
"Wir haben sie verloren." Neelix schwankte zwischen Verzweiflung und Erleichterung, dass diese für ihn sinnlose Verfolgungsjagd ein Ende finden könnte. Er hielt nicht viel von Toms Theorien bezüglich Jewar und Targor. Er konnte sich nie und nimmer vorstellen, dass die beiden ein Verhältnis miteinander hatten, egal wie oft Paris ihm seinen Standpunkt noch erläuterte. Auf der andern Seite, wenn er doch Recht hatte? "Nein, sie sind da vorne in das Haus gegangen." Der Steuermann der Voyager hatte offenbar die besseren Augen. Der kleine Talaxianer blickte sich zweifelnd um. "In welches Haus denn, die sehen hier in der Gegend alle gleich aus." "Kommen Sie mit." Tom zog den Moraloffizier einfach hinter sich her, der zu allem Überfluss auch noch über seine Tunika stolperte. "Ich habe doch gesagt, dass diese Kleidung ausgesprochen unpraktisch ist." Neelix zupfte an sich herum und blickte entnervt drein. "Was machen wir jetzt, wollen Sie vor der Tür warten, bis sie wieder rauskommen?" "Ja genau, wir machen es wie die richtigen Detektive im zwanzigsten Jahrhundert." "So wie Ihr Thomas Magnum?" Der Talaxianer musste grinsen beim Gedanken an Toms Faible für die Geschichte der Erde, vor allem die des zwanzigsten Jahrhunderts. "Stimmt, das heißt aber, dass Sie einiges an Geduld mitbringen müssen." Neelix wurde plötzlich ernst, besorgt blickte er sich um. "Haben Sie nicht auch das Gefühl, dass hier irgendetwas nicht stimmt." "Was meinen Sie damit? Was soll nicht stimmen?." "Ich weiß nicht genau", begann der selbsternannte Moraloffizier der Voyager, "es ist nur so ein Gefühl, die Luft scheint plötzlich so ruhig zu sein, kein Wind weht, kein Vogelgezwitscher, es ist so still, ich ... ich kann es nicht genauer ausdrücken. Aber mein Gefühl hat mich noch nie getrogen." Tom Paris, der nichts dergleichen bemerkt hatte, für ihn war alles völlig normal, antwortete nur kopfschüttelnd und grinsend. "Ihr Wort in Gottes Ohr."
Unruhig ging Arul im Kontrollraum der Stauanlage auf und ab. Immer wieder warf sie einen besorgten Blick aus dem Fenster, irgendwie hatte sie auch die vage Hoffnung, die Wassermassen, die hinter den Kraftfeldern tobten, würden sich verringen. Aber nur das Gegenteil war der Fall. Die Anzeigen auf ihren Schalttafeln bestätigten, dass die Höchstzulassungswerte bereits bei weitem überschritten waren, der Wasserdruck war inzwischen über das Limit hinausgewachsen, ein Bruch des Dammes war die unvermeidbare Folge. Es sei denn, sie würde sich über die Anordnungen des Ministerrates hinwegsetzen und die Schleusen öffnen. Noch zögerte Arul, dies zu tun. Ihr Kollege Korrot war inzwischen direkt am Damm, um den dort eingesetzten Arbeitern Anweisungen für Sicherheitsvorkehrungen zu erteilen. Die targaleanische Ingenieurin hielt es in dem beengenden Raum nicht mehr aus, sie schnappte sich die portable Steueranlage mit der sie die Schleusen mobil öffnen konnte. Sie band sich das Gerät mit einem Gurt um ihre Taille, so dass sie es bequem mit beiden Händen bedienen konnte und machte sich ebenfalls auf dem Weg vom Kontrollraum zum Staudamm. Als Arul dort angekommen war, blickte sie über das Geländer der Anlage, die zischende Gischt, die ihr entgegenspritze, jagte ihr Angst ein. Normalerweise liebte sie das Wasser und ihre Arbeit am Damm, aber heute war es ihr unheimlich. "Korrot", schrie sie, um die Wassermassen zu übertönen, als sie ihren Kollegen gesichtet hatte, "Korrot, komm her." "Die Wände weisen bereits die ersten Mikrofrakturen auf und die Kraftfelder verlieren an Stabilität, die Wassermassen sind einfach zu stark, dafür wurde dieser Damm nicht konstruiert. Ich habe eine Entscheidung getroffen, ich werde die Schleusen öffnen, egal ob der Ministerrat damit einverstanden ist oder nicht." Bestimmt hatte die targaleanische Ingenieurin diese Worte zu ihrem Kollegen gesprochen, der nun neben ihr stand, und fuhr ausgesprochen energisch fort, wobei sie die eine Hand in die Hüften stemmte. "Und du wirst mich nicht davon abhalten." "Bist du jetzt von allen Göttern verlassen? Das kannst du doch nicht machen." Ihr Kollege hatte sie an beiden Armen gepackt und geschüttelt, Arul riss sich von ihm los. "Ich übernehme die alleinige Verantwortung. Du wirst sofort mit allen Arbeitern den Damm verlassen, ich warte den geeigneten Augenblick ab und öffne dann die Schleusen." Versöhnlich fügte sie noch hinzu. "Korrot, ich werde es natürlich so lange wie irgendwie möglich hinauszögern. Vielleicht sinkt der Pegel doch noch und diese Aktion wird unnötig." Die Ingenieurin machte eine kurze Pause, um dann deprimiert hinzuzufügen. "Das glaube ich allerdings nicht." "Ich möchte ebenfalls hier bleiben, vielleicht brauchst du meine Hilfe." Der Targaelaner wirkte besorgt und sah sie aus leicht zusammen gekniffenen Augen an, um dann noch einmal kurz auf die tobenden Wassermassen unter ihnen zu blicken. "Nein, ich mache das allein, es ist meine Entscheidung, die Götter werden mich beschützen." Mit einem Nicken und einer eindeutigen Handbewegung bedeutete Arul ihrem Kollegen, sie zu verlassen.
