
"Was zum Teufel war das?" Tom Paris hätte beinahe den Boden unter den Füßen verloren, er stütze sich im Laufen an einer Wand ab und blickte irritiert zu den anderen zurück. Noch ehe jemand antworten konnte, geschah es erneut. Erst hatten sie alle das Gefühl, ihnen würde schwindelig werden, dann wurde ihnen das gesamte Ausmaß der Ereignisse klar. Der Boden bebte. Dr. Trewis ließ sich davon jedoch nicht beirren, er kannte sich in den unteren Gängen des Regierungsgebäudes bestens aus und steuerte zielstrebig auf eine große Tür am Ende des langen Ganges zu, die ihm die Freiheit verhieß. "Seismische Störungen", rief Major Sebik erschrocken aus, "aber eine derartige Intensität hat es hier noch nie gegeben." Wieder bebte die Erde, sie alle hatten das Gefühl, der Boden würde sich vor ihnen auftun, erste Risse kamen bereits zum Vorschein. Die Sicht der Verfolger wurde plötzlich noch stärker beeinträchtigt, da Putz und Staub von der Decke rieselte. Es hatte den Anschein, als würde hier bald alles zusammenbrechen. "Wir müssen hier raus!", schrie Paris, der die Gruppe noch immer im Laufschritt anführte. Diese lauten Worte hatten den Mann vor ihnen wieder auf sie aufmerksam gemacht. Wütend drehte er sich um und feuerte blindlings auf die Gruppe hinter ihm. Bedingt durch die schlechte Sicht konnte er jedoch keinen Treffer erzielen, außerdem behinderte ihn das Kind in seinem Arm. Trewis wandte sein Augenmerk wieder nach vorne, der Ausgang war nicht mehr weit. Bald hörte er jedoch wieder die Schritte hinter ihm, die sich unaufhaltsam weiter näherten. Erneut hob er die Waffe, um sich seiner Verfolger endlich zu entledigen. Diese gab jedoch nur noch ein leises Klacken von sich, entsetzt musste der Arzt feststellen, dass die Energiezelle leer war. In einem Anflug von Wut und Panik warf er die Phaserpistole zornig in die Gruppe der ihn verfolgenden Männer. Tom Paris reagierte mit einem blitzschnellen Ducken, so dass ihn das Geschoss gerade noch verfehlte, er musste aber gleich darauf registrieren, dass Dr. Trewis die Tür erreicht hatte. Seine Hand griff an die Klinke, drückte sie herunter und wollte sie nach außen aufstoßen. Leider musste er feststellen, dass sein Versuch nicht von Erfolg gekrönt war. Hektisch drehte er den Schlüssel, der im Schloss steckte, herum und rüttelte erneut an der Tür. Sie ließ sich nicht öffnen, das Beben musste den Rahmen verzogen haben, der Weg nach draußen war ihm versperrt. Verzweifelt versuchte er noch, die Fluchttür mit dem Fuß nach draußen aufzustoßen, konnte jedoch wegen des Kindes in seinen Armen keinen richtigen Schwung finden. Der targaleanische Arzt drehte sich um, Tom Paris, Ayala und Major Sebik trennten nur noch wenige Schritte von ihm, und fasste mit der freien Hand an den Hals des Kindes. "Keinen Schritt weiter oder ich ermorde die Kleine mit bloßen Händen."
