Targala Prime: Kapitel 4, Teil 2 - Unkonventionelle Methoden

Seit zwei Stunden warteten Lieutenant Ayala und das medizinisch holographische Notfallprogramm der Voyager nun darauf, dass Kumor, der Graphologe, seine Analyse der Forderung der Kidnapper abschloss. Dieser hatte während der ganzen Zeit vor sich hin gemurmelt, die Schrift mal größer, mal kleiner gezoomt. Zwischendurch hatte er ein paar Mal "Bei Tachad, das ist es!" gerufen, woraufhin die beiden Offiziere freudig aufgefahren waren. Doch sogleich hatte Kumor, den Tom Paris, wäre er vor Ort gewesen, sicherlich als merkwürdigen Kauz beschrieben hätte, seine Aussage immer widerrufen. Der Anschein, der vollkommen Geistesabwesenheit von Kumor, trog jedoch, denn als Ayala sich vor Langeweile eines der antiken Geräte, welches einer Schreibmaschine glich, besehen hatte und auch versucht war, dieses zu berühren, hatte der Targaleaner, ohne sich von seiner Arbeit abzuwenden, gerufen: "Nicht anfassen! Bitte nicht anfassen!" Und das obgleich er dem Geschehen den Rücken zugewendet hatte. Ayala war vor Schreck zusammen gezuckt und beschränkte sich seither darauf, in dem kleinen Laden auf und ab zu schreiten. Ebenso gelangweilt wie der Sicherheitsoffizier lehnte der Doctor auf dem Verkaufstresen, verdrehte ab und an die Augen, wenn Kumor wieder brabbelte, und trommelte ungeduldig mit den Fingern. Daher reagierte er auch nicht, als der Graphologe einen Schritt zurück trat, die Hände in die Hüfte stützte und verkündete: "Das ist es! - Jawohl!" Verwundert über das mangelnde Interesse seiner Kundschaft wandte sich Kumor um, "Wollen Sie gar nicht wissen, was ich herausgefunden habe?" Beinah schläfrig hob der Doctor seinen Kopf, "Hmm?", seine Enthusiasmus stieg sofort an, als er die veränderte Körperhaltung des Targaleaners wahrnahm, "Doch, doch! Natürlich!" "Aus dem Fließmuster des Mediums, mit dem geschrieben wurde...", Kumor begann durch den Laden zu schreiten, als würde er die zehn Gebote verkündigen, "schließe ich, dass die Kidnapper ihre Nachricht mit dem Blut eines Tegoch verfasst haben." Selbstzufrieden verschränkte er die Hände hinter dem Rücken. Antriebslos ließ der Doctor seinen Kopf fallen und schüttelte selben verzweifelt, "Das wussten wir auch schon", ließ er verlauten, obwohl es nicht ganz den Tatsachen entsprach, im Endeffekt aber auf dasselbe hinaus lief. "Wir wollten, dass sie die Gruppe der in Frage kommenden Täter einschränken, da wir eine gewisse Personengruppe bereits verdächtigen." "Warum haben Sie das nicht gleich gesagt?", erwiderte Kumor beleidigt, "Eine solche Information hätte ich Ihnen bereits nach dem ersten Blick geben können. Ich dachte, Sie hätten eine Herausforderung für mich!" Abrupt wirbelte er herum und ging wieder hinter seinen Tresen, um sich dort über sein vergilbtes Buch zu beugen. Gereizt über das besserwisserische Gebaren des Targaleaners konnte sich der Doctor im letzten Augenblick einen spitzfindigen Kommentar verkneifen. Sie durften es sich nicht erlauben, jemanden zu kränken, auf dessen Hilfe sie angewiesen waren. "Und wie lautet diese Information?", fragte er betont höflich, während er innerlich über so viel Arroganz tobte. "Wer auch immer die Nachricht hinterlassen hat - ihm ist eine höhere Schulausbildung zuteil geworden. Man kann ganz deutlich erkennen, dass alle Symbole sehr geschwungen sind. Ebenso sind Schnörkel vorhanden, wie sie nur in den gehobenen Kreisen unterrichtet werden." Kumor senkte die Sehhilfe wieder auf seinen Nasenrücken und machte Anstalten, mit seiner vorherigen Arbeit fortzufahren. "Wenn Sie Verdächtige haben, benötige ich handschriftliche Unterlagen von ihnen zum Vergleich, damit ich den Täter identifizieren kann." "Wir danken Ihnen für Ihre Hilfe", sagte der Doctor freudestrahlend und zusammen mit Ayala verließ er den schummrigen Laden.

"Harry! Weg von der Konsole, sie explodiert gleich." Seven of Nine hatte die drohende Katastrophe gerade noch rechtzeitig bemerkt, um Fähnrich Kim zu warnen. In der Aufregung hatte sie ihn beim Vornamen angesprochen, aber das war ihr gar nicht bewusst. Sekundenbruchteile darauf schoss eine Entladung aus der Arbeitfläche, die von einem wahren Funkenregen begleitet wurde. Harry Kim hatte nicht mehr schnell genug reagiert, ein Teil der Explosion traf ihn noch. Er hielt sich die Hände vor das Gesicht und sank mit einem Aufstöhnen zu Boden. Seven deaktivierte sofort von ihrem Arbeitsplatz aus die Energiezufuhr zu der Konsole, um weiteren Schaden zu verhindern und kniete sich dann neben den Verletzten. "Fähnrich, sind Sie in Ordnung, können Sie aufstehen?" Die ehemalige Borg versuchte, ihn unter den Armen zu fassen und hochzuziehen. Es gelang ihr mit seiner Hilfe. "Es geht schon, Seven. Was ist eigentlich passiert?" Harrys Stimme hatte einen schmerzverzerrten rauen Klang. "Eine Überladung, verschiedene Relais sind durchgebrannt, eine EPS-Leitung ist geplatzt. Die Gründe hierfür sind mir noch unklar. Wir kümmern uns später darum, Sie müssen jetzt sofort auf der Krankenstation behandelt werden." In Sevens Stimme war trotz der kühl aufgeführten Zusammenfassung eine leichte Besorgnis zu hören. Fähnrich Kim entgegnete jedoch. "Der Doctor und Tom sind doch auf der Planetenoberfläche, es ist keiner dort, um mir zu helfen." "Ihre Verbrennungen scheinen nur oberflächlich, ich habe schon oft mit dem MHN in der Krankenstation gearbeitet. Diese Wunden können auch von mir behandelt werden." Seven umfasste Harry Kim an den Hüften und zog ihn zur Tür des Astrometrischen Labors, um mit ihm die Krankenstation aufzusuchen. Trotz des Schreckens und der momentanen Schmerzen konnte der Fähnrich sich an die Anrede der Borg ihm gegenüber erinnern, bevor die Konsole explodiert war. "Seven, kann es sein, dass Sie mich vorhin Harry genannt haben?"

