
"Turat ist ein Schwächling, des Amtes des Premierministers nicht würdig." Trewis machte keinen Hehl aus der Abscheu in seiner Stimme. "Er ist es, der unser Volk in den Untergang gestürzt hat, mit diesem Geschwafel über offen sein gegenüber innovativen Ideen. Einzig die Rückbesinnung auf unsere Traditionen wird unser Volk zu wahrem Wohlstand führen." "Reden Sie ruhig weiter." Sebik hatte dies eigentlich rein rhetorisch gemeint, denn er erwartete keine weiteren Aussagen. Normalerweise machten die Festgenommenen an dieser Stelle von ihrem Recht des Schweigens Gebrauch und verlangten einen Anwalt. Doch Trewis schien auch noch stolz auf den verübten Anschlag zu sein. Prahlerisch gestand er alles. "Ja, ich habe die Entführung seines Babys arrangiert, er wollte ja nicht auf mich hören. Ich habe ihm gesagt, dass die Flutkatastrophen eine Warnung Jorals seien. Aber Turat ist gottlos und blasphemisch. Als Führer unseres Volkes ist er eine Schande." Ayala, auf dessen Arm das Baby sofort friedlich geworden war, und die anderen beiden standen nur daneben und hörten mit offenen Mündern zu. "Es war ein Kinderspiel das Lekortoxin herzustellen. Ich habe zwei Semester Toxikologie studiert und war einer der Besten, wenn es darum ging, neue Gifte herzustellen. Besonders hatten es mir geruchlose Gase angetan. Lautlos bringen sie den Tod." Ein diabolisches Glitzern glomm in Trewis Augen und Ayala trat mit Schrecken zurück, weil dieser ihn direkt ansah. Beschützend drückte er das junge Baby an sich. "Ich hätte mit Leichtigkeit dafür sorgen können, dass die Zylinder eine letale Dosis enthalten. Aber habe ich es getan? Nein! Denn ich bin kein Unmensch. Ich wollte lediglich, dass Turat sein Amt niederlegt." Trewis hatte offensichtlich die Abscheu in den Gesichtern seiner Zuhörern bemerkt und versuchte sie zu beruhigen. "Wir werden das bei Ihrem Prozess berücksichtigen", sagte Sebik und nahm sich im Stillen vor, persönlich dafür zu sorgen, dass dieser Mann die Höchststrafe erhalten würde. "Angst ist eine mächtige Waffe. Damit Turat eingeschüchtert war, schrieb ich meine Nachricht mit Blut an die Wand, welches ich dem fetten Koch aus der Küche stahl. Er ist so schwerfällig und hat einen beschränkten Horizont. Für ihn ist nur wichtig, was am nächsten Tag auf dem Tisch stehen soll. Ich hingegen bin bemüht, unseren Göttern zu dienen, damit sie uns wohlgesonnen sind." Tom Paris beugte seinen Oberkörper leicht zu dem jungen Mann von der Sicherheit und flüsterte ihm, fast ohne dabei die Lippen zu bewegen die Worte zu: "Wenn das kein Fanatiker ist, bin ich Chaotica." "Der gelbe Kreis war in der Vergangenheit oft für Anschläge auf Regierungsangestellte verantwortlich. Also hinterließ ich ihr Erkennungsmerkmal am Tatort. Targor tappte mit seinen Ermittlungen vollkommen im Dunkeln und kam keinen Schritt weiter. Niemand schöpfte auch nur einen Verdacht auf meine Person und ich wäre auch unentdeckt geblieben, hätte man mir nicht den Weg versperrt." "Hört, hört", verkündete Tom Paris sarkastisch. Bei einer solchen Ansammlung von offen zur Schau getragener Arroganz war es einfach über ihn gekommen. Sebik wollte Trewis schon abführen, da hob der Pilot der Voyager die Hand und bat um Einhalt, "Verraten Sie mir nur eins: Wie sind Sie nach dem Anschlag bei der Messe in Rankesch so schnell wieder zurück nach Targala Prime gelangt? Das ist doch fast nicht möglich." Es wunderte ihn, dass der Arzt hiervon nicht prahlte, schmückte er sich doch sonst mit seinen anderen Taten. Der Angesprochene schien jedoch nicht willens diese Straftat zu zugeben, "Damit hatte ich nichts zu tun. Sprengstoff ..." Verächtlich verzog er das Gesicht, "... wie primitiv. Nur gottlose Barbaren bedienen sich solcher Mittel. Sie können die wahre Eleganz der Chemie nicht begreifen mit ihrem beschränkten Intellekt." "Man hatte Sie im Verdacht, wie ich den Akten entnommen habe", fasste Sebik zusammen und blickte Tom Paris an, "Aber Sie waren einfach nur zur falschen Zeit am falschen Ort." Tom schloss analytisch, "Ich bin mir sicher, dass dieser Anschlag im Zusammenhang mit der Entführung stand. Wenn Trewis dafür nicht verantwortlich war, muss es einen Mittäter geben." "Wer ist Ihr Auftraggeber?", verlangte Sebik eine Auskunft, doch der bisher so gesprächige Arzt hüllte sich nun in Schweigen. Trotzig schob er das Kinn vor und hob überheblich den Kopf. "Ich will meinen Anwalt sprechen." "Ja ja, natürlich wollen Sie das." Sebik stieß den targaleanischen Arzt an, damit sich dieser in Bewegung setzte. "Turat ist ein Schwächling. Nicht würdig unser Volk zu führen", wiederholte er abfällig. "Und wem gebührt Ihrer Meinung nach diese Ehre?", hakte Tom nach. Beinah hätte sich Trewis verraten. Der Pilot der Voyager hatte schon gesehen, wie dieser den Mund geöffnet und zu einer Antwort angesetzt hatte, doch im letzten Augenblick besann er sich, "Ich sage nichts mehr, ohne meinen Anwalt." "Ich denke, dass ist auch gar nicht nötig. Der Hinweis, den wir erhielten, und auf den hin wir Lieutenant Ayala und Ihren Doctor festnahmen, stammte von Senator Puren. Er ist der größte Widersacher von Premierminister Turat im letzten Wahlkampf gewesen und er lässt keine Möglichkeit ungenutzt, um seinem Ansehen zu schaden. Bisher hat er dies jedoch immer hinter dem Mantel der Legalität getan. Vielleicht können wir ihm endlich etwas nachweisen." Sebik bemaß Trewis mit einem nachdenklichen Blick, "Sie denken im Sinne unserer Götter gehandelt zu haben, doch Puren ging es nur um Macht, auch wenn er Ihnen etwas anderes glauben machen wollte. - Sie sind benutzt worden, Trewis."