Die Konsole über ihm gab einen leisen Piepston von sich und erste Anzeigen leuchteten zaghaft flackernd auf. Harry Kim saß auf dem Boden und hatte kurz vor der erlösenden Bewusstlosigkeit bereits mit seinem Leben abgeschlossen. Als er diese Aktivitäten über sich vernahm, zog er sich mit letzter Kraft hoch, um dann erstaunt auf das Display zu blicken. "Commander", flüsterte er mit krächzender Stimme, aus der größte Anstrengung zu hören war, "wir bekommen Notenergie." Tuvok aktivierte wie in Zeitlupe die Kommandokonsole zwischen den Sesseln von Captain und erstem Offizier, auch hier blinkten die ersten Anzeigen auf. "Ich aktiviere die Lebenserhaltung auf der Brücke." Wenige Sekunden darauf spürten sie, wie der lebensspendende Sauerstoff ihre gequälten Lungen durchflutete und ihnen zu neuer Energie verhalf. Seven of Nine erhob sich ebenfalls und ging langsam zur Conn, vor der Lieutenant Rollins lag. Er bewegte sich bisher noch nicht, sofort überprüfte die ehemalige Borg seine Lebensfunktionen um erleichtert aufzublicken. "Er kommt bald wieder zu sich." "Mr. Kim", der Vulkanier wandte sich, immer noch mit langsamen Bewegungen, zu dem jungen Asiaten um, "bitte lokalisieren Sie die Quelle der Energiezufuhr." Beflissen und mit neuer Lebenskraft bediente Harry die Schaltflächen vor sich, um dann erfreut zu melden. "Der Delta-Flyer speist unsere Systeme über die Deflektorphalanx." Erleichtert schnaufte er aus und sagte zu sich selbst. "Danke, B'Elanna." "Tuvok an Torres." "Ist alles in Ordnung bei Ihnen?", fragte die Chefingenieurin der Voyager mit leicht aggressivem Tonfall. "Das wäre nicht nötig gewesen, hätten Sie nur auf mich gehört." "Lieutenant, Vorwürfe helfen uns hier nicht weiter. Ich habe meine Entscheidungen auf der Grundlage logischer Erwägungen getroffen." "Sie und Ihre verdammte Logik hätte uns fast umgebracht und das Schiff zerstört." Ihre klingonische Hälfte konnte die Wut nicht mehr zurückhalten. B'Elannas Stimme drückte alle angestauten Emotionen aus, die sie im Moment empfand. "Dunkle Materie." "Seven?" Harry blickte die ehemalige Borg fragend an, Tuvok hatte durch seine Diskussion mit Torres diese Worte anscheinend überhört. "Dieses Phänomen könnte auf den Einfluss dunkler Materie zurückzuführen sein. Die Borg haben dadurch im galaktischen Klaster drei-neun-acht sieben Kuben verloren." Nun war auch der Vulkanier aufmerksam geworden. "Ich habe über dieses Erscheinung eine Abhandlung gelesen, sie basierte jedoch auf reiner Theorie. Was wissen Sie darüber?" Seven of Nine erhob sich aus ihrer knienden Position neben Lieutenant Rollins und ging zu dem taktischen Offizier. "Als Nebenprodukt der stellaren Verdichtung entsteht eine kometenartige Ansammlung von dunkler Materie. Sie wird von jeder Art von Antimaterie angezogen und neutralisiert diese bei Kontakt." "Jetzt wird mir einiges klar", begann Harry Kim, "wir selbst haben die dunkle Materie angezogen und dadurch wurde gleichzeitig unsere Energie dezimiert. Was geschieht jetzt?" Ratlos blickte er von Tuvok zu Seven und wieder zurück. "Commander", meldete sich Torres, die das Gespräch auf der Brücke mitverfolgt hatte, wieder über Interkom, "ich habe einen Vorschlag, ich beame direkt zu Ihnen auf die Brücke."