Tschirnak, der Wirt des Lokals "Zum Kellergewölbe" kam mit einem Tablett, beladen mit gefüllten Gläsern und Tellern auf die drei Personen zu. "Rigar, du hast ja mit deinen Freunden noch gar nicht Platz genommen." Er machte eine einladende Geste. "Bitte, setzen Sie sich doch." Er lächelte Janeway und Chakotay freundlich an, jedoch hatte er in seinen Augen immer noch ein misstrauisches lauerndes Glitzern. Kathryn Janeway brach ihre Gedankengänge bezüglich Molot ab, es war im Moment nicht mehr möglich, ihn zu verfolgen. Der Wirt machte ohnehin schon einen so skeptischen Eindruck, wenn sie jetzt das Essen stehen ließen, wäre das noch mehr aufgefallen. Also folgte sie der Einladung, nickte Chakotay kurz zu, der sie fragend angesehen hatte, und setzte sich. Der Captain probierte vorsichtig das Essen, es war eine undefinierbare braune Masse, dickflüssig und mit Klumpen versehen, offenbar eine Art Eintopf. Es schmeckte genauso abenteuerlich, wie Tschirnak aussah, aber sie war ja schon von Neelix' Küche einiges gewöhnt. Die Getränke waren eine Art Fruchtsaft, überraschend spritzig und erfrischend. Sie aßen einige Zeit schweigend, jeder in seine Gedanken versunken, als Janeway plötzlich eine Idee kam. "Mr. Rigar, könnten Sie bitte nach dem Essen zu diesem Mann gehen, mit dem Mr. Molot vorhin gesprochen hat. Verwickeln Sie ihn einfach in ein harmloses Gespräch, vielleicht erfahren Sie etwas darüber, was er zu Ihrem Kollegen gesagt hat." "Kein Problem, Captain, ich kenne diesen Kerl. Er ist ein bisschen zwielichtig, aber ich weiß mit ihm umzugehen. Ich bin schon mit dem Essen fertig." Der Targaleaner hatte leise gesprochen, jetzt allerdings hob er seine Stimme etwas. "Wenn ihr zwei mich bitte für einen Moment entschuldigen wollt, ich habe dort hinten einen Bekannten gesehen, den ich gerne begrüßen möchte." Kathryn und Chakotay gingen sofort auf das Spiel des Targaleaners ein und nickten Rigar unverbindlich zu, dieser erhob sich und ging langsam zwischen den Tischen durch zu dem Mann. Janeway, die ebenfalls mit ihrer seltsamen Mahlzeit fertig war, tupfte sich den Mund mit einer Serviette ab und wandte sich dann leise an ihren Ersten Offizier. "Irgendwie machen wir hier keine großen Fortschritte, das geht mir alles zu langsam." "Warten wir erst einmal, ob Rigar interessante Nachrichten von dort hinten mitbringt, danach können wir uns noch immer andere Schritte überlegen." Chakotay hatte ebenso leise mit beruhigender Stimme geantwortet. Kathryn überlegte. "Vielleicht hatten unsere beiden anderen Teams inzwischen mehr Glück als wir, wenn wir heute Abend die Voyager kontakten, bekommen wir eventuell nützliche Informationen." "Ich hoffe, es hat Ihnen geschmeckt." Tschirnak war unbemerkt nähergetreten und hatte seine Frage höflich gestellt. Kathryn war froh, dass sie sich mit Chakotay nur im Flüsterton unterhalten hatte, sie legte die Serviette zurück auf den Teller. "Danke sehr, das Essen war wirklich vorzüglich und die Getränke sehr erfrischend." Während sie noch mit dem Wirt sprach, war Rigar wieder zurück an den Tisch gekehrt. "Meine Freunde, ich glaube wir brechen besser wieder auf, bevor es zu spät für die restlichen geplanten Besichtigungen wird." Er bezahlte noch rasch den Gastwirt und bedeutete dann den beiden Sternenflottenoffizieren, ihm zum Ausgang zu folgen. "Captain, ich denke, ich weiß jetzt, wohin Molot gegangen ist. Wir machen uns am Besten gleich auf den Weg."

Ein Communicator der Voyager? Was geht hier vor? Targors Gedanken überschlugen sich förmlich. Der Mann, an dem er das kleine Gerät gesehen hatte, sah wie ein Targaleaner aus, er war nur etwas klein geraten. Der Minister für innere Sicherheit blickte zu Turat, der gerade dabei war, seine Rede zu beenden. Targor sah erneut zum Publikum und versuchte, die Gestalt noch einmal zu erhaschen. Da - er sah ihn wieder, dieses Gesicht - es kam ihm irgendwie bekannt vor. Er überlegte angestrengt, bis ihm wieder einfiel, dass er diesen Mann beim gestrigen Festbankett gesehen hatte. Es war dieses buntgekleidete merkwürdige Wesen, welches vom Aussehen her so gar nicht zur Crew der Voyager passen wollte. Der Mann hatte sich jetzt offenbar als Mitglied seines Volkes maskiert. Targor merkte, wie Wut in ihm hochstieg, er war überzeugt davon, dass sein Vorgesetzter darüber Bescheid wusste. Er musste jetzt sofort mit ihm reden. Turat hatte soeben seine Ansprache beendet, das Publikum spendete tosenden Beifall, und wollte sich von der Rednerbühne zurückziehen. "Premierminister, kann ich Sie kurz sprechen, es ist sehr wichtig." Targor hatte diese Worte betont höflich gewählt, obwohl es in ihm brodelte, eine innere Stimme sagte ihm, dass das Regierungsoberhaupt wusste, was hier vorging. "Natürlich, Targor, wir gehen am besten herunter von der Bühne. Was gibt es denn so Wichtiges, haben Sie irgendwelche Terroristen entdeckt." Turat wirkte etwas gelöster, als vor ihrem Abflug nach Rankesch. Der Erfolg, der ihm mit seiner Rede beim Volk zuteil geworden war, hatte ihm gut getan. "Ich habe gerade im Publikum einen Targelaner gesehen, der einen Communicator der Voyager angeheftet hatte. Wissen Sie, was das zu bedeuten hat?" Der Sicherheitsminister konnte nicht verhindern, dass seine Stimme eine gewissen Schärfe annahm. Turat, der erkannte, dass Ausreden hier zwecklos waren, Targor hatte die Zusammenhänge bereits richtig gedeutet, versuchte, diesen zu beschwichtigen. "Es stimmt, es sind Leute von der Voyager auf Targala. Sie haben angeboten, uns zu helfen. Im Gegensatz zu Ihnen habe ich ihre Hilfe nicht ausgeschlagen." Der Minister für innere Sicherheit wollte eine wütende Antwort geben, er fühlte sich hintergangen. Er, der sonst alle Fäden betreffend Sicherheit und Personenschutz in der Hand hatte, wusste nichts von verdeckten Ermittlern. Noch dazu von einem fremden Raumschiff. Er verstand nicht, wie sein Vorgesetzter so etwas machen konnte, ohne seine Vorgehensweise mit ihm abzustimmen. "Premierminister, ich...", begann er harsch, jedoch er wurde von Turat unterbrochen. "Targor, Sie wollten keine Hilfe von der Voyager, nur haben Sie bis jetzt überhaupt noch nichts herausgefunden. Wo sind denn meine Tochter und die Entführer? Ich bin überzeugt davon, dass Captain Janeway und ihre Leute mehr erreichen können als Sie. Ich werde ihre Hilfe weiterhin in Anspruch nehmen." Turat hatte mit scharfer Stimme seinen Sicherheitschef zurechtgewiesen. Targor hatte den Kopf gesenkt, er vermied es, seinem Chef in die Augen zu sehen. Er wollte nicht, dass Turat die Wut und Beschämung darin las. Der Minister für innere Sicherheit beabsichtigte, gerade zu einer Antwort ansetzen, als ein immens lautes Geräusch durch die Halle dröhnte. Im selben Augenblick zerbarsten Fensterscheiben, Glassplitter flogen durch die Luft und auf die Leute herab. Der Boden schien zu beben und die Targaleaner in der Messehalle stoben schreiend und in wilder Panik auf die Ausgänge zu. Es hatte den Eindruck, dass außerhalb des Gebäudes eine Explosion stattgefunden hatte, die Druckwelle hatte die Verglasungen der Fenster nach innen gedrückt. Im Saal selbst war abgesehen von den panischen Leuten und den Rauchschwaden, die durch die Fenster hereinkamen, nichts weiter zu erkennen. Targor hatte sich in einer instinktiven blitzschnellen Reaktion auf seinen Vorgesetzen geworfen und diesen zu Boden gerissen, um ihn mit seinem Körper zu schützen. Alle Wut darüber, dass er sich hintergangen fühlte, war wie weggeblasen. Er versuchte nur noch, das Leben des targaleanischen Regierungsoberhauptes zu schützen.

"Lieutenant, wir werden uns jetzt schnellstens wieder ins Regierungsgebäude zurück begeben und Premierminister Turat aufsuchen." Der Doctor ging voller Enthusiasmus neben Ayala die Straße entlang und rieb sich freudig die Hände. Der ehemalige Maquis betrachtete auf dem Weg die wundervoll verzierten Häuser und versuchte, die verschiedenen Bedeutungen zu erkennen. Er konzentrierte sich aber sofort wieder auf seine Aufgabe. "Glauben Sie das macht viel Sinn? Verschiedene Schriftproben auszuwählen, das ist ja fast, als ob wir die Stecknadel im Heuhaufen suchen müssen." Der Lieutenant klang sehr skeptisch. Der Arzt war jedoch in seinem Eifer nicht zu bremsen. "Mr. Ayala, wir können die Auswahl doch eingrenzen. Laut Commander Tuvok müsste der oder die Kidnapper doch innerhalb des Regierungssitzes gewesen sein, darauf haben doch die Indizien mit den Fensterscheiben hingewiesen, die außerhalb des Gebäudes lagen." "Sie haben Recht, wir lassen uns vom Premierminister Schriftproben von möglichst allen in Frage kommenden Leuten geben, die im Regierungssitz arbeiten und regelmäßig dort aus- und eingehen. Auf Gärtner, Küchenhilfen und Reinigungspersonal können wir verzichten, da unser Graphologe der Schrift ja eine höhere Schulbildung zuordnete. Das grenzt die Personenzahl noch mehr ein. Turat wird froh sein zu hören, dass wir Fortschritte machen." Ayala beschleunigte seine Schritte etwas, die Ornamente an den Häusern schienen ihn plötzlich nicht mehr zu interessieren. "Ich freue mich schon darauf, unseren Freund den Graphologen noch mal zu besuchen. Er ist wirklich ein merkwürdiger Zeitgenosse. Allerdings werde ich mir dann etwas einfallen lassen, damit er schneller arbeitet." Der Doctor hatte sich den Schritten des Lieutenants angepasst und bald sahen sie schon die Silhouetten des Regierungsgebäudes vor sich.

