN Halt machten. "Doctor?", fragte sie unsicher, was mit ihr geschehen war.
"Wahrlich und leibhaftig", lächelte er sie an und hielt sie sanft davon zurück, übereilt das Bett verlassen zu wollen. "Wie fühlen Sie sich?"
Seven überlegte kurz. "Ich spüre ein leichtes Kribbeln in meinen Gliedmaßen", antwortete sie. Ihr Blick ging zu Chakotay. "Wir wurden von einer Pflanze angegriffen, Commander. Was ist mit dem Captain?"
"Keine Sorge, es geht ihr gut", erwiderte der Erste Offizier und trat nach Beendigung der Behandlung an ihr Bett. "Wie geht es dir?", flüsterte er leise.
"Ich wurde wieder hergestellt und vermag meinen Dienst aufzunehmen, Commander", antwortete sie kühl und blickte zum Doctor.
Chakotay runzelte die Stirn. Das hatte er nicht wissen wollen. Er verstand ihre Reaktion nicht.
"Langsam, Seven", mischte sich das MHN ein, "bevor ich Sie entlasse, möchte ich noch ein paar Tests machen, nur um sicherzustellen, dass wirklich alles mit Ihnen in Ordnung ist und anschließend werden Sie sich, wie der Rest des Außenteams, eine Erholung gönnen."
Chakotay sah, wie Seven zum Protest antworten wollte, doch er kam ihr zuvor. "Sie befolgen seine Anweisung, das ist ein Befehl", sagte er und verabschiedete sich mit einem Kopfnicken von den beiden. Er brauchte ein Bad und einen klaren Kopf, um ihre Reaktion nachvollziehen zu können. Zügig verließ auch er die Krankenstation und begab sich in sein Quartier.
Captain Janeway hatte sich ein Handtuch um ihren Körper geschlungen und begab sich nach dem ausgiebigen Bad in ihr Schlafzimmer, wo sie sich geschafft auf ihr Bett fallen ließ. Sie starrte an die Decke, seufzte und schloss für einen Moment ihre Augen. Der heutige Morgen hatte sie ziemlich ausgelaugt. Ihre Gedanken kreisten wild um die Außenmission, bis sich diese im Laufe der Minuten langsam beruhigten. Sie fröstelte und beschloss, sich einen wärmenden Kaffee zu replizieren, und so erhob sie sich und verließ ihr Schlafgemach. Sie staunte nicht schlecht, als sie im Eingangsbereich des anderen Raumes ihren Ersten Offizier entdeckte. "Commander?", fragte sie erschrocken. "Was machen Sie hier? Wie sind Sie rein gekommen?" "Das ist unwichtig", erwiderte er und ging auf sie zu. "Wir müssen reden." "Einverstanden", meinte sie zögernd und wollte zurück ins Schlafzimmer gehen. "Ich ziehe mir rasch etwas anderes an und Sie ... Möchten Sie einen Kaffee?" Chakotay packte sie an ihren Armen und zog sie an sich. "Ich möchte Sie", flüsterte er. Ungläubig starrte sie ihn an und bevor sie etwas erwidern konnte, verschlossen seine Lippen die ihren zu einem innigen Kuss und sie fand sich augenblicklich später unter ihm auf dem Fußboden liegend wieder. "Hören Sie auf", hauchte sie vergebens und spürte, wie er ihr Handtuch öffnete. Seine Küsse wanderten ihren Körper hinab, sie keuchte. "Chakotay", sprach sie flehend seinen Namen. Sie war unfähig, sich zu bewegen und ihr Verstand wurde von ihrem Körper betrogen, der bei jeder kleinsten Berührung von ihm wie elektrisiert zusammenzuckte. Ihre Augen schlossen sich und sie gab sich ihm hin, bis sie plötzlich eine Stimme neben sich hörte. "Sie sollten sich doch unauffällig verhalten und nicht die Zeitlinie verändern", sagte Auderby verärgert und blickte zu Janeway hinab. Kathryn blickte erschrocken nach oben und