Der Maschinenraum der Voyager zeigte das Schauspiel eines geschäftigen Treibens. Ingenieure arbeiteten an ihren Konsolen, andere hatten Verkleidungen abmontiert, um Platinen nach Fehlern zu scannen und die Chefingenieurin der Voyager, B'Elanna Torres stand an einem Arbeitsplatz in der Nähe des Warpkerns und diskutierte mit Lieutenant Joe Carey. Die Halbklingonin wirkte hochkonzentriert und gleichzeitig gelöst, was vor allem damit zu tun hatte, dass Tom Paris sich endlich gemeldet hatte. Für den ausbleibenden Ruf vom vergangenen Tag hatte sie vollstes Verständnis gezeigt, nachdem sie erfahren hatte, was ihm und Neelix passiert war. Dieses Szenario erblickte Sarah Stadi, als sie schwungvoll durch die automatischen Türen kam. Einen Moment blieb sie ratlos und suchend stehen, um dann mit festen Schritten zu der Halbklingonin zu gehen. "Ich möchte Ihnen bei der Fehlersuche helfen", begann die bildhübsche Betazoidin, "diese Probleme mit der Navigationsphalanx vorhin auf der Brücke möchte ich nicht noch einmal erleben." Torres blickte sie fragend an. "Haben Sie Ideen? Wir sind gerade dabei, sämtliche nur mögliche Computerdiagnosen aller in Frage kommenden Softwaresysteme zu erstellen." Sie hielt kurz inne und blickte zu Carey und dann wieder zurück zu Stadi. "Leider bisher ohne Erfolg." "Und wenn der Computer selbst fehlerhaft arbeitet und falsche Diagnosen erstellt?" Sarahs Gedanken gingen bereits einen Schritt weiter. "Sie wissen doch, dass es selbst hierfür Sicherheitsprogramme gibt, aber auch dort konnte noch kein Fehler verzeichnet werden." "Lieutenant", Fähnrich Vorik kam auf die kleine Gruppe zu, "aus irgendeinem Grund, den ich nicht lokalisieren kann, verlieren wir Antimaterie." B'Elanna Torres verdrehte in komischer Verzweiflung die Augen. "Was passiert denn noch alles, dieser verdammte Planet geht mir langsam auf die Nerven. Zuerst gibt es dauernde Verengungen der Umlaufbahn, dann explodiert das halbe Astrometrische Labor, wir stürzen fast auf Targala und jetzt verlieren wir Antimaterie." Sie ging ein paar Schritte auf und ab, die Hände verschränkt und überlegte. "Vorik, wie hoch ist der Verlust und wann hat es begonnen?" Der junge Vulkanier las von einem Padd, das er in den Händen hielt, ab. "Der Verlust ist im Moment noch verschwindend gering, er war nur durch die genaue Systemdiagnose zu erfassen, aber die Dezimierung hat, wenn meine Daten stimmen, bereits gestern begonnen." "Ich denke", begann die Chefingenieurin mit neuem Schwung, "dass wir hier gezielt mit unserer Suche ansetzen sollten. Vielleicht sind die Probleme mit der Navigation und eventuell auch im Astrometrischen Labor auf dieses Leck zurückzuführen. Vorik, Carey, Sie beide arbeiten mit mir zusammen." B'Elanna blickte zu Sarah Stadi, die immer noch neben ihr stand und gespannt zugehört hatte. "Sie bleiben ebenfalls hier und helfen mit."
Arul sah noch, wie Korrot zusammen mit allen Technikern und Arbeitern den Damm verließ. Ihnen konnte keine Gefahr mehr drohen. Sie ging zu einer Kontrolltafel, die in die Mauer eingelassen war. Was sie dort las, war mehr als besorgniserregend. Die Mikrofrakturen würden sich in wenigen Minuten zu Brüchen ausweiten. Die targaleanische Ingenieurin sah keinen anderen Ausweg, als die Schleusen zu öffnen, falls es hierzu nicht bereits zu spät war und sie zu lange gezögert hatte. Arul blickte erneut über das Geländer, die Wassermassen hatten die maximale Pegelgrenze längst überschritten. Schnell wandte sie sich ab, drehte sich um hundertachtzig Grad und sah Rankesch. Diesen Ausblick hatte sie immer besonders geliebt, eine wundervolle Stadt, umgeben von Wiesen und Wäldern, die durch die frühe Nachmittagssonne in ein unvergleichliches Licht getaucht wurde. Die junge Frau konnte sich nicht satt sehen, jedoch der Lärm des tosenden Wassers in ihrem Rücken ließ sie rasch wieder in die Realität zurückkehren. Noch einmal rief sie aktuelle Daten auf der Konsole ab, die jedoch in diesen wenigen Minuten noch besorgniserregender als zuvor geworden waren. Arul gab sich einen inneren Ruck, sie hatte keine andere Möglichkeit mehr. Durch einen besonderen Code, der nur ihr und Korrot bekannt war, konnte sie die Kraftfelder von ihrer mobilen Steueranlage aus deaktivieren und somit die Schleusen öffnen. Die feste Konsole selbst war für derartige Befehle nicht konstruiert, um unerlaubte Zugriffe zu verhindern. Nach einem kurzen Stoßgebet zu ihren drei Hauptgöttern, Tachad, Tawar und Joral, gab sie die richtige Zahlenfolge ein und bestätigte diese mit der Auflage ihrer Handfläche zur Identifizierung. Die Ingenieurin wartete, wertvolle Sekunden vergingen, sie wurde ungeduldig. Nichts geschah, dann erschien auf dem Display vor ihr eine Fehlermeldung, die Schleusen öffneten sich nicht. "Verdammt", gab sie wenig damenhaft von sich und wiederholte die gesamte Prozedur, leider genauso erfolglos wie vorhin. Arul überprüfte die Systeme, sie musste mit Entsetzen feststellen, dass die Verbindung zwischen der portablen Station und den Kraftfeldgeneratoren unterbrochen war. Offenbar hatten die Mikrofrakturen bereits größeren Schaden angerichtet, als ihr bislang bewusst geworden war. Mehrmals versuchte die junge Frau, den Schaden von ihrer Station aus zu beheben, was ihr allerdings nicht gelang, auch eine Deaktivierung der Kraftfelder per Handbetrieb war nicht mehr möglich. Eine erneute Überprüfung der strukturellen Integrität des Dammes ergab, dass sich aus den Mikrofrakturen bereits Risse gebildet hatten. Arul lief zum Geländer und blickte hinunter. Es lief ihr kalt über den Rücken, als sie sah, dass das Wasser sich inzwischen Wege durch diese Spalten zwang. Sie musste schnellstens von hier oben verschwinden, der Damm konnte jede Sekunde brechen. Sie hatte keine Chance mehr, hier noch irgendetwas zu reparieren. Behänd raffte sie ihre Tunika zusammen und begann zu rennen, bereits nach kurzer Zeit hörte sie hinter sich das Bersten von Beton und das Brechen von Eisen. Entsetzt hielt sie kurz inne, sie blickte schwer atmend zurück. Die Stelle, an der sie vor ein paar Minuten noch gestanden hatte, war verschwunden, das Geländer weggerissen und der Boden durch die immensen Wassermassen nicht mehr sichtbar. Arul realisierte, dass sie keine Chance hatte, der Weg zum Ausgang war für sie unerreichbar geworden. Auch um sie herum begann der Boden zu erbeben, in einem letzten verzweifelten Versuch lief sie, so schnell sie konnte, dem sicheren Ufer entgegen. Mit der Zeit fiel ihr das Laufen immer schwerer, ihre Beine fühlten sich an wie Blei und ihre Lungen brannten, mit eiserner Willenskraft setzte sie Schritt für Schritt ein Bein vor das andere. Sie glaubte, es beinahe geschafft zu haben, als eine große Welle sie erreichte, um sie mit sich zu reißen. Das letzte, was sie junge Ingenieurin sah, war Rankesch, die Provinz, die sie so sehr liebte.
