
Der Artikel stammt von der 3Sat Homepage (tj)
Onlinespiele sind ein erfolgreiches Geschäftsmodell. Die Spieler bleiben über Jahre treu – wenn das Spiel gut ist. Dieser Tage erscheint mit Star Trek Online ein weiteres Onlinespiel und noch dazu eines mit einem bekannten Namen und großer Fan-Gemeinde. Ist Star Trek Online ein großer Wurf oder eher eine lahme Ente? Das lässt sich bei einem komplexen Onlinespiel oft erst nach einiger Laufzeit feststellen. In einer mehrmonatigen Testphase hatten Spieler weltweit die Gelegenheit, Star Trek Online auszuprobieren. Wir haben beim ältesten deutschen Star Trek Fanclub vorbei geschaut und sie nach ihrem Eindruck gefragt. Augsburg, nahe des Universitätsgeländes. Hier hat der offizielle deutsche Star Trek Fanclub sein Büro. Seine Wurzeln des reichen zurück bis 1976. Entsprechend findet sich hier ein riesiges Sammelsurium an Star Trek Devotionalien. Der Club gibt ein Magazin heraus, verkauft Star Trek Merchandise und organisiert große Conventions für Star Trek Fans - in Deutschland und sogar weltweit. Einer der Köpfe ist Dirk Bartholomä. An Star Trek fasziniert ihn, dass die Science Fiction Serie immer schon kontroverse (und durchaus irdische) Themen aufgenommen hat, wie Rassismus oder gleichgeschlechtliche Liebe. Star Trek betont immer wieder Toleranz.
Bartholomä und viele andere Club-Mitglieder haben in den letzten Wochen intensiv Star Trek Online gespielt. Praktisch alle Onlinespiele werden vor dem offiziellem Starttermin in einer Beta-Phase getestet. Spieler können sich kostenlos anmelden und spielen – für den Hersteller ein wichtiger Stresstest. Bei einem so bekannten Namen wie Star Trek Online darf man die Fans nicht enttäuschen und die gucken ganz genau hin. Dirk ist bisher sehr angetan: Die Geschichte sei gut erzählt, Look and Feel stimmen und die Quests seien unterhaltsam.
Zu Beginn entscheidet man sich für eine Spezies, ob Männlein oder Weiblein sowie eine Klasse: Wissenschaftler, Taktiker oder Techniker. Allerdings ist man hier noch nicht allzu sehr festgelegt, anders als beispielsweise beim Genre-König World of Warcraft. Jede der drei wählbaren Klassen bei Star Trek Online kann auch kämpfen. Insgesamt ist das Star Trek Universum ja ein eher wissenschaftlich geprägtes. Und: Es geht immer auch um ganze Besatzungen. Daher ist man als Spieler Kapitän eines Raumschiffes. Man kann also nicht nur seinem Charakter einen Namen geben, sondern auch seinem Schiff. Zusätzlich sucht man sich nach und nach eine Crew aus Brückenoffizieren zusammen. Die ist allerdings computergesteuert, alles andere wäre etwas schwierig. Diese Offiziere erfüllen eine wichtige Rolle in Raumschlachten und Außenmissionen.
Seinen Charakter kann man übrigens von der Sohle bis zum Scheitel (falls vorhanden) anpassen: Hautfarbe, Haarfarbe, Tätowierung, Schulterbreite, Fingerlänge, Bäuchlein oder schmale Taille. Zusätzlich kann man Eigenschaften auswählen wie kaltschnäuzig oder ähnliches. Selbst eine eigene kleine Biographie kann man seinem Charakter erfinden und so eine sehr individuelle Figur erschaffen. Hat man sich für einen Charakter entschieden, wird man nicht lange mit Unnötigem aufgehalten. Man landet mitten in einem Borgangriff, bekommt den ersten Auftrag und los geht’s.
Wer Star Trek kennt, weiß: Die Borg sind alte Erzfeinde der Föderation. Und sie greifen mit einer großen Streitmacht an, just, wenn der Spieler sein Leben als Avatar beginnt. Es gibt bereits einige Onlinespiele auf dem Markt, mal mehr, mal weniger erfolgreich. Planbar ist der Erfolg bis zu einem gewissen Grad. Bei den Machern, den Cryptic Studios, herrscht derzeit rege Betriebsamkeit. Dem Internet und kostenlosen Videotelefonie-Software sei dank: Für ein Video-Interview fand Craig Zinkievich, ausführender Produzent von Star Trek Online, genügend Zeit: „Es gibt natürlich eine Riesenliste, wie man ein erfolgreiches MMO [Onlinespiele für tausende Spieler] machen muss. Die wichtigste Sache ist sicher: Stell sicher, das du herausforderndes Gameplay bietest. Bei diesen MMOs gehts vor allem darum, mit Freunden zu spielen, Orte zu haben, an denen man auch einfach abhängen kann. Man muss sicherstellen, das Spieler die Wahl haben, was sie tun möchten, das es eine gute Auswahl gibt, verschiedene Dinge tun zu können – fokussiere vor allem auf die sozialen Aspekte!“
Lupe Das gemeinsame Spielen ist es, was Onlinespiele so anziehend macht, Teil einer großen, lebendigen Spieler-Community zu sein. Diese Art des Spielens entfaltt eine ganz eigene Dynamik und vor allem lässt sie ein Spiel erst richtig lebendig werden. Die Spieleschmiede Cryptic hat Erfahrung mit dem Genre, sie haben mit City of Villains und City of Heroes bereits zwei gemacht. Das Feedback der ersten Spieler während der Testphase ist für die Entwickler nicht nur enorm wichtig, es macht ihnen auch einfach Spaß: Craig Zinkievich: “Das Feedback war großartig, überwältigend! Die Besonderheit am MMO ist ja, das wir sehen können, wie die Spieler spielen, was sie im Spiel machen, zum Beispiel so witzige Dinge wie Tanz- und Geschichten-Wettbewerbe. Die Testphase hat uns viel Spaß gemacht.”
Die Weltraum-Schlachten sind natürlich ein wichtiger Teil des Spiels. Gleichzeitig hat das Star Trek Universum hat einen sehr wissenschaftlichen Fokus. Entsprechend sind die Schlachten im All aufgebaut. Craig Zinkievich: „Wir wollten, das es sich wirklich wie Star Trek anfühlt, es geht nicht um Mann gegen Mann, sondern um Geschwindigkeit, Position, die richtigen Waffensysteme, Schilde. Es ist ein langsameres Tempo, sehr strategisch orientiert.”
Die überwiegende Mehrheit der Onlinespiele haben eine Fantasy-Kulisse. So gesehen bietet das ehrwürdige Star Trek etwas Neues. EVE Online ist das einzige größere Onlinspiel, dass ebenfalls in einem Science Fiction Universum spielt. Allerdings setzt Star Trek Online auf eine etwas leichtere Spielbarkeit. In diesem Jahr soll mit Star Wars noch ein weiterer großer Name online gehen. 2010 wird ein gutes Jahr für Freunde ferner Planeten und Raumschiffe...