bedeckte ihren Körper mit dem Handtuch. "Aufhören", keuchte sie, aber Chakotay schien nichts von alledem mitzubekommen und machte unbeirrt weiter. "Wie konntest du mir das nur antun?", fragte der Mann zu ihrer linken abfällig. "Mark", hauchte Kathryn. Sie wäre am liebsten im Boden versunken. "Aufhören, aufhören!", rief sie mehrmals immer lauter werdend und ruckartig saß sie aufrecht auf ihrem Bett, das Handtuch fest an ihren Körper gedrückt. Ihre eigene Stimme hatte sie aus diesem Albtraum gerissen. Schwer atmend blickte sie sich um. Das Licht war immer noch eingeschaltet, sie musste kurz eingenickt sein. Fast hektisch sprang sie auf und ging nach nebenan, um sich einen Kaffee zu replizieren. Was wollte ihr Unterbewusstsein ihr mit diesem Traum sagen? Dass sie vorhin besser nicht die heiße Quelle mit Chakotay zusammen aufgesucht haben dürfte? Der Türsummer erklang und sie zuckte zusammen. "Wer ist da?", fragte sie mit belegter Stimme. "Chakotay", erklang die Stimme ihres Ersten Offiziers von draußen. Kathryn schluckte schwer und zögerte. Stellte ihr Traum eine Vorwarnung für das dar, was jetzt passieren könnte? "Kathryn?" Sie machte sich auf den Rückweg in ihr Schlafzimmer. "Treten Sie ein, ich ziehe mir nur etwas Passendes an", rief sie über ihre Schulter und suchte flink nach einem Shirt und einer Hose, die sie sich überzog. In weniger als einer Minute war sie zurück und blickte zu Chakotay, der abwartend im Eingangsbereich stand. "Was führt Sie zu mir?", wollte sie wissen und ging in seine Richtung. "Wir müssen reden", erwiderte er. Janeway erstarrte und musterte ihn. Déjà-vu. Sie nickte. "Ich ... wollte mir gerade einen Kaffee replizieren", sprach sie ein wenig verunsichert, sehr darauf bedacht, nicht die Worte aus ihrem Traum zu benutzen. "Darf ich Ihnen auch einen anbieten?" Ohne abzuwarten ging sie zum Replikator. "Ja, gerne, mit zwei Stückchen Zucker, bitte." Chakotay folgte ihrer einladenden Handbewegung zur Couch und nahm dort Platz. Erst als sie mit den beiden Tassen in der Hand zurückkam bemerkte er, dass sie barfuß war. "Ich hoffe, ich habe Sie nicht gestört?" Sie stellte ihre Tasse auf dem kleinen Tisch ab und überreichte Chakotay seinen Becher. "Nein, haben Sie nicht." Ihre Blicke trafen sich, als der Commander bei der Übernahme des Kaffees unbeabsichtigt ihre Finger berührte. "Hoffentlich bekommen Sie keine kalten Füße." "Wie meinen Sie das?", flüsterte sie und hielt seinen Blick fest. "So, wie ich es sagte", schmunzelte er ein wenig über diesen Gesichtsausdruck von ihr, den er nicht kannte und deutete auf ihre Füße. "Oh", lautete ihre gesamte Antwort. Sie bräuchte dringend einen Schluck Kaffee, um wach zu werden, denn beinahe hätte sie seine Worte falsch interpretiert. "Der Doctor hat Sie vorhin vermisst", erzählte er und ließ seine Finger die Tasse umspielen. Janeway setzte sich und trank erst einmal einen Schluck von ihrem Kaffee. "Ich hatte gehofft, meine Abwesenheit wäre nicht aufgefallen." Sie zuckte mit den Schultern und betrachtete ihren Offizier unauffällig. Er war ebenso wie sie in ziviler Kleidung. Was war der Grund für seinen Besuch? "Wie geht es Seven?", wollte sie wissen. "Der Doctor wollte noch ein paar weitere Tests machen", erwiderte er und stellte seine Tasse ab. "Inzwischen dürfte auch sie