Targala Prime: Kapitel 4 - Unkonventionelle Methoden

Teil 1:

"Premierminister, wenn Sie die Messe in der Provinz Rankesch wirklich selbst eröffnen wollen, dann müssen wir jetzt aufbrechen. Ich habe alles Nötige für Ihre Sicherheit veranlasst. Selbstverständlich werden alle Männer so unauffällig wie nur möglich postiert." Targor war nähergetreten und stand nun direkt vor Turats Arbeitstisch. Dieser blickte ins Leere, als ob sein Minister für innere Sicherheit gar nicht vorhanden wäre. Plötzlich füllten sich seine Augen mit Leben und er stand ruckartig auf. "Die Messe, natürlich. Ich hatte sie vollkommen vergessen." Der Sicherheitsminister blickte das Staatsoberhaupt besorgt an. "Ich kann nachvollziehen, was Sie durchmachen, Premierminister. Soll nicht doch Ihr Stellvertreter diese Aufgabe für Sie übernehmen?" "Kommt nicht in Frage. Dafür ist die Angelegenheit zu wichtig. Gerade jetzt muss das Volk sehen, dass ich meine persönlichen Belange nicht über ihr Wohl stelle. Lassen Sie uns gehen." Turat wandte sich bei diesen Worten bereits zur Tür. "Wo sind Ihre Assistenten Molot und Rigar? Die beiden werden Sie doch begleiten?" Targor wunderte sich, dass er sie weder im Vorzimmer, noch in Turats Arbeitszimmer angetroffen hatte. "Molot hat sich in einer persönlichen Angelegenheit freigenommen und Rigar muss für mich einiges erledigen. Ich komme ohne sie aus." "Selbstverständlich, Premierminister." Targor folgte seinem Vorgesetzten durch die Tür. Er konnte nicht verhindern, dass sich ein misstrauisches Gefühl in ihm breit machte. Schweigend, in ihre Gedanken versunken, gingen die beiden Männer den Gang entlang. Da jeder den Blick nach unten gesenkt hatte, sahen sie nicht die beiden Gestalten, die sich rasch in eine Nische zurückzogen. Tom Paris und Neelix hatten gerade noch rechtzeitig reagiert und sich dort verborgen. Sie beobachteten aufmerksam, wie Turat und Targor an ihnen vorbeigingen. Als ein gewisser Sicherheitsabstand zu den beiden gewährleistet war, nahmen sie unauffällig ihre Verfolgung wieder auf.

"Wir brauchen einen einheimischen Graphologen. Der Schiffcomputer hilft uns hier nicht weiter." Der Doctor hatte seine Gedankengänge bezüglich des Lekortoxins abgebrochen und konzentrierte sich wieder auf die momentanen Aktualitäten. Lieutenant Ayala wurde etwas unsicher. "Wie finden wir diesen, ohne durch Fragen aufzufallen?", sprach er mehr zu sich selbst. Das Gesicht des Hologramms erhellte sich. "Ich denke, das ist ganz einfach, bitte folgen Sie mir nach draußen. Meine Subroutinen für Künste beinhalten auch das Schauspiel." Schwungvoll riss der Arzt die Tür zum Gang auf. Die beiden Wachen, die immer noch dort postierten, nahmen unwillkürlich Haltung an, als sie die beiden vermeintlichen Ermittler der P.A.S. erblickten. "Wir brauchen sofort die Adresse des besten Graphologen in der Stadt." Selbstsicher mit einem Hauch von Arroganz hatte der Doctor das Wort an sie gerichtet. Die Wachmänner sahen sich kurz an. "Als Agenten der P.A.S. müssten Sie das doch besser wissen, als wir", erwiderte der Größere der Männer. "Glauben Sie wirklich, dass wir von hier sind. Wir ermitteln verdeckt. Es müsste sogar Ihnen klar sein, dass die P.A.S. ihre Agenten immer in anderen, möglichst weit entfernten Provinzen einsetzt. Wären wir aus Targala Prime, würde uns jeder auf der Straße erkennen." Ayala, dem das Spiel sehr behagte, sah Unsicherheit und Beschämung in den Gesichtern der Wachen und fügte noch hinzu. "Also, die Adresse - bitte. Bevor ich Sie wegen Verweigerung einer Kooperation melden muss." Der holographische Notarzt hatte Mühe, bei den Worten des Lieutenants ernst zu bleiben. "Selbstverständlich, Sir", erwiderte der völlig eingeschüchterte Wachmann. Alle Würde und Arroganz war aus beiden Gesichtern verschwunden. "Gehen Sie zu Kumor. Wenn Sie das Regierungsgebäude über den Haupteingang verlassen, halten Sie sich bitte rechts. Sie folgen der Straße bis zum Ende. Er wohnt im letzten Haus auf der linken Seite. Sie erkennen es sofort an den verschiedenen Schriftzeichen, die die gesamte Fassade zieren." Der Doctor, dem das Spiel ausgesprochenen Spaß bereitete, konnte sich eine Schlussbemerkung nicht verkneifen. "Na also, es geht doch. Wir danken Ihnen und werden - dieses Mal noch - auf eine Meldung verzichten." Damit gingen sie Richtung Ausgang davon und ließen zwei völlig konsternierte Wachposten zurück.