"Warten Sie", hielt Harry die beiden Frauen auf, die schon dabei waren, eine Wandverkleidung zu öffnen, hinter der sich die Sauerstoffmasken befanden. "Wenn Sie die Reaktionskammer wieder online haben, sind wir für die dunkle Materie erneut ein primäres Ziel. Sie können es in der Zeit gar nicht schaffen, den Photonentorpedo zu modifizieren." B'Elanna drehte sich neugierig zurück zu Harrys Station. Ein süffisantes Lächeln umspielte ihre Lippen, denn sie glaubte, dass der junge Asiate hauptsächlich um das Wohl der ehemaligen Borg besorgt war. "Was schlagen Sie vor, Fähnrich?" "Seven und ich könnten den Photonentorpedo umrüsten, während Sie aus dem Delta-Flyer Antimaterie in die Reaktionskammer einspeisen. So würden wir auch die Arbeitszeit verkürzen und die Gefahr, dass der Sauerstoff in den Masken nicht reicht, wäre minimiert." Das Grinsen auf dem Gesicht der Halbklingonin wurde über die Einteilung der Arbeitsteams immer breiter. Die Arme leger vor der Brust verschränkt wollte sie gerade einen Kommentar in dieser Hinsicht loswerden, um Harry wieder einmal aufzuziehen, als Seven ihren Beitrag einbrachte, "Effizient, Fähnrich. Lassen Sie uns beginnen." Forschen Schrittes ging sie zurück zur OPS, wobei ihre Hüfte unübersehbar hin und her schwang. Dort angekommen drückte sie dem glücklich lächelnden Asiaten eine Sauerstoffmaske in die Hand. Die ihre hatte sie bereits über gezogen. Sie betätigte die Kontrollmechanismen der Jeffriesröhrenöffnung, die hinter einer der Wissenschaftsstationen verborgen war und mit einem Zischen öffnete sich die Luke. Angesichts derartig vieler Hormone konnte B'Elanna nur den Kopf schütteln und sich dem ungleichen Paar anschließen. Tuvok, der die Einsatzbesprechung mit einem Nicken abgesegnet hatte, stand nunmehr allein zusammen mit Lieutenant Rollins auf der Brücke. "Viel Erfolg", meinte er, während sich die Luke schloss. Ihnen Glück zu wünschen, wäre irrational gewesen, denn Glück hatte nichts mit Logik zu tun.
Feine Röte überzog Kathryns Wangen und ein verräterisches Ziehen entstand in ihrem Unterleib, als Chakotay seine Lippen von ihrer Stirn löste. Ruhelos sprangen ihre Augen zwischen den seinen hin und her. Ihr Herz schlug unaufhaltsam schnell. Deutlich sah sie ihm an, dass er eben etwas von ihr erfahren hatte, das sie ihm niemals berichtet hätte, wäre sie fähig gewesen, dies zu entscheiden. Doch es störte sie nicht im Geringsten. Im Gegenteil, sie fühlte sich befreit und erleichtert, endlich musste sie nicht länger Verstecken mit ihm spielen. Schüchtern streckte sie erneut die Hand nach ihm aus und zeichnete die Linien seiner derzeit verdeckten Tätowierung nach. Auf Chakotays Haut lösten die Berührungen einen kitzelnden Reiz aus. Obgleich er nicht hätte sagen können, ob sie jede Linie traf, verriet ihm doch das Glänzen in ihren Augen, dass sie dies schon hatte unzählige Mal tun wollen und dass ihr die Zeichnung seines Stammes bestens bekannt war. Still genoss er das Gefühl, beobachtete jede noch so winzige Regung ihres Gesichtes. Wenn das Prickeln auf Kathryns Lippen sie nicht täuschte, hatten sie sich bereits geküsst. Warum kostete sie es jetzt solche Überwindung, es noch einmal zu tun? Der Umstand, dass sie bei Bewusstsein war? Oder vielmehr die Tatsache, dass ihre Visionen in Bezug auf Chakotays Verhalten vorhersehbar waren? Sie musste riskieren abgelehnt zu werden, obgleich seine bisherigen Handlungen und seine Worte ihr Hoffnung einflößten und vor allen Dingen Mut. Nur ganz wenig hob sie ihm ihren Kopf entgegen, signalisierte damit, dass sie bereit war. Den Rest des Weges kam er ihr entgegen und hungrig verschmolzen ihre Lippen, dieses Mal in voller Absicht. Der Kontakt berauschte ihn, er hätte nicht mehr sagen können, wo oben