entlassen worden sein." "Weshalb sitzen Sie dann bei mir?", kam es unüberlegt über ihre Lippen. Ernst blickte er sie an. "Das hoffe ich gerade herauszufinden." Ihr ungutes Gefühl wuchs. "Wie kann ich Ihnen dabei helfen?", fragte sie ratlos. Unsicher blickte er auf seine Hände, die er nervös knetete. Da er offenbar nach den richtigen Worten suchte, versuchte Janeway die Situation etwas aufzulockern. "Das wird keine dienstliche Unterhaltung, wie mir scheint?" Er schüttelte seinen Kopf. "Dann machen Sie es sich ebenfalls bequem, Chakotay", forderte sie ihn auf, während sie ihre Füße hochlegte und erneut an ihrer Tasse nippte. "Was bedrückt Sie?" "Ich weiß nicht, wo ich anfangen soll", gab er zu und lehnte sich zurück, den Blick gegen die Decke gerichtet. "Wo immer Sie möchten", machte sie ihm Mut, "wir haben Zeit." "Was würden Sie jemanden raten, der jahrelang in eine Frau verliebt gewesen ist, in die er nicht diese Art von Gefühlen investieren durfte? Er hoffte ständig darauf, dass sich irgendwann ihre Einstellung ändern würde, er war sich nicht sicher, ob sie ihn überhaupt jemals geliebt hatte, nie gab es eine Antwort darauf. Sie schottete sich immer mehr von ihm ab, stürzte sich in die Arbeit und die wenigen Momente, wo ein Lächeln oder ein Schulterklopfen von ihr ihn durch den Tag brachte, weitere Jahre zu warten, wurden immer weniger. Die Entscheidung fiel ihm nicht leicht, doch er musste sie aufgeben, sonst wäre er selbst eines Tages daran verbittert. Irgendwann hatte er es geschafft und öffnete seine Augen für eine andere Frau, doch diese Art von Beziehung war weitaus steiniger als gedacht. Sie durfte Gefühle zeigen und konnte es nicht. Nachdem sie es konnte, verbarg sie sie meist dennoch vor ihm und ebenfalls wie die andere Frau liebte sie ihre Arbeit. Sie versteckten sich, niemand sollte von ihren Gefühlen zueinander erfahren. Heute ist plötzlich alles anders. Eine winzige Berührung der ersten Frau hat genügt, dass bei ihm all die vergessenen Gefühle wieder aufbrachen und er sie nicht mehr aus dem Kopf bekommt. Er sieht die neue Beziehung als Fehler an, die er nie hätte beginnen dürften. Er ist mehr als verzweifelt und weiß nicht mehr weiter." In diesem Moment konnte er sie nicht ansehen und so blickte er weiterhin an die Decke. "Ich ..." Kathryn hatte einen Kloß im Hals, den sie runterschluckte. Tränen der Rührung standen ihr in den Augen und sie wünschte ihm sagen zu dürfen, dass sie ihn sehr wohl lieben würde, aber das wäre nicht fair. "Er sollte die neue Beziehung nicht voreilig verwerfen. Wohlmöglich ist es alles nur eine Frage der Zeit, bis es zu seiner Zufriedenheit läuft." Sie spürte plötzlich seinen Blick auf sich und sah zu ihm. "Geben Sie ihr eine Chance, Chakotay, Sie hat Ihnen mehr gegeben als ich es wohl je vermag", flüsterte sie und hoffte, sich damit nicht zu weit aus dem Fenster gelehnt zu haben, sollte er wider Erwarten nicht über sie und sich selbst gesprochen haben. "Ich habe nicht mit ihr geschlafen", fühlte er sich schuldig, es sie wissen zu lassen. Das saß - mit dieser Direktheit hatte Janeway nicht gerechnet. "Was erwarten Sie jetzt von mir?", fragte sie ein wenig ratlos. "Wenn ich das wüsste", murmelte er und setzte sich wieder anständig hin. "Vielleicht, dass Sie sich diesem Gespräch nicht verschließen, wie