Schritt für Schritt tastete sie sich vorsichtig nach vorne. Eine Hand weit von sich gestreckt. Sie wollte nicht noch einmal in ein Spinnennetz laufen. Der Gang schien kein Ende nehmen zu wollen. Sie hatte den Eindruck, dass er in einem leichten Gefälle nach unten führte. Auch der Boden fühlte sich immer weicher und feuchter an. Sie war von totaler Stille umgeben, nur ihr eigenes Atmen und das Knirschen der Schuhe im Sand war zu hören. Es wurde immer unheimlicher. Was mache ich hier eigentlich? Anscheinend habe ich mich doch getäuscht, hier ist nichts mehr zu hören. Besser, ich gehe zurück. Vorsichtig, eine Hand an der kalten Wand, die andere ausgestreckt, drehte sie sich langsam um und wollte zurückgehen. Da hörte sie es wieder, nur diesmal viel lauter. Prompt machte sie wieder kehrt und folgte dem Geräusch, diesmal schnelleren Schrittes und weniger vorsichtig. Ihre Neugier gewann die Oberhand über alle Vernunft. Sie erreichte nach kurzer Zeit ein Hindernis. Im Dunkeln ertastete die Frau einen Griff, es handelte sich um eine Tür. Sie drückte die Klinke herunter und stellte überrascht fest, dass auch hier der Zugang nicht verschlossen war. Mutig trat sie ein und stand in einem hell erleuchteten Raum. "Was machen Sie denn hier?" Die wütende Stimme eines Mannes jagte der Frau Angst ein. "Ich, ich ... wollte ... " Weiter kam sie nicht, das letzte was sie vernahm, war ein kleiner Zylinder, der ihr direkt vor die Füße geworfen wurde. Ein Mann kniete sich neben die bewusstlose Frau, prüfte ihre Lebensfunktionen und sah dann zu seinem Partner hoch. Beide hatten sich rasch Gasmasken über die Gesichter gezogen. "Sie ist in Ordnung. Was machen wir jetzt mit ihr? Sie hat uns gesehen." "Denk doch mal nach", antwortete der zweite, "wir können sie hervorragend gebrauchen. Sie löst einige unserer Probleme."