und unten war, so schwindelte ihn. Atemlos trennte er sich von ihr, seine Hände waren immer noch tief in ihren Haaren vergraben. Seine Unterlippe zitterte vor Erregung und er war unfähig etwas zu sagen. Janeway war es, die zuerst wieder zu ihrer Stimme zurück fand. "Ich habe einen Mann gesehen, der in der Küche Essen entwendet hat. Ich bin mir sicher, dass er etwas mit der Entführung zu tun hat." Sie machte schwache Anstalten sich zu erheben, musste aber ihren angeschlagenen Zustand einsehen und sank ohne Chakotays Einspruch wieder zurück auf den weichen Boden. "Wir müssen ihn finden." "Mach' dir keine Sorgen. Der Doctor hat ermittelt, dass Trewis für die Entführung verantwortlich war. Er wird nicht davon kommen." "Das Baby ...", weiter kam Janeway nicht. Bereits von weitem drangen aufgeregte Rufe an ihre Ohren. Das MHN kam mit eiligen Schritten auf sie zu und störte die traute Zweisamkeit. Ihm folgten Tom Paris, zwei Targaleaner, die Kathryn auf die Entfernung nicht identifizieren konnte, von denen der eine aber in seiner Freiheit beschränkt zu sein schien, und Lieutenant Ayala, der etwas auf dem Arm trug, an dem kein Zweifel bestand, worum es sich handelte. Mühsam stemmte sich Captain Janeway auf ihren linken Unterarm und brachte sich damit in eine würdigere, aufrechte Position. "Gute Neuigkeiten, Captain", rief der holographische Arzt euphorisch und beanspruchte die ganze Ehre für sich, "Wir haben das Baby retten können." "Wie ...? Woher ...?" Janeway fand nicht die richtigen Worte, um ihrer Erleichterung und Freude Ausdruck zu verleihen. "Wo sind der Premierminister, seine Frau und Neelix?", fragte Chakotay, der sich gänzlich aufgerichtet hatte. "Sind sie nicht bei Ihnen?", fragte Tom und drehte sich zurück zum Regierungsgebäude, welches nur noch zum Teil stand. Staubwolken hingen über den Trümmern. "Oh nein! Wir müssen zurück und sie suchen." "Ich begleite Sie, vermutlich werden sie medizinische Versorgung benötigen." Ein besorgter Ausdruck lag auf dem Gesicht des MHNs, dessen Falten zwischen den Augenbrauen tiefer geworden waren. "Ihnen geht es doch soweit wieder ganz gut, Captain, oder?" Die Angesprochene winkte ab, "Machen Sie sich um mich keine Sorgen." Es ging ihr in der Tat schon wieder besser, zwar würde sie keine Berge versetzen können. Aber sie hätte dem holographischen Arzt dieses Mitteilung auch gemacht, wenn es ihr noch nicht entsprechend gegangen wäre. Ihre Bedürfnisse standen immer an zweiter Stelle, zuerst kam ihre Crew. Verträumt glitt ihr Blick zu ihrem Ersten Offizier. Vielleicht würde sich diese Einstellung in Zukunft ändern. Da war sie sich sogar sicher. "Ich bleibe zur Sicherheit bei ihr", versicherte Chakotay sogleich und handelte sich dadurch von Tom einen grinsenden Blick ein. "Und ich werde unseren Freund hier in die P.A.S.-Zentrale bringen", verkündete Major Sebik und hieß Trewis an, weiter zu gehen. "Commander, würden Sie bitte das Baby halten?" Ayala hatte dem Indianer bereits das hilflose Bündel entgegen gestreckt. Noch ehe Chakotay zu einer Antwort ansetzen konnte, hatte er das Baby bereits im Arm, "Ich ... also ... ", er warf irritierte Blicke zwischen Janeway und den sich bereits entfernenden Crewmen hin und her.
"Bitte scannen Sie stets die nähere Umgebung der Voyager, Mr. Rollins", befahl Tuvok und nahm wieder im Sessel des Captains Platz. Der als Pilot nur eingesprungene Lieutenant drehte sich um, "Aber die Sensoren können dunkle Materie nicht orten." "Dessen bin ich mir vollauf bewusst. Bitte achten Sie auf Unregelmäßigkeiten im Raumkontinuum", lautete die für seine Verhältnisse recht unpräzise Anordnung. Er erinnerte sich an einen Bericht einer Außenmission, den er einmal im Zusammenhang mit dunkler Materie gelesen hatte.