unangenehm es auch für Sie sein mag? Dass Sie mich nicht gleich hier und jetzt rausschicken, sondern mir etwas von dem erzählen, was in Ihnen vorgeht? Mir sagen, ich hätte mir alles nur eingebildet, wenn ich in Ihre Augen blickte, dass da nichts anderes gewesen wäre als der sorgsame Blick eines Captain, der jeden aus seiner Crew auf diese Art ansehen würde? Oder aber mir mitteilen, dass ich mich nicht geirrt habe, Sie etwas für mich empfinden, was nicht sein darf, aus Ihrer Sicht? Machen Sie mir Hoffnung oder schicken mich zum Teufel, Kathryn, aber reden Sie mit mir und machen irgendetwas, sonst finde ich nie meinen Frieden." Sie löste ihren Blick von ihm und lehnte sich zurück. Jetzt war sie es, die ergriffen an die Decke starrte und nach den richtigen Worten suchte. Kathryn holte tief Luft. "Ich weiß nicht, wo oder wie ich anfangen soll, Chakotay", flüsterte sie so unsicher wie noch nie zuvor. Er nickte verständnisvoll. "Was immer Sie auch sagen werden, ich bin nicht gekommen um über Sie zu richten und nichts davon wird jemals diesen Raum verlassen, das verspreche ich Ihnen." "Ich schätze Sie sehr als mein Erster Offizier, Chakotay", begann sie vorsichtig nicht wissend, wohin das alles führen würde. "Es war damals korrekt, Sie mit diesem Posten zu besetzen. Ich lege großen Wert auf Ihre Meinung und Ihre Fähigkeit, ruhig und besonnen bei fast allen Gelegenheiten zu handeln. Sie haben mein vollstes Vertrauen." Sie pausierte. Irgendwie versuchte sie sich um die eigentliche Angelegenheit zu drücken, wie sie sich selbst gegenüber zugeben musste. Das waren nicht die Auskünfte, auf die er wartete. "Sie sind charmant, humorvoll und attraktiv", setzte sie zum zweiten Versuch an, "aber ich habe nicht das Recht, durch weitere Worte Ihre neue Beziehung zu gefährden." Auf diese Worte wäre er mehr als nur gespannt. Leise rutschte er zu ihr rüber und beugte sich über sie. "Ich würde Ihnen gerne in die Augen sehen, Kathryn." "Ja, selbstverständlich", sprach sie leise und spürte seinen Atem auf ihrem Gesicht. "Das war unhöflich von mir." Langsam hob sie ihren Kopf an, als er den Abstand zu ihr vergrößerte und sich neben sie setzte. "Fahren Sie fort", bat er und ließ seinen Blick nicht von ihr. Nervös faltete sie ihre Hände auf und zu und tippte mit ihnen an ihre Lippen. "Was wird geschehen, Chakotay? Soll ich meinen Gefühlen nachgeben? Oder mich streng ans Protokoll halten? Was?", erklang ihre Stimme unsicher und fast ein wenig verzweifelt zugleich. "Ich habe keine Antwort darauf was geschehen wird, wenn Sie Ihren Gefühlen nachgeben. Ebenfalls kann ich Ihnen diese Entscheidung nicht abnehmen. Ob es Ihren Entschluss erleichtert oder nicht, ob Sie mich dafür hassen werden oder nicht, ich könnte Ihnen nur einen winzigen Teil zeigen, der Ihnen wohlmöglich entgeht." Zärtlich nahm er ihr Gesicht in die Hände und näherte sich diesem wohl wissend, dass er sich selbst dafür ebenso hassen könnte. Er ging dieses Risiko ein, blickte in ihre wunderschönen Augen, die ihn zwar überrascht ansahen, jedoch keinen Befehl zum Rückzug an ihn schickten. Dieses änderte sich jedoch plötzlich; kurz bevor seine Lippen die ihren berührten spürte er sanft ihre Finger sich auf seinen Mund legen. "Tun Sie nichts, was Sie hinterher bereuen könnten", hauchte sie. "Ich