Entsetzen machte sich in Neelix' Gesicht breit, er zupfte Paris am Ärmel, der aus ihrem Versteck hinter einem Busch immer noch den Eingang des Hauses mit Blicken fixierte. "Tom, haben Sie das gehört?" "Was denn? Nun bleiben Sie mal ganz ruhig, es ist alles in Ordnung." Kaum hatte der Navigator der Voyager diese Worte ausgesprochen, vernahm auch er es. Ein dumpfes Grollen, das immer lauter wurde. Die beiden blickten in die Richtung, aus der sie die Laute vernahmen, nur konnten sie wegen der Häuser, die ihnen die Sicht versperrten, nichts feststellen. Paris holte seinen Tricorder aus der Tunika hervor und begann mit einem Scan, die Daten, die er erhielt, ließen ihn erbleichen. "Neelix, der Damm ist am Zerbersten, das Wasser bricht auf die Stadt herein. In Kürze wird hier alles überflutet. Wir müssen sofort weg." Der Navigator tippte kurz auf seinen Communicator, der ebenfalls unter der ungewohnten Kleidung verborgen war. "Paris an Voyager." Keine Antwort, er versuchte es erneut. "Paris an Voyager, Tuvok, bitte melden sie sich." Langsam wurde selbst der sonst so unerschrockene Lieutenant nervös. "Keine Verbindung", er überlegte kurz, "Neelix, wir schnappen uns eines der Hover und fliegen nach Targala Prime." Tom wollte schon zu den kleinen Fluggeräten loslaufen, die am Straßenrand vor dem Haus, in dem Jewar und Targor verschwunden waren, standen, wurde allerdings von Neelix aufgehalten. "Wir müssen die beiden retten." "Sie haben Recht, ich ..." Tom Paris sah, wie die Haustür aufgerissen wurde und die Ehefrau des targaleanischen Premierministers und Sicherheitsminister Targor zusammen mit einem älteren Ehepaar herausgelaufen kamen. Sie stürmten direkt auf die beiden Hover zu. "Der Damm bricht, wir müssen sofort weg." Der Minister für Innere Sicherheit blickte zu den beiden Sternenflottenoffizieren und reagierte sofort. "In Ordnung, nehmen Sie bitte Jewar in diesem", er deutete auf eines der beiden Shuttles, "Hover mit. Ich fliege mit ihren Eltern." Targor hielt erschreckt inne. "Bei Joral, der Premierminister ist noch in der Stadt, ich hätte mich mit ihm wieder treffen sollen, ich muss ihn finden." Hastig half er den beiden alten Leuten in das Fahrzeug, startete und fuhr los. "Jewar, bitte steigen Sie sofort ein." Neelix öffnete der Frau des targaleanischen Premierministers die Tür und begab sich dann selbst in größter Eile in den Hover. Tom Paris saß bereits am Steuer. "Los, Tom, worauf warten Sie denn, das Wasser ...", der kleine Talaxianer blickte erschrocken nach draußen, "es kommt immer näher, ich kann es schon sehen." Panik machte sich in ihm breit, als er in Richtung des Dammes blickte. Die ungeheure Kraft der Massen dieses todbringenden Nasses bahnte sich überall hin ihren Weg und hinterließ nur Zerstörung und Verwüstung. "Dieses verdammte Ding ..., es geht nicht." Paris drückte sämtliche Knöpfe, die er finden konnte, ohne Erfolg. "Wir schaffen es nicht mehr, ich werde meinen Mann und mein Kind nie wiedersehen." Jewar fing leise an zu schluchzen und schlug die Hände vor das Gesicht. Nervös blickte der Navigator der Voyager aus dem Sichtfenster, binnen Sekunden musste sie die Flutwelle erreicht haben, es war zum Verzweifeln. Er dachte an B'Elanna, seine Frau, die er über alles liebte und an seinen Vater. Tom bemerkte, dass sein ganzes bisheriges Leben begann, sich vor seinem inneren Auge abzuspielen. Er begriff, dass der Tod immer näher rückte.
Er hat beinahe reagiert, als wäre er eifersüchtig gewesen. Janeway musste schmunzeln bei dem Gedanken, wie ihr erster Offizier sie aus der Lage gerettet hatte, in die sie durch eigenes Verschulden geraten war. "Chakotay", begann sie, "kann es sein, dass Sie die Situation vorhin genossen haben?" Kathryn war stehen geblieben und blickte in fragend an. "Ich wollte Sie nicht mit diesem Targaleaner allein lassen. Sicher, ich hätte den zweiten Ausgang nehmen können, das wäre für mich einfacher gewesen, aber dann wären wir vielleicht längere Zeit aneinander vorbeigelaufen, falls Sie es geschafft hätten, sich von diesem Mann wieder loszueisen." "Sie trauen mir wohl gar nichts zu. Das wäre ein Kinderspiel gewesen." Mit gespielter Entrüstung gab sie dem Indianer Antwort. "Vielleicht hätten Sie es aber gar nicht gewollt." Das war ihm nun rausgerutscht, ohne dass er es wollte. Es musste sich selbst gegenüber ehrlich sein, er war tatsächlich eifersüchtig auf diesen Fremden gewesen, dem Kathryn so verheißungsvolle Blicke geschenkt hatte und er hatte sich gewünscht, an dessen Stelle zu sein. "Ich gebe zu, es hat mir sehr viel Spaß bereitet, meine schauspielerischen Fähigkeiten richtig zu entfalten, aber", sie drückte seine Hand, denn nach dieser letzten Bemerkung war ihr klar, dass er wirklich eifersüchtig geworden war, "es diente lediglich der guten Sache. Ohne meinen Einsatz wären Sie auf frischer Tat ertappt worden." Chakotay erwiderte ihren Händedruck und Janeway fuhr fort. "Jetzt müssen wir uns aber vorrangig um die Tricorderdaten kümmern." Sie fasste mit der rechten Hand unter ihre Tunika und tippte ihren Communicator an. "Janeway an Voyager." Das kommandierende Duo war mit diesem Ruf ebenso erfolglos wie vorhin Neelix und Tom Paris. Ratlos zuckte Kathryn die Schultern. "Scheint so, als können wir auf keine Computerauswertung der Dateien der targaleanischen Polizei hoffen. Dann müssen wir es eben so versuchen." Der erste Offizier wies auf eine Parkbank, die ein wenig abgeschieden war und sich für ihre Zwecke zu eignen schien. Sie gingen hinüber, setzten sich, Chakotay holte den Tricorder unter seiner Tunika hervor und begann, die gespeicherten Daten abzurufen. Kathryn saß neben ihm, um einen Blick auf die Angaben des Displays zu erhaschen musste sie sich ein wenig an ihn lehnen, was er sehr genoss.