"Das dauert viel zu lange", schnaufte Harry Kim, der durch die Sauerstoffmaske nur undeutlich zu verstehen war. Auf allen Vieren krochen die drei Besatzungsmitglieder durch die Jeffriesröhren, denn dadurch dass die Energieversorgung abgeschaltet war, konnten sie nicht mit den Turbolifts in den Hauptmaschinenraum gelangen. "Verschwenden Sie keinen Sauerstoff, Harry. Wir haben nur noch für acht Minuten." B'Elanna führte inzwischen die kleine Gruppe an und hatte auf ihrem Weg den Delta-Flyer kontaktet, damit er ihnen zwei Hochsicherheitsbehälter gefüllt mit Antimaterie hinüber beamte. Inzwischen mussten sie bereits im Maschinenraum materialisiert sein. "Vielleicht haben wir keine acht Minuten mehr", diagnostizierte Seven kühl. Sofort blickte Harry auf seine Sauerstoffanzeige, die jedoch in der Tat noch für acht Minuten Sauerstoff verhieß. "Wie kommen Sie darauf, Seven?" "Nun, der Delta-Flyer verfügt über einen eigenen Vorrat an Antimaterie. Es ist nur logisch, wenn die dunkle Materie von diesem ebenso angezogen wird." B'Elanna zog sich aus der engen Röhre und machte kurz auf der Kreuzung verschiedener Jeffriesröhren Halt. Verdammt! Daran hatte sie noch gar nicht gedacht.
Inzwischen hatte sich Commander Chakotay damit abgefunden, den Babysitter zu spielen und fühlte sich in der Rolle auch ganz wohl. Er hatte sich neben Kathryn nieder gekniet, damit sie ebenfalls einen Blick auf das kleine Mädchen werfen konnte. Gerührt beobachtete sie, wie der Mann, dem ihr Herz galt, das Baby wiegte und ihm leise Wort zuflüsterte, "Du wärest ein wundervoller Vater", rutschte es ihr heraus. Chakotay blickte auf, ihn überkam ein deja vu Effekt, den er nicht erklären konnte, "Das kommt mir irgendwie bekannt vor. Ich meine, es ist vollkommen ausgeschlossen, dass du mir dies schon einmal gesagt hast. Aber dennoch ... Ich werde das Gefühl nicht los." Auf Kathryns Rücken entstand eine Gänsehaut bei seinen Worten. Ja, sie hatte ihm gegenüber bereits diese Äußerung gemacht - In einer Vision vor einigen Tagen. Und das war das Unheimliche daran. Woher konnte er davon wissen? Wie mächtig waren diese Visionen? Entsprangen die Bilder dort nicht nur ihrem Geist? Wie viel ahnte er noch? Sicherlich hatte sie ihm gegenüber nichts mehr zu verheimlichen, jedoch wäre es ihr höchst peinlich, wenn er unterbewusst ihre intimsten Visionen miterlebt hätte. Erneut fingen ihre Wangen an zu glühen und befangen senkte sie den Blick. "Ich weiß, es ist nicht mein Kind ...", begann der Indianer, "... trotzdem fühle ich mich ungemein mit ihm verbunden." Wenn sein Beschützerinstinkt bei einem fremden Baby bereits so stark ausgeprägt war, wie musste es dann erst bei seinen eigenen Kindern sein? Eingehend betrachtete er die attraktive Frau neben sich, die ihm ungewollt verraten hatte, dass sie sich eine Familie mit ihm wünschte. Das war mehr, als er sich jemals erträumt hatte. Jedoch sprach er sie lieber nicht auf dieses Thema an, denn er vermutete, dass es ihr peinlich sein würde. Als ob Kathryn spürte, dass sein Blick auf ihr ruhte, sah sie plötzlich wieder auf und ihre Augen trafen sich. Der Kontakt ließ ihn erzittern. "Möchtest du sie einmal halten?" Fast erschrocken blickte Kathryn ihn daraufhin an, streckte dann aber doch zögerlich die Arme aus. Das Baby akzeptierte den Tausch ohne Schreien und rieb den Kopf genüsslich in dem molligen Wolltuch, in dem es eingewickelt war. Kathryn strich bewegt mit einem Zeigefinger über die Wange der Kleinen, welche nun nach der Brust ihrer Mutter zu suchen schien. "Tut mir leid, bei mir wirst du nichts finden", sprach sie beschwichtigend. In ihren Visionen waren ihre Kinder schon älter gewesen, sie hatte sie nicht aufwachsen sehen. Die Tochter des Premierminister in den Armen zu halten, verstärkte den Wunsch in ihr, ein eigenes Baby zu bekommen. Die Kleine schien ungeduldig zu werden, da sie nichts zu Trinken bekam und streckte die Hände nach allem aus, was sie zu greifen in der Lage war. Gierig packte es Kathryns Finger und führte ihn an seinen Mund, um wenigstens etwas zum Saugen zu haben. "Und du wärest eine wundervolle Mutter", flüsterte Chakotay, der mit einem Lächeln um die Mundwinkel die beiden beobachtete hatte. Liebevoll küsste er Kathryn auf die Stirn.