würde es nicht bereuen", versuchte er ihre Zweifel zu vertreiben. "Aber ich wohlmöglich", warf sie ein. "Vielleicht nicht jetzt, nicht heute, aber wohlmöglich irgendwann." Ihre Fingerspitzen zeichneten die Konturen seiner Lippen nach. "Ich bin noch immer verlobt, Chakotay. Ich kann das nicht so einfach ignorieren." Verunsichert vergrößerte er den Abstand zu ihr. "Das können Sie nicht vergessen haben, Kathryn", sagte er kopfschüttelnd. "Ihr Mark hat ..." "Was hat er?" Ihre Stirn legte sich in Falten. Sie wusste es nicht, er las es in ihrem Gesicht. Behutsam griff der Commander nach ihrer Hand. "Er hat vor gut drei Jahren geheiratet, Kathryn. Man hielt uns alle für tot, verschollen im Delta-Quadranten." Janeway lehnte sich zurück und schloss ihre Augen. Das hatte ihr Mark einfach getan? "Alles in Ordnung mit Ihnen?", fragte Chakotay besorgt. "Ja", sie lächelte ihn schief an. "Ich kann ihn sogar verstehen, nur kommt diese Information so plötzlich." "Diese Nachricht ist auch fast drei Jahre alt", meinte er bedrückt. "Ich kann mich nicht erinnern und das bestärkt mich aufs Neue, dass ich nicht in diese Zeitlinie gehöre ...", ernst musterte sie ihn, "oder ich langsam meinen Verstand verliere." "Letzteres glaube ich nicht, auch wenn ich Sie manchmal für verrückt halte, was Sie sich selbst alles zumuten. Wenn Sie jedoch entschieden an der ersten Möglichkeit festhalten, dann ..." "Was dann?" "Weshalb gehen Sie dann nicht das Wagnis ein, sofern Ihnen etwas an mir liegt? Es gäbe keine Konsequenzen zu befürchten", zählte er Eins und Eins zusammen. "Das würde mehr als nur verlockend klingen", sprach sie gedämpft und ihre Augen fixierten seine Lippen. Nervös knetete sie ihre Hände, die auf ihrem Bauch lagen. Millimeterweise näherte sich sein Gesicht, ihr Herz klopfte aufgeregt. Überrascht spürte sie die Feuchtigkeit in ihrer linken Hand und wandte den Blick von ihm ab. Ausgerechnet in diesem Augenblick musste sie feststellen, dass ihre Hand erneut zu bluten angefangen hatte und ihr Shirt befleckte. Entschuldigend blickte sie ihn an und ergriff mit der von Nergal gezeichneten Hand ein Stückchen vom Stoff ihres Oberteils, während sie sich erhob. "Ich werde mich rasch umziehen, Chakotay. Warten Sie hier. Wenn Sie mögen, nehmen Sie sich noch einen Kaffee." Der Commander blies heiße Luft aus seinen Lungen und lehnte sich zurück, nachdem er sie im Schlafzimmer hatte verschwinden sehen. Ausgerechnet jetzt, bedauerte er im Stillen. Kathryn zog sich das neue Shirt über den Kopf und es verschlug ihr anschließend fast den Atem, als vor ihr eine blonde Frau in Uniform stand, die ihr bedeutete still zu sein und dieses mit einer Art Phaser untermauerte. "Auderby", flüsterte Kathryn. "Es ist Zeit", dämpfte die Frau ihre Stimme ebenfalls, "ziehen Sie sich Ihre Uniform an. Wir gehen." "Gehen wohin? In die Vergangenheit? In die Zukunft?" Janeway zog sich das Oberteil ihrer Uniform über. "Dort hin, von wo Sie gekommen sind", erwiderte Auderby. "Langsam frage ich mich, von wo oder wann ich komme", meinte der Captain bissig. "Kathryn? Alles in Ordnung mit Ihnen?", erklang des Commanders Stimme von nebenan. "Ja, alles in Ordnung, Chakotay. Einen Moment", rief sie zurück, in die Mündung der Waffe blickend. "Bevor ich mit Ihnen überhaupt irgendwo hingehen