"Tom, haben Sie bemerkt, wie mich der Sicherheitsminister angesehen hat. So richtig durchdringend, ich glaube, er hat mich erkannt." Neelix hatte seinen Begleiter am Ärmel gezupft, damit dieser ihm Aufmerksamkeit zollte. Paris wandte sich leicht verärgert an den Talaxianer. "Kein Wunder, Sie sind ja wie der berühmte Elefant im Porzellanladen durch die Leute getrampelt. Noch auffälliger wäre gar nicht mehr möglich gewesen." "Der Elefant im ... was? Egal, tut mir leid Tom, ich hatte nur Sorge, den Premierminister aus den Augen zu verlieren. Was machen wir jetzt? Wenn er mich wirklich erkannt hat, wäre es wahrscheinlich am besten, sofort zu verschwinden." Neelix' Stimme klang besorgt und zugleich bedauernd. Der Talaxianer drehte der Rednerbühne den Rücken zu und schickte sich an, langsam wieder durch die Menge zurück zu gehen. Dieses Mal allerdings wesentlich dezenter und vorsichtiger. Tom Paris blieb noch kurz vor der Bühne stehen, er sah, dass die beiden Minister zu einem Gespräch beiseite getreten waren. Er bedauerte, nichts von der Unterhaltung zu verstehen, da sie zu weit weg waren. Da Turat und Targor nicht weiter ins Publikum blickten, drehte er sich ebenfalls etwas beruhigt um und folgte seinem Kollegen in Richtung Ausgang. Gerade als die beiden Crewmitglieder der Voyager die Messehalle durch die große Flügeltür verließen, erschütterte die Explosion das Gebäude. Mit einem raschen Blick durch die Gegend erkannten auch sie, dass die Entladung außerhalb der Messehalle stattgefunden hatte. Paris suchte sich sofort einen verdeckten Platz, holte seinen Tricorder unter der Tunika hervor und begann zu scannen. Er lokalisierte schnell den Ort des Geschehens und begab sich umgehend mit Neelix dort hin. Offenbar handelte es sich um eine Abfallsammelstelle, der Unrat der Messebesucher wurde hier abgelagert. Überall standen beziehungsweise lagen Mülltonnen, deren Inhalt jetzt über den ganzen Platz verstreut war. Es herrschte ein heilloses Chaos. An verschiedenen Stellen brannte es, es war schwer, durch die dichten Rauchschwaden etwas zu erkennen. "Sehen Sie mal, anscheinend hat hier jemand eine Bombe in einem Abfallcontainer hochgehen lassen." Der Steuermann der Voyager hatte seinen Tricorder verschlossen und wieder unter der Tunika versteckt. Neelix sah sich um. "Tom, für mich sieht das so aus, als ob jemand die Detonation zur Warnung auslösen wollte. Es sollte anscheinend niemand verletzt werden. Warum sonst wurde die Bombe hier draußen und nicht im großen Saal gezündet."

Die Türen zur Krankenstation der Voyager hissten auf und Seven, die Harry immer noch stützen musste, betrat mit ihm den Raum. "Bitte legen Sie sich auf das Biobett, damit ich Ihre Verletzungen scannen kann. Ich gebe Ihnen auch sofort etwas gegen die Schmerzen." Die ehemalige Borg sprach wie immer kühl und beflissen. Fähnrich Kim verzog das Gesicht vor Qual, als er sich auf der Untersuchungsliege niederließ, seiner Kehle entfuhr ein dumpfes Stöhnen. Trotzdem wollte er seine Frage beantwortet haben. "Seven, Sie haben mir noch nicht geantwortet, wieso haben Sie mich vorhin Harry genannt?" Die Angesprochene scannte ihn sorgfältig mit dem medizinischen Tricorder und vermied es, ihm in die Augen zu sehen. "Das war ein Versehen, Fähnrich. Es wird nicht wieder vorkommen." Sie konnte allerdings nicht verhindern, dass sich eine leichte Röte in ihrem Gesicht breit machte, was Kim natürlich sofort bemerkte. Trotz der Schmerzen grinste er wissend und beschloss, dieses Thema ruhen zu lassen. Er wollte Seven nicht in Verlegenheit bringen. Die Borg drückte ihm ein Hypospray an den Hals, welches sich sofort mit leisem Zischen entlud. "Es wird jetzt für Sie etwas angenehmer werden, Mr. Kim. Ihre Verbrennungen kann ich mit dem Hautregenerator behandeln, sie sind zum Glück nicht sehr tief." Sie begann sofort mit dem entsprechenden medizinischen Gerät über die verletzten Partien zu streifen, wobei sie darauf bedacht war, den vorgeschriebenen Abstand zum Körper einzuhalten. Die Verbrennungen regenerierten sich sofort und die jugendliche glatte Haut des Fähnrichs kam wieder zum Vorschein. Harry Kim fühlte sich schon wesentlich besser. Die Schmerzen waren fast völlig verschwunden und seine Gesichtshaut fühlte sich auch wieder normal an. Als Seven mit der Behandlung fertig war, setzte er sich auf dem Biobett auf und ließ die Beine nach unten hängen. "Seven, was ist im Astrometrischen Labor passiert? Wie konnte es zu dieser Explosion kommen?" Die Borg legte die medizinischen Geräte auf den Tisch neben dem Bett zurück und blickte den Fähnrich kühl an. "Ich konnte es noch nicht genau überprüfen, dafür war die Zeit zu kurz, aber alles deutet darauf hin, dass die Energieverteilung für die neuen Sensoren falsch ausgerichtet war. Dadurch wurde die Entladung ausgelöst." "Unmöglich, ich habe alle Konfigurationen auf das Genaueste überprüft, hier hat es keinen Fehler gegeben. Vielleicht sollten Sie den Irrtum mal bei sich suchen. Auch Sie sind nicht perfekt." Harry war wütend, entsprechend scharf waren seine Worte ausgefallen und seine Augen sprühten giftige Blitze. Sevens arrogante Art trieb ihn noch in den Wahnsinn, sie kam gar nicht auf die Idee, dass auch sie selbst einmal etwas falsch machen könnte. "Wissen Sie was, ich bin wieder so weit in Ordnung. Wir gehen jetzt sofort zurück in das Astrometrische Labor und überprüfen alle Einstellungen. Dann werden wir ja sehen." Kim blickte Seven of Nine herausfordernd ins Gesicht. "In Ordnung", erwiderte die Angesprochene, "ich bin schon gespannt auf das Ergebnis. Ich muss nur noch schnell Ihre Behandlungsdaten in das medizinische Logbuch eintragen." Sie drehte sich um und ging rasch in das verwaiste Büro des Doctors, um das dortige Computerterminal zu aktivieren.