"Antimaterieflusskonverter." Seven hielt die Hand ausgestreckt und übermittelte damit den Rest der Informationen, die sie nicht ausgesprochen hatte. Harry verzog den Mund, "Bitte", sagte er betont auffällig, um Seven auf ihre Unhöflichkeit hinzuweisen, und gab der Frau das gewünschte Werkzeug. Auch unter der Sauerstoffmaske konnte man sehen, wie die ehemalige Borg die Augenbraue hob. Ihrer Ansicht nach hatte der Fähnrich ein größtmöglichst ungünstiges Timing für den Austausch von Höflichkeiten. "Danke", erwiderte sie daher pikiert, während sie die Flussrate der Antimaterie in dem kleinen Behälter regulierte. "Würden Sie mir bitte den Magnetfeld-Injektor reichen, Fähnrich?", fragte sie betont höflich und warf Harry einen herausfordernden Blick zu. "Sie verhalten sich manchmal mir gegenüber, als sei ich ein besserer Tricorder", beklagte sich Harry und streifte kurz die Hand der blonden Frau, zuckte aber sogleich zurück. Seven seufzte hörbar, während sie das Magnetfeld in der Polarität umkehrte. Sie wusste selbst, dass schwer mit ihr umzugehen war von Zeit zu Zeit, doch dies lag lediglich an dem Umstand, dass in gewissen Situationen ihre Borgmentalität die Oberhand gewann. Etwas, dass sie trotz gewaltiger Anstrengungen immer noch nicht hatte ablegen können. Besonders für Harry Kim tat ihr dies leid, denn etwas regte sich in ihr durch seine traurige Feststellung. Sie wollte nicht, dass er so von ihr dachte. "Wenn dem so war, dann liegt dies lediglich daran, dass Sie ein hervorragender Offizier sind." "Das sagen Sie doch nur, um mich aufzubauen. Entspringt das wieder einer Ihrer Lektionen, die der Doctor mit Ihnen durchgenommen hat?" "Nein, Fähnrich. Ich meinte, was ich sagte und ich finde Sie sehr ... sympathisch."
B'Elanna sah im Augenwinkel, wie Seven und Harry im unteren Teil des Maschinenraumes an einem Torpedo arbeiteten. Sie selbst war in den höher gelegenen Sektor hinauf gestiegen, denn dort befand sich die Einfüllöffnung für die Antimaterie in die Reaktionskammer des Warpkerns. Ihre Sauerstoffanzeige ging bereits in den gelben Bereich und zeigte nur noch vier Minuten an. Dann würde sie jämmerlich ersticken, sollte sie es bis dahin nicht geschafft haben, die Systeme der Voyager mit Energie zu speisen. Die Chefingenieurin drehte den zylindrischen Behälter in ihren Händen, damit sie auf das Kontrollpanel sehen konnte. Routiniert drückte sie eine bestimmte Tastenkombination. Danach drehte sie den Hochsicherheitsbehälter wieder in eine aufrechte Lage, ehrfürchtig hielt sie den Gegenstand vor sich gestreckt. Schweiß rann ihr über die Stirn, als sie mit zitternden Händen, den Sicherheitsstift hinauszog, der im Notfall verhindern sollte, dass unkontrolliert Antimaterie ausströmte. Dies war notwendig, damit sie sie überhaupt umfüllen konnte. Die Sternenflotte hatte diesen altmodisch erscheinenden Sicherheitsmechanismus nach einem verheerenden Unfall eingebaut, bei dem auf einer Schiffseinweihung das gesamte Schiff einschließlich seiner neuen Besatzung förmlich in Fetzen gerissen worden war. Und das nur, weil die Software des dortigen Behälters einen Fehler beinhaltete, der den Austritt der Antimaterie früher als gewünscht ermöglicht hatte. Der Stift konnte nicht von solchen Fehler befallen werden, man konnte ihn nur manuell entnehmen. Den Zylinder weit von sich entfernt haltend näherte sie sich der Einfüllöffnung, die sie bereits ausgefahren hatte. Tom hatte diese einmal mit der Tanköffnung eines urtümlichen Verbrennungswagens verglichen. Bei dem Gedanken an ihren Mann wurde selbst die Halbklingonin sentimental und unwillkürlich fragte sie sich, wie es ihm ging und ob er unversehrt war.
"Sir, ich messe eine Fluktuation im Raumkontinuum von Null Komma Null Null Fünf." Tuvoks Konzentration stieg, wenn dies überhaupt noch möglich war. Die Furchen zwischen seinen Augenbrauen vertieften sich, "Wo?" "Achtern voraus in einer Entfernung von fünftausend Kilometern, schnell näherkommend." "Haben wir Energie für ein Ausweichmanöver?" "Nein, Sir." "Was ist mit der Kommunikation?" "Ebenfalls negativ. Die Energiereserven, die uns vorhin einen Kontakt zum Flyer ermöglichten, sind so gut wie aufgebraucht." Normalerweise kannte Tuvok etwas Derartiges nicht, aber nun regte sich doch so etwas wie Sorge in ihm. Er wusste von der bevorstehenden Katastrophe, vermochte aber nicht das Geringste dagegen zu unternehmen oder seine Kollegen im Maschinenraum zu warnen. "Auf Einschlag vorbereiten, Lieutenant."
Unerwartet und hart bekam die Voyager einen Schlag. Wandverkleidungen wurden zu Boden geschleudert. Leitungen rissen aus der Decke, sprühten jedoch nur wenig Funken, da keine Energie durch ihre Bahnen floss. Lieutenant Torres verlor das Gleichgewicht. Aufgrund der plötzlichen starken Schräglage des Schiffes befand sich das Geländer unterhalb ihres Körperschwerpunktes. Unvermittelt wurde sie hinüber geschleudert und fiel mitsamt dem Behälter Antimaterie. Ihr letzter Gedanke galt nicht ihrem eigenem Leben, sondern befasste sich damit, dass beim Aufschlag des zylindrischen Containers die Voyager in einem gigantischen Feuerball vernichtet werden würde.