"Lieutenant, der Antimaterieverlust wird stärker. Er ist jetzt bereits bei zwei Prozent mit steigender Tendenz." Fähnrich Vorik gab diese Daten bekannt, als ob er den Wetterbericht vorlesen würde, seine Stimme verriet trotz der prekären Situation keinerlei Regung. "Ich kann das Leck nicht finden", antwortete Torres hektisch, die in rasanter Folge die Schaltflächen auf ihrer Konsole bediente, "wir müssen die Eindämmung verstärken." Sarah Stadi meldete sich zu Wort. "Das versuche ich bereits die ganze Zeit, ohne Erfolg." Nun wurde die Halbklingonin wütend. "Verdammt noch mal, es muss doch einen Grund dafür geben, die Antimaterie kann doch nicht einfach verschwinden." Sie rief weitere Daten ab. "Es sieht aus, aus ob unser Vorrat aus unbekannter Quelle abgezogen wird, aber woher und wohin, diese Frage kann ich nicht beantworten." Sie schlug mit der Faust auf ihre Arbeitsfläche, mit dem Ergebnis, dass diese aufflackerte und kurz darauf erlosch. "Was ist denn nun wieder los?" B'Elanna bemühte sich, ihre Rage, in der sie sich befand, wieder unter Kontrolle zu bringen und tippte auf ihren Communicator. "Torres an Brücke." "Tuvok hier." "Commander, wir können den Verlust der Antimaterie nicht lokalisieren, ich schlage vor, zur Sicherheit die Umlaufbahn um Targala zu verlassen." "Lieutenant, Ihnen ist doch bekannt, dass sich dort noch immer unser Außenteam befindet." "Dann rufen Sie sie und geben ihnen Bescheid, denn ich habe das Gefühl dass diese Vorfälle irgendetwas mit dem Planeten zu tun haben." Die Klingonin ließ sich von ihrem Vorhaben nicht abbringen. "Ich werde mit dem Captain sprechen. Tuvok, Ende." Die Verbindung wurde unterbrochen.
"Tun Sie doch etwas." Jewar hatte verzweifelt aufgeschrieen und Tom aus seiner kurzweiligen Lethargie gerissen. "Ich weiß nicht, was. Der Hover lässt sich einfach nicht starten. Nichts - keine Reaktion." Um seinen Worten Ausdruck zu verleihen, tippte Paris noch einmal die Schaltflächen des kleinen Shuttles an. Plötzlich ging ein Ruck durch Neelix, er schlug sich mit der Hand vor die Stirn. "Tom, wir sind Idioten, wir haben vergessen, die Kraftfelder zu aktivieren." Schnell tippte der Talaxianer die üblichen zwei Tasten auf der kleinen Armatur zwischen ihren Sitzen. Sofort versuchte der Navigator der Voyager einen erneuten Start, der auch gleich gelang. Beide Offiziere atmeten erleichtert auf, als sich das kleine Schiff vom Boden erhob und rasant an Fahrt gewann. "Wer sind Sie eigentlich?", ließ sich Jewar plötzlich von der Rückbank aus vernehmen. "Entschuldigen Sie bitte, Madam", begann Neelix, der sich zu ihr umwandte, "wir sind Offiziere vom Föderationsraumschiff Voyager und bemühen uns, Ihnen und Ihrem Mann bei der Suche nach Ihrer Tochter zu helfen." Die Ehefrau des targaleanischen Premierministers nickte beiden stumm zu und blickte wie abwesend aus dem Fenster des kleines Shuttles, überall drangen jetzt die Wassermassen vor und rissen Häuser, Bäume und Fahrzeuge wie Spielzeug um. Die tödliche Flut wälzte sich als braune Masse durch die Strassen und die Einwohner flüchteten in ihren Fluggeräten, sonstigen Fahrzeugen oder zu Fuß. Das Hover-Shuttle flog nicht zu hoch, so dass sie alle diese schrecklichen Vorkommnisse bestens überblicken konnten. Fasziniert und entsetzt blickten die drei Personen auf das gnadenlose Schauspiel der Natur. Endlich waren sie dem Entsetzen ein Stück voraus. Jewar schrie plötzlich auf. "Mein Mann, da vorne läuft mein Mann." "Wo?" Neelix lehnte sich an das Fenster. "Dort, rechts von uns." Die Targaleanerin wies mit zitternder Hand in die entsprechende Richtung, "Schnell, bitte tun Sie etwas, das Wasser wird ihn bald erreicht haben, und dann ..." Sie begann haltlos zu schluchzen. "Tom?" Der kleine Talaxianer blickte ihn fragend an. "Ich gehe runter, aber wir müssen schnell sein. Jewar, Sie öffnen bitte sofort die Tür, wenn wir bei ihm sind. Ich muss innerhalb von Sekunden wieder starten, sonst schaffen wir es nicht." Sofort begann das Hover-Shuttle sich zu senken und erreichte kurz darauf den Boden, direkt neben Premierminister Turat, der überrascht zu ihnen blickte. Jewar riss die Tür auf und ihr Ehemann ergriff sofort die Gelegenheit und sprang an Bord. "Kraftfelder schließen", schrie Tom, der daraufhin sofort wieder startete.
Die unmittelbare Nähe zu ihrem ersten Offizier beunruhigte Kathryn Janeway mehr, als sie sich eingestehen wollte. Gleichzeitig war es ein wunderbares Gefühl, so dicht neben ihm zu sitzen, seine Körperwärme und seinen Duft zu spüren. Es fiel ihr schwer, sich auf die Daten des Tricorders zu konzentrieren. Chakotay holte sie aus ihren Träumereien, in dem er mit einer Zusammenfassung der Informationen begann. "Das ist wirklich interessant. Sehen Sie sich das an, Karak war früher mal Küchenhilfe im Regierungsgebäude." "Was ist passiert", fragte Kathryn, nun neugierig geworden. "Er wurde vor geraumer Zeit verhaftet, da ihm nachgesagt wurde, er hätte etwas mit dem Gelben Kreis zu tun." Chakotay bediente laufend den Tricorder, auf dem kleinen Display war immer nur ein Teil der Texte zu lesen. "Er musste allerdings wieder freigelassen werden, da es keine direkten Beweise für eine Kooperation gab. Nur wurde ihm dann untersagt, wieder in seinem alten Job zu arbeiten. Daraufhin hat er die Stadt mit unbekanntem Ziel verlassen." "Und ist jetzt wieder aus der Versenkung aufgetaucht. Ein merkwürdiger Zufall. Kommen Sie da