Vorsichtig schlichen Janeway und Chakotay hinter Rigar her. Sie gingen durch den Gang einer schlimm heruntergekommenen Absteige. Kathryn bemühte sich, die Wände, an denen überall Schimmelpilze wucherten, nicht zu berühren. Widerwillen machte sich in ihrem Gesicht breit, wie konnte nur jemand in so einem Loch hausen? Sie waren mit dem Targaleaner hierher gekommen, in der Hoffnung etwas über Molot und seinen Bruder herauszufinden. Rigar hatte vom Portier dieses sogenannten Hotels erfahren, dass sein Kollege tatsächlich hier war, er gab ihm sogar - natürlich gegen entsprechende Entlohnung - bereitwillig Auskunft, welches Zimmer Molot aufgesucht hatte. Der Flur schien kein Ende nehmen zu wollen. Links und rechts vom Gang mündeten Türen, die noch schlimmer als die Wände aussahen, in Zimmer. Der Targaleaner verlangsamte seine Schritte, sie hatten ihr Ziel erreicht. Als sie vorsichtig näher an den Eingang herantragen, hörten sie von innen Stimmen. Kathryn beschloss, entgegen aller Gewohnheiten, zu lauschen. Sie legte den Zeigefinger an den Mund und näherte sich der Tür, so dass sie das Gespräch im Raum besser hören konnte. Chakotay tat es ihr gleich, während Rigar abwartend den Gang beobachtete. "Wieso bist du hierher gekommen? Ich könnte durch deine Anwesenheit in Schwierigkeiten geraten." Diese Stimme, die sehr ärgerlich klang, war eindeutig Molot zu zuordnen. Ein zweiter, ihnen unbekannter Mann antwortete. "Wieso solltest du, ich habe nichts getan, dessen ich mich schämen müsste." "Karak, Du weißt genau, wovon ich rede. Aber vielleicht kannst du mir sogar helfen, ich brauche Informationen über..." Die Stimme Molots wurde leiser, offenbar waren die beiden Männer weiter in den Raum hineingegangen, so dass man von der Tür aus nichts mehr verstehen konnte. Es drang nur noch undeutliches Stimmengemurmel an Janeways Ohr. Kathryn ging einige Meter beiseite und winkte Rigar zu sich, leiste fragte sie ihn. "Wer ist Karak?" Der Targaleaner, der weiterhin den Gang beobachtete, antwortete ebenso flüsternd. "Karak ist Molots Bruder. Was haben die beiden besprochen?" Janeway wollte gerade darauf antworten, als sie aus den Augenwinkeln bemerkte, dass Chakotay wieder intensiver an der Tür lauschte. Es waren sogar von ihrem Platz aus wieder Stimmen zu vernehmen. "Ich muss jetzt wieder los, wir sprechen uns morgen früh noch einmal." Die Stimme des Assistenten Turats war bedenklich nahe an der Tür. Janeway bedeutete den beiden Männern, sofort von hier zu verschwinden. Leise, aber dennoch sehr rasch gingen sie den Gang zurück in der Hoffnung, die Treppe zu erreichen, bevor Molot das Zimmer verließ.

"Premierminister Turat ist zusammen mit Targor, dem Minister für innere Sicherheit in der Provinz Rankesch zur Eröffnung der Messe. Er wird dort einige Reden halten und sich die Ausstellung ansehen." "Weißt du, wann er zurückerwartet wird." "Nicht genau, aber wahrscheinlich erst in einigen Tagen." Der Doctor und Lieutenant Ayala hatten zufällig dieses Gespräch mitgehört, als sie das Regierungsgebäude betraten. Sie gingen gerade an zwei Personen vorbei, die in ihre Unterhaltung vertieft waren und die beiden nicht weiter beachteten. Als die Crewmitglieder der Voyager außer Hörweite waren, blieben sie stehen. Ayala blickte das Hologramm fragend an. "Was machen wir jetzt? Wir können nicht tagelang warten, bis wir die Schriftproben bekommen." "Dann werden uns eben einige Papiere ohne die Erlaubnis der beiden Herren ansehen müssen. Mit welchem Büro fangen wir an?" Der Doctor lächelte spitzbübisch dem perplex dreinblickenden Lieutenant ins Gesicht. "Sie wollen doch nicht etwa... einbrechen, hier im Regierungsgebäude?" Ayala glaubte sich verhört zu haben. "Wenn man uns ertappt, könnte das die ganze Mission gefährden und Captain Janeway in immense Schwierigkeiten bringen." "Dann müssen wir eben dafür sorgen, dass wir unentdeckt bleiben. Wenn wir es geschickt anstellen, dürfte das kein großes Problem sein. Ich denke, wir beginnen mit Targors Büro, als Sicherheitsminister müsste er doch viele schriftliche Unterlagen der verschiedenen Personen, die hier arbeiten, haben." Der holographische Notarzt der Voyager war bereits vorausgegangen und winkte dem noch immer zögernd dreinblickenden Lieutenant zu. "Nun kommen Sie schon, oder wollen Sie hier Wurzeln schlagen?" Ayala konnte es nicht fassen, seit er auf der Voyager war, hatte er überaus korrekt nach Gesetzen und Vorschriften gelebt und jetzt wurde er dank dieses Hologramms zum Kriminellen. Aber der Doctor hatte Recht, es blieb ihnen keine andere Wahl. Also fügte er sich in das Unvermeidliche und trabte langsam hinter dem Arzt her, dem es offenbar nicht schnell genug gehen konnte.

"Ich möchte Sie ja nicht drängen Mr. Paris, aber...", der Talaxianer sah sich mit einem leichten Anflug von Panik nach allen Richtungen um, "Aber die targaleanischen Sicherheitsteams werden mit großer Wahrscheinlichkeit jeden Augenblick hier eintreffen. Es wäre besser, wenn wir verschwinden würden." "Gleich Neelix, ich will noch in etwas sicher gehen. Mein Bauch sagt mir nämlich, wer hinter diesem Anschlag steckt." Tom Paris stieß die zerbeulten Mülltonnen beiseite und schob die Abfälle hinfort. "Ihr Bauch spricht mit Ihnen?", Neelix Verzweiflung wuchs, angesichts der Verbissenheit seines Freundes, in einer Übersprungreaktion rieb er seine Hände über die Tunika und beobachtete mit Schrecken, wie sich Tom immer tiefer in die Müllberge wühlte. "Es muss hier irgendwo sein", murmelte der Navigator. Die Laufschritte, die sich unweigerlich ihrer Position näherten, hörte er nicht durch das Poltern des Bleches auf dem Pflaster. Plötzlich stieß er einen triumphierenden Laut aus, "Ich hab' es!" "Wir haben sie", ertönte eine Stimme und sie gehörte definitiv nicht Neelix, "Riegeln Sie den Tatort weiträumig ab." Tom fuhr aus den Papierbergen empor und blickte geradewegs in die Mündung eines targaleanischen Phasergewehres. Neelix stand mit hoch erhobenen Händen etwas abseits von ihm und machte auch noch einen Gesichtsausdruck, als ob er sich bei einem Verbrechen ertappt fühlte.

"Wir müssen die Schleusen öffnen, Korott!", drängte Arul ihren Kollegen. Ihre zierliche Gestalt hätte beinah darüber hinweg täuschen können, wie dickköpfig die Ingenieurin manchmal sein konnte. Aber eben nur beinah und Korott kannte die junge Frau zu gut. Er wusste genau, dass hinter dieser zerbrechlich anmutenden Gestalt ein scharfer Verstand steckte, der nie davor zurück schreckte, seine Meinung kund zu tun. Und wie üblich hatte sie in diesem Punkt Recht. Der Damm konnte den Wassermassen nicht mehr lange standhalten. "Ich bin machtlos, Arul. Der Ministerrat hat angeordnet, dass die Schleusen geschlossen bleiben sollen." "Seit wann beschäftigt sich der Ministerrat mit uns? Seit wann erregen wir politisches Interesse?", fragte die Targaleanerin unverblümt und stemmte erbost ihre Hände in die Hüften. "Seit die Naturkatastrophen stärker geworden sind und wir das Wasser nicht einfach frei geben können. Rankesch übersteht weitere Wassermassen nicht", versuchte Korott seine Kollegin zu beschwichtigen. "Wenn wir diese Schleusen nicht öffnen, wird es Rankesch nicht mehr lange geben, Korott. Wenn der Damm bricht, wird er die ganze Provinz hinfort schwemmen. Das weißt du so gut wie ich!" Arul gab nicht nach. Doch Korott schüttelte nur den Kopf, "Es tut mir leid, Arul, es liegt nicht mehr in meiner Macht." Traurig schüttelte er den Kopf, entfernte sich aus dem Kontrollraum der riesigen Stauanlage und ließ Arul allein zurück. Wütend wirbelte die junge Frau herum, was ihre langen, goldenen Haare zum Tanzen brachte. Ihre Wangenknochen traten hervor, da sie ihre Kiefer aufeinander presste. Durch das Fenster im Raum konnte sie auf die gewaltige Staudammanlage blicken. Die Aussicht war immer wieder ehrfurchtseinflößend, auch wenn sie nun schon so lange hier arbeitete. Hinter den Schleusen, die nichts weiter als runde Ausbuchtungen in der soliden Dammkonstruktion waren, leuchteten die Kraftfelder, die die tosenden Wassermassen zurückhielten. So viel hatten sie noch nie bändigen müssen und Arul wusste, dass auf längere Sicht gesehen, der Damm dem Druck nicht standhalten konnte. Es war nur eine Frage der Zeit. Wenn sie nicht etwas der lebensspendenden Flüssigkeit frei geben dürften, dann würde sich Rankesch in ein nasses Grab verwandeln. "Möge Joral uns gnädig sein, denn sie wissen nicht, was sie tun", schickte sie ein Gebet gen Himmel und verließ ebenfalls den Raum.