Harry Kim, welcher das tragische Schauspiel mit angesehen hatte, tat einen beherzten Sprung und schlug hart mit dem Kinn auf. Doch nur wenige Zentimeter über dem Boden federte er den Fall des Antimaterie-Behälters ab. Die angehaltene Luft entweichen lassend seufzte er und rappelte sich wieder auf. Seven kniete bereits neben der Chefingenieurin, mit der sie sich so oft schon hitzige Debatten geliefert hatte. Leblos lag jene am Boden des Maschinenraums, denn nichts hatte ihren Aufprall gebremst. Die ehemalige Borg nahm die Hand vom Hals der Halbklingonin und blickte entsetzt zu Harry Kim. "Sie ist tot."
"Ich gehe voran", sagte der Arzt der Voyager in einem Tonfall, der keinen Widerspruch duldete. "Sie beide bleiben dicht hinter mir." Langsam betrat er das Regierungsgebäude, gefolgt von Tom Paris und Lieutenant Ayala, die sich mit einem grinsenden Kopfnicken verständigt hatten und dem Doctor den Vortritt ließen. Von der einstmaligen Pracht des Bauwerkes war hier nicht mehr viel zu erkennen. Überall lagen Trümmer, der Boden war mit einer dicken Schicht Staub bedeckt und die Ornamente an den Wänden, die Janeway noch vor wenigen Tagen so sehr bewundert hatte, wiesen tiefe Risse auf. Umgestürztes Mobiliar und Ziergegenstände erschwerten ihnen des weiteren das Vorankommen. "Dort entlang", Ayala wies den Arzt an, rechts einzubiegen, "wir müssen hier den Weg nach unten nehmen. Bedächtig gingen sie Schritt für Schritt vorwärts. Vereinzelt kamen ihnen noch Angestellte der targaleanischen Regierung entgegen, die behaftet mit verschiedenen Blessuren schnellstens den Weg in die sichere Freiheit suchten. Als die drei Crewmitglieder der Voyager die Kellertreppe endlich erreicht hatten, mussten sie feststellen, dass sich diese in einem absolut desolaten Zustand befand. Paris holte seinen Tricorder hervor, um zu scannen, ob sie noch Belastungen verkraften konnte, ohne einzustürzen. Nach einigen Sekunden gab er seinen Bericht bekannt. "Es ist besser, wir gehen einzeln nach unten, sonst kracht das Ding vielleicht noch unter uns zusammen." Unsicher blickte das MHN seine beiden Crewkollegen an, ihm war plötzlich nicht mehr danach, als erster diesen absolut baufällig wirkenden Abgang zu besteigen. Die Feuerleiter, die kurz nach seinem Abstieg in sich zusammengestürzt war, hatte ihm doch einen gehörigen Schrecken eingejagt. Leider musste er realisieren, dass die beiden seine Gedanken erraten hatten und kein Mitleid mit ihm zeigten. "Nach Ihnen, Doctor", wies Tom ihm grinsend den Weg. Vorsichtig, die rechte Hand nicht vom maroden Geländer nehmend, ging der Arzt der Voyager Schritt für Schritt nach unten. Immer wieder warf er einen ängstlichen Blick über die Schulter zurück. Endlich hatte er es geschafft. "Nun kommen Sie schon", wies er, stolz auf sich selbst und seine Leistung, Paris und Ayala an, "es ist ganz einfach." Endlich unten angekommen, suchten sich die drei Crewmitglieder der Voyager schnellstens einen Weg durch die teilweise eingestürzten Gänge. Das letzte Stück mussten sie auf allen Vieren kriechen, um ihr Ziel zu erreichen. Sie hörten nach einer Weile ein leises Rufen und folgten dem Geräusch. Neelix saß auf dem Boden, neben ihm der Agent der Sicherheitstruppe P.A.S., erwartungsvoll blickten sie ihnen entgegen. "Bin ich froh, Sie zu sehen", begann der Talaxianer erleichtert, "wir waren auf dem Weg nach oben, als das Beben stärker wurde. Da hielten wir es für besser, hier auszuharren, da uns dieser Teil des Gebäudes etwas sicherer schien. Außerdem bin ich angeschossen." Er wies mit einem hilfesuchenden Blick zum Arzt der Voyager auf seinen rechten Arm. Der Doctor scannte den selbsternannten Moraloffizier und konnte erleichtert feststellen, dass seine Verletzungen nur oberflächlicher Natur waren. Nach einer kurzen Behandlung konnte Neelix sich aus seiner sitzenden Position wieder erheben. Der Mitarbeiter Major Sebiks, der bisher schweigend neben ihnen gestanden hatte, meldete sich nun zu Wort. "Dort vorne", er wies mit der Hand in die entsprechende Richtung, "ist der Weg versperrt. Der Premierminister und seine Frau müssen noch dahinter sein, ich hoffe, dass sie nicht verschüttet sind." Paris und Ayala folgten der angewiesenen Richtung, kurze Zeit später mussten sie vor einem Berg Steine und Holzbohlen, die aus der Decke bis zum Boden ragten, Halt machen. Ein schnell durchgeführter Scan ergab, dass die aufgehäufte Masse zu dick war, um kurzfristig beiseite geräumt zu werden. Nach einer Untersuchung des Mauerwerks wagten sie es auch nicht, diese mit Phaserschüssen zu öffnen, da die gesamte Konstruktion des Gebäudetraktes durch das Beben zu brüchig geworden war. Sie mussten einen anderen Weg finden, um Turat und Jewar herauszuholen.