Molot unterbrach sein Gespräch mit einem sehr ungepflegt wirkenden Targaleaner und blickte überrascht hoch in die Richtung, aus der die Stimme kam. "Rigar, ich hätte nicht erwartet, dich hier zu sehen. Musst du nicht für den Premierminister arbeiten?" Er versuchte, seine Unsicherheit über das plötzliche Auftauchen seines Kollegen mit dieser Frage zu überspielen. "Wer ist das?" Chakotay sprach leise zu Rigar. Er stand dicht hinter ihm, den Arm jetzt um Kathryns Hüften gelegt. Er genoss es, ihr so nah zu sein und wünschte sich insgeheim, dass der Einsatz in dieser Kellerbar noch möglichst lange dauern sollte. So nah würde er ihr bestimmt so schnell nicht wieder kommen. Rigar flüsterte über die Schulter zurück. "Mein Kollege Molot, er ist der zweite Assistent des Premierministers. Er hatte sich für heute freigenommen. Merkwürdig, dass er ausgerechnet hier ist." Kathryn Janeway flüsterte dem Targaleaner zu. "Stellen Sie uns mit den targaleanischen Namen vor. Ich möchte nicht, dass er weiß, wer wir wirklich sind." Rigar nickte kurz und beantwortete dann Molots Frage. "Ich habe ebenfalls heute Urlaub, da ich meinen Freuden Menja und Smewor", er wies bei seinen Worten kurz auf Janeway und Chakotay, "bei der Suche nach einem Haus helfe. Wir machen hier eine Pause. Welche persönliche Angelegenheit hast du denn hier zu erledigen? Aus diesem Grund hattest du doch um einen freien Tag gebeten." Molot blickte etwas verunsichert von Rigar zu seinen beiden Begleitern. "Ich... ich suche meinen Bruder." "Deinen Bruder? Ich dachte, der lebt in der Provinz Rankesch. Hattest du nicht einmal etwas dergleichen erwähnt?" Rigar blickte seinen Kollegen überrascht und fragend an. "Nein, nicht mehr. Er wollte nach Targala Prime umsiedeln. Nur - bis jetzt hat ihn noch keiner gesehen. Tut mir leid, wenn ich unhöflich erscheine, aber ich muss dringend weiter." Molot wandte sich noch kurz an Janeway und Chakotay. "Ich wünsche Ihnen viel Erfolg bei der Suche nach einem neuen Zuhause." Nach diesen Worten ging er an die Theke, warf dem Wirt einige Geldscheine hin und verließ raschen Schrittes das Kellergewölbe. Janeway wandte sich an Rigar. "Wissen Sie etwas über seinen Bruder, wieso sucht er ihn ausgerechnet hier?" Rigar blickte unsicher im Raum umher, bevor er antwortete. "Ich weiß es nicht genau, aber irgendetwas ist merkwürdig. Wissen Sie, vor einiger Zeit musste ich in Targors Büro Unterlagen abgeben. Er war nicht da, also wollte ich die Papiere einfach auf seinen Schreibtisch legen. Da fiel mein Blick auf eine offene Akte. Es war die von Molot, ich konnte nur einen kurzen Blick darauf werfen, aber ich sah ganz obenauf Fotos von ihm und seinem Bruder. Seitdem frage ich mich, warum der Minister für Innere Sicherheit wohl diese Unterlagen studiert hat." Janeway legte eine Hand an ihre Schläfe und dachte nach. "Das muss nichts bedeuten, aber irgendwie hört es sich schon merkwürdig an. Vielleicht sollten wir nachsehen, wohin Ihr Kollege jetzt geht."

"Folgen Sie diesen Wagen", meinte Paris sofort, als sie in das Hover-Shuttle stiegen, das Neelix gerufen hatte, und deutete auf die Kolonne der gepanzerten Regierungsshuttles vor ihnen, die gerade im Begriff war zu starten. Der Fahrer ihres Transportmittels, welches Tom spontan als Taxi bezeichnet hatte, drehte sich um und schaute seine Fahrgäste verständnislos an. Neelix lachte verlegen, "Verzeihen Sie meinem Freund, wir waren gestern in diesem neuen Krimi und er ist noch vollkommen gefangen davon." Die Miene des Einheimischen hinter dem Steuerpult hellte sich auf und zeigte nun ganz deutlich Sympathie, "Den habe ich auch gesehen. Unglaublich fesselnd. - Also, wohin kann ich Sie bringen?" "Wir wollen zur Messe nach Rankesch." "Alles klar, wenn Sie dann bitte die Kraftfelder aktivieren, vorher kann ich den Hover nicht starten." "Oh ja, natürlich", Neelix drückte auf der kleinen Armatur zwischen sich und Tom zwei Tasten, woraufhin es um sie herum kurz schimmerte. Sofort merkte er wie der Hover vom Boden abhob und als sie ungefähr einen halben Meter in der Luft schwebten die Vorwärtsbewegung einsetzte. Während Tom immer noch damit beschäftigt war nachzudenken, ob das Kraftfeld den Fahrer vor seinen Gästen oder die Gäste vor möglichen Unfällen schützen sollte, fädelten sie auf eine Trasse ein, die steil anstieg, so dass man ganz oben einen herrlichen Ausblick auf Targala Prime und die umliegende Landschaft hatte. Neelix schwätzte die ganze Fahrt über mit dem Targaleaner vor ihnen. Tom hörte nur mit halbem Ohr zu, es ging wohl um die Messe, aber er war viel zu sehr damit beschäftigt, die Aussicht zu genießen, um Genaueres aufzuschnappen. Targala ähnelte in vielem der Erde und er konnte nicht verhindern, ein wenig melancholisch zu werden. In weiter Ferne erblickte er einen riesigen Staudamm, der einen majestätischen Eindruck machte. Er wurde gerade direkt von den beiden Sonnen Targalas angestrahlt, so dass man förmlich geblendet wurde, wenn man das Bauwerk ansah. Tom musste die Augen zusammen kneifen, um den Damm weiter betrachten zu können.