Unsanft wurde Tom Paris mit dem Gesicht zur Mauer gedrängt. Gründlich tastete man ihn ab und fand nach und nach sämtliche seiner Ausrüstungsgegenstände. Dann drehte man ihn ebenso grob herum und zwang seine Hände in etwas, das Handschellen ziemlich ähnlich kam, nur dass die Hände nicht durch eine Kette aneinander gefesselt waren. Es bestand keine Verbindung zwischen den Metallringen um seine Gelenke, dennoch war es ihm unmöglich, seine Hände weiter als zehn Zentimeter auseinander zu bringen. Sie wurden wohl durch ein Kraftfeld aneinander gebunden. "Hören Sie, dass ist alles ein Missverständnis", startete er einen vergeblichen Versuch, sich und Neelix frei zu bekommen, als man ihn vom Ort des Geschehens wegschob. "Wir können das alles erklären." "Wir sind gespannt darauf, Ihre Geschichte zu hören...", vernahm er einen targaleanischen Sicherheitsbeamten, der offensichtlich der Höchstrangige war, denn er hatte auch die ganze Zeit Anweisungen erteilt, "... auf dem Revier." "Wir sind unschuldig", winselte Neelix nun ebenfalls, ließ sich aber ohne Widerstand in einen Hover setzen. "Natürlich sind Sie das", erwiderte der gleiche Mann wie bereits zuvor. "Alle sind sie immer unschuldig", fügte er noch leise hinzu und schüttelte verständnislos den Kopf, bevor er ebenfalls in den Hover zu den Gefangenen stieg. Eine Weile saßen die beiden Offiziere der Voyager schweigend nebeneinander und überlegten jeder für sich im Stillen, wie man aus dieser misslichen Lage entkommen konnte. Schließlich grummelte Neelix, "Tun Sie mir einen Gefallen: Wenn Ihr Bauch das nächste Mal mit Ihnen spricht - Ignorieren Sie ihn."

"Wenn ich mich recht erinnere, müsste das Büro von Targor auf dieser Etage liegen", sinnierte der Doctor laut, als sie die Treppe verließen. Hoch erhobenen Hauptes stolzierte er den Gang entlang. Ayala folgte ihm, doch ihm war im Gegensatz zum Doctor das schlechte Gewissen angesichts ihrer kommenden Taten bereits anzusehen. Ständig drehte er sich um und entfaltete ein geradezu paranoisches Gefühl, das sie beobachtet wurden. Am liebsten wollte er dies so schnell wie möglich hinter sich bringen, doch plötzlich blieb der Doctor unvermittelt stehen. In Ayala machte sich schon die Hoffnung breit, dass er die Sache abblasen würde. "Ich möchte noch einmal mit Dr. Trewis sprechen. Mir ist da so eine Idee gekommen." Glücklicherweise befand sich die medizinische Einrichtung des Gebäudes im gleichen Trakt, so dass sie nicht weit gehen musste. Die Tür war offen, zum Zeichen, dass man jederzeit eintreten konnte. Die drei Targaleaner weilten immer noch auf der Station. Doch Dr. Trewis konnten sie nicht entdecken. So besah sich das MHN der Voyager die Krankenakten, während Ayala leicht unschlüssig neben ihm stand. Dieser Ort behagte ihm nicht, es roch nach Desinfektionsmitteln oder ähnlichem. "Bitte verzeihen Sie, dass Sie warten mussten", hörten sie in diesem Augenblick aber auch schon Dr. Trewis. Er trat durch eine Nebentür ein und zog sich dabei den weißen Kittel über. "Mutter Natur verlangt auch bei Medizinern nach ihrem Recht", scherzte er und entblößte dadurch seine weißen Zähne. "Was kann ich für Sie tun? Fühlen Sie sich nicht wohl?" "Oh, uns geht es bestens. Wir sind wegen des Lekortoxins hier", erläuterte der Doctor und legte das Speichergerät mit der Akte der Frau beiseite. Das Lächeln wich aus Dr. Trewis' Gesicht bei der Erwähnung des Nervengiftes, "Woher wissen Sie von dieser Substanz?", fragte er mit zusammengekniffenen Augen und beäugte die Besucher misstrauisch. Zuerst verstand das medizinisch holographische Notfallprogramm den Argwohn des anderen Arztes nicht, doch dann fiel ihm ein, dass sie in diesem Aufzug kaum zu erkennen sein mussten, "Wir sind von der Voyager. Ich bin der Doctor, dass ist Lieutenant Ayala." "Sie sind von der Voyager?", fragte Trewis ungläubig und trat einen Schritt näher. "Aber..." Vorsichtig berührte er die großen Augenwülste des Doctors, die wie die eines Targaleaners erschienen, "Aber wie ist das möglich? Ich meine... Das ist unfassbar! Ich habe noch nie so eine ausgezeichnete Arbeit gesehen. Das überragt alles an plastischer Chirurgie, was ich je gelernt habe. Sie müssen mir mehr darüber berichten. Ist es reversibel?" "Ich beantworte gerne alle Ihre Fragen. Aber unsere Priorität sollte dem vermissten Kind gelten." "Natürlich. Bitte verzeihen Sie. - Die Neugier eines Naturwissenschaftlers", Trewis lächelte entschuldigend und setzte sich an seinen Schreibtisch, wo er seine Hand auf eine glatte Oberfläche legte. Es musste sich dabei wohl um eine Art Scannervorrichtung handeln, denn seine Hand wurde von unten durch einen Lichtstrahl, vermutlich ein optischer Laser, abgetastet. Es ertönte ein bestätigender Laut. Kurz darauf fuhr ein flacher Bildschirm aus der Arbeitsplatte und aktivierte sich. "Also", sagte er und drehte sich auf seinem Stuhl zu ihnen. "Wie kann ich Ihnen weiterhelfen?" Ayala wandte sich ebenfalls zum Doctor, denn ihm war unklar, wie ihnen das Lekortoxin noch weiterhelfen konnte. Sie waren dies betreffend ja bereits in einer Sackgasse gelandet. "Was meinen Sie, wie viel des Nervengases kann man aus den Wurzeln des Kurbyleastrauches synthetisieren?" Dr. Trewis machte ein ratloses Gesicht, "Nun... ich weiß nicht." Er lachte, "Wissen Sie, Doctor, an der medizinischen Fakultät haben sie uns nicht das Herstellen von Nervengiften beigebracht. Es tut mir wirklich leid, aber da kann ich Ihnen nicht weiter helfen." "Aber eventuell können Sie uns sagen, was für eine Apparatur man zum Herstellen benötigt." "Hmmm...", Trewis verzog nachdenklich den Mund, "ein Labor braucht man bestimmt. Warum fragen Sie?" "Ich will nicht nur den Personenkreis einschränken, sondern wenn möglich auch die Örtlichkeiten." Ein Schimmer des Verständnisses ging über das Gesicht des targaleanischen Arztes, "Und ein Labor nimmt Platz in Anspruch." "Sie nehmen mir die Worte aus dem Mund!"