nicht auch ins Grübeln?", überlegte Janeway laut. "Natürlich, aber jetzt ist er auch uns durch die Finger geschlüpft." Chakotay überlegte krampfhaft, er klappte den Tricorder zusammen und verstaute ihn wieder unter seiner Tunika. "Die Küche", rief er aus, "es ist noch nicht all zu lange her, dass Karak dort beschäftigt war." Kathryn spann seine Gedanken fort. "Es gibt dort bestimmt Leute, die sich an ihn erinnern und uns etwas erzählen können. Ich werde mich unter dem Vorwand, zu fragen, ob diese Köstlichkeit beim dem Bankett Tegoch war, dort ein wenig umhören und nach dem Rezept bitten. Mal sehen", sprach sie grinsend, "was ich dort herausbekomme." Die beiden ranghöchsten Offiziere der Voyager erhoben sich gingen mit forschen Schritten auf ihr Ziel zu. Als sie beinahe am Regierungsgebäude angekommen waren, hörten sie Leute sprechen. "Hast du schon gehört? Der Damm in Rankesch ist gebrochen, die armen Leute. Wer nicht schnell war, hatte keine Chance zu überleben." Wie angewurzelt blieb Janeway stehen. Die Provinz Rankesch, Tom, Neelix und auch Turat, Targor und Jewar hielten sich dort auf. Ohne Rücksicht darauf, entdeckt zu werden, griff Janeway nach ihrem Communicator. "Janeway an Paris." Sie wartete kurz. "Tom, melden Sie sich." Keine Antwort. Besorgt blickte sie Chakotay an und betätigte das kleine Gerät erneut. "Janeway an den Doctor." Auch bei diesem Versuch war die Antwort nur Schweigen. Kathryn wurde noch unruhiger. "Janeway an Voyager, Tuvok bitte kommen." Die selbe Stille wie vorher. Es gab absolut keine Funkverbindung mehr. "Kathryn", Chakotay hatte beruhigend die Hand auf ihre Schulter gelegt, "das muss noch lange nichts Schlimmes bedeuten. Es kann auch nur eine Störung unserer Com-Signale sein. Wir müssen uns einfach in Geduld üben und abwarten." "Sie wissen doch, dass mir so etwas ausgesprochen schwer fällt. Aber Sie haben natürlich Recht. Ich kann nur nicht einfach hier herumstehen und nichts tun. Wir müssen irgendetwas unternehmen. Wir mieten uns ein Hover-Shuttle und fliegen hin." Zweifelnd blickte der Indianer sie an. "Halten Sie das für eine gute Idee? Wie sollen wir dort jemanden finden?" "Das werden wir schon sehen." Energisch, das Kinn vorgeschoben, ging Janeway rasch voran, sie bestieg das erste dieser Fluggeräte, das sie am Straßenrand stehen sah und nannte dem Fahrer ihr Ziel. "Tut mir leid, gnädige Frau. Es ist ab sofort verboten, die Provinz Rankesch anzufliegen. Durch den Bruch des Dammes ist das viel zu gefährlich. Niemand wird Sie dort hin bringen. Nur Rettungsfahrzeuge sind zugelassen und auch die werden Sie mit Sicherheit nicht mitnehmen." Der Pilot hatte ihr bedauernd diese Auskunft gegeben und bedeutete Kathryn mit einer Handbewegung, wieder auszusteigen. Chakotay, der noch vor dem Shuttle stand, blickte sie fragend an, worauf sie ihm niedergeschlagen Auskunft gab. "Kommen Sie", begann der erste Offizier und legte den Arm leicht um Kathryn, "wir gehen ins Regierungsgebäude und suchen die Küche auf. Außerdem gibt es dort die besten Möglichkeiten, weitere Information über die Katastrophe in Rankesch zu erfahren. Wenn unsere Leute zurückkommen, suchen auch sie diesen Ort mit Sicherheit als erstes auf." Was würde ich nur ohne Chakotay an meiner Seite machen? Ich kann mir ein Leben ohne ihn gar nicht mehr vorstellen, dachte Janeway bei sich, als sie das Gelände des Sitzes der Regierung betraten.
"Wir trennen uns am besten, so können wir gleichzeitig mehr in Erfahrung bringen", sprach Janeway in einem leisen Tonfall und neigte ihren Kopf unauffällig zu ihrem ersten Offizier hinüber, damit nur er sie verstehen konnte, denn über den Gang eilten hastig Targaleaner. Chakotay nickte zustimmend, "Ich werde nach der Frau sehen, von der der Doctor vorhin gesprochen hat. Inzwischen dürfte genügend Zeit verstrichen sein, so dass sie eventuell schon eine Aussage machen kann." "Gut. Ich schaue mich derweil in der Küche um und werde ein paar unauffällige Fragen über unseren Freund Karak stellen." Schon hatte sie ihre Schritte leicht nach rechts gelenkt, um die Treppe nach unten zu nehmen. "Kathryn ...", Chakotay hielt sie sanft am Arm zurück. Ein ungutes Gefühl überkam ihn bei dem Gedanken, sie allein zu lassen, und so bat er sie: "Passen Sie auf sich auf." Kathryn legte gerührt ihren Kopf zur Seite. Im letzten Augenblick unterdrückte sie den Impuls, sein Gesicht mit ihren Händen zu umschließen und es für einen Abschiedskuss, zu sich nach unten zu ziehen. Sie waren so vertraut die letzten Tage miteinander umgegangen, dass ihr diese Geste selbstverständlich erschien. Und die Geschehnisse vorhin im Polizeipräsidium hatten ihr gezeigt, dass seine Gefühle für sie nicht erloschen waren. Inzwischen war sie sich absolut sicher, dass er sich nicht gegen den Kuss gewehrt hätte, den sie am Vorabend beinah begonnen hatte. Sie wünschte sich ein schnelles und glückliches Ende dieser Entführung, um endlich einen ungestörten Augenblick mit Chakotay zu haben. Vielleicht konnten sie den Zauber des gestrigen Abends wieder einfangen. "Sie ebenfalls", erwiderte sie mit einem dankbaren Blick und drückte zum Zeichen, dass er sich keine Sorgen machen solle, leicht seinen linken Oberarm. Schließlich wandte sie sich ab, raffte ihre Tunika zusammen, damit sie schneller die Stufen nach unten nehmen konnte und war wenig später im Treppenhaus verschwunden. Chakotay machte sich ebenfalls auf den Weg.