Völlig fassungslos, den Antimateriebehälter immer noch mit beiden Armen umschlungen, sah Harry Kim zu B'Elanna und dann wieder zu Seven. Seine Gedanken rasten, er konnte nicht verstehen, was er eben vernommen hatte. Seine alte Freundin sollte tot sein? Die Frau, die er auf der medizinischen Einrichtung der Ocampa kennen gelernt und sie im Laufe der Jahre so sehr schätzen gelernt hatte. Das durfte es nicht geben. "Nein!", schrie er verzweifelt auf, einen Augenblick dachte er an ihren Ehemann, der noch immer auf Targala war und von den schrecklichen Geschehnissen an Bord der Voyager nichts wusste. Wie sollte er Tom diese Nachricht beibringen und die richtigen tröstenden Worte für ihn finden? Seven of Nine hatte sich als erste wieder gefangen. "Fähnrich, wir müssen die Antimaterie umfüllen, sonst sind wir in weniger als drei Minuten ebenfalls tot." Sie blickte auf Kim, der wie gelähmt dastand und starr zu der toten Klingonin blickte. "Harry", rief sie aus, um ihn aus seiner Lethargie zu reißen. Es hatte keinen Sinn, sie nahm ihm den Behälter aus den Händen und lief damit zu der Leiter, die nach oben führte. Die Sauerstoffanzeige bedeutete ihr noch für knapp zwei Minuten Luft. Vorsichtig, den Behälter mit dem linken Arm umschlungen, stieg sie Tritt für Tritt die Leiter hinauf. Endlich oben angekommen musste sie mit Schrecken feststellen, dass das Schiff wieder erzitterte. Ihrer raschen Reaktion war es zu verdanken, dass sie ihr Gleichgewicht anpasste, um nicht zu fallen. "Harry", schrie sie nach unten, "machen Sie endlich den Torpedo fertig. Wir müssen ihn gleich abfeuern." Wie in Trance machte Kim sich auf den Weg, um die angefangenen Arbeiten zu beenden. Seven dockte mit raschen Handgriffen den Antimateriebehälter an der Öffnung an. Sie gab in das für diese Aktion vorgesehene Display ihren Autorisationscode und die entsprechenden Befehle ein. Aufgrund der Anzeigen realisierte sie, dass die Antimaterie rasch in den Warpkern einströmte und diesen wieder mit Energie versorgte. Kurz darauf begann, wenn auch schwach, das bläuliche Farbenspiel der Säule wieder zu leuchten. Die ehemalige Borg blickte auf ihre Sauerstoffanzeige, deren Daten immer besorgniserregender wurden. Das Atmen fiel ihr langsam schwerer und kalter Schweiß bildete sich auf ihrer Stirn.
"Neelix", Tom wandte sich an den kleinen Talaxianer und den Agenten der P.A.S. neben ihm, "Sie beide kommen mit uns. Wir müssen einen anderen Weg finden, um Premierminister Turat und seine Frau zu bergen." Suchend blickte der Pilot der Voyager sich um und ging, gefolgt von den anderen, ein Stück des Korridors zurück. "Sehen Sie den Seitengang dort", der Doctor rempelte Paris beiseite und ging voran, triumphierend blickte er nach wenigen Schritten zurück, "ich hab es doch gewusst, er ist für uns passierbar." Die kleine Gruppe folgte langsam dem Arzt der Voyager, wobei Lieutenant Ayala laufend Werte aus seinem Tricorder abrief, um die Orientierung nicht zu verlieren und um zu prüfen, ob Wände und Decke des Ganges noch stabil genug waren. Ein Stück weiter wurde ihr Fortkommen etwas beschwerlicher, sie mussten über heruntergebrochene Balken und Steine klettern, wobei die langen Tunikas, die sie immer noch trugen, nicht gerade dienlich waren. Paris raffte seine Kleidung einfach vorne zusammen und hob diese hoch, die anderen folgten bald seinem Beispiel. Plötzlich stürzte tosend ein Stück Decke hinter ihnen herunter und behinderte die Sicht der Männer durch eine dichte Staubwolke, die über ihre Köpfe hinwegzog. Hustend und mit brennenden Augen kämpften die fünf Gestalten sich tapfer weiter vorwärts. Gerade wollten sie in einen weiteren Quergang einbiegen, als Paris entdeckte, dass eine Mauer vor ihnen ein Loch aufwies. Er meinte, dahinter ein Geräusch gehört zu haben. Vorsichtig hielt er den Kopf an die Öffnung und leuchtete hinein. "Kommen Sie hier her", rief er über die Schulter, "da drinnen sind die beiden. Helfen Sie mir, wir müssen ein Stück Wand entfernen." Nach kurzer Zeit hatten sie vorsichtig Stein für Stein entfernt und beiseite gelegt. Bald war die Öffnung groß genug, um gebückt hindurch zu treten. Zur Sicherheit stellten sie noch Stützen aus am Boden liegenden Balken auf. Endlich konnte der Arzt der Voyager passieren, sofort kniete er sich neben Premierminister Turat, der mit schmerzverzerrtem Gesicht am Boden lag. Jewar, seine Ehefrau, hatte bis jetzt an seiner Seite ausgeharrt und blickte aus tränenüberströmtem Gesicht hoch. "Mein Kind, haben Sie Ybelinia retten können? Bitte ...", ihre Stimme versagte ihr den Dienst. Ayala war neben sie getreten, er kniete sich zu ihr und legte der Targaleanerin beruhigend die Hand auf die Schulter. "Es ist alles in Ordnung, Captain Janeway und Commander Chakotay kümmern sich um Ihre Tochter." Ungläubig und überglücklich blickte Jewar den ehemaligen Maquis an und sackte dann plötzlich in sich zusammen. "Doctor?", hilflos wandte Ayala sich an den Arzt neben ihm. Nach einem kurzen Scan mit dem medizinischen Tricorder konnte dieser die Anwesenden beruhigen. "Es ist nur eine Ohnmacht, die Ereignisse der letzten Tage waren wohl ein wenig zuviel für sie. Etwas mehr Sorgen bereitet mir ihr Gatte, er wurde ziemlich schwer getroffen." Wieder wandte das MHN sich dem targaleanischen Regierungsoberhaupt zu. "Ich kann ihn im Moment nur stabilisieren und seine Wunde notdürftig versorgen. Ich brauche....", seine Worte wurden durch ein Grollen unterbrochen, der Boden erzitterte leicht, ein weiteres Beben kündigte sich an. "Wir müssen sofort raus hier!"