werde, erwarte ich eine Erklärung. Was ist hier überhaupt los?", sprach Janeway inzwischen wieder flüsternd und verschränkte ihre Arme vor ihrem Oberkörper. "Verstehen Sie doch, wir haben keine Zeit, Captain." Ungeduldig reichte die blonde Frau dem Captain der Voyager ein paar saubere Socken. "Sie kommen aus der Zukunft, korrekt?", fragte Kathryn und dachte nicht im Traum daran, ihr die gereichte Wäsche abzunehmen. Ein bejahendes Kopfnicken dieser Auderby zum Anlass nehmend, sprach sie sogleich weiter. "Sie sind für dieses ganze Raum-/Zeit-Paradoxon verantwortlich? Was stören Sie dann Minuten, Stunden oder gar Tage, Wochen, bevor ich Sie begleite, wenn Sie trotzdem hinterher die Zeitlinie korrigieren können? Noch einmal deutlich ausgedrückt: ich erwarte Antworten, falls ich Sie begleiten soll." Die Frau seufzte leise und legte die Socken auf dem Bett ab. "Ich bin nicht für dieses Paradoxon verantwortlich, im Grunde genommen sind es sogar Sie, die hierzu den Grundstein gelegt hat." "Ich? Wie darf ich denn das bitte verstehen?" Irritiert musterte Janeway die feinen Gesichtszüge der jungen Frau, die höchstens 25 Jahre alt sein konnte. "Es ist mir untersagt, Ihnen darüber etwas mitzuteilen", entschuldigte sie sich beinahe und fügte hinzu, "die Temporale Erste Direktive." "Zum letzten Mal", zischte Kathryn scharf so leise es möglich war, "entweder, Sie geben mir jetzt Antworten, erschießen mich, oder Sie kommen gestern noch einmal wieder zu mir und wir beginnen dieses Gespräch von vorne." Auderby blickte genervt auf ihren Chronographen. Sie könnte den Captain betäuben und sie dann gegen ihren Willen mitnehmen, doch etwas in ihr war seit Kindestagen von Kathryn Janeway fasziniert und es war ihr eine Ehre, an diesem Projekt mitarbeiten zu dürfen, sodass sie diese Variante nicht vorzog. Etwas Zeit hatte sie vorab für diese Mission mit einkalkuliert, welche sie jetzt einsetzen müsste. "In 33 Jahren werden Sie, Captain, nachdem Ihr Schiff und Ihre Crew damals ...", sie korrigierte sich, "nachdem Sie - von heute an gerechnet - in etwas über 16 Jahren die Rückkehr zur Erde schaffen werden, erneut in die Vergangenheit reisen, sprich in die jetzige Zeitlinie, um Ihrer Crew Leid zu ersparen und sie früher heimzuholen." Während Janeway der Frau zuhörte, setzte sie sich auf die Bettkante. Sie würde die Voyager sicher zur Erde bringen? Es war, als würde eine Last von ihren Schultern genommen werden. "Ich kann das jetzt wirklich nicht weiter im Detail ausführen, Captain, aber Ihr zweites, gealtertes Ich starb während dieser Mission bei dem Zusammentreffen mit den Borg, wobei wiederum die Borg-Königin vernichtet wurde - von den anderen Auswirkungen für alle Beteiligten will ich jetzt gar nicht sprechen. Lange Rede, kurzer Sinn: Sie sind mehr als wichtig für die Zukunft, sowohl auch für unser Projekt. Die Borg haben eine Möglichkeit gefunden, die Zeitlinie zu verändern und ließen nichts unversucht, Ihre Vergangenheit beziehungsweise Zukunft zu ändern. Das alles hatte natürlich auch Auswirkungen auf unsere Einrichtung, sodass wir Sie länger in der falschen Zeitlinie belassen mussten, der erste Rücktransfer fehlschlug und Sie hier landeten. Jetzt ziehen Sie sich bitte den Rest Ihrer Uniform an, Captain, wir müssen los." Janeway ergriff die Socken und