Harry stürzte auf die Brücke und löste den Fähnrich ab, der dort bis dahin seinen Dienst verrichtet hatte. Sogleich rief er seine Stationseinstellungen auf. Tuvok erhob sich aus dem Sessel des Captains und drehte sich dem rückwärtigen Teil zu. Nach dem Zwischenfall, bei dem die Voyager beinah auf Targala gestürzt wäre, hatte er wieder das Kommando übernommen und Rollins stand nun an der taktischen Konsole. "Wir haben den Kontakt zum Außenteam verloren, Fähnrich. Etwas blockiert unsere Signale. Ich brauche mehr Informationen. Konnten Sie die neue Sensorenphalanx in Betrieb nehmen?" Tuvok hatte sich an den jungen Asiaten gewandt, der beflissen dabei war, wenigstens die Logbücher der Kurzstreckensensoren auszuwerten. "Nein, Sir. Wir können nur auf die normalen Sensoren zurückgreifen." "Miss Torres drängt im Maschinenraum auf eine Entscheidung. Ich bin jedoch nicht aufgrund eines Gefühles, das sie verspürt, bereit, das Außenteam hier auf unbeschränkte Zeit zurück zu lassen." Der dunkelhäutige Vulkanier fasste die derzeitige Situation zusammen und zeigte dem Fähnrich damit die Dringlichkeit ihrer Lage auf. Harry verlagerte das Gewicht auf sein rechtes Bein und runzelte leicht die Stirn, als die Daten über sein Display scrollten. "Das ist merkwürdig." "Bitte präziser Mr. Kim", kam die Aufforderung an ihn zurück. "Als die Voyager sich auf Targala hinab gesenkt hatte, traten auf der uns zugewandten Seite des Planeten starke Meeresbewegungen auf." Harry kontrollierte die Anzeigen noch einmal, doch es blieb dabei. Zwischen den Ereignissen auf der Oberfläche und der beinah Katastrophe war nur eine geringe zeitliche Differenz festzustellen. Tuvok hatte sich in den höher gelegenen Teil der Brücke begeben und stand nun neben Kim, "Bitte überprüfen Sie, ob es eine solche Korrelation auch zu den Zeitindizes 54385.8 und 54385.9 gab." Dabei handelte es sich um die beiden Ereignisse, die sie zuerst für Störungen des Autopiloten und der Manövrierdüsen gehalten hatten. Harry spitzte die Lippen und pfiff leise, "Woher wussten Sie das, Commander? Genau das Gleiche, nur verzeichnete der Computer nicht ganz so starke Flutaktivitäten." Tuvok hob eine Augenbraue, "Es scheint, als würde sich das Gefühl unserer Chefingenieurin langsam manifestieren." Gerade wollte der Vulkanier die nächsten Anweisungen geben, da ging ein Stoß durch das Schiff. Die Voyager bekam sofort heftig Schlagseite, wodurch niemand mehr auf der Brücke auf den Beinen blieb. Das Licht ging aus, verschiedene Explosionen ertönten, begleitet von den eindringlichen Alarmgeräuschen des Computers. "Warnung: Hydrazingasleck auf Deck eins." Zerrissene Schläuche ragten aus abgefallenen Deckenplatten und Leitungsenden sandten einen stetigen Funkenregen aus. Jemand hustete schwer. Tuvok, dem das Gas als einziger fast nichts ausmachte, da er auch bei einer viel geringeren Dichte der Sauerstoffmoleküle in der Luft atmen konnte, hatte sich als erster wieder aufgerichtet. Die Brücke war in beklemmendes Rot getaucht, nur die von Zeit zu Zeit flackernden Displays beleuchteten das Chaos. "Warnung: Hydrazingas erreicht kritische Konzentration auf der Brücke. Evakuierung wird empfohlen." Die weibliche Stimme des Computers wies wie immer freundlich auf die drohende Gefahr hin. Mit zusammen gekniffenen Augen versuchte der Vulkanier die Umweltkontrollen auf der Brücke wieder in Betrieb zu nehmen. Das Zirpen nach dem letzten Tastendruck bestätigte seine Aktion und sofort darauf wurde das tödliche Gift abgesaugt. Nun konnte man auf der Brücke das wahre Ausmaß der Verwüstung sehen.
Neelix quetschte seine Nase an die gläserne Scheibe des Hovers, um nach hinten aus ihrem schwebenden Gefährt blicken zu können. Immer größer wurden seine Augen, als er die heranbrausenden Wassermassen sah, auf deren Wellen weißlich braune Gischt schwamm. "Tom", meinte er aufgeregt und zurrte dem Piloten am Ärmel, "Nun, tun Sie doch endlich etwas. Das Wasser hat uns fast eingeschlossen." "Würde ich ja gerne, aber irgendetwas stimmt nicht, mit den Antigrav-Einheiten ... Wir kommen nicht hoch." "Aber ... aber wir sind doch alle angeschnallt", sprudelte es aus dem Moraloffiziers heraus, welcher sich inzwischen sichtlich nervös die Hände am Bauch trocken rieb. "Das ist es auch nicht, die Injektoren funktionieren einwandfrei, aber wir heben nicht genügend vom Boden ab." Neelix quiekte aufgeregt als an seinem Fenster Wasser vorbei schoss und den Hover mit sich riss. "Diese Dinger sind nicht zufällig wasserdicht", fragte Paris scherzhaft, war aber hochkonzentriert und versuchte weiterhin sein Möglichstes, um das Gefährt in Gang zu bekommen. "Rein theoretisch sind sie das", erklärte Turat von der Rückbank, "Aber getestet wurde es natürlich nicht." "Nun, dann werden wir wohl die ersten sein, die es herausfinden werden." Neelix Hände umschlossen das Sitzpolster des Beifahrerstuhles. Sein Mund war weit aufgerissen und er stieß einen langanhaltenden Schrei aus, der jedem Anwesenden das Mark erschütterte.
"Karak?" Der doch schon etwas fettleibige Koch rieb sich über seine Schürze, die sich über seinen Bauch spannte. Nachdenklich zwirbelte er seinen überaus korrekt frisierten Schnurrbart. Er war der erste Targaleaner, den Janeway mit einer Gesichtsbehaarung gesehen hatte. "Oh ja, ich erinnere mich", fiel es dem Targaleaner plötzlich ein und man sah ihm die Erleuchtung förmlich an. Während des Gespräches ging er zurück zu einer Anrichte, griff zu einem Messer und häckselte mit einer Geschwindigkeit, die beneidenswert war, ein Gemüse, welches Janeway sehr an irdische Gurken erinnerte. "Ein ausgesprochen zuverlässiger junger Mann, stets pünktlich und immer sauber." Er hob den Finger, "Darauf lege ich höchsten Wert", betonte der Chefkoch. "Wirklich extrem vertrauenswürdig, im Gegensatz zu dieser Frau ... Wie hieß sie noch? Himal, glaube ich ... Jedenfalls, ich schicke Sie Krewlarwurzeln holen - ausgesprochen schmackhaft und als Beilage zu fast jedem Gericht geeignet - und sie kommt nicht wieder." Sein Gesicht zeigte offene Entrüstung. "Nicht einmal heute morgen hat sie sich zum Dienst gemeldet." Janeway konnte ein Schmunzeln nicht unterdrücken, denn in gewissen Grundzügen glich dieser Targaleaner ein wenig ihrem Neelix. "Sie wissen nicht zufällig, ob er private Schwierigkeiten hatte?", bohrte der Captain der Voyager nach. Für den Chefkoch war sie eine langjährige Freundin von Karak, die auf der Suche nach Genanntem war. Grüblerisch zog der gut genährte Targaleaner die Stirn kraus, indes er mit einem Geschirrtuch das Messer blank wischte. "Nein, nach dem Privatleben frage ich meine Angestellten nicht, müssen Sie wissen." Er legte sich ein neues Stück Gemüse zurecht, "Es tut mir leid, dass ich Ihnen nicht weiterhelfen kann", schickte er bedauernd hinterher. Die Aufrichtigkeit des Mannes empfand Janeway als sehr angenehm. "Ich verstehe und danke Ihnen. - Kann ich mich noch ein wenig umsehen?" "Selbstverständlich, fühlen Sie sich wie zu Hause", der Chefkoch vollzog eine einladende Geste auf seine Räumlichkeiten.