"Lieutenant Vorik an Fähnrich Jenkins", erklang die monotone Stimme des vulkanischen Ingenieurs über Interkom. Die junge Frau an der Steuerkonsole schreckte auf, da sie nicht mit einem Komruf gerechnet hatte, "Jenkins hier." "Wir haben den Fehler behoben. Es sollte nun zu keinen Kursabweichungen mehr kommen", erläuterte Vorik. Jenkins fragte sich einmal mehr, ob sie sich den leicht überheblichen Unterton in seiner Stimme nur einbildete oder ob er wirklich vorhanden war. Der Logik zufolge konnte dies aber nicht der Fall sein, da Vulkanier keine Gefühle zeigten, dementsprechend auch keine Überheblichkeit und Arroganz. "Ich danke Ihnen", antwortete sie und nahm einige Einstellungen vor, "Jenkins Ende." "Gibt es Probleme Fähnrich?", erkundigte sich Tuvok, der gezwungenermaßen das Gespräch zwischen dem Maschinenraum und der Conn mitangehört hatte. Das hatte sie sich gewünscht - Die Aufmerksamkeit von Tuvok. Vorik hätte ihr auch eine schriftliche Nachricht auf ihre Station schicken können. Leicht stieß sie sich mit dem linken Bein vom Boden ab und versetzte ihren Stuhl damit in Drehung, um wenige Sekunden darauf dem Commander ins Gesicht sehen zu können. "Es gab eine leichte Kursabweichung, die ich mir nicht erklären konnte. Der Maschinenraum hat den Fehler jedoch schon gefunden und korrigiert." Der dunkelhäutige Offizier nickte mit dem Kopf, "Bitte lassen Sie mir am Ende Ihrer Schicht einen ausführlichen Bericht darüber zukommen." "Ich war schon dabei ihn zu schreiben", lächelte sie und wandte sich wieder ihrer Station zu.