runzelte verwirrt ihre Stirn. "Wenn die Borg die Zeitlinie beeinflussen können, gar in der Zeit reisen mögen, weshalb wurde dann die Menschheit nicht inzwischen assimiliert?" Sie schüttelte ihren Kopf und erwartete nicht ernsthaft eine logische Antwort darauf. "Kathryn?", war Chakotays Stimme zu hören. "Ja, alles in Ordnung. Ich bin gleich bei Ihnen", rief Janeway und bedachte Auderby mit einem sehr nachdenklichen Blick, während sie in ihre Stiefel stieg. "Mögen Sie auch noch einen frischen Kaffee, Kathryn?" "Ja, das wäre nett von Ihnen, Chakotay." Auderby schüttelte verneinend ihren Kopf, als würde sie genauestens in Janeways Gesicht lesen können. "Das geht nicht, dazu haben wir keine Zeit mehr", protestierte sie flüsternd. "Ich bitte Sie nur um ein paar Minuten", sprach Janeway gedämpft und stand auf. Die blonde Frau war etwas größer als sie. "Nur eine kurze Erklärung für diesen Abschied." "Es geht wirklich nicht", bedauerte Auderby und befestigte ein kleines Gerät an Janeways Schläfe. "Außerdem würde es nichts bringen, denn diesen Moment wird es in wenigen Augenblicken nie gegeben haben, er könnte sich nicht dort daran erinnern, wo ich Sie jetzt hinbringen werde und Sie sich ebenfalls nicht. Sie brauchen deshalb keine Schuldgefühle zu haben, Captain." Fast hätte sie gelacht, wenn nicht etwas ihre Kehle zuschnürte und ihre Stimme heiser klingen ließ als sie sprach. "Sie nehmen mir nicht meine Erinnerungen, nicht wahr? Sagen Sie mir, dass Sie mir die nicht nehmen." Auderby schluckte und schaltete das Gerät ein. "Es wird nicht weh tun, höchstens leichte Kopfschmerzen könnte es verursachen. Wir werden Ihnen keinen Schaden zufügen." "Bitte nehmen Sie mir nicht alle Erinnerungen, von mir aus die, die die Zukunft betreffen, von der Sie mir erzählten, aber nicht die restlichen. Versprechen Sie mir das!" Kathryn packte sie am Arm. Bedauernd senkte Auderby ihren Blick und initiierte die Zeitreise. "Es tut mir leid, das kann ich nicht", waren ihre letzten Worte, die diesen Raum mit Leben erhellten.
Epilog
"Langsam weiß ich wirklich nicht, was ich davon halten soll", schnellen Schrittes betrat der Erste Offizier den Bereitschaftsraum des Captains, den Blick auf ein Padd in seiner Hand vertieft, welches vor wenigen Minuten von seiner Vorgesetzten angefordert wurde. "Dieser Jaime möchte im Tausch nur Rezepte aus unserer Datenbank und belanglose andere Dinge. Das offenbart sich langsam mehr und mehr als eine glückliche Begegnung." Vor dem Schreibtisch angekommen streckte er ihr das Padd entgegen, doch der Stuhl mit ihr stand von ihm abgewandt und sie reagierte nicht. "Captain?" Beunruhigt ließ er das elektronische Gerät auf die Oberfläche des Tisches fallen und lief um den Tisch herum. Sie hatte die Augen geschlossen und ihren Kopf an die Lehne gestützt. Ihre Wangen waren leicht gerötet und unter ihrem rechten Auge schimmerte etwas Tränenflüssigkeit. "Kathryn?", flüsterte er und vorsichtig strich er die Träne von ihrem Wangenknochen. "Sie sind eingeschlafen. Wachen Sie auf." Wie aus einem schlimmen Traum geweckt mobilisierte Janeway plötzlich ihre Gliedmaßen und aus einem Reflex heraus ergriff sie den Störenfried am Handgelenk. "Was zum ...", sprach sie heiser und erkannte, wen sie vor sich hatte, "Chakotay. Ist etwas passiert?" Er