Chakotay musste sich am Bett des Captains festhalten, beinahe wäre er gestürzt. Erschrocken blickte er um sich, medizinische Geräte fielen aus den Regalen und von Tischen, Stühle mit Rollen bewegten sich wie von selbst. Krachend fiel eine Deckenlampe auf den Boden und zerschellte. "Ein Erdbeben", schrie er den Arzt an, "wir müssen sofort hier raus." Flink packte der Doctor seine Utensilien zusammen und verstaute sie unter seiner Tunika, während der erste Offizier der Voyager vorsichtig und behutsam die noch immer im Koma liegende Kathryn vom Bett hob und sie auf seine Arme nahm. Sorgsam bettete er ihren Kopf an seine Schulter und umschlang sie fest mit beiden Händen. Das MHN nahm die bewusstlose Küchenhilfe aus dem zweiten Bett auf seine Arme und blickte fragend zu Chakotay. "Bereit?" "Los, wir müssen uns beeilen." Erneut wurde der Raum von einem Beben erschüttert, ein Arzneimittelschrank stürzte um, genau an dem Platz, wo der Arzt der Voyager vor wenigen Sekunden noch gestanden hatte. Dieser bemerkte jedoch nichts mehr davon, da er bereits an der Tür war und diese mit einer freien Hand schwungvoll aufriss. Die beiden Männer schlüpften eilig hindurch und hetzten trotz ihrer Last, die sie zu tragen hatten, im Laufschritt den Gang entlang. Aus verschiedenen Türen kamen targaleanische Regierungsangestellte, die ebenfalls durch das Beben aufgeschreckt worden waren. Panik machte sich unter den Leuten breit. "Hier entlang", wies der Arzt dem Commander den Weg, der ihm rasch folgte. Diese Weisung erwies sich jedoch als Trugschluss, wie sie wenig später feststellen mussten. Gerade noch rechtzeitig konnten sie vor einer Treppe stoppen. Diese war nicht mehr vorhanden, das Erdbeben hatte sie einstürzen lassen, vor ihnen gähnte nur noch ein Abgrund, die Sicht nach unten war durch aufwirbelnden Staub verdeckt. Knapp vor dem Rand waren sie zum Stehen gekommen und sahen vorsichtig hinab, kleine Steinchen bröckelten vor ihren Füßen ins Bodenlose. Plötzlich erhielt der Doctor von hinten einen Stoß, ein Targaleaner hatte ihn in seiner Panik fast umgerannt und nach unten gestoßen. Nur der blitzschnellen Reaktion des Arztes war es zu verdanken, dass er den Mann am Ärmel fassen und selbst noch das Gleichgewicht halten konnte, um nicht zusammen mit ihm in die Tiefe zu stürzen. Mit der bewusstlosen Frau auf seinen Armen war dies gar nicht so einfach gewesen. "Was...", begann der Mann, unterbrach sich jedoch selbst, als er erkannte, welchem Schicksal er gerade entronnen war. Bleich vor Schrecken blickte er die beiden Sternenflottenoffiziere an. "Zurück", gab Chakotay nun die Anweisung und lief, den Captain auf dem Arm, voran. Die drei Männer rannten wieder durch die Gänge, die ihnen unendlich lang erschienen. Keiner hatte mehr einen Blick für die wundervollen Ornamente übrig, mit denen die Wände geschmückt waren. Glücklicherweise erfolgte im Moment kein neues Beben, so dass sie gut vorwärts kamen. Jedoch war überall bereits das Ausmaß der Verwüstung zu erkennen. Umgestürzte Schränke, Regale und Vitrinen erschwerten ihnen das Vorwärtskommen. Endlich hatten sie eine Tür nach draußen erreicht. Als sie hindurchtraten erkannten sie, dass nur eine Feuerleiter, die bereits bedenklich schwankte, sie nach unten führen konnte. "Ich gehe voran. Mir kann nichts passieren, ich bin nicht organisch", ordnete der Arzt an, "Sie folgen mir mit dem Captain in sicherem Abstand. Und Sie", das MHN wandte sich noch an den Fremden, der mit ihnen gekommen war, "Sie nehmen bitte diese Patientin", ohne eine Antwort abzuwarten, drückte er dem Targaleaner die Küchenhilfe in die Arme, "und bilden die Nachhut." Chakotay nickte nur und sah besorgt nach draußen. Langsam ging der Doctor der Voyager Stufe für Stufe nach unten, die Leiter hielt. Als er das erste Podest erreicht hatte, winkte er dem Commander, ihm zu folgen. Vorsichtig darauf bedacht, mit Kathryn nirgends anzustoßen, folgte der Indianer dem Arzt. Langsam legten sie so, zusammen mit dem targaleanischen Regierungsangestellten den ganzen Weg über mehrere Etagen zurück. Endlich erreichten sie den sicheren Boden. Kaum hatten sie sich ein Stück von dem Gebäude entfernt, erschütterte ein erneutes Beben Targala Prime und die antiquarische Feuerleiter riss aus der Wandhalterung, einige Sekunden hing sie frei nach außen um dann mit lautem Getöse zusammenzustürzen.