"Ich hoffe, das bringt uns irgendwie weiter", meinte Ayala und spielte damit auf den Graphologen an, zu dem sie auf dem Weg waren. In alter Gewohnheit drehte er die einheimische Speichervorrichtung in seiner Hand. Sie hatten die Forderung der Kidnapper auf eine solche überspielen müssen, denn wenn sie Kumor ihren Tricorder vorgelegt hätten, wäre das sehr auffällig gewesen. Auch hatten sie den Namen Turats aus der Drohung entfernt, da sich diese Nachricht ansonsten sicherlich wie ein Lauffeuer in Targala Prime verbreitet und die Täter mitunter verschreckt oder sogar zu einer Überreaktion verleitet hätte. "Das hoffe ich ebenfalls, Lieutenant, sonst können wir wieder bei Null anfangen", erwiderte das MHN und blieb vor dem Haus stehen, welches die targaleanischen Wachen ihnen beschrieben hatte. Es war wirklich nicht zu übersehen. In vielen mannigfaltigen Schriftarten stand dort immer wieder das gleiche Wort, mal groß geschrieben, mal klein, manchmal überlappten sich auch verschiedene Schrifttypen. Seine Unterroutine für künstlerische Ambitionen fand die Fassade ästhetisch extrem ansprechend. Nichtsdestotrotz konnten sie nicht den gesamten Nachmittag damit verbringen, diese anzustarren. Also trat man ein und beim Öffnen der Tür geriet eine kleine Glocke über dieser in Bewegung, welche dem Besitzer wohl signalisieren sollte, dass Kundschaft eingetreten war. - So mutmaßte der Doctor jedenfalls. Der Eigentümer befand sich jedoch bereits im Geschäft und beugte sich auf dem Verkaufstresen über ein sehr dickes Buch, dessen Seiten ganz wellig und vollkommen vergilbt waren. Das MHN besah sich verzückt die Einrichtung, die auf der einen Seite sehr traditionell und ebenso alt erschien - Tintenfässer, Federn und diverse andere Schreibutensilien, die in der targaleanischen Kultur bereits seit langer Zeit nur noch Sammlerwert hatten - auf der anderen Seite aber auch mit modernster Technik ausgerüstet war. Ayala räusperte sich dezent, doch der Targaleaner, der bereits schlohweißes Haar hatte, regte sich nicht einen Millimeter. Weiterhin starrte er durch ein extrem starkes Vergrößerungsglas. Der junge Lieutenant wandte sich achselzuckend an das MHN. Der Doctor trat näher an den hüfthohen Tisch, auf dem Kumor fast lag. "Wir hätten da eine Herausforderung für Sie", verkündete er wie beiläufig und glaubte, den Graphologen damit aus der Reserve zu locken. Doch erneut gab dieser mit keiner Reaktion zu verstehen, dass er seine Kunden wahrgenommen hatte. Das medizinisch holographische Notfallprogramm wandte sein Gesicht zu Ayala und verzog den Mundwinkel, ohne sich wieder zurückzudrehen, sprach er weiter zu dem jungen Lieutenant gewandt, "Ich habe dir doch gleich gesagt, dass wir zum besten Graphologen gehen sollten, aber nein - du wolltest ja unbedingt hierher", mit einer theatralischen Geste umschrieb er das kleine Geschäft. Mit einem Ruck fuhr der Targaleaner von seinem Buch auf, mehrere Male musste er blinzeln bis seine Pupillen sich soweit geweitet hatten, dass er - jetzt wo ihm nicht mehr das blendend grelle Licht seiner Arbeitslampe zur Verfügung stand - in seinem etwas schummerigen Laden etwas erkennen konnte. "Meine Herren", sagte er euphorisch und breitete die Arme aus, "Sie müssen entschuldigen, aber ich...", er holte tief Luft und ließ diese sofort geräuschvoll entweichen, "ich stehe vor der größten Entdeckung seit... ja seit - Was wollten Sie noch gleich?", fragte er plötzlich sehr irritiert. Ayala hielt den Chip mit den Daten hoch, "P.A.S. - Sie müssen uns bei der Aufklärung eines Verbrechens helfen." Neugierig ergriff der ältere Targaleaner die Speichervorrichtung und rückte sich seine Sehhilfe zurecht. "Wie könnte ich Ihnen denn bei der Aufklärung eines Verbrechens helfen?", wollte er ungläubig wissen und führte den Chip in seinen Computer ein. Dieser projizierte die Informationen sogleich auf den Sichtschirm, welcher recht groß war und an einer der Wände hing. Als Kumor aufsah, froren seine Bewegungen ein, denn in Riesenbuchstaben stand dort geschrieben: 'Tritt zurück oder du wirst dein Kind nie wieder sehen.' Gerade wollte er sich an seine 'Kunden' wenden, da griff Ayala seiner Frage vor, "Es geht um einen Geschäftsmann, der gezwungen wird, vom Vorstandsvorsitz seiner Firma zurück zu treten. Mehr Informationen können wir Ihnen aus ermittlungstechnischen Gründen nicht geben." Ayala wechselte einen Blick mit dem Doctor, der bestätigend nickte. Absichtlich hatte er dem Graphologen eine Falschinformation gegeben, damit dieser nicht auf etwaige Gedanken kam. Kumor schritt um den Verkaufstresen und baute sich vor der projizierten Drohung auf, um diese eingehender zu betrachten. Den Kopf hatte er dabei gänzlich in den Nacken gelegt und seine Sehhilfe angehoben, so dass seine winzigen Äuglein darunter hindurch sehen konnten. "Aha ... aha ... mhmm ...", murmelte er und fuhr mit seinen Fingern die Zeichen nach. Ayala und der Doctor wechselten bei diesen Geräuschen hoffnungsvolle Blicke. "Ja ja, wirklich sehr interessant ... mhmm ... aha." "Was ist so interessant? Haben Sie etwas gefunden?", drängelte das MHN und trat näher. "Mhmm ... mhmm ... ich bin mir noch nicht sicher ... muss mir das noch näher ansehen ...", kam die Antwort in Kumors eigentümlicher Weise.