Sarah Stadi wurde vollkommen unerwartet von den Füßen gerissen, denn ein heftiger Ruck ging durch die Voyager. Dumpf stieß sie mit dem Kopf gegen eine Wand. Als sie die Augen wieder öffnete, war es stockduster und undifferenziertes Stimmengewirr kam von allen Seiten. Gequält verzog sie das Gesicht und richtete ihren Oberkörper auf, nachdem sie sich vergewissert hatte, dass es ihr an nichts fehlte. - Der Aufprall hatte nur einen leicht dröhnenden Kopfschmerz verursacht. Die ersten Strahlen von Taschenlampen wanderten über den Boden und halfen ihr nun dazu, sich gänzlich aufzuraffen. "Was ist passiert?", erklang der Bass der Chefingenieurin. "Wir haben die Hauptenergie verloren", antwortete jemand, doch Stadi konnte die Stimme nicht zuordnen, da sie nicht vorrangig im Maschinenraum eingesetzt war. "Notstromaggregate aktivieren. Vorik leiten Sie Hilfsenergie auf diese Terminals um." Torres erteilte zielsicher Anweisungen. Kurz darauf flackerten die ersten Lichter wieder auf und auch der bläuliche Strom des Warpantriebs geriet wieder in Bewegung. "Lieutenant, der Antimaterievorrat ist auf dreißig Prozent gesunken!" Joe Carey blickte schockiert von seiner Station auf. "Das ist absolut unmöglich! Antimaterie verschwindet nicht einfach so." In ihrer ruppigen Art überprüfte B'Elanna die Anzeigen selbst - Mit dem gleichen Ergebnis. Sie stieß einen halb klingonischen Fluch aus und traktierte die Konsole vor sich neuerlich mit Schlägen. "O.k., irgendwelche Vorschläge?", schaute sie auf und bemaß ihren Stab mit einem verärgerten Blick. "Als die Voyager verdoppelt wurde, verloren wir ebenfalls Antimaterie", machte Lieutenant Carey den Anfang. Vorik neigte den Kopf und setzte mit seiner betont sachlichen Art dagegen: "Damals schrumpfte der Vorrat jedoch nur auf die Hälfte der ursprünglichen Menge. Dieses scheint mir ein anderes Phänomen zu sein, denn wir verfügen nunmehr nur noch über dreißig Prozent unserer Antimaterie."
Bereits eine ganze Weile durchstreifte Janeway jetzt schon die im Keller gelegene Küche. Vermutlich hatte sie inzwischen sämtliche Angestellten befragt. Doch niemand konnte ihr genauere Auskünfte geben. Anscheinend war Karak sehr zurückgezogen und hatte keine engeren Freunde unter den Küchengehilfen. Offensichtlich war dies die nächste Sackgasse. Janeway trat in einen weiteren Raum, in dem es appetitanregend roch. Jedoch befand sich niemand hier, den sie eventuell noch hätte ausfragen können. Jedenfalls war dieser Teil der Küche auf den ersten Blick leer, auf einmal nahm sie einen Schatten auf der gegenüberliegenden Seite wahr. Etwas erschien ihr ungewöhnlich und ihre innere Stimme sagte ihr, dass sie hier auf etwas gestoßen war. "Hallo?", rief sie die Gestalt an. Sie trat ein paar Schritte näher, noch immer befanden sich Anrichten zwischen ihr und dem Unbekannten und von den darüber gelegenen Regalen hingen die verschiedensten Küchengerätschaften herab, so dass Kathryn nie einen kompletten Blick auf die Person erhaschen konnte. Als sie sie anrief, drehte sich der jemand um. Und da erlangte Janeway Gewissheit, dass hier etwas nicht mit rechten Dingen zuging, das Gesicht des Eindringlings war mit dunklem Stoff vermummt und auch sein ganzer übriger Aufzug passte gar nicht in die ansonsten so reinliche Küche. Ein panischer Ausdruck lag in den Augen des Fremden, schnell stopfte er sich etwas zu Essen unter die Tunika und rannte hastig auf den anderen Ausgang zu. "Hey, Sie! Bleiben Sie stehen!" Janeway folgte ihm so schnell es ihr möglich war, aber wer auch immer das war, bewegte sich flink und behänd zwischen den Tischen. Kathryn erhielt beinah den Eindruck, dass sich derjenige hier bestens auskannte. War es mitunter Karak? Trotz Sternenflottentrainings vermochte sie nicht, die Distanz zwischen sich und dem Fliehenden zu verringern. Doch vielleicht würde er sie an den Ort führen, wo das Kind festgehalten wurde. Denn sie war sich sicher, dass dieser Mann in die Geschehnisse um die Entführung verwickelt war. Versehentlich riss sie einen Topf mit sich, der sich in ihrer Tunika verfangen hatte, als sie eilig um eine Tischkante gebogen war, und nun mit tösendem Klappern zu Boden fiel. Im Augenblick jedoch konnte sie sich nicht darum kümmern, sonst würde ihr der Mann entkommen. Ein leichtes Ziehen machte sich in ihrer Seite bemerkbar. Ihre Kondition war anscheinend nicht mehr die Beste, denn auch ihr Atem ging immer schwerer. Immer abgelegener waren die Korridore und Räume, durch die sie liefen. Janeway hastete um eine Ecke, keine Spur des Vermummten weit und breit. Eine geflieste Treppe neben einer großen schweren Tür, die gerade im Begriff war, zu zu fallen. Gerade hatte sie die Entscheidung getroffen, welchen Weg sie aufnehmen würde, als ein metallischer Zylinder durch den schmalen noch verbliebenen Schlitz der Tür geworfen wurde. Mit einem feinen Klimpern traf er auf den Boden und rollte Janeway fast genau vor die Füße. Sofort bei seinem Aufprall trat zischend ein weißliches Gas aus, welches sich mit ungeahnter Geschwindigkeit ausbreitete. Nahezu augenblicklich hatte Janeway sich einen Teil ihrer Tunika vor die Nase gepresst. Mit einem kräftigen Schwung stieß sie den zylindrischen Behälter hinfort. Doch das Gas hatte sich bereits im gesamten Raum ausgebreitet. Zwangsläufig hatte Kathryn etwas des Lekortoxins eingeatmet, sie bemerkte bereits die ersten Anzeichen einer Vergiftung bei sich - Orientierungslosigkeit, Schwindelgefühle. Sie musste hier raus und wieder frische Luft bekommen. Taumelnd griff sie nach dem Geländer der Treppe und zog sich schwerfällig daran empor. Der Weg bis nach oben erschien ihr unendlich lang, obwohl es sich nur um wenige Stufen handelte, die zwischen ihr und der Freiheit standen. Alles drehte sich, ihr Gehirn verarbeitete die Informationen nicht mehr korrekt, die sie ihren Beinen gab und sie strauchelte auf der Treppe. Sie glaubte hinter der Tunika zu ersticken und gab ihrem Instinkt nach. Nur für den Bruchteil einer Sekunde so dachte sie, senkte sie den Stoff - Ein tiefer Atemzug. Jedoch spendete er nicht die so dringend benötigte reine Luft. Noch mehr des Unheil bringenden Nervengiftes drang in ihren Kreislauf. Sie hustete, das Denken fiel ihr schwer und ihr Blick trübte sich. Ihre Finger lösten sich von dem Geländer und mit einem dumpfen Schlag fiel sie auf die Treppe, wo sie die bereits genommenen Stufen hinunter fiel.