Lieutenant Ayala stand nur wenige Schritte und mit vor Wut geballten Fäusten vor Dr. Trewis, durch seine Drohung waren ihm die Hände gebunden. Dieser hielt in einer eindeutigen Gebärde die Hand vor den Hals des kleinen Mädchens. Durch das Beben und die lauten Stimmen der Männer war es aus seinem Schlaf erwacht und begann nun, laut zu schreien. "Wirst du wohl den Mund halten, du verdammtes Balg." Der targaleanische Arzt blickte zornig auf das kleine Bündel, das er im Arm hielt und schüttelte es. "Lassen Sie mich sofort vorbei, ich habe nichts mehr zu verlieren, ich töte das Kind und glauben Sie mir, ich meine es vollkommen ernst." Tom Paris überlegte fieberhaft, vielleicht konnte er diesem Wahnsinnigen mit vernünftigen Worten Einhalt gebieten. Vorsichtig ging er einen Schritt nach vorne und wollte zu sprechen beginnen. "Bleiben Sie da stehen." Dr. Trewis nahm kurz seine Hand vom Hals des Babys, das immer lauter schrie, und fasste in seine Tasche. Er zog einen kleinen zylinderartigen Behälter heraus und hielt ihn mit ausgestreckter Hand nach vorne. "Aus dem Weg." Mit eiskalten Worten unterstützte er noch seine drohende Gebärde. Unschlüssig standen die Männer vor ihm, Major Sebik wich erschrocken einen Schritt zurück, wusste er doch um den Inhalt des kleinen Gegenstandes bestens Bescheid, eine volle Dosis des Gases konnte das Baby töten. Plötzlich erschütterte ein erneutes Beben den Korridor, wie in Zeitlupe musste der P.A.S. - Agent mit ansehen, wie Trewis begann, zu straucheln und dann zu stürzen. Das Kind hielt er noch fest umklammert, während der Zylinder seiner Hand entglitt. Er war zu weit entfernt und konnte nicht mehr reagieren. Mit einem gewagten Satz hechtete Tom Paris nach vorne und fing, als er flach auf dem Boden aufschlug, mit einer Hand den Zylinder auf, gewandt rollte er sich ab. Lieutenant Ayala war zu selben Zeit, die Unachtsamkeit Dr. Trewis' ausnutzend auf ihn zugesprungen und hatte ihm mit geübtem Griff das Kind entrissen. Da der ehemalige Maquis selbst zweifacher Vater war, schaffte er es trotz seiner offensichtlichen Grobheit, das Baby nicht zu verletzen. Er hielt das schreiende kleine Wesen in seinen Armen. Endlich erwachte auch Major Sebik aus seiner Starre, er sprang auf den Arzt zu und setzte ihn außer Gefecht. Gekonnt drehte er ihm einen Arm auf den Rücken und beugte seinen Oberkörper nach vorne. Mit einem beherzten Tritt stieß der P.A.S-Agent die Tür nach draußen auf, die unter diesem heftigen Druck endlich nachgab. Während ein weiteres Beben Balken aus der Decke löste, hetzten sie über eine Wendeltreppe nach oben ins Freie. Dort angekommen bändigte der P.A.S.-Agent den Arzt mit targaleanischen Handschellen, er schloss das Kraftfeld, so dass Trewis seine Hände nicht mehr nach vorne bekommen konnte. Mit festem Griff auf die Schulter drückte Major Sebik den Mann nach unten, damit er am Boden zu sitzen kam. "So, Doktor, nun werden Sie mir bitte einiges erklären." Ayala stand neben Tom Paris ein Stück beiseite, er wiegte das schreiende Kind in seinen Armen und versuchte, es mit sanften Worten zu beruhigen.