"Wir waren es nicht. Wie oft soll ich Ihnen das noch erzählen?" Tom wurde langsam ungehalten, denn sie wurden bereits seit Stunden verhört. Inzwischen dämmerte es draußen längst. "So oft, bis es mir glaubwürdig erscheint", kam die gelassene Antwort des targaleanischen Polizisten zurück, welcher die Beine auf dem Tisch übereinander geschlagen hatte. "Und bisher stellen mich Ihre Antworten nicht im Geringsten zufrieden." "Wir sagten Ihnen doch schon, dass wir von einem Schiff aus der Umlaufbahn um Targala kommen." Der Polizist rieb sich müde die Augen und nahm die Beine vom Tisch, "Ja, natürlich und ich bin Joral, Gott der Schutzbedürftigen. - Hören Sie, dieses Märchen können Sie vielleicht meiner Großmutter auftischen. Kleine grüne Männchen..." Er verdrehte extrem betont die Augen. "Sie waren am Tatort, Sie waren bewaffnet..." "Der Phaser gehört zur Standardausrüstung bei Außenmissionen", versuchte Neelix erklärend einzugreifen. Doch er wurde nur mit einem geringschätzigen Blick bedacht und ansonsten ignoriert. "... und Sie haben gelbe Farbe an Ihren Händen!" Bei diesen Worten fixierte der Polizist Tom Paris. "Ja, weil ich das Bekennerschreiben in Form des gelben Kreises auf dem Boden des Tatorts gefunden habe." "Sie haben es nicht gefunden, Sie haben es hinterlassen!", kam die schneidende Antwort. "Das ist nicht wahr", Tom merkte wie Unmut in ihm aufkeimte, über das lange Verhör und die Worte, die man ihm ständig im Mund umdrehte, "Warum sollten wir einen Anschlag verüben und auf die Polizei warten, damit uns diese seelenruhig in Gewahrsam nehmen kann?", wollte er wissen. Vielleicht konnte er dem Targaleaner so die Unlogik seiner haltlosen Anschuldigungen bewusst machen. "Vielleicht lief etwas schief und Sie kamen nicht so schnell weg, wie Sie es vorgesehen hatten. Dies ist ohnehin nebensächlich. Die Beweislast ist erdrückend genug, um Sie zu verurteilen. - Aber wir wollen nicht nur die Handlanger. Verraten Sie uns Ihre Hintermänner und wir sagen Ihnen eine Erleichterung im Strafmaß zu." "Es gibt aber keine Hintermänner!", rief Tom aufgebracht, denn er hatte kurzfristig die Geduld verloren. Verzweifelt raufte er sich die Haare. "Ich sagte Ihnen doch schon, dass wir es nicht gewesen sind." "Premierminister Turat kann diese Situation aufklären. Wenn Sie ihn verständigen würden...", startete Neelix einen neuerlichen Versuch und legte seine Hand auf Toms Arm, um seinen Freund zu beschwichtigen. "Premierminister Turat ist ein beschäftigter Mann. Außerdem werde ich kaum den Mann hierher bringen lassen, dem ganz offensichtlich Ihr Anschlag galt. Wofür halten Sie mich? Einen kompletten Trottel?", dröhnte der Bass ihres Verhörers. "Also schön, dann von vorne. Wie heißen Sie? Wo wohnen Sie? Was sind das für Gegenstände?"

Ein flaues Gefühl machte sich in Kathryn Janeways Magen breit. Die Treppe schien noch Meilen entfernt zu sein und sie konnte die Schritte Molots, die der Tür des Zimmers entgegen strebten, förmlich hören. Das Erreichen der Treppe würde ihr Problem auch nicht lösen, denn Molot musste diese ebenso benutzen. Sie standen weiter vor der Bedrängnis, sich nicht von ihm sehen lassen zu dürfen. Innerhalb von Bruchteilen von Sekunden traf sie eine Entscheidung. Rigar fühlte wie ihn jemand hinter sich am Arm packte, gerade als er die ersten Stufen nehmen wollte. Janeway signalisierte ihm durch einen Wink mit dem Kopf anstatt nach unten, die Treppe nach oben zu nehmen. Schnell kam er der Aufforderung nach. Gerade war Chakotay, der letzte der Gruppe, vom Flur verschwunden, da wurde die Tür zu Karaks Zimmer aufgerissen und jemand trat in den Korridor. Obgleich der Erste Offizier sich noch so leise bewegte, das alte Holz knarrte verräterisch unter seinen Füßen. Glücklicherweise schien der gehende Molot die Geräusche auf andere Gäste zu beziehen. "Konnten Sie etwas hören?", wollte Rigar nun endlich wissen. "Ich konnte nichts Genaues verstehen, nur ab und an Wortfetzen, wenn in die Richtung der Tür gesprochen wurde. Aber es ging um den Gelben Kreis", teilte Janeway mit. "Molot fragte Karak, ob er daran beteiligt war", ergänzte Chakotay. "Beteiligt? Woran?" "Das wurde nicht gesagt. Aber ich denke, er spielte auf die Entführung des Kindes an." "Warum sollte Karak darin verwickelt sein?", bohrte Rigar weiter nach. Doch darauf wussten die beiden Sternenflottenoffiziere keine Antwort. Sie betraten das gefährliche Gebiet der Mutmaßungen, "Vielleicht sympathisiert Karak mit dem Gelben Kreis oder hat es einmal getan, so dass Molot fürchtet, sein Bruder könnte in Schwierigkeiten stecken." Rigar ergriff das Wort, "Oder Molot ist selbst beim Gelben Kreis und fürchtet nun, dass er in die Schusslinie kommen könnte." Kathryn schüttelte den Kopf und erhob die Hand, "So kommen wir nicht weiter. Das sind reine Spekulationen. Wir erreichen heute Abend eh nichts mehr, lassen Sie uns eine Übernachtungsmöglichkeit suchen und das Schiff für einen vorläufigen Bericht kontakten."

"Es ist niemand auf dem Gang. Sie können anfangen", raunte der Doctor Ayala verschwörerisch zu. "Anfangen? Womit?", fragte dieser mit einem unguten Gefühl in der Magengegend. "Na das Schloss zu Targors Büro zu öffnen", kam die gedämpfte Antwort. "Ich... ich kann nicht", gestand der Sicherheitsoffizier. "Lieutenant, es ist jetzt nicht die Zeit für moralische Zweifel." "Das meinte ich ja auch nicht. Ich weiß nicht, wie man das Schloss knackt." Das MHN zog die Stirn kraus, "Sie waren doch beim Maquis!" Ayala wirkte plötzlich beleidigt, "Wir haben uns gegen die cardassianische Besatzungsmacht zur Wehr gesetzt - wir waren keine Ganoven, die Schlösser geknackt haben!" "Dann lassen Sie mich das machen und stehen Sie Wache." Der Doctor rieb sich die Hände und beugte sich zum Türmechanismus hinunter. "Wusste ich es doch, dass diese Unterroutinen von Nutzen sein könnten." Beflissen begann er auf die Schalttafel einzutippen. "Sie haben sich Subroutinen zum gesetzwidrigen Öffnen von Türen installiert?", kam die ungläubige Frage von Seiten Ayalas. Pikiert verzog der Doctor das Gesicht, "Im Gegensatz zu Ihnen habe ich mich nach bestem Wissen und Gewissen auf diesen Außeneinsatz vorbereitet." Und leise, so dass der Lieutenant ihn nicht hören konnte, fügte er noch hinzu, "War beim Maquis und kann keine Schlösser öffnen..." Es klickte leise, "Et voila! Treten Sie ein!", meinte er stolz und ging voran in das Büro des Ministers für innere Sicherheit.