"Haben Sie von Rankesch gehört?" Chakotay war in das Krankenrevier des Regierungsgebäudes getreten und hatte aus dem anliegenden Zimmer, dessen Tür nur angelehnt war, eine Stimme gehört. Sie wies leichte Verzerrungen auf, weshalb der erste Offizier vermutete, dass es sich um eine Kommunikationsverbindung handelte und die Person, die er vernommen hatte, vom anderen Ende der Leitung sprach. "Ja, das könnte unsere Angelegenheit bereinigen", hörte er den hiesigen Arzt Dr. Trewis sprechen. "Wollen wir es hoffen, es dauert alles schon viel zu lang. Das gefällt mir nicht." Missmut und Unzufriedenheit schwangen in der Stimme des Unbekannten mit. "Doktor?", fragte Chakotay laut, um die Aufmerksamkeit auf sich zu lenken. Nebenan erklang eiliges Piepen, als wenn jemand Tasten drückte. Chakotay nahm an, dass die Kommunikationsverbindung beendet wurde. Interessiert sah er sich in dem weiß gehaltenen Raum um. Die Tür zum benachbarten Zimmer wurde aufgerissen und misstrauisch äugte Dr. Trewis hinaus. "Ja?" "Commander Chakotay vom Raumschiff Voyager", stellte sich Chakotay vor. Fast schon hätte er seine Verkleidung vergessen. Nur der Fakt, dass ihn der heimische Arzt nicht erkannte, obwohl sie sich am Abend der Entführung bereits einmal gesehen hatten, erinnerte ihn daran. "Ich komme wegen der Frau, die unser Arzt zu Ihnen gebracht hat." "Ah, ich verstehe", die Gesichtszüge des Targaleaners klärten sich zu einem freundlichen Lächeln auf. "Entschuldigen Sie, ein Gespräch mit meinen Eltern", erklärte er seine anfängliche Abwesenheit. Mit einer zeigenden Geste wies er auf das Bett mit der eingelieferten Frau. "Leider ist sie noch immer ohne Bewusstsein." Besorgt stellte sich Chakotay neben das Bett, "Wie kann das sein? Die Wachen waren am nächsten Morgen doch schon wieder halb ansprechbar." Nachdenklich rieb er sich das Kinn. "Nun, Commander, jeder Metabolismus reagiert anders auf das Toxin. Einige können es schneller abbauen, andere benötigen dafür mehr Zeit. Wir können nur abwarten." Trewis nahm eine Speichervorrichtung vom Krankenbett und rief die aktuellen Daten auf. Chakotay stemmte die Hände in die Hüften, er hatte gehofft, dass sich mit der Befragung der Frau endlich ein wenig Licht in die Entführung bringen ließ. Diese Verzögerung war höchst verdrießlich.
Der kleine Hover ritt an der Oberfläche der Wassermassen, die Rankesch unter sich begruben. Wie ein Spielball wurde er hin und her getrieben und vermochte nicht, aus eigener Kraft zu steuern. "Wir werden sterben. Wir werden alle sterben", wimmerte der Talaxianer jämmerlich. Immer noch hielt er sich verkrampft an seinem Sitz fest. Tom Paris' Nerven waren leicht überstrapaziert, hauptsächlich des wehleidigen Verhaltens seines Partners wegen, "Neelix, hier ...", er streckte ihm eine Art Schokoriegel entgegen, den er in einem Fach gefunden hatte. Egal, was tatsächlich darin enthalten war, der Talaxianer würde alles essen, damit würde endlich wieder Ruhe einkehren und er könnte sich konzentrieren. Neelix ergriff den in buntes Plastik eingeschweißten Quader wie einen Rettungsanker, riss ihn auf und begann, darauf herum zu kauen. Sofort wurde es still, wenn man von dem Tosen, ausgehend von den Wassermassen um sie herum, absah. "Die Antigrav-Einheiten sind verschmutzt, ich leite das Reinigungsprogramm ein", berichtete Tom, der nun endlich den Fehler gefunden hatte. Ein andersartiges Rauschen, als das, was sie ohnehin vernahmen, erklang und sofort darauf begannen diverse Schaltflächen Leben zu entfalten. "Na wer sagt's denn? Festhalten!" Spürbar beschleunigte der in den Fluten winzig erscheinende Hover und entfloh seinem Schicksal. Kurz darauf fuhren sie auf die hohe Schnellstrecke, welche nach Targala Prime führte. Doch diesmal war die Aussicht nicht so faszinierend wie auf der Hinfahrt. Als die ganze Aufregung endlich beendet war, drehte sich Jewar zu ihrem Ehemann. "Oh, Turat", schluchzend schlang sie ihre Arme um seinen Hals. Erleichtert umarmte das targaleanische Oberhaupt seine Frau und vergrub sein Gesicht in ihren langen, goldenen Haaren. "Es tut mir so leid", hörte man durch ihr Weinen. "Ich wollte dich niemals verletzen. Es war alles zu viel für mich, ich habe das nicht ertragen ..." Beschützend strich Turat Jewar über den Rücken und begann, liebevoll ihre Stirn zu küssen. Langsam wanderten seine Lippen ihre Wangen hinab und verschlossen dann innig ihren Mund. Ausgehungert erwiderte sie seine Zärtlichkeiten und gab sich ihm vollkommen hin. "Ihr beiden seid mir das Wichtigste im Leben, euch zu verlieren ..." "Schsch", beruhigte Turat die leise weinende Frau, "Es wird alles wieder gut." Doch Jewar schien immer noch der Ansicht zu sein, dass sie sich für ihr Verhalten entschuldigen müsse, "Was ich dir sagte, habe ich nicht so gemeint ..." Neelix warf Tom einen triumphalen Ausdruck zu. Seine Angst war wie weggeflogen, "Ich habe Ihnen ja gesagt, dass Targor keine Affäre mit ihr hat, aber Sie und Thomas Magnum und Ihre innere Stimme ..." Tom verzog beleidigt den Mund. "Ich weiß, Liebes, schon vergessen", beschwichtigte Turat weiter die zierliche Frau in seinen Armen, "Lass uns jetzt unsere Tochter finden." "Vielleicht sollten Sie Ihren Minister für innere Sicherheit fragen, wo sie sich befindet." Tom hatte in das vertraute Gespräch der beiden eingegriffen und sich kurz nach hinten gedreht. Der Hover flog ohnehin fast selbständig. "Tom!", zischte der Moraloffizier strafend. "Wie meinen Sie das?", fragten die beiden Targaleaner wie aus einem Mund. "Wir haben Sie beobachtet", er deutete auf Jewar, "Wie Sie sich ihm an die Schulter warfen und dann zusammen in einem Haus verschwunden sind." Noch bevor Turat die Gelegenheit hatte seine Sprachlosigkeit zu überwinden, griff Jewar ein, "Das war das Haus meiner Eltern! Targor und mich verbindet nichts außer Freundschaft. Er fand mich, als ich am Boden zerstört war. Er wollte mich und Turat lediglich wieder versöhnen." Nun war Tom an der Reihe, verdutzt zu schauen. Dem hatte er nichts mehr entgegen zu setzen. Seine schöne Theorie - Verpufft. "Aber wer hat sie dann entführt und warum?"