schmunzelte. "Nein, ich habe Ihnen nur das Padd gebracht, um das Sie mich vor ein paar Minuten gebeten haben ..." "Padd? Welches Padd?", fragend blinzelte sie ihn an und erst da bemerkte sie, dass sie ihn noch immer festhielt. Umgehend ließ sie ihn frei. "Die Auflistung mit den Dingen, die Jaime für die von uns gewünschten Waren möchte", erwiderte er nicht weniger grinsend. "Sie sind etwas überarbeitet und offenbar ziemlich übermüdet, Captain." "So? Bin ich das Ihrer Meinung nach?", murmelte sie und rieb sich ihre Schläfen. Überarbeitet? Nein. In der Tat fühlte sie sich jedoch mehr als körperlich erschöpft, als hätte sie mehrere Trainingsszenarien von Tuvok hintereinander absolviert und Kopfschmerzen hatte sie ebenfalls. "Was haben Sie denn gemacht?" Sein Augenmerk war auf ihre linke Hand gefallen, während sie ihr Gesicht rieb. "Wie bitte?" Sie musste wirklich fest geschlafen haben, denn sie konnte ihm nicht sofort folgen. "Ihre Hand ...", er deutete auf die Innenfläche dieser, "... sie ist blutverschmiert. Warten Sie ..." Hastig lief er zum Replikator und kam mit einem feuchten Handtuch zurück, welches er ihr überreichte. "Wahrscheinlich habe ich mich irgendwo geschnitten", analysierte sie, während sie vorsichtig das Blut wegwischte. "Obwohl, ich entdecke keine Verletzung der Hautoberfläche." Kathryn legte das Tuch zur Seite und blickte zum Commander auf. "Demnach nicht weiter schlimm, mir fehlt doch kein Arm, Ohr oder Bein?", scherzte sie und erhob sich. "Nein, sieht nicht danach aus. Alles befindet sich an seinem Platz", antwortete er erheitert nach einem visuellen Check ihrer Person. "Beruhigend zu wissen", erwiderte sie in einem gespielt strafenden Tonfall auf seine Bemerkung hin, ergriff das Padd und stand auf. "Wir haben unsere Schicht bereits um Stunden überzogen, Commander", sie hielt ihm das Gerät bedeutungsvoll vor die Brust, "Mister Tuvok kann es bestimmt kaum erwarten, dass wir ihm die Brücke und die restliche Absprache mit dem taseianischen Oberhaupt überlassen." Schelmisch lächelte sie vor sich hin bei der Vorstellung, Jaime würde Tuvok umgehend persönlich nach Narbarh bestellen, um das Tauschgeschäft in einer fröhlichen Umgebung abzuschließen. "Und ab morgen, das verspreche ich, übernehme ich wieder die Alpha-Schicht." Sie trat an ihm vorbei. "Das klingt vernünftig. Sagen Sie, Captain, haben Sie auch Hunger?", fragte er ihr zum Ausgang folgend. "Ich sterbe fast vor Hunger", gab sie zu und drehte sich um, "aber ebenso könnte ich im Stehen einschlafen." Ein breites Lächeln strahlte ihr entgegen. "Das war nicht zu übersehen", bestätigte er. "Was halten Sie davon, wenn ich Sie zu einem Frühstück bei Neelix einlade? Wir müssen doch testen, welche Rezepte Jaime von uns möchte." Einladend deutete er mit seiner Hand auf die Tür und ließ sie vorangehen. "Wenn ich dort einschliefe, dann wäre das garantiert das Gespräch des Tages, wie ich fürchte. Wie komme ich dann in mein Quartier, sollte mich tatsächlich die Müdigkeit überfallen?", flüsterte sie, denn die Türen hatten sich bereits zur Brücke geöffnet. "Vertrauen Sie mir. Sie werden dorthin kommen, wo Sie hingehören", senkte er seine Stimme, versteckte sein Schmunzeln hinter einem möglichst ernsten Gesichtsausdruck und verließ gemeinsam mit ihr den Bereitschaftsraum.
Ende