"Mhmm", brummte Kathryn Janeway leise vor sich hin. Chakotay, der sie immer noch auf dem Arm trug, sah überrascht in ihr Gesicht. Er konnte keine Veränderung feststellen, vorsichtig legte er sie auf die Wiese, nicht ohne sich vorher mit einem Blick zu vergewissern, dass keine Bäume, die durch weitere Beben umstürzen könnten, in ihrer Nähe waren. "Doctor", hielt er den Arzt, der voran ging auf, "ich glaube, sie kommt wieder zu sich." Sofort machte das medizinisch holographische Notfallprogramm der Voyager kehrt und kniete neben dem Captain nieder. Er holte seinen Tricorder aus der Tasche und begann, unbeeindruckt der Ereignisse um ihn herum, einen ausführlichen Scan. Nach Minuten, die Chakotay ungeduldig und schweigend abwartete, blickte er zu dem ersten Offizier. "Sie hat wirklich eine erstaunliche Konstitution, ihr Körper hat die Alkaloide bereits fast vollständig abgebaut. Es sind nur noch geringe Restmengen vorhanden." Zufrieden lächelte er. "Captain Janeways Zustand ist vom Koma in einen gesunden Schlaf übergegangen. Sie wird genauso wieder vollständig genesen, wie", er blickte kurz zu der Küchenhilfe, welche der Targaleaner, der mit ihnen aus dem Regierungsgebäude geflüchtet war, noch immer auf seinen Armen hielt, "diese junge Frau dort." Man sah die Erleichterung dem ersten Offizier direkt ins Gesicht geschrieben, ein glückliches Lächeln machte sich auf seinen Lippen breit, während er der Frau am Boden sanft über das Gesicht strich. "Mhmm", Kathryn bewegte den Kopf leicht, unter ihren geschlossenen Augenlidern sah man sich bewegende Pupillen, "Chakotay ...." "Kathryn, ich bin hier." Er nahm ihre Hand und streichelte sie zärtlich. "Bitte geh nicht weg, du musst bei mir bleiben." Erstaunt über die Worte des Captains, die sie offenbar im Schlaf gesprochen hatte, blickte das MHN vom ersten Offizier zu Kathryn und wieder zurück. Plötzlich bemerkte er, dass er hier offenbar störte und erhob sich, um ein Stück beiseite zu gehen. Der Arzt wandte sich an den immer noch abwartend da stehenden Regierungsangestellten und wies diesen an, die Küchenhilfe weg aus dem Gelände zu bringen. "Kathryn, bitte wachen Sie auf." "Chakotay, ich ...", flüsterte sie undeutlich, "... das war so schön." Noch immer hielt Janeway die Augen geschlossen. Verwirrung machte sich auf dem Gesicht des ersten Offiziers breit, war es möglich, dass sie halluzinierte? Er senkte seinen Kopf tiefer zu ihrem Gesicht, in der Hoffnung, mehr von ihrem Gemurmel zu verstehen. Sie begann, seine Hand fest zu drücken und mit dem Daumen über die Innenseite der Handfläche zu streicheln, was ihm ein wohliges Gefühl bescherte. Immer noch verwirrt, er verstand nicht, was mit ihr vor sich ging, blickte er sie weiter an. "Chakotay, wo sind unsere Kinder?" Nun verstand er überhaupt nichts mehr, von welchen Kindern sprach Kathryn? Sagte sie wirklich - unsere Kinder? Er musste sich verhört haben, hatte das Lekortoxin ihren Geist vollkommen verwirrt? Hilflos blickte er nach oben und hielt Ausschau nach dem Doctor. Dieser hatte sich bedauerlicherweise weit von ihnen entfernt. Er wusste nicht, wie er sich weiter verhalten sollte und beschloss dann, nach einigen angestrengten Überlegungen, weiter mit ihr zu sprechen. "Kathryn, bitte wachen Sie auf, Sie phantasieren." "Ja, ich bin so glücklich mit dir und unseren Kindern." Janeway schlang die Arme um seinen Hals und zog seinen Kopf zu sich herunter. Zielsicher erreichte sie mit ihrem Mund seine Lippen und hauchte ihm einen zarten Kuss darauf, der rasch leidenschaftlicher wurde. Chakotay wusste nicht mehr, wie ihm geschah. Wachte er oder träumte er? War er vielleicht durch das Gas betäubt worden und halluzinierte jetzt? Plötzlich lösten sich ihre Hände aus seinem Nacken und sanken zu Boden. Kathryn beendete den Kuss, sie öffnete langsam die Augen und blickte ihn mit seltsamen Blick an. "Sind wir zuhause?" "Kathryn?", mehr als ihren Namen fragend auszusprechen, brachte er nicht über seine Lippen. Zu verwirrt war er noch von dem eben Erlebten. Janeway blickte sich um, sie erkannte die Umgebung nicht und war verunsichert. "Warum sind wir nicht mehr am Strand? Es war doch so schön dort." Zaghaft und mit einem fragenden Blick hob sie wieder eine Hand und berührte ihn an der Stirn. "Wo ist deine Tätowierung?" Chakotay konnte sie nur noch erstaunt anblicken, langsam wurde ihm klar, dass sie in ihrem Koma geträumt haben musste. Er vermutete, dass dies der falsche Ausdruck dafür war, er hatte den Verdacht, dass Kathryn Visionen gehabt hatte. Und diese hatten ganz offensichtlich mit ihm zu tun gehabt. Über solche Dinge wusste er bestens Bescheid, dort traf man neben seinem geistigen Führer auch Menschen, die einem sehr viel bedeuteten und an die man ausgesprochen oft dachte. Er wagte nicht mehr, weiter zu sinnieren. Langsam wurde Kathryns Blick wieder klarer, die Erinnerungen über die Ereignisse der vergangenen Tage kamen zurück, wobei ihre Träume etwas verblassten. Beschämt sah sie ihn an, als ihr bewusst wurde, dass sie mehr von sich preis gegeben hatte, als sie es ihrer Meinung nach hätte tun dürfen. Unsicher blickte sie ihn an und fragte mit einem zaghaften Lächeln auf den Lippen. "Habe ich etwas gesagt, das ich nicht sagen sollte?" "Nein, ganz bestimmt nicht", erwiderte er glücklich, da ihm der Inhalt ihrer Visionen klar geworden war, "ich habe alles richtig verstanden." Er beugte sich zu ihr hinunter und küsste sie zärtlich auf die Stirn.