"Fertig", mit unglaublich traurigen Augen blickte Harry Kim hoch zu Seven of Nine. Durch einen kurzen Blick realisierte der Fähnrich, dass der Warpkern wieder mit Antimaterie versorgt worden war. "Ich reaktiviere die Lebenserhaltung." Rasch betätigte er einige Schaltflächen auf der nächstliegenden Konsole, wobei er versuchte, so flach wie möglich zu atmen. Der ohnehin knapp bemessene Sauerstoffvorrat seiner Atemmaske war so gut wie aufgebracht. Seven of Nine war in der oberen Etage des Maschinenraumes verblieben, ein Abstieg wäre bei der wenigen noch vorhandenen Atemluft nicht ratsam gewesen. Erwartungsvoll blickte sie nach unten. Sie sah, wie der junge Asiate nach einem letzten prüfenden Blick auf das Display vor ihm die Maske abnahm und tief die Luft einsog. Sofort tat sie es ihm gleich und machte sich rasch auf den Weg nach unten. Im Absteigen rief sie ihm zu. "Harry, wir brauchen sofort die Transporter, der Torpedo muss in die Abschussrampe gebeamt werden." Fähnrich Kim war bereits mit den Vorbereitungen hierfür beschäftigt. Kurz bevor Seven neben ihm stand dematerialisierte der modifizierte Torpedo und war aus ihrer beider Blickfeld verschwunden. "Kim an Brücke." Durch den neuen Vorrat an Antimaterie war auch endlich wieder die Kommunikation aktiv geworden. "Tuvok hier." "Der Torpedo ist feuerbereit in der Abschussrampe." "Verstanden." Abwartend standen die beiden, Seven of Nine und Harry Kim, im Maschinenraum. Der Fähnrich drehte den Kopf und blickte erschüttert zu Torres, die noch immer mit verrenkten Gliedmaßen am Boden lag, wo sie vor wenigen Minuten aufgeschlagen war. Wie von einem inneren Zwang getrieben, ging er langsam zur ihr und kniete sich neben sie. "B'Elanna", war das einzige Wort, das er mit brüchiger Stimme über die Lippen brachte.
Commander Tuvok und Lieutenant Rollins standen gemeinsam in der bis auf sie beide menschenleeren Brücke der Voyager an der taktischen Station. "Können Sie das Ziel lokalisieren?", fragte der Vulkanier ohne den Blick von seinem Arbeitsfeld zu heben. "Die Anomalie befindet sich in Torpedoreichweite, allerdings kann ich sie nur in einem Radius von zweitausend Kilometern ausmachen." "Das genügt, ich feuere Torpedo." Der Sicherheitschef der Voyager betätigte einige Schaltflächen auf seiner Konsole, während Rollins die Daten auf dem Display vor ihm weiter konzentriert beobachtete. Ein kurzes Bestätigungssignal ertönte, welches meldete, dass das Geschoss die Voyager verlassen hatte. Gespannt blickten beide abwechselnd auf den Hauptbildschirm und ihre Konsolen. Nach wenigen Augenblicken war die Detonation in einem faszinierenden visuellen Lichterspiel zu vernehmen. "Achtung, Druckwelle", schrie Rollins noch, ehe die Voyager wie ein Spielball umher geschleudert wurde. Beide Offiziere konnten sich nicht mehr festhalten und landeten unsanft auf dem Boden. Durch die marode Energieversorgung konnten die Trägheitsabsorber ihre Funktion nicht ausreichend erfüllen. Mit aller Kraft zogen sie sich wieder hoch. Kurz darauf erzitterte das Schiff erneut und ließ die beiden wieder zu Boden stürzen. Sie warteten einige Sekunden ab, um dann, nachdem offenbar Ruhe eingekehrt war, wieder aufzustehen. Tuvok rief sofort die laufenden Daten ab und führte einen ausgedehnten Scan des Raumkontinuums durch. "Die Fluktuation ist nicht mehr zu verzeichnen, die Singularität ist kollabiert", gab er bekannt, als ob der den Wetterbericht vorlesen würde. Erleichtert atmete Rollins tief durch, um dann die Meldung an den Maschinenraum zu geben.