Rigar hatte ihnen ein gemütliches kleines Hotel empfohlen und sich dann mit dem Hinweis darauf, dass es schon spät war, zurückgezogen. Captain Janeway hatte sich bei dem persönlichen Assistenten für dessen Hilfe bedankt und sie hatten das Hotel betreten. Da sie über heimische Währung verfügten, würden sie allein zurecht kommen. Nachdem man vorerst zwei Einzelzimmer gemietet hatte, stellten sie den Kontakt zur Voyager her und tauschten Informationen aus. Leider konnte die Voyager keine Sensorendaten liefern, da es zu einem Unfall im astrometrischen Labor gekommen war. Doch man hatte ihnen weitere Ausrüstungsgegenstände auf den Planeten gebeamt. Nun, da sich der Trubel so langsam gelegt hatte, stand Kathryn Janeway mit vor dem Körper verschränkten Armen am Fenster in ihrem Zimmer. Die schweren Gedanken kehrten zurück, jetzt, wo es keine Ablenkung mehr gab. Traurig beobachtete sie den Mond, der bestimmt dreimal größer war als der Trabant um die Erde. Viel deutlicher waren somit die Strukturen auf dessen Oberfläche zu erkennen. In ihren gläsern schimmernden Augen spiegelte sich die weiße Scheibe am Firmament. Je länger Janeway den Mond betrachtete, desto mehr begann sie, sich mit ihm zu vergleichen, wie er einsam seine Bahnen zog. In alle Ewigkeit dazu verdammt, allein zu sein. Zwar befand sich in direkter Nachbarschaft der Planet Targala und auch in Kathryns Nähe gab es einen Menschen, jedoch verbot das Schicksal ihnen beiden, sich einander zu nähern. Sie wischte sich mit der rechten Hand über das Gesicht, um die melancholischen Empfindungen abzustreifen, leider gelang ihr das nicht mehr so gut wie früher. "Ja, bitte", sagte sie augenblicklich, als es leise an der Tür klopfte. "Haben sich die anderen inzwischen gemeldet?", wollte Chakotay wissen und trat in das dunkle Zimmer. Janeway antwortete sachlich und direkt, "Nein, noch keine Nachricht bisher." Es war weniger der Inhalt als vielmehr die Schwingung in ihrer Stimme, die Chakotay aufhorchen ließ. "Wie ich Tom und Neelix kenne, sind sie in irgendeiner Bar hängen geblieben", versuchte er einen Scherz zu machen, aber sie ging nicht wie üblicherweise darauf ein, sondern blieb weiter reglos am Fenster stehen. Vorsichtig näherte er sich ihr von hinten. Im Schein des Mondes konnte er erkennen, dass ihre gesamte Körperhaltung sehr verkrampft war. Intuitiv und ohne lange darüber nachzudenken, legte er seine Hände auf ihre Schultern und begann sie leicht zu massieren. "Diese Sache mit dem Kind nimmt Sie sehr mit, nicht wahr?" "Ja", antwortete Janeway leicht erstickt und schloss die Augen, während sie ihren Kopf zurück legte. Ein dejá vu nahm von ihr Besitz bei seinen zärtlichen Berührungen. Entgegen jeder Vernunft ließ sie es zu und begann sich sogar zu entspannen. Als sie das letzte Mal so vertraut miteinander umgingen, waren sie auf einem vereinsamten Planeten gestrandet und es wäre beinah etwas geschehen, das sie nicht hätte rückgängig machen können. Anfangs hatte Chakotay sich nichts bei dem Kontakt zwischen ihnen gedacht. Es waren unschuldige Berührungen ohne Hintergedanken und ohne Ziel. Doch als sie leise seufzte, traten Erinnerungen und Emotionen zutage, die er in der Vergangenheit erfolgreich verdrängt hatte. Unwissend wie er diese Verbindung zwischen ihnen wieder lösen sollte, um keinen Verdacht zu erregen, fuhr er fort in der Hoffnung, dass sich dieses Problem von alleine lösen würde. "Glauben Sie an das Schicksal, Chakotay?", fragte Janeway plötzlich in die Stille hinein. Erstaunt über eine solche Frage von ihr, suchte er zuerst nach einem Grund, warum sie dies wissen wollte. "Ja. Ja, in gewisser Weise schon", antwortete er schließlich ehrlich nach einer Weile. "Ich denke, dass es Dinge im Universum gibt, deren Ablauf oder deren Eintreten wir nicht beeinflussen können. Eine Kette solcher unvorhersehbaren Ereignisse könnte man als Schicksal bezeichnen. - Warum fragen Sie?" "Glauben Sie daran, dass es mein Schicksal ist, diese Crew nach Hause zu führen - allein?" Langsam begann er zu verstehen, worauf sich ihre niedergeschlagene Stimmung begründete. "Sie werden diese Crew nach Hause bringen, davon bin ich fest überzeugt. Und dass Sie nicht allein sind, sagte ich Ihnen vor langer Zeit und das gilt auch noch heute." Sie löste sich von ihm, als sie sich zu ihm umdrehte und ihm direkt in die Augen sah. "Warum fühle ich mich dann so allein?", wollte sie mit bebender Stimme wissen. Fast unmerklich begann sie, sich ihm weiter zu nähern. Ihre Hand, die sie auf seine Brust gelegt hatte, wanderte höher. Zweimal zirpte ihr Communicator. Das Zeichen, das jemand mit ihr Kontakt aufnehmen wollte. Sie hatten es vereinbart, damit sie sich für ein Gespräch aus der Öffentlichkeit zurück ziehen konnten, und nicht plötzlich inmitten von Targaleanern eine Stimme aus ihren Communicatoren drang. Der Captain blinzelt irritiert, sammelte sich jedoch schnell wieder und drückte auf das kleine Gerät unter ihrem Umhang, "Janeway hier, sprechen Sie." "Wir machen Fortschritte, Captain", drang die Stimme des Doctors aus dem kleinen goldenen Gerät. "Es ist uns gelungen, den Kreis der Verdächtigen einzuschränken und wir hegen große Hoffnung, mitunter den genauen Täter bestimmen zu können." "Das hört sich gut an, Doctor. Wo sind Sie derzeit?" "Noch im Regierungsgebäude. Aber wir sind hier jetzt fertig." "Kommen Sie ins 'Meridan'. Wir haben unser Nachtlager hier aufgeschlagen." "Verstanden, Captain. Doctor Ende."

"Haben Sie alles, Lieutenant?", fragte das MHN zu Ayala gewandt, der noch immer damit beschäftigt war, persönliche Schriftstücke von Regierungsangestellten unter seiner Tunika zu verstauen. "Ja", grummelte er und zog sich die Kleidung ordentlich zurecht. Der Doctor stand schon an der Tür und spähte hinaus auf den Korridor, "Dann los." So als ob er nur ein harmloser Angestellter war, schlüpfte der leitende Arzt der Voyager auf den Gang, dicht gefolgt von Ayala, der so leise wie möglich die Tür ins Schloss zog. "Hey, Sie da!", wurden sie unerwartet von hinten angerufen. "Was hatten Sie in diesem Büro zu suchen?" "Ich befürchte, hier wird uns selbst unsere 'Wir sind P.A.S.-Agenten'-Masche nichts nützen", flüsterte Ayala zum Doctor. "Ich stimme Ihnen zu, Lieutenant. Irgendwelche Vorschläge?" "Nur einen... Laufen Sie!" Fast augenblicklich setzten sich die beiden Offiziere getarnt als Targaleaner in Bewegung. In ihrem Rücken vernahmen sie noch ein "Stehen bleiben!", allerdings dachten sie nicht daran, dieser Aufforderung nachzukommen. Stattdessen bogen sie scharf um die nächste Ecke, damit sie der Sicht ihres Verfolgers entkamen. Ayala war durch das ständige Training Commander Tuvoks gut in Form und legte ein rasches Tempo vor, während der Doctor offensichtlich mit seiner Tunika zu kämpfen schien und ein paar Schritte hinter ihm lag. "Sie hätten Ihrem Programm lieber die Subroutinen eines Sprinters hinzufügen sollen", warf er dem Hologramm über die Schulter zu. Dieser verzog nur gepeinigt das Gesicht und hob wieder und wieder die Beine. Vielleicht mochte er nicht der Schnellste sein, aber sein Holomatrix würde keinerlei Ermüdungserscheinungen aufweisen oder eventuell sogar Seitenstechen bekommen. Als sie für den Bruchteil einer Sekunde an einer Korridorkreuzung vorbei flogen, nahm Ayala aus dem Augenwinkel eine laufende Bewegung war. Kurz darauf wurde seine Annahme durch hallende Schritte bestätigte. "Ich fürchte, wir haben inzwischen das gesamte Sicherheitspersonal auf den Fersen", rief er dem Doctor zu, "Folgen Sie mir!" Durch das Studium von Tuvoks Berichten hatte Ayala einen sehr genauen Überblick über den Grundriss des Regierungsgebäudes erhalten und ihr Glück war, dass die Targaleaner in diesem Bauwerk keine Kraftfelder installiert hatten. Sonst wären sie keine fünfhundert Meter weit gekommen. Mit einem Blick zurück hastete der junge Lieutenant die Treppe zur nächsten Etage hinunter, wobei er immer gleich drei Stufen auf einmal nahm. Der Doctor lag dicht hinter ihm, als sie auf den Boden des nächstliegenden Stockwerks sprangen. Ein schneller Blick durch das Geländer hinunter schnitt ihnen diesen Fluchtweg ab. Genauso wäre Ayala auch vorgegangen. Fieberhaft überlegte er wie weiter, als am hinteren Ende der Kreuzung bereits zwei Wachen auftauchten und in ihre Richtung rannten. "Hier entlang", sagte Ayala kurzerhand und nahm den Laufschritt weg von den Uniformierten wieder auf. Abrupt stoppten sie ihre Flucht, denn am anderen Ende dieses Ganges tauchten ebenfalls Wachen auf. Sein Brustkorb hob und senkte sich heftig, als er nach einem Ausweg suchte. Die Phaser wollte er nur im allerhöchsten Notfall einsetzen. "Zurück! Ich habe dort einen weiteren Quergang gesehen gehabt." Das Parkett quietschte unter ihren Sohlen, als sie hastig um die Ecke bogen. "Aus sicherheitstechnischen Gründen gibt es außerhalb des Gebäudes Feuertreppen, wir müssen einen der Notausgänge hinaus nehmen", erklärte er dem MHN. Erneut bogen sie um eine Ecke, so dass der Doctor inzwischen vollkommen die Übersicht über ihren derzeitigen Standort verloren hatte. Er folgte nur noch dem sonst so unscheinbaren Sicherheitsoffizier. Am Ende des Ganges sahen sie bereits eine Tür nach draußen, die ihnen die Freiheit verhieß. Ayala riss am Türgriff, doch sie öffnete sich nicht. "Abgeschlossen", presste er zwischen den Zähnen hervor. Schweißgetränkt blickte er zurück. "Wir können nicht zurück, sie hatten uns schon alle Fluchtwege versperrt. Wir müssen uns in einem der anliegenden Räume verstecken", seine Atmung war erhöht, so dass er leicht schnaufte. Eilig begannen sie an den Türen des Korridors zu rütteln. Die erste war verschlossen, wie der Rettungsweg, die zweite ebenfalls. Nach der dritten verschlossenen Tür warf der Doctor Ayala einen leicht panischen Blick zu, verbliebenen nur noch drei. An jeder zerrten sie vergebens. Sie saßen in der Falle. "Doctor an Voyager, zwei Personen zum Beamen. Schnell!" Stille. Keine Bestätigung, nicht einmal ein Rauschen war zu vernehmen. Ayala wischte sich mit dem Ärmel über das Gesicht, welches nun auch durch den Angstschweiß nass war. Sein Herz pumpte unaufhörlich schnell das Blut durch seine Adern. Der Adrenalinausstoß war noch immer erhöht und instinktiv wollte er weiter flüchten. "Sie haben wohl ein Eindämmungsfeld um das Gebäude errichtet, damit wir nicht hinaus können. Vermutlich blockiert das auch die Kommunikation." "Riegelt alles ab! Wir müssen sie finden!", hörten sie jemanden ganz in ihrer Nähe, aber noch nicht in diesem Seitengang, brüllen. Schritte näherten sich beharrlich ihrer Position. "Ihren mobilen Emitter, schnell!", zischte Ayala gepresst. Ein uniformierter Sicherheitsbeamter stürmte in den Korridor, in dem sich noch eben die beiden Offiziere der Voyager befunden hatten. Mit gezogener Waffe vergewisserte er sich, dass alle Türen verschlossen waren und sich die Flüchtigen nirgendwo verstecken konnten. Alles war unauffällig und so kehrte er in den Hauptgang zurück, um weiter zu suchen.