Eine gleißende Säule aus Licht baute sich inmitten der Brücke der Voyager auf. Nach wenigen Sekunden war B'Elanna Torres vollständig materialisiert. "Was schwebt Ihnen vor, Lieutenant", kam Tuvok ohne Umschweife auf das Thema zu sprechen. "Wir modifizieren einen Photonentorpedo derartig, dass er Antimaterie emittiert. Die dunkle Materie wird davon angezogen und kurz bevor sie sie neutralisiert, lassen wir den Sprengsatz detonieren." Tuvok neigte den Kopf, "Der Arbeit über dunkle Materie zufolge, die ich gelesen habe, könnte dies funktionieren. Rein theoretisch verhält sie sich wie ein schwarzes Loch. Dies zieht jegliche Materie in einem Gravitationsstrudel in sich auf. Nur dass dieses Phänomen Antimaterie vernichtet. - Doch Ihr Plan hat eine Schwachstelle: Wenn Antimaterie emittiert wird, verbindet sie sich sofort mit der umgebenden Materie und löst eine verheerende Detonation aus, bei der zweifelsohne auch die Voyager zerstört werden würde." B'Elanna hielt erklärend die offenen Hände nebeneinander. "Ich meinte das mit dem Emittieren von Antimaterie auch nicht wörtlich!" Was dachte sich dieser spitzohrige Vulkanier eigentlich? Dass sie die simpelsten Grundzüge der Antimaterietheorien nicht kannte? "Wir benutzen Extra-Antimaterie, die wir im Photonentorpedo zusätzlich unterbringen, als Köder. Die Antimaterie, die die eigentliche Sprengladung eines Torpedos ausmacht, ist in einem Block von gefrorenem Deuterium gebunden. Sie kann die dunkle Materie nicht anlocken." Seven, die die Arme auf dem Rücken verschränkt hatte und den Ausführungen der Chefingenieurin gefolgt war, mischte sich nun ein, "Ihr Plan wird scheitern", behauptete sie herausfordernd. Entrüstet blickte die Halbklingonin die ehemalige Borg an. Schon oft waren die beiden Temperamente aneinander geraten. "Ach ja? Und was schlagen Sie stattdessen vor?", entgegnete B'Elanna daher spitz. "Sie können einen Photonentorpedo modifizieren, aber die Abschussrampe hat keine Energie. Wir müssen ebenfalls die Reaktionskammer mit Antimaterie versorgen." B'Elannas Züge glätteten sich wieder ein wenig. In der Tat hatte sie zuerst gedacht, die Borg würde ihren Vorschlag als ineffizient bezeichnen und deshalb rundweg ablehnen. "Der Maschinenraum ist noch ohne Lebenserhaltung und wir haben derzeit auch nicht genügend Energie hierfür. Wir müssen mit Sauerstoffmasken arbeiten." "Aber die Atemmasken verfügen nur über einen Sauerstoffvorrat von fünfzehn Minuten", protestierte der junge Asiate angesichts des gefährlichen Unterfangens. "Wir werden effizient sein, seien Sie beruhigt Mr. Kim", stellte Seven klar. "Da hören Sie es, Harry", schmunzelte B'Elanna und klopfte auf die Station des Fähnrichs.