"Ich ... ich kann überhaupt nichts sehen", merkte Neelix mit einem leichten Anflug von Ungeduld an. Die Targaleaner waren durchschnittlich recht groß gewachsen und überragten den Talaxianer, auch wenn dieser sich auf die Zehenspitzen stellte. "Er wird schon nicht weglaufen", beruhigte ihn Tom, "schließlich ist er für die Sicherheit Turats zuständig." Und tatsächlich hatte er den stämmigen Targor bereits auf der Bühne ausgemacht. Er stand nicht weit von Turat entfernt, der gerade seine Eröffnungsrede hielt. Während der Fahrt nach Rankesch hatten Tom und Neelix noch eine Menge über die Messe erfahren. Zum Beispiel, dass sich hier die Spitzen der Spitzen ihr Stelldichein gaben und die modernste Technologie ausgestellt wurde - Darunter die neue Warpantriebstechnologie, die noch beinah in den Kinderschuhen steckte, und das Modell für ein globales Wetterkontrollsystem im Orbit, welches angesichts der verheerenden Naturkatastrophen wohl die größte Bedeutung hatte. Turat drückte gerade seinen Stolz über dieses Projekt aus und wie wichtig es sei, dessen Entwicklung voranzutreiben. Tuvok hatte auf dem gestrigen Bankett davon berichtet, dass es Unruhen im Volk gab und man Turat die Schuld für den zunehmenden Zorn der Götter zuschrieb. Daher hatte Tom schon befürchtet, dass es bei dieser Veranstaltung zu öffentlichen Ausschreitungen kommen könnte. Aber alles war vollkommen ruhig, wenn man von dem Trubel, der in den Ausstellungshallen herrschte, absah. Die Bewohner Targalas waren zwar stark in ihrem Glauben verwurzelt, aber die Besucher dieser besonderen Messe schienen etwas aufgeklärter zu sein. Sie sahen fortschrittliche Technologie offensichtlich nicht als Teufelswerk an, mit welchem man den Unmut der Götter erregen konnte. Einerseits beruhigte Tom diese Vorstellung, auf der anderen Seite jedoch bedauerte er diesen Umstand, hätten sie doch vielleicht durch einen öffentlichen Tumult neue Anhaltspunkte finden können. Neelix zerrte an der Tunika des Piloten, "Lassen Sie uns weiter nach vorne gehen, Tom, wenn Turat die Messe verlässt, kommen wir sonst nicht so schnell hinterher." Paris nickte, was der als Targaleaner verkleidete Talaxianer allerdings gar nicht sehen konnte, da er sich bereits durch die Menschenmassen kämpfte. "Entschuldigen Sie...", meinte Neelix und zwängte sich zwischen zwei Männern hindurch, "Darf ich mal kurz..." Die Größe des Moraloffiziers war hier nun doch von Vorteil, geschickt konnte er jede sich ihm bietende Lücke nutzen, so dass Tom Schwierigkeiten hatte ihm zu folgen und außerdem war er es, der die leicht verärgerten Blicke der Targaleaner erntete, die Neelix zurück gelassen hatte. Entschuldigend lächelte er also in die Menge. "Dürfte ich vorbei...?", Neelix schob sich gerade zwischen einem Pärchen hindurch und sah kurz über die Schulter zurück, um zu sehen, wo Tom blieb, als er plötzlich mit jemandem zusammen stieß und eine unfreiwillige Dusche bekam. "Oh, ich...", er war gegen jemanden gelaufen, der Erfrischungen servierte, "ich bin untröstlich. Bitte verzeihen Sie mein Missgeschick", redete er beflissen auf den Targaleaner ein. Inzwischen hatte er die Aufmerksamkeit aller Umstehenden auf sich gezogen und da das Geschehen unweit der Bühne stattgefunden hatte, kamen auch aus dieser Richtung neugierige Blicke.

Targors Alarmsirenen schrillten, als er Klirren und eine zunehmende Hektik im Publikum vor der Bühne wahrnahm. Bereit sich vor das Regierungsoberhaupt zu stellen, trat er einen Schritt näher an Turat heran, der sich durch diesen Zwischenfall nicht in seiner Rede unterbrechen ließ. Targors Augen jedoch galten einzig der Stelle, wo die Unruhe herrschte. Ein durchnässter Targaleaner überhäufte dort einen anderen mit Entschuldigungen und half diesem beim Aufsammeln von Glasscherben. Es handelte sich also nicht, wie er zuerst angenommen hatte, um eine Gefahr für den Premierminister. Gerade wollte er seine Augen wieder über die restliche Menschenmenge schweifen lassen, um nach potentiellen Angreifern Ausschau zu halten, da blendete ihn ein Lichtschein während sich der eine Targaleaner nach einem herunter gefallenen Glas bückte. Dabei entblößte seine Tunika unterliegende Teile seiner Kleidung, worauf sich ein Schmuckstück befand, das den Schein der Lampen reflektierte. Misstrauisch zog er die Brauen zusammen. Diese Brosche löste Erinnerungen in ihm aus, die er nicht genau zuordnen konnte. Es kam ihm vor, als ob er dieses Kleinod erst kürzlich gesehen hatte, vergeblich kramte er in seinem Gedächtnis. Und da - als er nicht mehr so stark geblendet wurde und er die Umrisse des Gegenstandes genauer erkennen konnte - wusste er, woher ihm dieser so vertraut erschien: Es war ein Communicator der Voyager!


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