"Shsh. Nicht so laut." "Bring' es zum Schweigen oder ich werde es tun", grölte ein Mann mittleren Alters einen anderen an, der ein schreiendes Bündel in seinen Armen hielt. "Wir sollten es entführen, nicht umbringen!" "Dann bring' es verdammt noch mal zum Schweigen, ich kann dieses Geschrei nicht mehr hören!" Der großgewachsene Mann, der kurz davor stand die Geduld zu verlieren raufte sich die Haare und drückte sich die Hände auf die Ohren. "Babys schreien nun einmal." "Aber dieses hier hört überhaupt nicht mehr auf!" Die Tür zur Kammer flog auf und krachte polternd gegen die Wand. Die beiden Männer, die sich noch soeben im Streit befunden hatten, sahen sich erschrocken um. Eine verhüllte Gestalt stand im Dunkel des Ganges, weshalb man nicht erkennen konnte, um wen es sich handelte. Doch die beiden Männer schienen gut zu wissen, wer dort stand. "Warum macht ihr nicht noch mehr Krach, damit gleich ganz Targala Prime weiß, wo ihr euch befindet?!", dröhnte sein autoritätsverströmender Bass. "Das Kind hört nicht auf zu schreien." "Dann gebt ihm zu essen", wies der Unbekannte an. "Es will nichts. Vielleicht vermisst es seine Mutter", mutmaßte der Mann, der das Baby in seinem Arm hielt und durch sanftes Wiegen wenigstens ein bisschen beschwichtigen wollte. "Es wird seine Mutter aber sobald nicht wieder sehen", kam es kalt zurück. "Aber Sie sagten doch, dass dies nicht länger als einen Tag dauern wird", wandte der gleiche Mann wieder ein, trat aber sogleich ängstlich zurück, als sich der Vermummte anschickte, die Kammer zu betreten. "Der Premierminister ist bisher leider uneinsichtig, aber er wird nachgeben." Der Mann, stand nun im Türrahmen und betrachtete den Unterschlupf. Da fiel sein Blick auf eine bewusstlose Frau am Boden. "Wer ist das?", dröhnte er und wieder war ganz deutlich Verärgerung in seiner Stimme zu vernehmen. "Sie hat wohl herumgeschnüffelt, stand plötzlich in der Tür", erwiderte der Targaleaner, der nicht das Kind hielt, wie beiläufig. "Schafft sie hier weg!", wies der Verhüllte sofort an. "Sie kann alles zum Scheitern verurteilen." "Aber sie hat uns gesehen!", widersprach erneut der Targaleaner in mittleren Jahren und wagte es damit, dem Fremden die Stirn zu bieten. Dessen Gesicht nicht sehen zu können, war einschüchternd. Man konnte nie wissen, wie er etwas auffasste und wie er reagieren würde. Die Spannung zwischen den beiden Männern war fast spürbar. "Ich sagte...", begann er betont langsam, "schafft sie weg." "Wenn Sie es wollen", lenkte der Targaleaner schließlich ein. Der Machtkampf hatte sich zugunsten des Fremden entschieden. "Habt ihr sie mit Lekortoxin betäubt?" "Ja." "Dann wird sie dies eh alles für einen Traum halten und euch vergessen."

Harry Kim starrte beinahe verzweifelt auf die Anzeigen vor sich. "Das gibt es nicht, ich weiß ganz genau, dass ich die Energieverteilungen richtig konfiguriert habe. Ich habe es mehrfach überprüft." Er wischte sich mit der Hand über die Stirn und schloss kurz die Augen, in der Hoffnung, dass er beim Öffnen dieser andere Daten auf dem Display vor sich sehen würde. "Fähnrich, auch Sie können sich einmal irren." Seven konnte eine leichte Ironie in ihrer Stimme nicht unterdrücken, sie sah den jungen Chinesen mit einem als triumphierend zu deutenden Blick an. "Sehen Sie hier ... und dort. Das sind eindeutig Fehler, die Sie zu verantworten haben." "Irgendetwas stimmt hier nicht." Harry war noch immer nicht bereit, aufzugeben. Er war sich so sicher, keinen Irrtum begangen zu haben. Besonders wenn er mit der ehemaligen Borg zusammenarbeitete, konzentrierte er sich noch mehr als sonst darauf, alles richtig zu machen. Es musste einen anderen Grund für die Entladung geben, die Möglichkeit eines technisches Defektes vielleicht. Seven sah die Verzweiflung des jungen Fähnrichs, ein Gefühl des Mitleids machte sich in ihr breit. Sie beschloss, ihre Ironie aufzugeben und Harry ein wenig Trost zu spenden. "Mr. Kim, wenn Sie möchten, gehen wir die gesamten Protokolle unserer heutigen Arbeiten noch einmal komplett durch. So müssten wir die Ursache für die Entladung, die Sie verletzt hat entdecken." "Gut, wir fangen sofort an, Sie werden sehen, dass ich Recht habe." Harry Kim wollte sich sofort an die Arbeiten machen, er wurde jedoch von Seven of Nine unterbrochen. "Fähnrich, wir müssen diese Tätigkeiten auf morgen verschieben. Für mich wird es Zeit zur Regeneration, außerdem muss ich vorher im Casino noch eine Ernährungsergänzung zu mir nehmen." Sie blickte prüfend in sein Gesicht. "Ich denke, Sie sollten sich auch zur Ruhe begeben, Sie sehen immer noch ziemlich mitgenommen aus." "Sie haben Recht, ich bin wirklich müde. Heute finden wir den Fehler bestimmt nicht mehr. Ich bemerke auch, dass ich hungrig bin. Wir könnten doch zusammen etwas essen. Was halten Sie davon?" Harry Kim blickte die Borg fragend an. "Einverstanden, allein zu essen kann mitunter etwas ... langweilig sein." Die beiden verließen das astrometrische Labor und begaben sich auf den Weg zum Casino, in der Hoffnung, dass Fähnrich Parsons, der Neelix dort vertrat, etwas Brauchbares zu Essen zustande gebracht hatte.


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